Beiträge mit dem Schlagwort ‘Höllenfeuer’

Max Bollags persönlichster Fall

Fabian Kern am Dienstag den 21. Juli 2015

BuchcoverNein, geändert hat er sich nicht. Noch immer kann Max Bollag nicht die Finger von einem Fall lassen, auch wenn es ihn der mürrische Kripochef Neuenschwander zehn Mal verbietet. Vielmehr wird seine Lust am Ermitteln durch Widerstand nur noch mehr angestachelt. Je mehr Leute ihm untersagen, die Nase in eine Angelegenheit zu stecken, umso mehr verbeisst sich der Starreporter des Liestaler «Tagblatt» in einen Fall. Und in diesem neusten Fall, dem dritten seit seiner Erschaffung durch den Baselbieter Krimiautor Rolf von Siebenthal, ist der Widerstand so gross wie noch nie.

Dass der eigentlich in Freundschaft verbundene Neuenschwander nicht möchte, dass Bollag mit seiner vorwitzigen Nase in einem Mordfall herumschnüffelt, ist schon Tradition in den Liestaler Krimis. Doch mit dem Ersten Staatsanwalt Matthias Baumann und dem neuen Tagblatt-Verleger Franz Heusser erwachsen dem Journalisten mächtige Feinde, die durch selbstsüchtige Motive angetrieben werden. Baumann möchte den Erzfeind aus Jugendzeiten um jeden Preis hinter Gitter bringen, und Ständerat Heusser ist scharf auf den Bundesratssitz von Bollags Lebensgefährtin Petra Mangold, weshalb das Tagblatt plötzlich eine Hetzjagd auf seinen eigenen Reporter inszeniert. Denn Bollag ist unter Mordverdacht.

Rolf von Siebenthal (Jg. 1961) ist selbstständiger Journalist und Texter.

Rolf von Siebenthal (Jg. 1961) ist selbstständiger Journalist und Texter. (Bild: Lucian Hunziker)

Das wäre dem ehemaligen Bundeshauskorrespondent im Grunde egal, aber nicht in diesem Fall. Denn ermordet wurde mit Tanja Schneider seine Kollegin und Freundin, der er sich als Mentor eng verbunden fühlte. Den Täter zu überführen, das ist er ihr schuldig. In seinen Ermittlungen zu Schneiders Tod – ihre Leiche wurde ihn ihrem Auto im Allschwiler Weiher gefunden – findet er Unterstützung durch die junge Tagblatt-Volontärin Rebecca Tobler. Das ist umso wichtiger, weil Mangold ausgerechnet jetzt von ihrem Regierungsamt überfordert ist und gar keine Zeit für ihren Liebhaber hat. Also stürzt sich Bollag umso wilder in die Arbeit, immer auf der Hut vor der Polizei. Eine Spur führt zur letzten Geschichte, die Schneider recherchierte: Versicherungsbetrug durch absichtlich herbeigeführte Autounfälle. Doch liegt darin wirklich der Grund für ihre Ermordung?

Von Siebenthal bleibt seinem Stil treu. Von Kapitel zu Kapitel springt er von einer Figur zur anderen und erzählt aus deren Perspektive. Das hält den Leser bei der Stange, das Buch liest sich in Windeseile. Ebenso wird der Schatz an Baselbieter Schauplätzen immer reicher. Diesmal kommt vor allem das Unterbaselbiet zum Zug, was Spass macht, wenn man sich in der Region auskennt. Dennoch hätten zwanzig, dreissig Seiten mehr nicht geschadet. Der Streit zwischen dem starrköpfigen Bollag und Petra Mangold ist sehr schnell und ohne grosse Diskussionen beigelegt, und auch einige andere Handlungsstränge sind nicht abgeschlossen. Schade ist auch, dass Bollags ehemaliger Intimfeind Rieder, der inzwischen zum Chefredaktor des Tagblatts aufgestiegen ist, keine aktive Rolle mehr spielt. Dafür hat von Siebenthal den einen oder anderen erfrischenden Twist eingebaut.

Vielleicht sind die kleinen Abstriche dem strengen Jahresrhythmus geschuldet, den sich der Autor auferlegt hat – welcher wiederum beim Leser höchst willkommen ist. Denn nichtsdestotrotz ist «Schlagzeile» dringend zu empfehlen und für die Stammleserschaft ohnehin Pflichtlektüre.

Rolf von Siebenthal: Schlagzeile. Kriminalroman. Gmeiner Verlag. Messkirch, 2015. 280 Seiten, ab Fr. 13.20.

Die weiteren Bollag-Krimis: Schachzug (2013), Höllenfeuer (2014).

Die Krimistimme des Baselbiets

Fabian Kern am Freitag den 22. August 2014
Buchcover

Max Bollags zweiter Fall: Höllenfeuer.

Glutheisse Sommermonate im Baselbiet mit konstanten Temperaturen weit über 30 Grad – das muss in diesem Jahr definitiv einer blühenden Fantasie entspringen. Richtig: der Fantasie Rolf von Siebenthals. Der frühere Journalist hat ein Jahr nach seinem Krimidebüt «Schachzug» den zweiten Fall um Max Bollag und Heinz Neuenschwander vorgelegt. Wieder ist der Kanton Baselland Schauplatz brutaler Verbrechen, wieder lässt einem die Geschichte keine Ruhe, bis die letzte Seite umgeblättert ist.

In «Höllenfeuer» wird ein renommierter Arzt in seiner Villa in Liestal Opfer eines Brandes. Kripo-Chef Neuenschwander ist schnell klar, dass es sich dabei um Brandstiftung und somit Mord handelt. Doch sowohl Indizien als auch Verdächtige sind sehr rar, geschweige denn ein Motiv in Sicht. Gleichzeitig rollt Bollag einen alten Fall um einen verschwundenen Jungen in Birsfelden auf, und seine Lebenspartnerin, die Bundesrätin Petra Mangold wird von einer aggressiven radikalen Bewegung bedroht. Da kommt keine Langeweile auf rund ums «Stedtli» – im Gegenteil. Bis die Protagonisten erkennen, dass und wie die Fälle zusammenhängen, befinden sie sich bereits in höchster Gefahr.

Der Erstling: Schachzug (2013).

Von Siebenthals Erstling: Schachzug (2013).

«Mein Ziel war es, einen ganz anderen Fall zu beschreiben als noch im ersten Buch», sagt von Siebenthal. Das ist ihm gelungen. Der Krimi rund um gemeingefährliche sektenähnliche Vereinigungen ist hoch spannend und hat einen teilweise erschreckend realistischen Touch. Neben dem Fall interessiert natürlich, wie sich das Leben der Figuren weiterentwickelt. Ob Neuenschwander mit seiner Brigitte tatsächlich das späte Glück findet, ob die Beziehung des Investigativjournalists Bollag mit Bundesrätin Mangold tatsächlich Zukunft hat, und ob Rieder, der unsympathische Lokalchef des «Tagblatts» endlich die verdiente Quittung für seine Arroganz erhält. Nicht alle diese Fragen werden bereits in «Höllenfeuer» beantwortet.

Dem Autor ist der zweite Baselbieter Krimi viel leichter von der Hand gegangen als noch sein Erstling. «Ich brauchte nicht so viele Anläufe wie noch beim ersten. Die Figuren, die Sprache, alles war schon da», erklärt von Siebenthal. Der Roman liest sich denn auch viel flüssiger als noch «Schachzug». Nicht, dass der vor einem Jahr erschienene Krimi schlechter wäre – überhaupt nicht. Aber es sind zwei verschiedene Bücher, was die Sache spannender macht. Und das soll noch nicht das Ende der Liestaler Kriminalgeschichten sein. «Ich habe von Anfang an mit drei Büchern geplant», verrät von Siebenthal. Den Rhythmus behält er bei, im Sommer 2015 soll das nächste Buch erscheinen. Auch das wieder mit einem völlig anderen Fall als die zwei Vorgänger.

Rolf von Siebenthal (Jg. 1961) wohnt im Oberbaselbiet.

Rolf von Siebenthal (Jg. 1961) wohnt im Oberbaselbiet.

Dann will der selbstständige Texter aber wortwörtlich über die Bücher. «Aufwand und Ertrag halten sich überhaupt nicht die Waage. Mein Büro habe ich ziemlich vernachlässigt», erklärt der 53-Jährige. Wer immer dachte, mit Krimis liesse sich eine goldene Nase verdienen, hier die Zahlen: «Schachzug» ging bisher 4500 Mal über den Ladentisch. Von jedem Taschenbuch erhält der Autor etwa einen Franken. «Würde ich das wegen des Geldes machen, dann würde ich besser an einer Ladenkasse arbeiten», sagt von Siebenthal. Es wäre schade, würde der Autor seine Krimiserie mit Suchtpotenzial danach einstellen, macht er doch beste Werbung für die ganze Nordwestschweiz. «Mir haben schon Leser aus Deutschland geschrieben, sie kämen bald in die Region, um sich die Schauplätze anzusehen», meint der frühere Journalist. Baselland-Tourismus hat sich allerdings noch nicht bei ihm gemeldet. «Ich könnte ja die Krimistimme des Kantons Baselland werden», scherzt er. Für viele ist er das schon.

Rolf von Siebenthal: Höllenfeuer. Kriminalroman. Gmeiner Verlag. Messkirch, 2014. 352 Seiten, Fr. 18.90.

Rolf von Siebenthal: Schachzug. Kriminalroman. Gmeiner Verlag. Messkirch, 2013. 344 Seiten, Fr. 18.90.