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Depp macht sich zum Deppen

Fabian Kern am Mittwoch den 28. Januar 2015

«Mortdecai» läuft ab 29.1. im Küchlin.

«Mortdecai» läuft ab 29.1. im Pathé Küchlin.

Oft ist der Trailer schuld. In diesem Fall trifft es der Ausdruck «Teaser» besser, denn die Leute sollen mittels Reizen des Films ins Kino gelockt werden. Im Genre der Komödie grassiert leider die Unart, in solchen Teasern unlautere Mittel einzusetzen: Man packt einfach alle lustigen Szenen hinein, schneidet sie rasant zusammen und gaukelt so potenziellen Publikum vor, das sei nur die Spitze des humoristischen Eisbergs – und dabei war es das schon. Doch bei einem gross aufgezogenen und aufwändig beworbenen Streifen mit Superstar Johnny Depp kann das ja nicht sein, denkt sich der erfahrene Kinogänger. Und tappt frohen Mutes in die tückische «Mortdecai»-Falle.

Geck mit Schnauz: Charlie Mortdecai.

Geck mit Schnauz: Charlie Mortdecai.

Was sich die Macher – unter den Produzenten figuriert auch Johnny Depp selbst – bei dem haarsträubenden Plot gedacht haben, das wird beim besten Willen nicht klar. Regisseur David Koepp («Premium Rush»), der in Hollywood als Drehbuchautor einen sehr guten Namen gemacht hat, hätte sich besser ins Skript eingemischt. So steht und fällt die konfuse Krimikomödie allein mit dem prominenten Hauptdarsteller. Vor allem fällt sie. Depp mimt den halbseidenen englischen Adligen und Kunstkenner Charlie Mortdecai, der nicht nur sein ansehnliches Vermögen durchgebracht, sondern auch noch einen ansehnlichen Schuldenberg angehäuft hat. Allein bei der Krone steht er mit 8 Millionen Pfund an ausstehenden Steuern in der Kreide. Da ist guter Rat teuer und die betrügerische Ader von Mortdecai gefragt. Er wittert seine Chance, als das Gerücht die Runde macht, ein sagenumwobenes Goya-Gemälde existiere nicht nur, sondern sei nun auch entwendet worden. Auf dem Rücken dieses Bildes soll sich die Nummer eines Schweizer Bankkontos befinden, auf dem Nazi-Millionen vor sich hin schlummern. Mortdecai macht sich mit seinem treuen Mann fürs Grobe, Jock (Paul Bettany) auf die turbulente Jagd rund um die Welt.

Jock trägt Mortdecai auf Händen.

Jock trägt Mortdecai auf Händen.

Verschenkt: Paltrow und McGregor.

Verschenkt: Paltrow und McGregor.

Klingt vielversprechend? Genau. Doch das Versprechen wird leider nicht eingelöst. Mortdecai trottelt sich im Kampf mit dem skrupellosen Kunstdieb Emil Strago (Jonny Pasvolsky) durch die Weltgeschichte und lässt dabei immer wieder MI6-Agent Alistair Mortland (Ewan McGregor) schlecht aussehen, der mehr Energie darauf verschwendet, Mortdecai die Frau Johanna (Gwyneth Paltrow) auszuspannen, als den Fall zu lösen. Die Story ist keinen Satz mehr wert. Wäre dieser Streifen mit Schauspielern der zweiten oder dritten Garde verfilmt worden, dann würde sich niemand darüber aufregen. So aber muss man dem hervorragenden Cast nachtrauern: Paltrow, McGregor, Bettany – alles Top-Leute, ebenso wie Jeff Goldblum, der in einer Nebenrolle auftaucht. Und Johnny Depp enttäuscht sogar. Der Spezialist für schräge Rollen kommt überhaupt nicht auf Touren. Oft wirkt es, als hätte er nur die wichtigsten Zeilen auswendig gelernt und den Grossteil seiner Sätze improvisiert. Das Resultat ist leider absolut unlustig, die Slapstick-Szenen lahm, die Gags platt. Und das ganze Getue um Mortdecais Schnauz, der sich als Running Gag durchzieht, nervt nur. Aber der Trailer, der ist wirklich lustig.

«Mortdecai» läuft ab 29. Januar 2015 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 29. Januar: Birdman or The Unexpected Virtue of Ignorance, Foxcatcher, Broken Land, Thomas Hirschhoren, Fünf Freunde 4, Usfahrt Oerlike.

Showdown mit dem Eisenmann

Fabian Kern am Dienstag den 30. April 2013

Filmplakat

«Iron Man 3» läuft ab 1.5. in den Kinos Capitol, Küchlin und Rex.

Nein, Iron Man ist nicht gerade der typische Teamplayer. Kein Wunder also, hat sein Alter Ego Tony Stark (Robert Downey Jr.) vom spektakulären Abenteuer mit den Avengers ein Trauma davongetragen. Stark, der strahlende Erfolgstyp, der alles zu Gold macht, was er anfasst, hat plötzlich Panikattacken. Und das, obwohl er sein ausschweifendes Privatleben auf ein fast schon kleinbürgerliches Mass zurückgeschraubt und sich zu seiner grossen Liebe Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) bekannt hat. Doch auf das angeschlagene Seelenleben des Superhelden nehmen die Schurken dieser Welt keine Rücksicht. Der scheinbar allmächtige Terroristenführer Mandarin (Ben Kingsley), eine Figur, die erschrecken an den früheren Staatsfeind Nummer 1 Osama Bin Laden erinnert, erschüttert Amerika mit ruchlosen Anschlägen.

Der Mandarin

Böse: Der Mandarin. (Bilder: Marvel)

Stark sagt dem Terroristen öffentlich den Kampf an und muss angesichts der prompten explosiven Antwort seines Kontrahenten einsehen, den Mandarin unterschätzt zu haben. Zumal dieser offenbar mit dem Biomechanik-Genie Aldrich Killian zusammenarbeitet, welcher mittels einer mysteriösen Technologie verkrüppelte Soldaten zu nahezu unbesiegbaren Superkämpfern macht. Stark kommt mit dem Leben davon, muss aber mit einem defekten Iron-Man-Anzug und nur mit der Unterstützung eines aufgeweckten Jungen in den ungleichen Kampf gegen das Böse und für die Liebe seines Lebens ziehen. Diese Extremsituation bringt in an seine Grenzen, weckt in ihm aber auch jenen Erfindergeist, der ihn gross gemacht hat.

Tony Stark

Sensibles Genie: Tony Stark.

Iron Man und Pepper Potts

Verliebt: Iron Man und Pepper Potts.

Jon Favreau hat nach dem enttäuschenden zweiten Teil der Iron-Man-Saga das Regie-Zepter an Shane Black übergeben und sich auf seine Rolle als Starks übermotivierten Bodyguard «Happy» konzentriert – eine Massnahme, die seiner Figur zum Voreil wird und den Abschluss der Trilogie zu einem actiongeladenen, würdigen Spektakel macht. Dass es bei einer Trilogie bleiben wird, davon ist auszugehen. Umso mehr gilt es, diesen dritten Teil, der die Schwächen des zweiten mehr als wettmacht, in vollen Zügen zu geniessen. Ein solide Story wird mit einigen Wendungen und dem für die Iron-Man-Filme charakteristischen schwarzen Humor zu einer Perle unter den Comic-Verfilmungen veredelt. Die Chemie zwischen Robert Downey Jr. und Gwyneth Paltrow stimmt perfekt, und Altmeister Ben Kingsley zeigt sich dem Publikum ungewohnt vielseitig. Allerdings gilt es zu beachten, dass der Film einige Fragezeichen hinterlässt, wenn man «The Avengers» nicht gesehen hat – was für Iron-Man-Fans ohnehin unabdingbar ist.

Auch wenn alles darauf hindeutet, dass Tony Stark seinen eisernen Anzug an den Nagel hängt, bleibt die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung der Avengers. Downey Jr. hat Iron Man mit seiner köstlich zynischen Art zum interessantesten Superhelden der Marvel-Verfilmungen gemacht.

Weitere Filmstarts in Basel am 1./2. Mai: Side Effects und Viramundo.