Beiträge mit dem Schlagwort ‘Hirscheneck’

Lippenstift, Gitarrenriffs und Arschtritte

Joel Gernet am Dienstag den 22. Januar 2013

Diese Damen können richtig zupacken: Im neuen Video des Basler Rock-Quartetts Mother Razorblade werden nicht nur Gitarren, Bass und Schlagzeug, sondern auch Autowracks hart angepackt. Mit Vorschlaghammer statt Rasierklinge werden da ausrangierte Karossen von vier Furien in ihre Einzelteile zerlegt, untermalt von heulenden E-Gitarren, treibenden Bassläufen und dem Gesang von Frontfrau Sabrina. Dreckiger Hardrock, den man am liebsten ganz laut hören möchte.

Das von Fabienne Haase realisierte Video «Gonna Go Wild» ist der Vorbote zu Mother Razorbaldes erster Veröffentlichung NCOTB, welche am 8. Februar erscheint – digital und als Vinyl-EP (!). Das Debut soll die Musikszene aufmischen: «Jung, hungrig und scharf wie eine frische Rasierklinge: Die vier holden Damen von Mother Razorblade sind gekommen, um liebevoll und innig Ärsche zu treten», wird in der Band-Bio vollmundig angekündigt. Das klingt so sympathisch wie vielversprechend, zumal es sich hier offenbar um die erste Basler «All-Girl-Band» seit langem handelt, wie wir bei den Kollegen des Rockfördervereins RFV lesen.

In Action: Mother Razorblade im Hirscheneck, wo am 8. Februar NCOTB getauft wird.

Das Quartett besteht in dieser Formation seit Frühling 2011 und ist beim Basler Label Lux Noise Records untergekommen, wo unter anderem auch namhafte Basler Bands wie die Bitch Queens, die Lombego Surfers oder Fucking Beautiful musikalisch beheimatet sind.

Realisiert haben Mother Razorblade ihr Debut unter der Studioregie von Luc Montini (One Drop Studio, Basel) und Produzent Baschi Hausmann (Fucking Beautiful) – auch dies erfahren wir von der RFV-Edelfeder Chrigel Fisch, der in seinem Beitrag fleissig über die Bedeutung des EP-Titels NCOTB rätselt. Seine Vorschläge: Never Count On Tea-drinking Boys und Nicotine Can Only Taste Black. Mir fällt da spontan folgendes ein: New Clits On The Block oder Vier Engel für Basel…wobei Zweiteres dann mit der Abkürzung nicht mehr ganz hinhaut. Naja, kann ja mit dem Vorschlaghammer zurechtgemurkst werden, oder mit der Rasierklinge.

Für den Tauftermin ihres ersten Babys haben die vier Rockladies nicht lange gefackelt: Plattentaufe ist am Releasetag, dem 8. Februar, im Hirscheneck.

Wichtig ist nur, dass niemand zuhause bleibt

Luca Bruno am Mittwoch den 23. Mai 2012

Aus Eins mach Drei. Neon Indian, Iceage, Stealing Sheep (Im Uhrzeigersinn).

«Basel ist einfach keine Stadt für Konzerte», wie oft haben wir diesen Satz jetzt schon gehört? Drei Basler Clubs – der Hinterhof, der 1. Stock und das Hirscheneck – blasen Morgen Donnerstag daher zur vorerst letzten Konzertoffensive vor der unausweislichen Sommerflaute und es liegt nun am Basler Konzertpublikum, allen Miesepetern und Schlechtrednern das Gegenteil zu beweisen. Der 24. Mai 2012 bringt mit Neon Indian, Stealing Sheep und Iceage drei ausgezeichnete Acts auf die Konzertbühnen der Stadt. Wichtig ist jetzt, dass niemand zuhause bleibt.

Denn wer sich als Teil der Popstadt Basel fühlt und trotzdem meint, ohne triftigen Grund morgen zuhause bleiben zu müssen, darf in Zukunft keine Leserkommentare mehr abgeben, wenn über irgendwelche Kulturleitbilder diskutiert wird, sich nicht mehr ins Thema «Kasernen-Öffnung» einmischen und erst recht nicht mehr am Konzertangebot unserer Stadt rumnörgeln. Diesen Beitrag weiterlesen »

Schlaglicht auf Woche 51

schlaglicht am Montag den 19. Dezember 2011

Es weihnachtet sehr… auch beim Schlaglicht-Team! Daher wünschen wir euch schon jetzt frohe Weihnachten (die Neujahrswünsche verschieben wir auf nächste Woche) und bieten euch nach dem Sprung ein paar Tipps für die Kulturwoche 51. Auch für die Weihnachtstage haben wir übrigens entsprechendes Programm anzubieten! Man siehe selbst… Diesen Beitrag weiterlesen »

Eine Legende, die (noch) niemand kennt

Luca Bruno am Dienstag den 29. November 2011
R. Stevie Moore

R. Stevie Moore (Flickr)

Er sieht aus wie ein Autor von Mittelalter-Fantasyromanen, er hat (laut eigener Aussage) bereits über 400 Alben aufgenommen und auch veröffentlicht, er geniesst in Insiderkreisen den Ruf als Bedroom Pop-Pionier und trotzdem hat noch kaum jemand etwas von R. Stevie Moore gehört? Warum eigentlich?

Nun, Gründe dafür gibt es sicherlich einige: Vielleicht liegt es daran, dass die meisten seiner Alben nur als limitierte Kassetten erhältlich sind oder es hängt viel eher auch damit zusammen, dass er zu seiner ersten Welttournee erst im zarten Alter von 59 Jahren aufbricht. Das Wichtigste vorweg: Auf dieser Tour macht Moore auch Halt im Hirscheneck und das heute Dienstag, am 29. November 2011. Diesen Beitrag weiterlesen »

Schlaglicht auf Woche 48

schlaglicht am Montag den 28. November 2011

Hirscheneck, Grenzwert, 1. Stock und Kaserne. Fast jeden Tag ein Konzert an einem anderen Ort… Und auch sonst hat die Kulturwoche 48 wieder einiges zu bieten. Unsere wöchentlichen Kulturtipps… Diesen Beitrag weiterlesen »

Schlaglicht auf Woche 47

schlaglicht am Montag den 21. November 2011

Tatütata, its da Sound of da Police und da Sound vom Krankenwagen, aus welchem gerade Krankenschwestern ausgestiegen sind. Referenzen nicht verstanden? Einfach am Donnerstag in die Kaserne und am Freitag in den 1. Stock gehen. Und auch sonst ist die Kulturwoche 47 wieder voll mit Lesungen, Theater oder dem Grenzgänger-Slam im Kulturpavillon. Das alles… und noch viel meeeehr… zeigt dir Schlaglicht jetzt mit unseren wöchentlichen Kulturtipps. Diesen Beitrag weiterlesen »

Schlaglicht auf Woche 38

schlaglicht am Montag den 19. September 2011

Noch keine Ahnung, was kulturell läuft diese Woche? Wir helfen Dir bei der Planung Deiner Kulturwoche mit Hinweisen auf ausgewählte Kultur-Leckerbissen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Schlaglicht auf Woche 34

schlaglicht am Montag den 22. August 2011

Noch keine Ahnung, was kulturell läuft diese Woche? Wir helfen Dir bei der Planung Deiner Kulturwoche mit Hinweisen auf ausgewählte Kultur-Leckerbissen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Rückblick #8: Zeitunglesen auf dem Trottoir und verdiente Kultur

schlaglicht am Sonntag den 2. Januar 2011

Für den Rückblick auf das Basler Kulturjahr 2010 haben wir verschiedene Persönlichkeiten aus der Region zu ihren Höhe- und Tiefpunkten aus dem sich zu Ende neigenden Jahr befragt. Marlon McNeill vom Hirscheneck-Kollektiv und Booker hat sein Necessaire verloren und wiedergefunden und wünscht sich wieder mehr Hausbesetzungen.

Marlon McNeill, Hirscheneck-Booker (Foto Donata Ettlin)

Marlon McNeill, was war Ihr kulturelles Highlight 2010?
Das Jahr ist noch nicht mal vorbei und ich erinnere mich jetzt schon fast nicht mehr an 2010. Bedenklich? Vielleicht, aber es passiert immer so viel und der Blick nach vorne ist spannender als der Blick zurück. Im Rückspiegel sehe ich jedoch das Des Ark-Konzert mit Band, Sleepy Time Gorilla Museum im Hirscheneck und die Backstageparty mit Spectrum. Und der Typ, der mitten auf dem Trottoir schlief und der, als ich ihn fragte was er da mache, antwortete: Zeitung lesen. Was für ein Bild. Manchmal ist die Strasse die beste Bühne.

Gab es auch einen kulturellen Tiefpunkt?
Christoph Blochers Gesicht im Kulturteil der BaZ. Noch schlimmer, dass dazu ein Text von ihm abgedruckt war. Noch noch schlimmer ist, dass er hier erneut erwähnt wird. Da fällt mir aber ein, frei nach Böser Bub Eugen: Nei Christoph nei es git kei Basler Zyytig, nei Christoph nei, höchschtens en Ohrfiige.

Was haben Sie verpasst?
Basquiat, Matthew Barney, Napalm Death (dafür The Fall und Bobby Conn gesehen), Das Racist, Des Ark unplugged.

Haben Sie etwas vermisst?
Auf der Combineharvester Tour im Juli hab ich mein Necessaire in Budapest liegen gelassen. Das, kurz nachdem ich daran dachte, wie lange ich dieses Necessaire schon mit mir herum trage, bestimmt seit ich zehn bin. Ein bisschen vermisst hab ich es dann schon, als es weg war. Es wurde mir netterweise etwa einen Monat später nachgesandt. Zusammen mit einer Hautcreme, die ich nicht reingetan hab.

Was sind Ihre Kulturwünsche fürs 2011?
Ich wünsche mir, dass den Leuten bewusst wird, dass ihre Stadt diejenige Kultur kriegt, die sie machen. Wer zu wenig Indie kriegt, macht zu wenig Indie. Wer zu wenig Metal-Konzerte besuchen kann, macht zu wenig Metal-Konzerte. Wer bloss jammert, dass zu wenig passiert, bewegt gar nichts. Ausser mein Gemüt – ein bisschen.
Diese Kritik geht nicht an die Menschen, die sich tagein, tagaus den Arsch aufreissen und Künstler und Bands in diese Stadt holen und sie an Orten auftreten lassen, die jenseits von Mainstream, Subventionen und Kulturleitbild stehen. Sie ist an jene adressiert, die nicht müde werden zu jammern, dass in dieser Stadt nichts läuft. Klar wäre es schön, wenn wieder mehr Konzerte im Joggeli stattfinden würden, und es ist auch gut, dass Iron Maiden demnächst da spielen, aber es passiert eben auch sehr viel im Untergrund. Es gibt Wochen, da weiss ich bald nicht wohin, weil so viel läuft. Veranstaltungen, die nicht in den Veranstaltungskalendern auftauchen, die aber trotzdem keine Privatanlässe sind und die mit viel Herzblut durchgeführt werden. Die nicht bloss aus idealistischer Sicht spannend sind, sondern sich auch qualitativ auf hohem Niveau abspielen.
In diesem Zusammenhang ist es auch ein schlechtes Zeichen der Stadtverwaltung, zukünftig das Wildplakatieren mit bis zu 10’000 Franken zu büssen (diese Information wurde kürzlich an die Veranstalter Basels geschickt mit der Unterschrift von Dr. Roger Reinauer und Thomas Kessler). Diese Massnahme gibt zu verstehen, dass DIY- und Untergrundkultur, die auch das Fundament der Hochkultur ist, nicht anerkannt werden. Das Argument, dass die Wildplakatiererei labile Menschen dazu verleiten könne, sich unschicklich zu benehmen, wie z.B. an nicht dazu vorgesehenen Orten zu urinieren, ist doch sehr an den Haaren herbeigezogen und hat vielleicht mehr mit baulichen Gegebenheiten zu tun, als dass da ein A3-Schwarz-Weiss-Plakat klebt, welches für ein Konzert in irgendeinem Keller oder einer Bar oder besetztem Haus wirbt.
À propos. Ich wünsche mir, dass wieder mehr Häuser besetzt werden. Sei es auch bloss für eine Nacht, wie kürzlich abseits des Medienradars geschehen. Möglicherweise weil die Party friedlich von statten ging?
Lange Rede kurzer Sinn: Egal ob Sam Keller oder der Punk von nebenan dahinter steht: die Menschen machen Kultur. Die Menschen sind Kultur. Und Kultur wird nicht auf dem Tablett serviert.

Es folgt noch ein Jahresrückblick mit Galerist Stefan von Bartha.

Bereits erschienen: Angelo Gallina, Guy Morin, Thomas Jenny, Smash 137, Sam Keller, Tobit Schäfer, Carena Schlewitt.