Beiträge mit dem Schlagwort ‘Jahresrückblick’

Rückblick #6: Eine geistreiche Lesung und ein mutloses Kulturleitbild

schlaglicht am Freitag den 31. Dezember 2010

Für den Rückblick auf das Basler Kulturjahr 2010 haben wir verschiedene Persönlichkeiten aus der Region zu ihren Höhe- und Tiefpunkten aus dem sich zu Ende neigenden Jahr befragt. Heute blickt Tobit Schäfer (30), SP-Grossrat und Geschäftsführer des Basler Rockfördervereins (RFV), auf sein Jahr zurück.

Tobit Schäfer, was war Ihr Kulturhighlight 2010?
Als Konsument gefiel mir die Lesung «Hatten Sie noch etwas aus der Minibar?» – «Ja, alles!», ein erfrischender und geistreicher Streifzug durch die Popkultur mit Intro-Redakteur Linus Volkmann und Popmusiker Jens Friebe. Als Produzent war mein Highlight die stimmige Verleihung des 2. Basler Pop-Preises an Brandhärd und The bianca Story.

Gab es auch einen kulturellen Tiefpunkt?

Der Entwurf des Kulturleitbildes Basel-Stadt, in dem viel von Controlling und Monitoring zu lesen ist, wenig jedoch von Begegnung, Freiheit, Lebensfreude und Unberechenbarkeit.

Was haben Sie verpasst?
Sicher viel in einer Stadt wie Basel, die eigentlich zu klein ist für ihre kulturelle Grösse. Das schöne daran ist aber, dass es auch im kommenden Jahr wieder viel zu erleben gibt – und zu verpassen.

Haben Sie etwas vermisst?
Immer wieder einmal Mut und Visionen in der Kultur und in der Kulturpolitik. Und manchmal vermisse ich in diesem Diskurs den Stolz auf die kulturelle Grösse unserer kleinen Stadt, aber auch die Offenheit für Neues jenseits der eigenen Schrebergärten.

Was sind Ihre Kulturwünsche fürs 2011?
Dass Basel dank seiner kulturellen Grösse über sich hinauswächst. Und dass im definitiven Kulturleitbild mehr von Begegnung, Freiheit, Lebensfreude und Unberechenbarkeit zu lesen sein wird, als in seinem Entwurf. Und vor allem, dass die Kultur in der Stadt unabhängig vom Kulturleitbild Begegnung, Freiheit, Lebensfreude und Unberechenbarkeit fordert und fördert.

Es folgen noch kulturelle Jahresrückblicke mit Carena Schlewitt (Kaserne), Hirscheneck-Booker Marlon McNeill und Galerist Stefan von Bartha. Bereits erschienen: Angelo Gallina, Guy Morin, Thomas Jenny, Smash137 und Sam Keller.

Rückblick #1: Fremdschämen vor dem TV und Brillenraub an der AVO-Session

schlaglicht am Sonntag den 26. Dezember 2010

Für den Rückblick auf das Basler Kulturjahr 2010 haben wir verschiedene Persönlichkeiten aus der Region zu ihren Höhe- und Tiefpunkten aus dem sich zu Ende neigenden Jahr befragt. Den Anfang macht Angelo Gallina (42), Boxtrainer und Organisator der Veranstaltungsreihe «Boxeo», bei der Boxen und Kultur lustvoll kombiniert werden.

Da guckst du: Angelo Gallina mit Brille. (Foto: Dominik Plüss)

Angelo Gallina, was war Ihr Kulturhighlight 2010?
Meine Nummer 1 war mit Abstand die von Carena Schlewitt eingeladene zeitgenössische Tanzaufführung von «Bruno Beltrão & Grupo de Rua» in der Kaserne Basel. Nach der Veranstaltung tanzte die Gruppe eine 30-minütige Zugabe, welche mir die letzen Haare geradestehen liess und für die sich das Publikum mit standing ovation bedankte. Im Anschluss habe ich zwei Tage lang nicht geschlafen. Mein Boxkulturhighlight war der «Pilot» von Tobias Brenk im Boxkeller.

Was für ein Pilot?
Der Anlass war die totale Verschmelzung von Kultur und Boxen auf engsten Raum. Klassische Musik bei der Pratzenarbeit des Profiboxers. Zwei Frauen bereiten sich gleichzeitig auf ihren Einsatz vor: Eine Boxerin und eine Tänzerin. Texte werden zu Boxbildern gelesen, das Publikum ist zwischen den Trainierenden und der Kulturbühne. Einzigartig!

Gab es auch einen kulturellen Tiefpunkt?
Unser Regionalfernsehen! Ich muss immer beten, dass niemand ausserhalb von Basel die Comedy-Sendung von Almi und Salvi sieht und diese mit dem Basler Humor verknüpft.

Ihre Einlage bei Tamara Wernlis Kochsendung auf Telebasel hatte aber auch komödiantische Momente.
Wernlis Kocheinsatz war reine Situationskomik. Ihre penetranten, kopulierungsangehauchten Fragen gingen mir auf den Keks. Ich war zum Kochen da, sie wollte Lokalsensationstörtchen backen. Der 18-Minuten-Dreigänger hat zumindest geschmeckt. Essen musste sie ihn alleine – ich war dann schon wieder im Training.

Was haben Sie verpasst?
Den Bus gestern Morgen und die eine oder andere Ballerina vom Basler Theater.

Morcheeba-Sängerin Skye mit Gallinas Brille.

Haben Sie etwas vermisst im vergangenen Jahr?
Meine Brille beim Morcheeba-Konzert an der AVO Session. Ich stand zuvorderst und Sängerin Skye hatte sich die Brille während dem Konzert für einen Song ausgeliehen. Ich hab sie seither nicht mehr gereinigt.

Was sind Ihre Kulturwünsche fürs 2011?
Weniger subventionierte Veranstaltungen an subventionierten Orten, welche ohne zahlende Zuschauer stattfinden und, liebes Christkindli, dass meine Boxeo-Eventreihe die kulturelle Anerkennung findet, die sie verdient.

Es folgen unter anderem kulturelle Jahresrückblicke mit Regierungspräsident Guy Morin, Sam Keller (Fondation Beyeler), Graffiti-Künstler Smash 137, Carena Schlewitt (Kaserne), Tobit Schäfer (Rockförderverein), Thomas Jenny (Radio X) und Galerist Stefan von Bartha.