Beiträge mit dem Schlagwort ‘Emma Stone’

Woody tuts in Südfrankreich

Fabian Kern am Mittwoch den 3. Dezember 2014

«Magic in the Moonlight» läuft ab 4.12. im Atelier und im Küchlin.

«Magic in the Moonlight» läuft ab 4. Dezember im Atelier und im Küchlin.

Woody Allen ist ein Phänomen. Der Mann dreht und dreht und dreht. Und wenn er gerade mal nicht dreht, dann schreibt und schreibt und schreibt er. Meistens die eigenen Filme. Seit 1982 kann sich die Filmwelt auf mindestens einen Allen pro Jahr verlassen, seit 2002 hat er sich auf genau ein jährliches Werk beschränkt – in dem er selbstredend sowohl für das Drehbuch als auch die Regie verantwortlich zeichnet. Nach einem kurzen Comeback als Hauptdarsteller in einem Film – in John Turturros «Fading Gigolo» mischte er sich allerdings auch massgeblich in den Plot ein – liefert er nun auch 2014 seinen obligaten Film ab. Und nach dem Oscar-prämierten «Blue Jasmine» stand der diesmal unter einem gewissen Erwartungsdruck.

Medium oder Betrügerin? Die betörende  Sophie Baker.

Medium oder Betrügerin? Die betörende Sophie.

Der Altmeister, von dem man sagt, er könne seine Stars alle dazu überreden, auf ihre Gage zu verzichten, pendelt, seit er sich von New York etwas abgenabelt hat, zwischen den USA und Europa. Dieses Jahr hat es ihn wieder einmal auf den alten Kontinent gezogen. Im Berlin des Jahres 1928 der weltbeste Magier Wei Ling Soo, hinter dessen Maskerade sich der egozentrische und äusserst arrogante Brite Stanley Crawford (Colin Firth) verbirgt, von seinem Zauberer-Kollegen Howard Burkan (Simon McBurney) mit einem besonderen Auftrag betraut. Crawfords unbestechliches Auge soll in Südfrankreich den faulen Zauber eines Mediums aufdecken. Denn für ihn steht ebenso wie für Burkan fest: «Es gibt keine Geisterwelt.» Entsprechend selbstsicher nimmt Crawford die Herausforderung an, zumal er bei dieser Gelegenheit seiner geliebten Tante Vanessa (Eileen Atkins) in der Provence wieder einmal seine Aufwartung machen kann.

Zyniker durch und durch: Stanley mit Sophie.

Zyniker durch und durch: Stanley mit Sophie.

In der überaus grosszügigen Residenz der Catledges ist Sophie Baker (Emma Stone) derweil schon der Liebling aller. Das junge Medium geniesst den grössten Respekt der Mutter Grace (Jacki Weaver), mit deren verstorbenem Mann sie Kontakt aufnehmen soll und hat Sohn Brice (Hamish Linklater) mit ihrem attraktiven Äusseren bereits so weit gebracht, ihr einen Heiratsantrag zu machen. Stanley schafft es schon mit seinem ersten, vor Zynismus und Überheblichkeit triefenden Auftritt alle gegen sich aufzubringen – ausser Sophie selbst. Während sich die vermeintliche Betrügerin in den zahlreichen gemeinsam verbrachten Tagen an der malerischen Côte d’Azur in den steifen Briten zu verlieben beginnt, kommen bei Stanley ernsthafte Zweifel an seinem eigenen Weltbild auf, denn Sophies Wahrsagungen sind sehr überzeugend…

Akteure auf Augenhöhe: Emma Stone und Colin Firth.

Auf Augenhöhe: Emma Stone und Colin Firth.

Ob Colin Firth und Emma Stone für «Magic in the Moonlight» ohne Gage vor der Kamera standen ist nicht bekannt. Falls sie es aber taten, dann hat sie dies in ihrer Leistung nicht gehemmt. Im Gegenteil: Das auf den ersten Blick ungleiche Paar harmoniert in der Sonne Südfrankreichs hervorragend. Firth, der Paradeschauspieler für einen arroganten Engländer, ist sehr fein in seiner Darstellung der feinen Risse in Stanleys rationaler, streng nach naturwissenschaftlichen Regeln aufgebauter Welt, den stetig wachsenden Zweifeln an seiner Weltanschauung, seinem Glauben und auch seiner Gefühle. Er wird von den Fesseln der Rationalität richtiggehend befreit und ist empfänglich für die Schönheiten und Geheimnisse dieser Erde. An seiner Seite brilliert Stone als theatralisch agierendes Medium, das sich der betörenden Wirkung seines auf seine Umwelt absolut bewusst ist und diese auch einzusetzen weiss. Entsprechend wird ihr Selbstbewusstsein erschüttert, als Stanley komplett immun gegenüber ihren weiblichen Reizen zu sein scheint. Die Entwicklungen dieser beiden Figuren gibt dem leichtfüssigen Film eine Dynamik, die hervorragend unterhält.

Unermüdlicher Altmeister: Woody Allen.

Unermüdlicher Altmeister: Woody Allen.

Woody Allen holt sein Stammpublikum auch dieses Jahr wieder ab. Nicht mit einem Meilenstein wie letztes Jahr mit «Blue Jasmine», aber mit einem leichtfüssigen, sonnendurchfluteten Film. Ein Theater-ähnlicher Aufbau in einem herrlichen Setting, wunderbar gefilmt – nur das Ende wirkt etwas abrupt. Hier hätten fünf Minuten mehr nicht geschadet. Aber vielleicht macht der «Stadtneurotiker» das schon 2015 wieder besser. Sein nächstes Projekt ist bereits im Kasten. Einen Titel hat es noch nicht, aber Emma Stone in der Hauptrolle und Amerika turnusgemäss als Drehort. Auf Woody ist eben Verlass. Auch mit bald 79 Jahren.

«Magic in the Moonlight» läuft ab 27. November 2014 im kult.kino Atelier und im Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 27. November: Paddington, Alles ist Liebe, Freifall – eine Liebesgeschichte, Mulhapar, The Disappearance of Eleanor Rigby: Him.

Eine schrecklich nette Steinzeit-Familie

Fabian Kern am Mittwoch den 20. März 2013

Filmplakat

«The Croods» läuft ab 21.3. im Küchlin, im Plaza und im Rex.

«Verlass nie die Höhle!» Als Familienoberhaupt Grug (Nicolas Cage) das oberste Überlebensprinzip für seine Sippe zum ersten Mal propagiert, ist schon klar, womit die Croods konfrontiert werden: mit der gefürchteten Veränderung. Zwar hat der bärenstarke Höhlenmensch mit der Unterdrückung der Neugier seine sechsköpfige Familie bisher am Leben erhalten gesichert, was angesichts der Vielzahl an natürlichen Feinden vor ein paar Millionen Jahren bereits eine Leistung ist. Doch seine Tochter Eep (Emma Stone) will sich mit dem kümmerlichen Dasein in der schummrigen Höhle nicht abfinden. Sie ist ihrer Zeit weit voraus, will Sonnenschein und Lebensqualität. Ihre Abenteuerlust wird noch zusätzlich angestachelt, als ihr der schnucklige Visionär Guy (Ryan Reynolds) über den Weg läuft, der trotz seiner Jugend so viel mehr zu wissen scheint als die Croods.

Die Croods

Auf zu neuen Ufern: die Croods. (Bilder: 20th Century Fox/DreamWorks)

Eep und Guy

Mehr als nur Sympathie: Eep und Guy.

Die Wahl, ob man Guys krude Prophezeiung von Erdbeben und Lavaströmen glauben oder sich einfach wieder in die Höhle verziehen will, wird den Croods einfach gemacht, da ihr Heim durch einen Felssturz zerstört wird. Wohl oder übel muss sich die urzeitliche Familie auf den ersten Road Trip der Menschheit machen und entdeckt dabei Erstaunliches: Regenwälder mit bunten Geschöpfen aus Mutter Naturs Evolutionslabor, neue Feinde und neue Verbündete sowie – das Feuer. Die Suche nach einer sicheren neuen Heimat wird nicht nur ein Kampf gegen die Tücken der Kontinentalverschiebung, sondern auch gegen den eigenen Charakter. Vor allem für Grug.

Grug

Ausgeprägter Beschützerinstinkt: Grug.

DreamWorks begeht mit «The Croods» ein Stück weit Neuland. In den bisherigen Blockbustern des Animationsstudios waren immer Tiere oder Fantasiegestalten die Protagonisten: Shrek, Kung Fu Panda, Madagaskar und deren Sequels waren die grössten Hits von Jeffrey Katzenberg und Co. Nun stehen erstmals menschliche Helden im Mittelpunkt. Die Croods sind eine Familie von ungehobelten, aber liebenswerten Figuren, deren Identifikationsgrad um einiges höher ist als jener der Ice-Age-Konkurrenz. Die platte Botschaft, die der Story unterlegt ist, wird wettgemacht mit rasanter Action und gut sitzenden Gags. Das 3D-Abenteuer kann sich sehen lassen, ist aber nicht für die Kleinsten geeignet.

«The Croods» läuft ab 21. März 2013 in den Basler Kinos Pathé Küchlin, Pathé Plaza und Rex.

Weitere Filmstarts in Basel am 21. März: Le Plan Parfait, Spring Breakers, Himmelfahrtskommando, Fill the Void, Ostwind, When Pigs Have Wings, No.

Die glorreichen Sechs

Fabian Kern am Mittwoch den 23. Januar 2013

Filmplakat

«Gangster Squad» läuft ab 24.1. im Pathé Küchlin.

Mafia-Filme sind in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommen. Es fehlten die frischen Storys und nicht zuletzt auch die glaubwürdigen Darsteller. Die de Niros und Pacinos sind in die Jahre gekommen. Schön deshalb, dass sich nun ein anderer Grosser des US-Kinos als Mob-Chef die Ehre gibt. Sean Penns Figur Mickey Cohen ist allerdings kein Pate, der trotz aller Grausamkeit einen gewissen Stil besitzt, sondern ein roher, machtbesessener Emporkömmling, welcher den alten Chicagoer Mafiosi ein Schnäppchen schlagen will. Cohens Plan ist es, zuerst Los Angeles und dann die gesamte Westküste unter seine Kontrolle zu bringen. Und der ehemalige Boxer von der Ostküste, der auch in Realität die Stadt der Engel terrorisierte und zu dessen Ehre Penns Nase verbreitert wurde, tut dies mit Nachdruck. Drogen, Prostitution, Wetten – alles läuft über Cohen. Seine dreckigen Geschäfte lässt er von bestochenen Polizisten und Politikern beschützen.

Gangster Squad

Sechs Männer gegen das organisierte Verbrechen:Die Gangster Squad (Bilder: Warner Bros.)

Cohen und O'Mara

Erbitterte Feinde: Cohen und O'Mara.

Doch es gibt auch im korrupten L.A. der 40er-Jahre die «Unbestechlichen». Und der Eliot Ness der Westküste ist John O’Mara (Josh Brolin). Der aufrichtige Sergeant wird von Polizeichef Bill Parker (Nick Nolte) zur Rekrutierung einer Sondereinheit beauftragt, die ganz inoffiziell Cohens Geschäfte sabotieren und seine Herrschaft beenden soll – die Gangster Squad. O’Maras sechsköpfige «Guerilla-Einheit» reizt ihre Vogelfreiheit voll aus und bedient sich unzimperlicher Massnahmen – so sehr, dass die Grenze zwischen Gangstern und Cops zeitweise verschwimmt. Doch Cohen gibt sein Empirium nicht kampflos her und schlägt mit voller Härte zurück. Ein blutiger Krieg entbrennt.

Grace Faraday

Verführerisch: Grace Faraday (Emma Stone).

Filme mit dem Label «Inspired by a true story» haftet oft eine gewisse Bedeutungsschwere an. «Gangster Squad» hingegen umschifft diese Hürde mit spielerischer Leichtigkeit. Der Film ist wie aus einem Guss: In keinem einzigen Moment kommt Langeweile auf, die bleihaltige Story steuert stilsicher auf ein würdiges Finale zu. Das ist grosses Spannungskino. Und der Cast ist schlicht grandios. Als Gegenspieler von Penn, der Cohen an der Grenze zur Karikatur darstellt, brillieren neben Brolin der gewohnt leichtfüssige Ryan Gosling («Drive»), Giovanni Ribisi («The Rum Diary»), Anthony Mackie («Man on a Ledge»), Michael Peña («End of Watch») und Robert Patrick («Safe House»). Shooting Star Emma Stone («Crazy, Stupid, Love») spielt als verruchte Schönheit derweil ein gefährliches Spiel mit Cohen. Besser kann ein Gangsterfilm in der heutigen Zeit nicht besetzt werden. Und mehr kann man sich von einem Gangsterfilm nicht wünschen.

«Gangster Squad» läuft ab 24. Januar 2013 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 24. Januar: Flight, Chasing Mavericks, Lincoln, Blancanieves, Quartet, Shanghai Shimen Lu.