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Ein Ruhmesblatt des deutschen Kinos

Fabian Kern am Mittwoch den 31. Oktober 2012

Ruhm

«Ruhm» läuft ab 1.11. im Kultkino Camera.

Wann haben Sie Ihr erstes Handy gekauft? Vor 10 Jahren? Vor 12? Joachim Helbling (Justus von Dohnanyi) war in dieser Hinsicht noch eine Jungfrau. Bis jetzt. Jetzt überwindet der biedere Elektroingenieur seine Angst vor dem Elektrosmog und ersteht sein erstes Mobiltelefon. Als aber lauter unbekannte Leute anrufen, kaum hat er das Ding in Betrieb genommen, ist für ihn der Fall klar: Die Nummer ist bereits vergeben. Doch sein anfänglicher Widerstand schlägt immer mehr in Faszination um. Die mysteriösen Anrufe, die offensichtlich für einen bekannten Menschen bestimmt sind, bringen Aufregung in Helblings ödes Leben – und sogar seine Libido erwacht wieder.

Ralf Tanner (Heino Ferch)

Ralf Tanner (links) wird zu seinem eigenen Double. (Bilder: Frenetic)

Jene Nummer gehört Ralf Tanner (Heino Ferch). Der umtriebige Blockbuster-Schauspieler ist zu seinem Leidwesen in jeder Klatschspalte vertreten und wünscht sich nichts mehr, als seinem Ruhm zumindest zwischenzeitlich zu entfliehen. Als er in einer Disco zufällig seinem eigenen Double über den Weg läuft, beschliesst er, sich ebenfalls als Tanner-Double auszugeben. Alles läuft wie am Schnürchen – bis sein Doppelgänger auf die umgekehrte Idee kommt…

Leo Richter und Elisabeth

Autor und Ärztin: Leo Richter und Elisabeth.

Das sind nur zwei von insgesamt sechs Geschichten, die in Isabel Kleefelds Kinodebüt «Ruhm» miteinander verwoben werden. Die einzige Gemeinsamkeit, welche die Figuren miteinander verbindet, ist das Handy. Im Zentrum der Episoden steht der erfolgreiche Schriftsteller Leo Richter (Stefan Kurt), der sich zusammen mit seiner Freundin, der Ärztin Elisabeth (Julia Koschitz) auf einer Lesereise in Südamerika befindet. Der etwas weltfremde Autor zieht seine Inspiration aus den Leben seiner Mitmenschen und schreibt die Geschichten einiger anderer Filmfiguren gleich selbst. Doch nicht für alle Protagonisten hat der Autor ein Happy End vorgesehen.

Rosalie

Stark: Senta Berger als Krebskranke.

Wer die Romanvorlage von «Ruhm» nicht gelesen hat, ist im Kinosaal im Vorteil. Einerseits, weil die Regisseurin die neun verschiedenen Geschichten in Daniel Kehlmanns Buch auf sechs reduziert, andererseits, weil so der Überraschungseffekt grösser ist. Die «Fiktionalität auf mehreren Ebenen» (Zitat Kehlmann) der Erzählung ist virtuos. Geschickt springt der Film von einem Handlungsstrang zum nächsten und bringt die Figuren immer näher zusammen. «Ruhm» ist deutsches Kino auf hohem Niveau mit hervorragenden Darstellern. Kein Wunder, zeigte sich Kehlmann hell begeistert von der filmischen Umsetzung seines Werks: «Die Schauspieler sind grossartig und der Film eine fantasievolle, kluge und sowohl getreue als auch künstlerisch selbstständige Umsetzung des Romans.»

«Ruhm» läuft ab 1. November im Kultkino Camera in Basel.