Beiträge mit dem Schlagwort ‘Interview’

Nummer eins! Die Baselbieter Hitparaden-Königin

Joel Gernet am Dienstag den 4. Februar 2014

Sensation aus Sissach: Soul-Sängerin Ira May steigt mit ihrer allerersten Platte direkt auf Platz 1 der Hitparade ein. Im grossen Video-Interview redet die Baselbieterin über ihren überwältigenden Erfolg. Und sie erklärt, warum sie den Vergleich mit Amy Winehouse am liebsten aus der Welt schaffen würde.

Direkt an die Spitze der Album-Charts: Ira May redet im grossen Interview nicht nur über ihren Chart-Coup, sondern auch über die gemeinsame Schülerchor-Zeit mit Baschi und Sarah-Jane, das Heimspiel in Gelterkinden und die Schwierigkeit der Live-Umsetzung ihres Albums.

Ira May kann es kaum fassen: Ihr Debutalbum «The Spell» wird am kommenden Sonntag an der Spitze der Album-Charts stehen. «Das war ein ganz krasser Moment – ich war sprachlos und bin es jetzt noch», sagt die 26-Jährige über den Moment, in dem sie von ihrem Triumph erfahren hat. Ihr Management aus Deutschland hat via Videotelefon den Hitparaden-Coundown runtergezählt. Nach einem scherzhaften Stocker bei Nummer 4 – die Sissacherin freute sich schon – endete der Spass dann an der Spitze: Platz eins! Und das ohne grosses Label im Rücken und mit komplett selber geschriebenen Texten – was heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Gerade in den Top Ten.

Prost: Ira May feiert ihren Charteinstieg.

Prost: Ira May feiert ihren Chart-Einstieg.

«Wir hatten nie das Ziel, mit dem Album zu charten – das muss ich ganz ehrlich sagen», erklärt Iris Bösiger, wie Ira May mit bürgerlichem Namen heisst. «Es sollte eine Platte werden, die uns gefällt und hinter der man ohne Kompromisse stehen kann.» Dass ihr genau das nun gelungen ist, macht die Sissacher Soul-Sängerin umso glücklicher.

Zu behaupten, der hohe Chart-Einstieg sei eine völlige Überraschung wäre etwas gar kokett – schliesslich war der Medien-Hype um die Baselbieterin in den vergangenen Wochen beachtlich und gipfelte auf der Titelseite der Coop-Zeitung. Dass das Abenteuer aber gleich auf dem Hitparaden-Thron endet, damit hat Ira May wirklich nicht gerechnet. «Ich sehe nicht den Hype, sondern meinen Alltag», erklärt sie. «Wir hofften es zwar – aber Platz eins ist doch ziemlich heftig.»

Wenn Ira May «wir» sagt, meint sie damit auch Shuko, der für den kompletten Album-Sound verantwortlich ist. Der Mainzer Beat-Bastler gehört zu den bekanntesten Produzenten in Deutschland und arbeitete unter anderem für Rapper wie Lil Wayne, Tyga oder Talib Kweli aus Amerika; Soprano und Sexion d’Assault aus Frankreich oder die deutschen Rap-Grössen Cro, Casper oder Sido. In der Schweiz profitierten bis jetzt etwa Gimma, Bligg und Bandit von den Beats des Deutschen. Und nun also Ira May, die seinen Sound sogar auf Albumlänge auf den Leib geschneidert bekommen hat und die auf Shukos Indie-Label Peripherique Records unter Vertrag steht.

1014546_494886983965057_465518273_o«Das war eine sehr spezielle Geschichte», sagt Bösiger über ihr Zusammentreffen mit Shuko. Eine Geschichte, die auf die Zeit zurückgeht, in der sie Musik als Hobby neben ihrer Lehre als Verkäuferin betrachtete. Die Beats kamen damals noch vom Sissacher Produzenten Sandro Purple Green, der die Früchte der gemeinsamen Arbeit ins Netz stellte. So wurde Shuko auf die Soul-Stimme aus Sissach aufmerksam.

Nachdem Ira May Ende 2012 auf Black Tigers Monsterprojekt «1 City 1 Song» den 83-Minuten-Song nach über 140 Rappern mit ihrer Stimme beendete, entdeckte SRF3-Musikredaktor Sascha Rossier die Baselbieterin, die er umgehend als «Amy Winehouse aus Sissach» anpries – ein Etikett, das der Sängerin seither viel Aufmerksamkeit einbrachte. Sie selber ist mit dem Vergleich allerdings nicht so glücklich. «Über diesen krassen Vergleich habe ich mich nie wirklich gefreut», sagt Bösiger.

Ira May: The Spell (2014).

Ira May: The Spell (2014).

Sie könne verstehen, dass gewisse Leute sich pikiert fühlen, ihr selber würde es vermutlich nicht anders gehen. «Ich finde das ein ganz schwieriges Thema: Natürlich bin ich dankbar um einen solchen Vergleich – dennoch hoffe ich, dass sich dieses Thema jetzt so schnell wie möglich erledigt.» Die Chancen dafür stehen nicht schlecht: Denn spätestens ab jetzt ist Ira May nicht mehr nur die…ihr wisst schon wer…aus Sissach, sondern die Baselbieterin, deren rauchige Soulstimme es ganz ohne Major-Label oder TV-Casting bis an die Spitze der Schweizer Album-Charts geschafft hat. Und das ist erst der Anfang – die Tournee hat eben erst begonnen. Und auch in Deutschland gewinnt Ira Mays Album «The Spell» langsam an Fahrt.

Tourdaten: 08.02. Mühle Hunziken Rubigen / 21.02. Kulturkarussel Stäfa / 22.02. Kufa Lyss / 28.02. Kugl St. Gallen / 01.03. Bscene Basel / 21.03. La Spirale Fribourg / 22.03. Krempel Buchs / 29.03. M4Music Zürich.

«Wir warten, bis Lady Gaga was Falsches sagt!»

Joel Gernet am Freitag den 29. November 2013

Es ist frei! The bianca Story verschenken ab sofort ihr neues Album «Digger». Im Interview redet Bandleader Elia Rediger kurz vor der heutigen Plattentaufe in Basel über die neue CD, den Ideenklau eines internationalen Popstars – und über Maulwurfpfauen.

Premiere: Das brandneue Video von The bianca Story.

 

Es ist die Frucht knallharter Knochanarbeit: Heute Freitag veröffentlicht – und tauft – die Basler Artpop-Band The bianca Story ihr drittes Album «Digger». Um ihre Musik zu «befreien» hat sich das Quintett 90’000 Meter durch den Fels der Musikindustrie gepickelt und dabei via Crowdfunding stolze 90’000 Euro zusammengeschaufelt (wir berichteten). Seit heute ist das neue Album der Biancas also frei. Genauer: zur freien Verfügung für alle – erhältlich als Gratis-Download auf der Homepage der Band.

Und am Freitagabend, 29. November, wird «Digger» im Rossstall der Kaserne Basel getauft. Wir haben Frontmann Elia Rediger kurz vor der Rückkehr ans Rheinknie im Tourbus erreicht und mit ihm via Mail ein kleines aber feines Interview geführt.

Ab sofort im Umlauf: «Digger» von The bianca Story.

Ab sofort im Umlauf: «Digger» von The bianca Story.

Elia Rediger, was machst du gerade?
Ich sitze in dem schaukelnden Tourbus, auf dem Weg von Wiesbaden nach Basel! Mein Sitznachbar schläft (Anmerkung aus dem Off: unser neuer Gitarrist Jonas Wolf) und erholt sich von den Solos!

Wie ist die Tournee angelaufen? Gibts erste Höhe- oder Tiefpunkte zu vermelden?
Köln und Wiesbaden gestern waren ein wilder Auftakt mit vielen bekannten Gesichtern im Publikum! Das freut uns immer riesig! Und die neuen Songs von der Platte rutschen schon ziemlich gut Live…wohl auch, weil sie auf Tour geschrieben wurden. Ein Tiefpunkt war die Polizeikontrolle gestern in Köln, wir waren im Bus nicht alle angeschnallt. Aber Anna war dann ziemlich scharmant und schenkte ihnen eine CD…

Warum habt ihr Erfolg in Deutschland?
Weil wir mittlerweile ein sehr tolles und treues Publikum haben und sehr gerne live spielen.

Eure selbstbewusste Attitüde, der Wille zum Erfolg und die kompromisslose Art, alles auf die Karte Musik zu setzen ist ziemlich unschweizerisch, oder?
Wirklich? Ich fühl mich ziemlich schweizerisch…jodle auch gerne mal ab und zu. Aber die Band hält mich da zurück. Nun, das mit der Karte Musik hat sich ja auch erst entwickelt! Das passiert nicht über Nacht. Da wächst man rein!

Warum dieses Himmelfahrskommando?
Falsche Kompromisse sind wie lauwarmer Kaffee auf einer Autobahnraststätte.

Welcher Song auf dem neuen Album macht Dich besonders stolz?
Eine äusserst internationale Frage! Stolz scheint mir ja das Gegenteil von schweizerisch, um dir nochmals den Schweizer unter die Nase zu reiben! Meine Favoriten sind die Schweizer Songs wie «Glück Macht Einsam» und «You Sir».

Was war der schwierigste Moment während der Album-Produktion?
Ich glaube wir standen ziemlich unter Druck. Weil wir wenig Zeit hatten, war der Plan ziemlich streng geplant. Wahrscheinlich war das aber schlussendlich sogar hilfreich für die Songs!

Welches Tier wäre euer aktuelles Album, wenn ihr es im Zolli präsentieren müsstet?
Ein Maulwurfpfau! Gut im Graben, und versehen mit einem Glanz.

Du warst in Basel quasi ein Vorreiter des Bart-Hypes. Wäre es nicht an der Zeit, dass Du ihn nun als einer der Ersten wieder abwirfst?
Und mit den Haaren ein Kissen stopfen? Why not! Jetzt auf die kalten Wintertage… Aber mal ehrlich, mein Kopfschmuck geht ja doch hauptsächlich mich was an. Und ja, der Bart ist nicht angeklebt.

Das Konzept von Lady Gagas neuem Album «Artpop» hat sie ja eigentlich bei euch abgekupfert. Zieht ihr eine Klage in Betracht?
Ja, wir haben unsere Anwälte schon auf pickett! Wir warten nur noch, bis sie was Falsches sagt! Aber sie verhält sich ziemlich schlau!

Ihr habt schon in den legendären Londoner Abbye-Road-Studios aufgenommen, spielt in Deutschland in ausverkauften Häusern und werdet mit Tim Renner von einer der schillerndsten Persönlichkeiten im deutschen Musikbusiness gemanagt. Was würde euch wirklich noch aus den Socken hauen? Der ultimative Traum?
Der ultimative Traum? Ich würde gerne mit David Byrne mit einem Ghetto Blaster auf der Schulter durch den Jardin du Luxembourg spazieren… Ja, ich weiss unsere Chronik liest sich ziemlich süffig, aber ich glaube, wir stehen noch am Anfang von einem langen gemeinsamen Weg! Ich glaube, wir haben noch viele tolle Sachen vor uns! Zum Beispiel freue ich mich auf den Auftritt an der Deutsche Oper in Berlin mit der Platte «Digger» im nächsten Frühling.

Album: The bianca Story, Digger (Motor, 2013). Free Download.
Live: Fr. 29. November 2013, Rossstall, Kaserne Basel. Weitere Tourdaten.

Ein rastloser Rene beim Zwischenhalt in Basel

Joel Gernet am Mittwoch den 13. März 2013

«Es gibt nichts dazwischen.» MC Rene erklärt im ausführlichen Interview, warum er sein bürgerliches Dasein hinter sich gelassen hat für ein Leben auf Reisen und ohne viel Besitz. (Interview: Joël Gernet)

Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht liegt MC Rene auf der Bühne des FAKT und präsentiert seine neusten Songs. Hier, im Kunst-, Konzert- und Barbetrieb bei der Markthalle, wird der 36-Jährige heute Mittwochabend aus seinem Buch vorlesen und – vielleicht – auch rappen. «Das kommt ganz auf die Stimmung an», meint der Braunschweiger mit einem Augenzwinkern, «aber in letzter Zeit ist das öfters passiert».

Neuer Sound: MC Rene mit seiner «USBahncard 100».

Rene kommt gerade aus Baden, zuvor war er in Zürich. Eine knallrote Pudelmütze mit weissem Kreuz zeugt von seinem Schweiz-Trip. Drei Jahre dauert die abenteuerliche Reise des René El Khazraje inzwischen. Zuvor hat er seinen Job in einem Callcenter an den Nagel gehängt, seine Wohnung gekündigt und einen Grossteil seiner Habseligkeiten verschenkt.

Seither reist MC Rene mit einer Bahncard 100, vergleichbar mit dem Schweizer SBB-Generalabonnement, quer durch Deutschland, schreibt, rappt und bleibt, wohin es ihn gerade treibt. Dabei agiert er nicht nur als Rapper, sondern auch als Stand-Up-Komödiant. Fast schon prophetisch muten da die Zeilen an, die MC Rene auf seinem Debut-Album «Renevolution» (1995) rappte:

«Bekomme meinen Zug und steige ein. Setz meine Kopfhörer an, die Fahrt wird lang sein» (Auf: Ein anderer Ausflug)

«Ich passe mich nicht an, will nicht sein wie alle andern. Will wandern, nach meinen eigenen Plänen. Als Alternative bestehn zu einem Spiessersystem (…). Ich will kein kleiner Angestellter in einem grossen Betrieb sein, der nur lebt, um ein Arbeiter zu sein»
(Auf: Nutze den Tag)

Seine Erfahrungen als rappender Vagabund hat Rene im Buch «Alles auf eine Karte» zusammengefasst. Dass er die Erlebnisse seiner permanenten Reise aber auch in Reimform verarbeitet, zeigen die Rapsongs, die im FAKT aus Renes mobilen Boxen pumpen. Im Track «Bereuen» betitelt sich der Mcee als «beratungsresistenten Karriereverweigerer» und beschreibt, wie er sich von seinem bürgerlichen Ballast befreite und seither seinem Traum folgt.

Die Reime des 36-Jährigen sprudeln immer noch so fliessend und locker aus seinem Mund wie Mitte der 90er-Jahre, als der Teenager mit marokkanischen Wurzeln als eines der grössten Raptalente in Deutschland gehandelt wurde. Und eine Freestyle-Wundertüte war er obendrauf. Ein Improvisations-König, dessen Gabe ihm auch bei der Moderation der Viva-Rapsendung «Mixery Raw Deluxe» zugute kam.

Kein Wunder, heisst der bemerkenswerteste neue Rene-Song «Mein Leben ist ein Freestyle». Begleitet von einem schönen Klavier-Beat erzählt der Rapper von seinem Leben auf der Schiene. Das Video zum Song wurde kürzlich in Heidelberg gedreht – inklusive Gastauftritten langjähriger Weggefährten wie den Stieber Twins, Mirko Machine oder Spax. Von seiner Zeit im Callcenter handelt «Stefan Eckert», betitelt nach Renes Pseudonym als Telefonarbeiter. Ein funky Track, auf dem Rene sein damaliges Leben seziert und das Klischee des überangepassten Spiessbürgers auf die Spitze treibt. Eine herrliche Audio-Karrikatur.

Insgesamt sechs neue Songs lässt MC Rene über die FAKT-Bühne brettern. Sie sollen in wenigen Wochen auf einem USB-Stick in Form einer «USBahncard 100» veröffentlicht werden – gemeinsam mit dem Audiobuch und einem Experimentalfilm. Mit sechs Stunden Spielzeit eignet sich Renes neuster Wurf bestens für längere Zugfahrten. Wer nicht bis zur offiziellen Veröffentlichung warten will, kann seinen Allerwertesten ins FAKT bewegen. Gut möglich, dass MC Rene einige Kostproben zum Besten gibt.

MC RENE Alles auf eine Karte (2012) from mc rene on Vimeo.

Live: MC Rene, Mittwoch, 13. März 2013, F A K T, Viaduktstrasse 10, Basel. Eintritt: 10.- Franken (mit Buch 15.-). Programm: 20h DJ Core, 21.30h MC Rene, 23h Freestyle Session.

Buch: MC Rene – Alles auf eine Karte: Wir sehen uns im Zug (272 Seiten). rororo-Verlag 2012.

Am richtigen Ort

Luca Bruno am Donnerstag den 18. Oktober 2012
Fiona Daniel

Fiona Daniel (Foto: Augustin Rebetez)

Ende August veröffentlichte Fiona Daniel ihr zweites Album «Backyard» auf welchem sie angenehm an eine andere, momentan noch etwas berühmtere Fiona erinnert. Heute Donnerstag, dem 18. Oktober 2012, präsentiert die 25-jährige Zürcher Singer-Songwriterin nun besagtes Album ausgerechnet im – richtig geraten – Hinterhof, was sich wohl am besten mit der englischen Redensart «A match made in heaven» zusammenfassen lässt.

Bevor sie heute Abend nun auf der Hinterhof-Bühne anzutreffen sein wird, haben wir uns mit Fiona Daniel über ihr neustes Werk, sowie dessen Bedeutung und Hintergründe unterhaltenDiesen Beitrag weiterlesen »

«Der Untergang der B-Seite ist ein wirklich herber Verlust»

Luca Bruno am Dienstag den 31. Juli 2012

Gestern Abend hatten Saint Etienne ihren (laut eigener Erinnerung) ersten Auftritt auf Schweizer Boden, beziehungsweise Gewässern, seit 18 (!) Jahren. Obwohl die Band gerne mit in die Britpop-Schublade gesteckt wurde und dieser Bezeichnung auch heute noch immer gerecht wird – schliesslich nennen die Mitglieder von Saint Etienne London ihr Zuhause und machen durch und durch Popmusik -, hat ihre Musik nur wenig mit derjenigen von Zeitgenossen wie… Shed Seven oder Cast gemein. Während Freunde der Gitarre am makellosen und leichtfüssigen Electropop der drei Londoner also auch gestern wieder wenig Gefallen gefunden haben werden, ist es zu hoffen, dass sich wenigstens der Rest des Rheinbords von den zahlreichen neuen und alten Hits bezaubern liess. Noch vor dem Konzert haben wir uns mit Sarah Cracknell, Bob Stanley und Pete Wiggs über die Vergangenheit und Gegenwart von Saint Etienne unterhalten… Diesen Beitrag weiterlesen »

«…sonst würde mein Leben wohl im Gefängnis enden»

Luca Bruno am Mittwoch den 6. Juni 2012

Hier ein kurzer Reminder, woher man Sébastien Tellier kennen könnte: Da wäre zum Beispiel sein Album «Sexuality», welches höchstpersönlich von einer Hälfte von Daft Punk produziert wurde. Oder einer der besten Eurovision Song Contest-Auftritte der letzten Jahre. Oder halt dieser eine fantastische Popsong… den die meisten wiederum nur als Hintergrundgedudel zu McDreamy’s glatter Haut wahrgenommen haben.

Die unergründlichen Wege des Sébastien T. führen ihn heute Mittwoch (6. Juni 2012) nun auch in den Hinterhof, wo er sein erstes Gastspiel in unserer Stadt geben wird. Aus diesem Anlass haben wir uns mit Tellier über sein aktuelles Album «My God Is Blue», sowie die damit zusammenhängenden Fragen nach Spiritualität und Freiheit unterhalten… Diesen Beitrag weiterlesen »

«I come to your show and bring seven friends along» – We Loyal in New York

Luca Bruno am Mittwoch den 4. Mai 2011
We Loyal

We Loyal: Ben Kuster, Sandro Simon, Fabian Trümpy, Elvis Presley (v.l.n.r.)

Die Instrumente packen und verreisen. Viele Schweizer Bands träumen davon, wenige tun es. Und noch bevor man zum ersten Mal einen Fuss auf eine ausländische Konzertbühne setzen konnte, ist der Drummer aus der Band ausgestiegen, da er sich nun doch auf sein Studium konzentrieren möchte, der Sänger will mehr Zeit mit seiner Freundin verbringen, und für die Gitarristin war Musik «sowieso nie so wichtig».

Die Basler Band We Loyal sind das perfekte Gegenbeispiel dafür. Bereits für die Aufnahmen ihrer Debüt-EP wagte das Trio den Schritt nach Liverpool, und diesen Februar verknüpfte man eine New York-Reise mit einer eigenen Konzerttour. Wir haben mit Sandro Simon, dem Sänger und Gitarristen der Band, über Eindrücke, Erfahrungen und Ambitionen gesprochen… Diesen Beitrag weiterlesen »

«Ich möchte gehört werden»

Luca Bruno am Donnerstag den 17. Februar 2011

Musikjournalisten machen es sich sehr gerne sehr einfach. So wird neuerdings beispielsweise jede aufstrebende junge Künstlerin mit Akustikgitarre ohne genauer hin zu hören kurzerhand dem Musikstil «Sophie Hunger» zugeordnet. Dabei steht eigentlich ausser Frage, dass auch das Genre «Singer/Songwriter» in so vielen Facetten daherkommt, dass man es eigentlich nicht auf eine einzige Referenz reduzieren sollte.

Diesen Samstag (19. Februar) wird uns Lena Fennell ihre Interpretation des Genres «Singer/Songwriter» darbieten. An diesem Abend wird die 26-Jährige nämlich im Parterre ihr Debütalbum «Nauticus» taufen, welches vor knapp einer Woche erschienen ist. Grund genug also, kurz vor der bevorstehenden Plattentaufe mit ihr über ihr Album, ihre Ambitionen und Sophie Hunger-Vergleiche zu reden.

Stört dich die Tatsache, dass jede aufstrebende Schweizer Singer/Songwriterin sofort mit Sophie Hunger verglichen wird?
Lena Fennell:
Sophie Hunger ist eine tolle Musikerin und mir persönlich gefällt ihre Musik ausgezeichnet. Der Vergleich stört mich also keinesfalls, ich empfinde ihn eigentlich sogar als Kompliment. Die mediale Aufmerksamkeit, die Sophie Hunger momentan erhält, öffnet auch Türen für andere Songwriterinnen, also kann mir der Vergleich eigentlich nur recht sein.
Wer allerdings dazu bereit ist, genauer hinzuhören, wird merken, dass nicht jede junge Schweizer Singer/Songwriterin mit Akustikgitarre auch automatisch die gleiche Musik macht. Wer sich «Nauticus» anhört, wird schnell feststellen, dass Sophie Hunger und ich zwei komplett verschiedene Musikerinnen sind.

Seit 2007 spielst du Konzerte, dein Debütalbum erscheint aber erst jetzt. Warum hast du so lange mit der Veröffentlichung eines Albums gewartet?
Ich habe während den letzten Jahren mit vielen verschiedenen Personen und Formationen zusammengearbeitet und zahlreiche Demos aufgenommen. Der richtige Zeitpunkt, meine Songs auf einer Platte festzuhalten, ist allerdings erst jetzt gekommen. Für mich war es immer wichtig, für meine Aufnahmen eine Band zu finden, auf die ich mich jederzeit verlassen kann und mit welcher «es» einfach stimmt. Mit Antoine Kauffmann (Schlagzeug) und Pascal Ujak (Bass) habe ich nun zwei Mitmusiker, mit denen die Zusammenarbeit hervorragend klappt.
«Nauticus» sind die ersten Aufnahmen von mir, die ich mir auch nach dem Aufnahmeprozess sehr gerne anhöre und dabei nie das Gefühl habe, dass sie bereits wieder veraltet sind.

Was versprichst du dir vom Release deines Debütalbums?
Ich möchte gehört werden. Wer auch immer behauptet, es sei ihm egal, ob seine Musik gehört wird oder nicht, ist nicht ehrlich. Ich wünsche mir jedoch nicht nur, dass sich möglichst viele Leute mein Album anhören werden, sondern dass sie zu meinen Konzerten kommen werden. Konzerte geben ist schliesslich trotz Veröffentlichung meines Albums noch immer mein Kerngeschäft. Es gibt nichts Schöneres, als die Atmosphäre in einem Club zu spüren und mit eigenen Augen zu sehen, was die eigene Musik bei anderen auslöst.
Ausserdem hoffe ich, dass sich mit dem Release von «Nauticus» der Radius meiner Livekonzerte vergrössern wird. Ich würde gerne in der Romandie spielen, und selbstverständlich bin ich auch dem Ausland nicht abgeneigt.

Während die eine Hälfte von «Nauticus» ganz traditionell in einem Studio aufgenommen wurde, hast du die andere Hälfte bei dir zu Hause oder am Rhein aufgenommen. Was hat der Rhein, welcher auch Inspiration für den Titel deines Debütalbums war, für eine Bedeutung für dich?
Der Rhein ist ein Ort, an welchem ich mich früher wie heute oft aufgehalten habe und mich jederzeit erholen konnte. Mir war es wichtig, dass genau diese Stimmung, das Gefühl von Gelassenheit und Harmonie, ebenfalls auf dem Album repräsentiert wird.

Und inwiefern ist die Musik von anderen Künstlern eine Inspiration für dich?
Ich habe zwar einen ziemlich breiten Musikgeschmack, bin allerdings nicht eine Person, die einzelne Elemente oder Sounds bewusst in die eigene Musik einbaut. Ich denke, dass mich die Musik von anderen Künstlern oder Künstlerinnen eher auf emotionaler und unbewusster Ebene inspiriert. Ein Beispiel, das mir spontan einfällt, das mich bewusst inspiriert hat, ist das Fingerpicking des britischen Künstlers Fink.

Dein Album wird diesen Samstag im Parterre getauft. Hast du etwas Besonderes geplant?
Ja! Meine Kernformation wird von zwei zusätzlichen Musikern und einer Gastsängerin unterstützt. Unter anderem wird Jan Krattiger, ehemaliger Gitarrist von Mañana, seinen Teil zu diesem Abend beisteuern. Ausserdem werde ich zum ersten Mal ein Cover spielen, welches vielen Baslerinnen und Baslern bekannt vorkommen wird. Als besonderes Extra wird es eine limitierte, mit Goldstift nummerierte Edition des Albums zu kaufen geben, so dass sich alle Besucherinnen und Besucher eines der ersten hundert Exemplare meines Albums sichern können.

Lena Fennell: Diesen Samstagabend (19. Februar) live im Parterre. Türöffnung: 20:00, Beginn: 20:30.