Beiträge mit dem Schlagwort ‘Jake Gyllenhaal’

Der Berg hat immer das letzte Wort

Fabian Kern am Mittwoch den 16. September 2015

«Everest 3D» läuft ab 17.9. im Rex und im Küchlin.

«Everest 3D» läuft ab 17.9. in Rex und Küchlin.

Hoch hinaus zu wollen ist ja schön und gut – in allen Lebensbereichen. Aber was will man in einer Höhenlage, für die der menschliche Körper einfach nicht geschaffen ist, ausser sich wortwörtlich den Tod holen? Wer nicht selbst die Besteigung eines 8000ers auf der ganz persönlichen Bucket List hat, kann dies wohl nicht nachvollziehen. Und unter jenen 14 Bergen, welche diese magische Marke übertreffen, ragt einer noch heraus: der Mount Everest. Der magische Gipfel stellt mit 8848 Metern über Meer das Dach der Welt dar und zieht Tausende Bergsteiger rund um den Globus in seinen Bann. Doch die Frage bleibt: Warum tut man sich das an? Sich, seinem Körper und seinen zu Hause bangenden Liebsten?

Expeditionschef I: der Neuseeländer Rob Hall.

Expeditionschef I: der Neuseeländer Rob Hall.

Geld für Ruhm: Beck Weathers.

Geld für Ruhm: Beck Weathers.

Die Antwort darauf interessiert auch Jon Krakauer (Michael Kelly). Um sie zu erfahren, schliesst sich der Journalist des «Outside Magazines» im Jahr 1996 der Gruppe des Neuseeländers Rob Hall (Jason Clarke) an. Dieser führt kommerzielle Expeditionen auf den Everest durch. Für schlappe 65’000 Dollar ist man dabei – wenn man über genügend Erfahrung am Berg sowie die nötige Fitness verfügt. Genau den gleichen Tag für die Besteigung, den 10. Mai, hat sich ein konkurrierendes Unternehmen aus Seattle ausgesucht. Dieses wird vom extrovertierten Scott Fisher (Jake Gyllenhaal), dem Lebemann unter den renommierten Bergsteigern geführt. Die Stimmung im dicht besiedelten Basislager auf rund 5500 Metern über Meer gleicht deshalb eher einem Ferienlager als einer seriösen Alpinistengruppe.

Atemberaubendes Panorama: Auf dem Weg zum höchsten Gipfel der Welt.

Atemberaubendes Panorama: Auf dem Weg zum höchsten Gipfel der Welt.

Expeditionschef II: Scott Fisher.

Expeditionschef II: Scott Fisher.

Die beiden Gruppen kommen sich in den Wochen, während denen man sich vom auf rund 5500 Metern hoch gelegenen Basislager auf die höchst anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet, immer wieder in die Quere. Als Beck Weathers (Josh Brolin) aus Halls Gruppe beinahe abstürzt, weil zu viele Leute die Aufstiegsroute blockieren, beschliessen die beiden Anführer, zusammen zu arbeiten. Doch geteilte Organisation heisst nicht, dass die Besteigung nun einfacher wird. Die Wetterlage im Himalaya-Gebirge ist instabil, ein vorzeitiger Abbruch droht. Bis in der Nacht auf den 10. Mai der Himmel wie durch ein Wunder aufreisst und der Gruppe ein Zeitfenster eröffnet. Die Besteigung scheint realistisch. Doch die erfahrenen Führer täuschen sich in ihrer Einschätzung. Eine massive Sturmfront, aber auch Selbstüberschätzung und Undiszipliniertheiten machen das Unternehmen zum Kampf ums nackte Überleben. Der Everest verzeiht nichts.

In Schwierigkeiten: Rob am Everest.

In Schwierigkeiten: Rob Hall mit seiner Gruppe am Everest.

In Sorge: die hochschwangere Jan Hall.

In Sorge: Robs hochschwangere Frau Jan.

Jeder vierte Mensch stirbt beim Versuch der Everest-Besteigung. Die Statistik lügt nicht. Wer den Berg ins Visier nimmt, setzt sein Leben aufs Spiel. Diesen Aspekt arbeitet der isländische Regisseur Baltasar Kormàkur («Contraband», «2 Guns») besonders heraus, was ihn in Anbetracht des beeindruckenden Casts ehrt. Neben Clarke, Brolin und Gyllenhaal geben sich auch Keira Knightly, Robin Wright, Martin Henderson und Sam Worthington die Ehre – und trotzdem bleibt der Berg der Star. Seine Schönheit wird ebenso atemberaubend in Szene gesetzt wie die tödlichen Gefahren, die er birgt. «Everest» ist trotz – absolut würdig eingesetzter – 3D-Technik kein absurdes Actionspektakel à la «Vertical Limit», sondern ein Drama geht unter die Haut, zumal die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruhen. Kälte, Erschöpfung und Höhenkrankheit sind die wahren Feinde des Menschen in der «Todeszone» über 7000 Metern. Wer nach diesem Film die Everest-Besteigung immer noch auf seiner Bucket List hat, der ist durch nichts abzubringen. Das eingangs gestellt Warum allerdings, das wird nicht abschliessend geklärt. Die beste Antwort findet Doug Hansen (John Hawkes): «Ich tue es, weil ich es kann.»

«Everest 3D» läuft ab 17. September 2015 in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.

Weitere Kinostarts in Basel am 17. September: Ich und Kaminski, Amnesia, How to Change the World, Wild Women – Gentle Beasts, Pura Vida.

Welcome to L.A.

Fabian Kern am Mittwoch den 2. Januar 2013
Filmplakat

«End of Watch» läuft ab 3.1. im Küchlin und im Studio Central.

Dass das Leben als Cop in Los Angeles kein Zuckerschlecken ist, wissen wir spätestens seit «Training Day» und «Street Kings». Beide stammen aus der Feder von David Ayer. Nun zeichnet der Amerikaner in «End of Watch» ein weiteres schonungsloses Bild von der täglichen Arbeit der Fusssoldaten des LAPD. Dass er gleich auch noch die Regie dabei übernommen hat, ist gut. Sehr gut, sogar. Denn wenn man den Officers Brian Taylor (Jake Gyllenhaal) und Mike Zavala (Michael Peña) bei ihren Patrouillenfahrten beobachtet, dann vergisst man das Bild vom strahlenden US-Cop, das Taylor im Werbeclip-artigen Beginn propagiert, schnell wieder. Das ist Drecksarbeit, die einen jede Minute das Leben kosten kann. Da ist der Zusammenhalt unter den Polizisten das Wichtigste.

Taylor und Zavala

Dynamisches Duo: Taylor und Zavala. (Rialto)

«Fühlst du dich als Held?», fragt denn Taylor seinen Partner auch – und das nach dem verdienten Erhalt der Tapferkeitsmedaille. Dieser schüttelt den Kopf. Platz für Helden ist keiner in der Stadt der Engel. Erst recht nicht in «South Central», dem verruchtesten Stadtteil von L.A. Dennoch ist bereits heldenhaft, wer sich tagtäglich dem Sumpf aus Drogen und Gewalt stellt, den die Gangs fleissig pflegen. Das kann einem durchaus in den Kopf steigen, könnte man denken. Das lässt uns auch Ayer denken, der die beiden Protagonisten zunächst als grossmäulige, gewaltverherrlichende Bullen vorstellt. Diese Fassade erweist sich je länger je mehr als Selbstschutz vor den Grausamkeiten, denen Tayler und Zavala ausgesetzt sind. Und sie beginnt zu bröckeln, indem sie immer mehr zeigen, dass sie trotz vielen lockeren Sprüchen ihr Herz auf dem rechten Fleck haben. Sie retten Kinder auf der Strasse und freuen sich auf ihre eigenen. Auch die Cops, die sich mit Bandenkriegen beschäftigen müssen, sind ganz normale Menschen.

Taylor und Janet

Brian mit seiner Frau Janet (Anna Kendrick).

Und genau an diesem Punkt wird es persönlich, denn das Duo, das einem ans Herz gewachsen ist, gerät auf die Abschussliste eines mächtigen mexikanischen Drogenkartells. Schweisstreibend steuert die Geschichte auf ein ungewisses Ende zu. Durch die verwackelten Aufnahmen der Handkamera wirkt das Ganze noch realistischer und lässt den Zuschauer an einem versöhnlichen Ende zweifeln. Die Storyline ist geschickt aufgebaut, und die Darsteller überzeugen durchs Band. Aber ein Werbesport für die zweitgrösste Stadt der USA ist es einmal mehr nicht. Das unvermeidliche Rassenthema ist auch in «End of Watch» omnipräsent. Welcome to L.A. – die besinnlichen Festtage sind vorbei.

«End of Watch» läuft ab 3. Januar 2013 in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Studio Central.

Weitere Filmstarts in Basel am 3. Januar: Die Wand, Les saveurs du Palais, Silver Linings Playbook, The Sessions, The Woman in the Septic Tank.