Beiträge mit dem Schlagwort ‘Giovanni Ribisi’

Die glorreichen Sechs

Fabian Kern am Mittwoch den 23. Januar 2013

Filmplakat

«Gangster Squad» läuft ab 24.1. im Pathé Küchlin.

Mafia-Filme sind in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommen. Es fehlten die frischen Storys und nicht zuletzt auch die glaubwürdigen Darsteller. Die de Niros und Pacinos sind in die Jahre gekommen. Schön deshalb, dass sich nun ein anderer Grosser des US-Kinos als Mob-Chef die Ehre gibt. Sean Penns Figur Mickey Cohen ist allerdings kein Pate, der trotz aller Grausamkeit einen gewissen Stil besitzt, sondern ein roher, machtbesessener Emporkömmling, welcher den alten Chicagoer Mafiosi ein Schnäppchen schlagen will. Cohens Plan ist es, zuerst Los Angeles und dann die gesamte Westküste unter seine Kontrolle zu bringen. Und der ehemalige Boxer von der Ostküste, der auch in Realität die Stadt der Engel terrorisierte und zu dessen Ehre Penns Nase verbreitert wurde, tut dies mit Nachdruck. Drogen, Prostitution, Wetten – alles läuft über Cohen. Seine dreckigen Geschäfte lässt er von bestochenen Polizisten und Politikern beschützen.

Gangster Squad

Sechs Männer gegen das organisierte Verbrechen:Die Gangster Squad (Bilder: Warner Bros.)

Cohen und O'Mara

Erbitterte Feinde: Cohen und O'Mara.

Doch es gibt auch im korrupten L.A. der 40er-Jahre die «Unbestechlichen». Und der Eliot Ness der Westküste ist John O’Mara (Josh Brolin). Der aufrichtige Sergeant wird von Polizeichef Bill Parker (Nick Nolte) zur Rekrutierung einer Sondereinheit beauftragt, die ganz inoffiziell Cohens Geschäfte sabotieren und seine Herrschaft beenden soll – die Gangster Squad. O’Maras sechsköpfige «Guerilla-Einheit» reizt ihre Vogelfreiheit voll aus und bedient sich unzimperlicher Massnahmen – so sehr, dass die Grenze zwischen Gangstern und Cops zeitweise verschwimmt. Doch Cohen gibt sein Empirium nicht kampflos her und schlägt mit voller Härte zurück. Ein blutiger Krieg entbrennt.

Grace Faraday

Verführerisch: Grace Faraday (Emma Stone).

Filme mit dem Label «Inspired by a true story» haftet oft eine gewisse Bedeutungsschwere an. «Gangster Squad» hingegen umschifft diese Hürde mit spielerischer Leichtigkeit. Der Film ist wie aus einem Guss: In keinem einzigen Moment kommt Langeweile auf, die bleihaltige Story steuert stilsicher auf ein würdiges Finale zu. Das ist grosses Spannungskino. Und der Cast ist schlicht grandios. Als Gegenspieler von Penn, der Cohen an der Grenze zur Karikatur darstellt, brillieren neben Brolin der gewohnt leichtfüssige Ryan Gosling («Drive»), Giovanni Ribisi («The Rum Diary»), Anthony Mackie («Man on a Ledge»), Michael Peña («End of Watch») und Robert Patrick («Safe House»). Shooting Star Emma Stone («Crazy, Stupid, Love») spielt als verruchte Schönheit derweil ein gefährliches Spiel mit Cohen. Besser kann ein Gangsterfilm in der heutigen Zeit nicht besetzt werden. Und mehr kann man sich von einem Gangsterfilm nicht wünschen.

«Gangster Squad» läuft ab 24. Januar 2013 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 24. Januar: Flight, Chasing Mavericks, Lincoln, Blancanieves, Quartet, Shanghai Shimen Lu.

«Rumantik» in Puerto Rico

Fabian Kern am Mittwoch den 12. September 2012

Filmplakat

«The Rum Diary» läuft ab 13. September im Pathé Küchlin und im Rex.

Johnny Depp als Rum saufender Chaot in der Karibik – da war doch etwas? Diesmal segelt Hollywoods Superstar allerdings nicht unter der Piratenflagge, sondern recherchiert im Jahr 1960 als Paul Kemp in Diensten des «San Juan Star», einer heruntergekommenen amerikanischen Zeitung in Puerto Rico. Recherchieren ist allerdings schon fast etwas zuviel gesagt, denn sein Leistungsauftrag ist es, bloss keine negativen Geschichten auszugraben, sondern die Exil-Amerikaner in ihrem Gefühl zu bestärken, sie lebten im Paradies. Was auf die herrliche Natur bezogen zwar stimmt, nicht jedoch auf die sozialen Zustände. Die Amis trampeln rücksichtslos über die Insel und behandeln die stolzen Puertoricaner wie Leibeigene.

Kemp, Sanderson und Chenault

Sanderson (mitte) stellt Kemp seine verführerische Verlobte Chenault vor.

Der eigentlich aufstrebende Jungjournalist Kemp ersäuft seinen beruflichen Ehrgeiz zunächst im Rum, welcher literweise fliesst. «Wir sollten weniger trinken. Hoffentlich werde ich nie Alkoholiker», stellt er mit Depps unnachahmlichem Säufer-Ausdruck auf dem Gesicht fest. Er sinkt sogar so tief, dass er sich vom skrupellosen Geschäftsmann Sanderson (Aaron Eckhart) kaufen lässt, um dessen illegales Hotelprojekt zu bewerben. Allerdings ist der Hauptgrund für dieses Engagement weniger das schnell verdiente Geld, als vielmehr Sandersons sexy Verlobte Chenault (Amber Heard), die Kemp fast den Verstand raubt. Schliesslich aber erwacht doch noch sein vom Alkohol und anderen Rauschmitteln verschüttetes Ehrgefühl, und er sagt den rücksichtslosen Kapitalisten den Kampf an: «Es gibt keinen amerikanischen Traum.»

Paul Kemp

Paul Kemp orientiert sich nach einer durchzechten Nacht. (Bilder im Verleih von ASCOT ELITE)

Sala und Kemp

Sala und Kemp verstehen sich auf Anhieb.

Chenault und Kemp

Chenault und Paul kommen sich näher.

Hunter S. Thompsons Roman lag jahrzehntelang in seiner Schublade. Als Johnny Depp, seit der Verfilmung von Thompsons «Fear and Loathing in Las Vegas» mit ihm befreundet, davon erfuhr, brachte er das Filmprojekt ins Rollen. Leider bekam Thompson das Endprodukt nie zu sehen – der Erfinder des Gonzo-Journalismus starb 2005. «The Rum Diary» ist ein autobiografischer Roman, Paul Kemp niemand anderes als Thompson in jungen Jahren. Depp mimt einmal mehr den routinierten Alkoholiker, der zusammen mit dem desillusionierten Redaktionskollegen Sala (Michael Rispoli) und dem schmuddligen Moburg (herrlich: Giovanni Ribisi) ein umwerfendes Trio bildet. Die herrliche Natur Puerto Ricos bildet einen faszinierenden Kontrast zur ekelhaften Journalisten-WG und Salas Schrott-Fiat. Dass die Drogen-Exzesse nicht ganz so dominant sind wie noch in Terry Gilliams überdrehtem «Fear and Loathing in Las Vegas», tut Bruce Robinsons Film gut. Tolle Darsteller, schräge Figuren, etwas Spannung und Romantik in einer Story um Ethik, angerichtet mit einem guten Schuss Hochprozentigem vor einer exotische Kulisse – «The Rum Diary» ist ein süffiger Cocktail. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

«The Rum Diary» läuft ab 13. September in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.