Beiträge mit dem Schlagwort ‘Jennifer Lopez’

Scrat im Weltall

Fabian Kern am Mittwoch den 29. Juni 2016

«Ice Age: Collision Course» läuft ab 30.6. in Basel.

«Ice Age: Collision Course» läuft ab 30.6. in Basel.

Ist es der vierte oder schon der fünfte Teil? So und ähnlich fallen die Reaktionen auf den neusten Ice Age aus. Man scheint also nicht allein zu sein mit einem Mangel an Enthusiasmus für weitere Geschichten mit Manny, Sid und Co. Und offenbar scheint den Machern Ähnliches zu geschehen. War der geniale erste Teil von Ice Age vor mittlerweile stattlichen 14 Jahren ursprünglich geschichtlich doch noch einigermassen an die Frühgeschichte der Erde geknüpft, kann man das von «Ice Age: Collision Course» beim besten Willen nicht mehr behaupten. Im fünften Teil – ja, es ist schon der fünfte! – sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Leider zum Nachteil für den Zuschauer. Zumindest für jene, die Wert auf eine Story legen.

Zusammen sind sie stark: Buck führt die Helden an.

Zusammen sind sie stark: Buck führt die Helden an.

Unsere Hauptdarsteller sind nach all den Aufregungen im gesellschaftlichen Alltag angekommen. Mammut Manny (Ray Romano) und Ellie (Queen Latifah) haben mit Peaches (Keke Palmer) erfolgreich eine Tochter gross gezogen, während Diego (Denis Leary) und seine Säbelzahntiger-Dame Shira (Jennifer Lopez) noch über Nachwuchs nachdenken. Nur Sid (John Leguizamo), das tapsige Faultier, hat in der Liebe kein Glück. Doch Liebe kann auch Probleme bringen, wie Manny erfahren muss. Sein Töchterchen ist verliebt in Julian (Adam Devine), der nach Meinung des stolzen Papas so gar nicht taugt als Beschützer und Familienoberhaupt. Doch mitten hinein in die nur allzu menschlichen Probleme platzen unangenehme Neuigkeiten: Ein riesigen Meteorit fliegt auf die Erde zu, womit den Säugetieren dasselbe Schicksal droht wie einst den Dinosauriern.

Die beiden Chaoten dürfen natürlich auch nicht fehlen: Eddie und Crash.

Die beiden Chaoten dürfen natürlich auch nicht fehlen: Eddie und Crash.

Zur Lösung des Problems erscheint ein neuer Charakter auf der Bildfläche – wortwörtlich. Das verrückte Wiesel Buck (Simon Pegg) findet den Weg aus dem Erdinnern – Jules Verne lässt grüssen – auf die Oberfläche zurück und steht unseren Helden zur Seite. Leider lockt er damit auch drei böse geflügelte Saurier an die frische Luft, die nicht nur ihm nach dem Leben trachten, sondern auch die ganze Aktion zur Rettung der Erde sabotieren wollen. Spätestens an diesem Punkt wird die Geschichte wirr. Nicht, dass man von einem Animationsfilm historische Genauigkeit erwartet, aber vor lauter Nebenschauplätzen muss man sich anstrengen, den roten Faden nicht zu verlieren.

Findet Sid in der schönen Brooke doch noch seine Seelenverwandte?

Findet Sid in der schönen Brooke doch noch seine Seelenverwandte?

Zu diesen Störfeuern muss man leider auch Scrat zählen, den heimlichen Star dieser Reihe. Das Säbelzahneichhörnchen hat sich auf der fieberhaften Jagd nach seiner geliebten Eichel ins Weltall verloren, wo es mithilfe eines Ufos nicht nur die Planeten und Sterne platziert, sondern den tödlichen Meteoriten erst auf Kurs bringt. In Sachen Präsenzzeit und Klamauk werden Scrats Auftritte dermassen übertrieben, dass es mit der Zeit nur noch nervt. Die Reihe ist nur noch für echte Fans – oder um auf die eingangs gestellte Frage zu antworten: Hoffentlich ist es der letzte Teil.

«Ice Age: Collision Course» läuft ab 30. Juni 2016 in den Basler Kinos Capitol, Rex und Pathé Küchlin.

Weitere Kinostarts in Basel am 30. Juni: High-Rise, Soy Nero, Le goût des merveilles, Théo et Hugo dans le même bâteau.

Ben Afflecks grosser Wurf

Fabian Kern am Mittwoch den 7. November 2012

Argo

«Argo» läuft ab 8. November im Pathé Küchlin und im Rex.

Als Ben Affleck 1998 mit seiner Rolle im Blockbuster «Armageddon» in die erste Schauspiel-Riege Hollywoods aufstieg, war den Wenigsten bewusst, dass der wie fürs Heldenkino gemachte Kalifornier noch viel mehr auf dem Kasten hat. Bereits ein Jahr zuvor war er zusammen mit seinem Kumpel Matt Damon für das brillante Drehbuch zu «Good Will Hunting» mit einem Oscar ausgezeichnet worden. Doch damit waren die filmischen Ambitionen des Ex-Manns von Jennifer Lopez noch nicht befriedigt. Auch der Regiestuhl lockte. Mit dem beklemmenden Thrillerdrama «Gone Baby Gone» legte Affleck 2007 ein überzeugendes Debüt als Regisseur hin, das er drei Jahre später mit dem Copthriller «The Town» bestätigte. Und nun liefert der 40-Jährige mit «Argo» sein Meisterstück ab.

Tony Mendez und die Flüchtlinge

Tony Mendez paukt mit den Flüchtlingen den Auftritt als Filmcrew. (Bilder: Warner Bros.)

Im November 1979 stürmten in Teheran iranische Studenten die amerikanische Botschaft und nahmen die gesamte Belegschaft in Geiselhaft. Doch sechs Personen gelingt die Flucht. Der kanadische Botschafter gewährt den je drei Männern und Frauen Unterschlupf. Doch damit sind die Amerikaner noch nicht in Sicherheit. Sobald die Iraner merken, dass einige Leute fehlen, würden sie sie mit allen Mitteln jagen und öffentlich hinrichten, um den Ernst ihrer Forderung nach der Auslieferung des Schahs zu unterstreichen. Also muss ein Rettungsplan her. Die Verantwortlichen der CIA entwerfen Szenarien von einer Ausreise mit falschen Papieren als Lehrer bis zu einer Flucht auf Fahrrädern. Bis Agent Tony Mendez (Ben Affleck) eine noch abenteuerlichere Idee vorstellt: Er möchte als Produzent eines fiktiven Science-Fiction-Films mit dem Titel «Argo» nach Teheran fliegen, die sechs Amerikaner als seine kanadische Filmcrew ausgeben und mit gefälschten Pässen ausreisen. Dabei riskiert Mendez aber nicht nur die Leben der Botschaftsangestellten, sondern auch seinen eigenen Kopf. «Das ist die beste schlechte Idee, die wir haben. Mit Abstand», verteidigt Mendez’ Mitstreiter Jack O’Donnell (Bryan Cranston) das vermeintliche Himmelfahrtskommando vor seinen Vorgesetzten.

John Chambers und Lester Siegel

Spassvögel: John Chambers und Lester Siegel.

Der Plot liest sich wie eine Politfarce über ein ernstes Thema. Der Clou daran ist aber: Alles hat sich so zugetragen. Manchmal schreibt das Leben die verrückteren Geschichten als die Drehbuchautoren der Traumfabrik. Wie Affleck nun diese Geschichte inszeniert, ist stark. Er schafft es, zwischen ernst und lustig hin- und herzuwechseln, ohne dabei die Spannung zu verlieren oder ins Lächerliche abzudriften. Ernst, das sind die Geiseln mit ihrer klaustrophobischen Todesangst in Teheran. Lustig, das sind die Szenen in Hollywood. Die CIA muss, um die Tarnung perfekt zu machen, einen Film promoten und bewerben, der nie gemacht wird. Dazu werden mit grossem Aufwand Setdesigns und Kostüme entworfen und ein riesiger Medienhype um die Mogelpackung veranstaltet. Mendez’ eingeweihte Verbündete in der Filmbranche sind der Maskenbildner von «Planet der Affen» John Chambers (John Goodman) und Produzent Lester Siegel (Alan Arkin). Die beident Routiniers Goodman und Arkin verkörpern das Filmbusiness mit viel Lust und Ironie und lockern so den dramatischen Plot auf.

Ben Affleck

Auch hinter der Kamera stark: Ben Affleck.

Zugegeben, Affleck hat sich mit der Geschichte um Tony Mendez, die wegen Geheimhaltung erst Ende der Neunziger Jahre bekannt wurde, eine tolle Vorlage gesichert. Er hat diese aber in einen packenden Thriller umgemünzt, der einem ohne Actionszenen bis am Schluss an den Nerven zerrt. Und sogar die gute alte Swissair erlebt eine kurzzeitige Auferstehung. Für einmal lohnt es sich aber auch, für den Abspann noch sitzen zu bleiben, denn dort werden die Fotos der echten Beteiligten am Geiseldrama gezeigt. Und erst da wird einem richtig bewusst, wie nahe sich der Film an der Realität orientiert hat. Chapeau, Mr. Affleck!

«Argo» läuft ab 8. November in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.

Affenpiraten und ein Hauch von Twilight

Fabian Kern am Montag den 2. Juli 2012

Ice Age 4 - voll verschoben

Ice Age 4 läuft ab 2. Juli im Pathé Küchlin in Basel.

Man sollte meinen, das Konzept von Ice Age habe sich langsam abgenutzt: Die Abenteuer der ungleichen Urzeithelden Manny (Originalstimme Ray Romano), Diego (Denis Leary) und Sid (John Leguizamo), ergänzt von den Slapstickeinlagen des Säbelzahn-Eichhörnchens Scrat. Doch Drehbuchautor Michael Berg zeigt sich auch im vierten Teil der Animationsreihe, zehn Jahre nach dem Auftakt, noch inspiriert. Natürlich taut es immer noch, das Eis der Eiszeit. Aber nachdem sie sich im schwächeren dritten Teil erfolgreich gegen Dinosaurier zur Wehr gesetzt haben, müssen sich Mammut, Säbelzahntiger und Faultier mit der Kontinentalverschiebung herumschlagen. Genauer gesagt, mit deren verheerenden Auswirkungen.

Die Piraten

Die Piratenbande mit Shira (3.v.l.), angeführt von Captain Gutt (mitte). (Bilder: 20th Century Fox)

Manny wurde durch die Erdbewegungen von seiner Familie getrennt und treibt mit seinen Freunden auf einer Eisscholle aufs Meer hinaus. Um seine Frau Ellie und die sich mit den Tücken der Pubertät herumschlagenden Tochter Peaches (Keke Palmer) zu retten, muss das Woll-Mammut aber erst einmal die rücksichtslose Piratenbande um den Orang-Utan-Anführer Captain Gutt (Peter Dinklage) besiegen. Währenddessen muss sich Diego einer ungewohnten Herausforderung stellen: Dem notorischen Single verdreht Säbelzahntiger-Dame Shira (Jennifer Lopez) tüchtig den Kopf.

Louis und Peaches

Dicke Freunde: Maulwurf-Igel Louis (links) und Mammut-Teenie Peaches.

Frischen Wind in die Geschichte bringen aber vor allem die neuen Charaktere. Mammut-Teenie Peaches, ihr bester Freund Louis, der Maulwurf-Igel, und vor allem Sids unverwüstliche Grossmutter sind eine Bereicherung für den digitalen Cast. Zum jugendlichen Thema der Geschichte um Peaches passen auch die deutschen Synchronstimmen: Annina Braunmiller spricht Peaches, Johannes Raspe leiht ihrem Schwarm Ethan seine Stimme und Max Felder Louis. Die Namen mögen nicht bekannt vorkommen, umso mehr aber deren berühmteste Sprechrollen: Bella Swan, Edward Cullen und Jacob Black, die Protagonisten der Twilight-Saga. Damit punktet man bei der Zielgruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die vielleicht als Kinder den ersten Teil von Ice Age gesehen haben.

Scrat

Säbelzahn-Eichhörnchen Scrat auf der Suche nach «Scratlantis».

Und auch die 3D-Version des Films macht für einmal Sinn. Die Rutschpartien, Flugeinlagen und Verfolgungsjagden ziehen den Zuschauer noch viel mehr in ihren Bann als bisher. Und selbstverständlich muss man auch im neusten Abenteuer nicht auf Scrat verzichten. Seine verzweifelte Jagd nach der Eichel führt den Nager endlich ans Ziel. Aber selbst im gelobten Land namens «Scratlantis» kann Scrat seine selbstzerstörerischen Instinkte nicht im Zaum halten. Aber er ist es sich ja gewohnt, dass sein Trieb die Welt in ihren Grundfesten erschüttert.

In Anlehnung an den Stummfilm «The Artist» noch ein Trailer zu Scrats Ehren: «The Scratist».