Beiträge mit dem Schlagwort ‘James Bond’

Geheimer als James Bond

Fabian Kern am Mittwoch den 11. März 2015

«Kingsman» läuft ab 12.3. in Capitol und Küchlin.

«Kingsman» läuft ab 12.3. im Capitol und im Küchlin.

Frage: «Warum nennst du deinen Hund JB? Steht das für James Bond oder für Jason Bourne?» Antwort: «Für Jack Bauer.» Dieses kurze Gespräch zwischen Arthur (Michael Caine) und Gary «Eggsy» Unwin (Taron Egerton) zeigt: Eggsy ist nicht in eine Schublade zu stecken. Er selbst kämpft mit dem Label «Unterschicht», das ihm auf der Stirn zu kleben scheint. Von seinem jähzornigen und handgreiflichen Stiefvater klein gehalten, hat er die Hoffnung auf eine anständige Zukunft aufgegeben. Stattdessen schlägt sich der eigentlich überdurchschnittlich intelligente junge Mann mit dumpfen Kleinkriminellen herum – bis ein Mann im feinen Zwirn auftaucht, mit Schirm und Charme. Nur die Melone fehlt für die Anlehnung an einen britischen Agenten-Klassiker. Aber vielleicht wird «Kingsman: The Secret Service» ja selbst zum modernen Klassiker.

Mentor und Schützling: Galahad und Eggsy

Mentor und Schützling: Galahad und Eggsy.

Dem Mann ist Eggsy schon einmal begegnet. Als kleiner Junge kam der Mann zu ihm nach Hause und teilte ihm und seiner Mutter mit, sein Vater sei als Held im Geheimdienst gestorben. Als Erinnerung erhält Eggsy ein Amulett mit einer eingravierten Nummer, die er wählen soll, wenn er Hilfe braucht. Als er in Untersuchungshaft sitzt, setzt Eggsy den einen erlaubten Telefonanruf dazu ein, diese Nummer zu wählen und ist im Handumdrehen frei. Aber nicht ohne Bedingung: Harry Hart alias Galahad (Colin Firth) möchte ihn zu den Eintrittsprüfungen zu «Kingsman» aufbieten. Das ist eine so geheime Organisation, dass sie nicht einmal die internationalen Geheimdienste kennen. «Wir sind die Ritter unserer Zeit», erklärt Arthur, der Vorsitzende der an die König-Arthur-Sage angelehnten Tafelrunde. Die Anzug und Krawatte sind die Rüstungen der modernen Kreuzritter, der Schirm ihr Schild und die Pistole ihr Schwert. Weil Lancelot (Jack Davenport) dem ebenso genialen wie grössenwahnsinnigen Technik-Genie Richmond Valentine (Samuel L. Jackson) zum Opfer gefallen ist, braucht die Tafelrunde Nachwuchs. Im harten Casting auf einem alten englischen Landsitz muss sich Eggsy deshalb erst einmal gegen die aristokratische Elite durchsetzen, bevor er die Welt retten kann.

Auf ein Gläschen mit dem Chef: Eggsy und Arthur.

Ein Gläschen mit dem Chef: Eggsy und Arthur.

Matthew Vaughn («Kickass», «X-Men: First Class») versucht mit «Kingsman» nichts weniger als einen Spagat: einen Agentenfilm, der Action, Thriller und Komödie vereint. Ein hoher Anspruch – dem der Film aber tatsächlich gerecht wird. «Kingsman» hätte leicht ins Lächerliche abgleiten können, mit dem steifen Colin Firth, der dem pöbelnden Nachwuchstalent Taron Egerton Manieren und Biss vermitteln will. Doch Vaughn fügt auch ernste und beinharte Szenen ein, die den Zuschauer überraschen, aber nicht vor den Kopf stossen. Die Inszenierung kommt leichtfüssig und nicht einmal überdreht, obwohl die mit tödlichen Prothesen wirbelnde Sofia Boutella und der mit einem nervigen Lispeln ausgestattete Samuel L. Jackson eigentlich ein lächerliches Bösewichte-Duo abgeben. Natürlich hilft der Einsatz von britischen Elite-Darstellern wie Michael Caine, Colin Firth und Mark Strong (als Merlin, dem «Q» der Kingsmen), aber dennoch ist es beachtlich, wie unterhaltsam «Kingsman» daherkommt. Während Daniel Craig als 007 eher tiefere Jahrgänge bei der Stange hält, bekommt nun auch die Jugend ihr Agenten-Idol. «Kingsman» hat das Zeug zur Erfolgsreihe.

«Kingsman: The Secret Service» läuft ab 12. März in den Basler Kinos Capitol und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 12. März: Cinderella, La famille Bélier, Leviathan.

Einer für alle, alle für Beethoven

Fabian Kern am Mittwoch den 27. März 2013

Filmplakat

«A Late Quartet» läuft ab 28.3. im kult.kino Atelier.

E-Musik ist – wie das «E» schon verrät – eine ernste Angelegenheit. Zu ernst, als dass ein Laie sich trauen würde, darüber zu schreiben. Deshalb soll an dieser Stelle nicht die Qualität im Fokus stehen, mit der in «A Late Quartet» die Saiten gestrichen und gestreichelt werden, sondern die Geschichte, die darum herum erzählt wird. Und diese ist nicht nur aus dem Leben gegriffen, nein, sie ist das ungeschminkte Leben. Liebe, Leidenschaft und Hingabe gehören ebenso dazu wie unterdrückte Gefühle, Eifersucht und Geltungsdrang. Der deuschte Meisterkomponist Ludwig van Beethoven hätte seine helle Freude daran gehabt, dass sein Opus 131 Auslöser solch heftiger Emotionen sein kann.

Daniel, Peter, Juliette und Robert

Erfolgsquartett auf dem Prüfstand: Daniel, Peter, Juliette und Robert. (Bilder Pathé)

Ausgangspunkt für die Turbulenzen im Leben einer Handvoll Menschen ist wie so oft eine Diagnose. Bei Peter Mitchell (Christopher Walken) wird Parkinson im Frühstadium entdeckt. Das allein wäre schon verheerend genug, weil Mitchell aber der Cellist eines weltberühmten New Yorker Streichquartetts ist, sind auch die anderen drei Mitglieder vom drohenden Karriereende Mitchells betroffen. Als er sich in der Gruppe outet, tritt er eine Lawine an Ereignissen los. Robert Gelbart (Philip Seymour Hoffman) wittert seine Chance, endlich aus dem Schatten von Daniel Lerner (Mark Ivanir) herauszutreten und die erste Geige zu spielen – wortwörtlich gemeint. Derweil akzentuieren sich seine Eheprobleme mit Juliette (Catherine Keener), der vierten im Quartett. Als schliesslich die gemeinsame Tochter Alex (Imogen Poots) auch noch ihrem Lehrmeister Daniel eindeutige Avancen macht, droht das Quartett auseinanderzubrechen und Mitchells Wunsch auf einen letzten gemeinsamen Auftritt zunichte zu machen.

Juliette und Robert

Eheprobleme: Juliette und Robert.

Alex

Verliebt in ihren Lehrer: Alex.

Yaron Zilberman ist ein Glückspilz. Welcher Regisseur kann bei einem Spielfilm-Debüt schon auf so einen vorzüglichen Cast zurückgreifen? Dennoch gilt es, neben dem gewohnt brillanten Seymour Hoffman speziell Christopher Walken herauszuheben. Der Mann ist ein Ereignis. Ob er James Bond im Silicon Valley den Garaus machen will, dem kleinen Bruce Willis mit feierlichem Ernst erzählt, er habe die Armbanduhr dessen Vaters zwei Jahre lang in seinem Arsch aufbewahrt, oder als kopfloser Reiter Johnny Depp zu Tode erschreckt – das unverwechselbare Gesicht des mittlerweile 70-jährigen New Yorkers zieht einen unweigerlich in seinen Bann. In «A Late Quartet» zeigt Walken die Schwierigkeiten eines erfolgsgewohnten Manns, mit einer Diagnose umzugehen, die ihm komplett den Boden unter den Füssen wegzieht, mit feinem Mienenspiel: Unspektakulär, aber präzis und absolut glaubwürdig.

Peter

Spektakulär unspektakulär: Christopher Walken als an Parkinson erkrankter Peter Mitchell.

«A Late Quartet» mag eine Hommage an van Beethovens Opus 131 sein und auch ein wenig an New York, aber in erster Linie ist es ein Film über sehr menschliche Menschen, die sich mit Leib und Seele ihrer Leidenschaft verschreiben. Man muss nichts von E-Musik verstehen, um diesen Film wirklich gut zu finden.

«A Late Quartet» läuft ab 28. März 2013 im kult.kino Atelier.

Weitere Filmstarts in Basel am 28. März: Identity Thief , G.I. Joe: Retaliation, Mutlu Aile Defteri, Sâdhu.