Beiträge mit dem Schlagwort ‘Heinz Neuenschwander’

Die Krimistimme des Baselbiets

Fabian Kern am Freitag den 22. August 2014
Buchcover

Max Bollags zweiter Fall: Höllenfeuer.

Glutheisse Sommermonate im Baselbiet mit konstanten Temperaturen weit über 30 Grad – das muss in diesem Jahr definitiv einer blühenden Fantasie entspringen. Richtig: der Fantasie Rolf von Siebenthals. Der frühere Journalist hat ein Jahr nach seinem Krimidebüt «Schachzug» den zweiten Fall um Max Bollag und Heinz Neuenschwander vorgelegt. Wieder ist der Kanton Baselland Schauplatz brutaler Verbrechen, wieder lässt einem die Geschichte keine Ruhe, bis die letzte Seite umgeblättert ist.

In «Höllenfeuer» wird ein renommierter Arzt in seiner Villa in Liestal Opfer eines Brandes. Kripo-Chef Neuenschwander ist schnell klar, dass es sich dabei um Brandstiftung und somit Mord handelt. Doch sowohl Indizien als auch Verdächtige sind sehr rar, geschweige denn ein Motiv in Sicht. Gleichzeitig rollt Bollag einen alten Fall um einen verschwundenen Jungen in Birsfelden auf, und seine Lebenspartnerin, die Bundesrätin Petra Mangold wird von einer aggressiven radikalen Bewegung bedroht. Da kommt keine Langeweile auf rund ums «Stedtli» – im Gegenteil. Bis die Protagonisten erkennen, dass und wie die Fälle zusammenhängen, befinden sie sich bereits in höchster Gefahr.

Der Erstling: Schachzug (2013).

Von Siebenthals Erstling: Schachzug (2013).

«Mein Ziel war es, einen ganz anderen Fall zu beschreiben als noch im ersten Buch», sagt von Siebenthal. Das ist ihm gelungen. Der Krimi rund um gemeingefährliche sektenähnliche Vereinigungen ist hoch spannend und hat einen teilweise erschreckend realistischen Touch. Neben dem Fall interessiert natürlich, wie sich das Leben der Figuren weiterentwickelt. Ob Neuenschwander mit seiner Brigitte tatsächlich das späte Glück findet, ob die Beziehung des Investigativjournalists Bollag mit Bundesrätin Mangold tatsächlich Zukunft hat, und ob Rieder, der unsympathische Lokalchef des «Tagblatts» endlich die verdiente Quittung für seine Arroganz erhält. Nicht alle diese Fragen werden bereits in «Höllenfeuer» beantwortet.

Dem Autor ist der zweite Baselbieter Krimi viel leichter von der Hand gegangen als noch sein Erstling. «Ich brauchte nicht so viele Anläufe wie noch beim ersten. Die Figuren, die Sprache, alles war schon da», erklärt von Siebenthal. Der Roman liest sich denn auch viel flüssiger als noch «Schachzug». Nicht, dass der vor einem Jahr erschienene Krimi schlechter wäre – überhaupt nicht. Aber es sind zwei verschiedene Bücher, was die Sache spannender macht. Und das soll noch nicht das Ende der Liestaler Kriminalgeschichten sein. «Ich habe von Anfang an mit drei Büchern geplant», verrät von Siebenthal. Den Rhythmus behält er bei, im Sommer 2015 soll das nächste Buch erscheinen. Auch das wieder mit einem völlig anderen Fall als die zwei Vorgänger.

Rolf von Siebenthal (Jg. 1961) wohnt im Oberbaselbiet.

Rolf von Siebenthal (Jg. 1961) wohnt im Oberbaselbiet.

Dann will der selbstständige Texter aber wortwörtlich über die Bücher. «Aufwand und Ertrag halten sich überhaupt nicht die Waage. Mein Büro habe ich ziemlich vernachlässigt», erklärt der 53-Jährige. Wer immer dachte, mit Krimis liesse sich eine goldene Nase verdienen, hier die Zahlen: «Schachzug» ging bisher 4500 Mal über den Ladentisch. Von jedem Taschenbuch erhält der Autor etwa einen Franken. «Würde ich das wegen des Geldes machen, dann würde ich besser an einer Ladenkasse arbeiten», sagt von Siebenthal. Es wäre schade, würde der Autor seine Krimiserie mit Suchtpotenzial danach einstellen, macht er doch beste Werbung für die ganze Nordwestschweiz. «Mir haben schon Leser aus Deutschland geschrieben, sie kämen bald in die Region, um sich die Schauplätze anzusehen», meint der frühere Journalist. Baselland-Tourismus hat sich allerdings noch nicht bei ihm gemeldet. «Ich könnte ja die Krimistimme des Kantons Baselland werden», scherzt er. Für viele ist er das schon.

Rolf von Siebenthal: Höllenfeuer. Kriminalroman. Gmeiner Verlag. Messkirch, 2014. 352 Seiten, Fr. 18.90.

Rolf von Siebenthal: Schachzug. Kriminalroman. Gmeiner Verlag. Messkirch, 2013. 344 Seiten, Fr. 18.90.

Erfolgskrimi aus dem Baselbiet

Fabian Kern am Dienstag den 15. Oktober 2013

BuchcoverAngehende Schriftsteller werden sich schon mit Fragen wie diesen auseinandergesetzt haben: Was für ein Buch möchte ich schreiben? Wo siedle ich die Handlung an? Wie sollen meine Figuren sein? Rolf von Siebenthal hat sich entsprechend seiner persönlichen Stärken und Vorlieben entschieden. Als passionierter Krimileser mit Vergangenheit im Bundesamt für Verkehr und im Tagesjournalismus ist sein Erstling «Schachzug» schon fast logisch erklärbar: Ein Journalist ermittelt in einem Mordfall in und um Liestal, der mit dubiosen Machenschaften im Eisenbahn-Geschäft zusammenhängt. «Ich lese gern Krimis. Dieses Genre habe ich mir am ehesten zugetraut», erklärt der Autor, der sich als Journalist und Texter selbstständig gemacht hat.

Von Siebenthal ist kein Freund von langatmigen Einstiegen: «Als Krimileser mag ich es nicht, wenn die Handlung zu langsam vorwärts geht.» Sein bevorzugter Autor ist Michael Connelly. Deshalb lässt von Siebenthal den Leser gleich zu Beginn an der Perspektive des Mörders teilhaben, der auf dem Seltisberg einem Manager aus 600 Metern Entfernung eine Kugel in den Kopf jagt. Das Opfer ist der Schwager von Max Bollag, einem Journalist der Liestaler Zeitung «Tagblatt», der sich sowohl beruflich als auch privat in der Krise befindet. Somit ist der Protagonist schnell eingeführt. Sind da etwa autobiografische Züge auszumachen? «Nein, ich glaube nicht. Die Figuren sind allesamt frei erfunden», erklärt Ex-Printjournalist von Siebenthal nach kurzem Überlegen.

Rolf von Siebenthal, Jahrgang, 1961, wohnt im Oberbaselbiet.

Rolf von Siebenthal (Jahrgang 1961) wohnt im Oberbaselbiet.

Bollag ist denn auch nicht die einzige Hauptfigur. Auch Heinz Neuenschwander ist zentral in «Schachzug». Der «beste Bulle des Baselbiets» ist ein Polizist zum Gernhaben: brummig, manchmal etwas schroff, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Von Siebenthal springt zwischen den Perspektiven von Bollag, Neuenschwander und Doris Lüthi hin und her. Letztere ist als Angestellte einer Firma, die Zugwaggons produziert, einem unlauteren Seilziehen um einen millionenschweren Bundesauftrag auf der Spur. Lange ermitteln die drei unabhängig, bis sich ihre Wege kreuzen, weil die Fälle zusammenhängen – und ab diesem Zeitpunkt kommt der Krimi einem Thriller nahe. Die Handlung nimmt Fahrt auf und steuert einem actiongeladenen Showdown im beschaulichen Sissach entgegen.

Der Wechsel zwischen den erzählenden Figuren ist heikel. Es besteht die Gefahr, den Faden zu verlieren und die Geschichte ausfransen zu lassen. Von Siebenthal passiert das nicht. Die Story bleibt kompakt und verliert überhaupt nicht an Spannung. Im Gegenteil, jedes Kapitel endet in einem kleinen Cliffhanger, der es einem schwer macht, das Buch beiseite zu legen. Wenn von Siebenthal deshalb sagt, dieser Perspektivenwechsel komme in seinem Umfeld mal sehr gut, mal überhaupt nicht an, dann darf man das getrost den individuellen Vorlieben zuschreiben. Formal ist sicherlich nichts auszusetzen. Ebenso wenig am Handlungsort. «Ich habe mir lange überlegt, ob es eine gute Idee ist, Liestal als Schauplatz zu wählen», erklärt der Autor. Da es schon genug Krimis gibt, die in Basel spielen, hat sich der 52-Jährige aber für das «Stedtli» entschieden. Nun ist er froh darüber: «Ich betrachte den ganzen Kanton Baselland als meinen Spielplatz. Das eröffnet mir viel mehr Möglichkeiten und Handlungsorte als die Stadt.»

Mit dem Schreiben von Krimis reich zu werden, erwartet von Siebenthal nicht: «Diese Illusion mache ich mir nicht.» Vier Jahre hat er für seinen Erstling von den ersten Skizzen bis zum fertigen Roman gebraucht. So viel Zeit darf er sich für das nächste Buch nicht lassen, denn die Verkaufszahlen von «Schachzug», seit Juli im Verkauf, sind so gut, dass davon bereits die zweite Auflage gedruckt wird und ihn der Verlag gedrängt hat, den nächsten Liestaler Krimi bereits im nächsten Jahr fertig zu stellen. «Die Handlung wird etwa ein Jahr nach dem ersten Fall spielen, und Bollag und Neuenschwander werden natürlich wieder mit von der Partie sein», verrät von Siebenthal, der etwas überrumpelt wurde, weil er die Fortsetzung eigentlich erst für 2015 geplant hat. Nun dürfen sich die Leser schon auf den kommenden Juli freuen, während der Autor einen arbeitsreichen Winter vor sich hat. Das nennt man ein Luxusproblem.

Rolf von Siebenthal: Schachzug. Kriminalroman. Gmeiner-Verlag. Messkirch, 2013. 344 Seiten, Fr. 17.90.