Beiträge mit dem Schlagwort ‘Edgar Ramirez’

Adrenalin statt Thrill

Fabian Kern am Mittwoch den 20. Januar 2016

«Point Break» läuft ab 21.1. in Küchlin und Rex.

«Point Break» läuft ab 21.1. in Küchlin und Rex.

«Ich bin nicht zum FBI gekommen, um Surfen zu lernen.» Dieser Satz stammt aus der besseren Fassung von Point Break, dem Original von Kathryn Bigelow aus dem Jahr 1991. Gesprochen hat ihn Keanu Reeves, ein frisches, aufstrebendes Gesicht in Hollywood, drei Jahre vor seinem endgültigen Durchbruch mit «Speed». Und dieser Satz bringt den Hauptunterschied zwischen dem packenden Thriller von damals zu dem spektakulären, aber blutleeren Remake von heute auf den Punkt: Bigelow machte einen Thriller, der im Surfer-Milieu spielt. Ericson Core («Invincible») machte einen Extremsport-Film mit Thriller-Elementen, quasi ein Red-Bull-Magazin, das mit einer Crime-Story angereichert wurde.

Pistole statt Motorrad: Johnny Utah.

Pistole statt Motorrad: Johnny Utah.

Das an sich wäre nicht verwerfllich, wenn da nicht das Label Point Break wäre. Doch mit diesem hat es nur die Figuren gemeinsam und nicht einmal das auf der ganzen Linie. Zwar heissen die Hauptdarsteller Johnny Utah (Luke Bracey), Bodhi (Edgar Ramirez), Ausbilder Hall (Delroy Lindo) und Agent Pappas (Ray Winstone) gleich. Und es geht auch um einen jungen FBI-Agenten, der in ein verbrecherische Gruppe von Extremsportlern eingeschleust wird, um den Fall verdeckt zu lösen. Der ebenfalls in eine Romanze verstrickt wird, in diesem Fall mit der betörenden Samsara (Teresa Palmer). Doch wie der eingangs zitierte Satz schon erklärt, hat der Original-Utah keine Vergangenheit als Adrenalin-Junkie – ganz im Gegensatz zur Figur von Luke Bracey. Dieser war ein Motocross-Star, bis bei einem waghalsigen Stunt ein guter Freund von ihm in den Tod stürzte.

Die Herausforderungen führen vom Atlantik...

Die Herausforderungen führen vom Atlantik…

... bis auf die höchsten Klippen der Alpen.

… bis auf die höchsten Klippen der Alpen.

Und dann, sieben Jahre später, steht er kurz davor, ein vollwertiger FBI-Agent zu werden. Begleitet von einer Portion Misstrauen wegen seiner früheren Tätigkeiten liefert Utah den entscheidenden Hinweis, um wen es sich bei einer Gruppe handeln könnte, die mittels waghalsigen Aktionen Diamanten aus einem Wolkenkratzer und Bargeld aus einem Flugzeug klaut, nur um das Vermögen zu verschenken: um Extremsportler mit einem grossen Ziel – den «Ozaki 8». Das sind die ultimativen acht Prüfungen für die Waghalsigsten unter den Extremen. Utah beschreibt die Schwierigkeit dieser Herausforderungen auf Snowboard, Surfbrett, im Wingsuit, im freien Fall, beim Freeclimbing und Kombiniertes: «Unter Umständen kann man ein ganzes Leben lang auf nur eine dieser Prüfungen hin trainieren und sie nicht schaffen.» Er allerdings schafft es nach sieben Jahren – von denen man zugegebenermassen nicht weiss, was er ausser der FBI-Academy alles angestellt hat – einfach so mit dieser Gruppe mitzuhalten und innert weniger Tagen gleich zwei Prüfungen erfolgreich zu absolvieren.

... und verfällt der verführerischen Samsara.

… und verfällt der verführerischen Samsara.

Johnny gewinnt das Vertrauen von Bodhi...

Johnny gewinnt das Vertrauen von Bodhi…

Vom Moment an, in dem Utah mit Bodhi, dem Anführer der Gruppe, Kontakt aufnimmt, lassen die atemberaubenden Stunts die Story zunehmend in den Hintergrund rücken. Auch die menschliche Geschichte um Vertrauen und Verrat, die Utah beschäftigt, vermag nicht wirklich zu fesseln. Da war das Psycho-Duell zwischen Keanu Reeves und Patrick Swayze vor 25 Jahren viel intensiver und dramatischer, während die Chemie zwischen Luke Bracey und Edgar Ramirez nicht ganz stimmt. Der Reiz von «Point Break» liegt deshalb in den atemberaubenden Stunts, die von den besten Cracks der Welt ausgeführt und in 3D festgehalten wurden. Sie fesseln einen an den Sitz und geben auch den Ängstlichen einen ansatzweisen Eindruck, wie das ist, von einem Berg zu springen, in der Falllinie ein Schneefeld hinunterzuboarden oder durch den türkisblauen Tunnel einer sich brechenden 15-Meter-Welle zu surfen. Deshalb passt der kurze Gastauftritt des Schweizer Halfpipe-Olympiasiegers Iouri Podlatchikov auch so gut. Es ist mehr Dokumentarfilm als Thriller und hätte sich deshalb einen Gefallen getan, einen Titel wie «The Ozaki Eight» zu geben, anstatt den Vergleich mit «Point Break» anzustreben – und dabei abzufallen.

Und das war übrigens das Original aus dem Jahr 1991:

«Point Break» läuft ab 21. Januar 2015 in den Kinos Pathé Küchlin und Rex in Basel.

Weitere Kinostarts in Basel am 21. Januar: Daddy’s Home, Brooklyn, Anomalisa, Die dunkle Seite des Mondes, Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs, Quo Vado?

Die Aura der Jennifer Lawrence

Fabian Kern am Mittwoch den 30. Dezember 2015

«Joy» läuft ab 31.12. in Studio Central und Küchlin.

«Joy» läuft ab 31.12. in Studio Central und Küchlin.

Filme über starke Frauen klingen in vielen Männerohren wie der blanke Horror. «Stark» heisst bei Frauen männermordend oder zumindest männerverachtend, im besten Fall einfach langweilig, auf keinen Fall aber sehenswert. Deshalb hat Mann schnell eine Ausrede zur Hand, wenn die bessere Hälfte auf einen Kinobesuch eines dieser gefürchteten Filme drängt. Zum Jahresende nun erhalten diese potenziellen Opfer ein verspätetes Weihnachtsgeschenk oder einen Beziehungs-Vitaminschub für neue Jahr: Nun können sie ihren Frauen frohen Mutes einen Film über eine starke Frau vorschlagen. Denn ab Silvester verkörpert Jennifer Lawrence eine solche. Das ist eine seltene Win-Win-Situation, die ein Pärchen-Happy-End für 2015 verspricht.

Wer kann dieser Frau widerstehen?

Wer kann dieser Frau widerstehen? Jennifer Lawrence und Edgar Ramirez.

Denn Jennifer Lawrence ist ein Phänomen. Sie fasziniert das vermeintlich starke Geschlecht mit einer Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit aus Humor und Intelligenz – was in Kombination mit ihrem fantastischen Aussehen eine hochattraktive Mischung gibt. Sex-Appeal trifft Kumpel-Typ, sozusagen. Ob als Katniss Everdeen, dieser Jungfrau von Orléans in der End-Zeit von Panem, als durchgeknallte Tiffany in «Silver Linings Playbook», als blaue Mystique bei den X-Men oder als unterschätzte Blondine Rosalyn Rosenfeld in «American Hustle» oder einfach als Jennifer Lawrence, die einen Misstritt auf dem Roten Teppich mit einem gewinnenden Lächeln auffängt – diese Frau versteht es, im Mann Lust und Beschützerinstinkt gleichermassen zu wecken. Und dabei ist sie gerade mal 25 Jahre alt.

Am Ende: Joy mit ihrem Vater (Robert de Niro).

Am Ende? Joy mit ihrem Vater (Robert de Niro).

David O. Russell hat dies schon früh erkannt. Kein Wunder, inszeniert der Regisseur mit «Joy» schon zum dritten Mal Jennifer Lawrence in einer Hauptrolle. Während sie sich diese in «Silver Linings Playbook» (2012) und «American Hustle» (2013) noch mit Bradley Cooper beziehungsweise Cooper, Christian Bale und Amy Adams teilen musste, wird im aktuellen Werk der Scheinwerfer ganz auf sie gerichtet. Die Rolle einer jungen Mutter, die ihre realitätsfremde Mutter beherbergt, ihren Ex-Mann im Keller duldet und sich schliesslich auch noch mit ihrem opportunistischen Vater herumschlagen muss, ist wie für sie gemacht. Denn Joy, deren einziger Rückhalt ihre Grossmutter darstellt, zerbricht nicht an diesen Bürden des Lebens. Als ihr der Privatkonkurs droht, gibt sie nicht auf, sondern geht in die Offensive. Sie erfindet den ersten selbst auswringbaren Mop und bringt ihn mit grossem Einsatz auf den Markt. Doch um auch Profit damit zu machen, muss sie sich gegen alle möglichen Widrigkeiten durchsetzen und sich von der Hausfrau zur toughen Geschäftsfrau entwickeln.

Lichtblick in einer schrecklich netten Familie: Joy.

Lichtblick in einer schrecklich netten Familie: Joy.

Wenn Jennifer Lawrence leidet, möchte man sie in den Arm nehmen. Wenn sie wütend ist, möchte man nicht der Grund dafür sein. Wenn sie lacht, geht die Sonne auf. Wer sich der Aura dieser jungen Frau aus Louisville, Kentucky, verschliesst, dem ist nicht zu helfen. Der Untertitel ihres neusten Films könnte auch der Slogan für ihr eigenes Leben sein: «Alles ausser gewöhnlich».

P.S. «Joy» ist zwar eine One-Woman-Show von Jennifer Lawrence, doch der Cast dieser intelligenten und absolut sehenswerten Biografie ist auf der ganzen Linie hochklassig: Die Namen Robert de Niro, Isabella Rossellini, Virginia Madsen, Diane Ladd und Bradley Cooper halten, was sie versprechen.

«Joy» läuft ab Silvester 2015 in den Kinos Pathé Küchlin und Studio Central in Basel.

Weitere Kinostarts in Basel am 31. Dezember: Legend, The Big Short.