Beiträge mit dem Schlagwort ‘Ed Helms’

Die Griswolds attackieren die Geschmacksnerven

Fabian Kern am Mittwoch den 19. August 2015

«Vacation» läuft ab 20.8. im Küchlin und im Rex.

«Vacation» läuft ab 20.8. im Pathé Küchlin und im Rex.

Amerika liebt es, sich selbst zu feiern. Seine Traditionen, seine militärische Stärke, sein – zugegeben wunderschönes – Land. Dass dies sogar mit einer gehörigen Portion Selbstironie möglich ist, bewiesen Chevy Chase und Co. mit der «National Lampoon’s Vacation»-Reihe in den Achtziger- und Neunziger-Jahren. Die chaotische Vorstadt-Familie Griswold legte damals jedes ihrer Urlaubsziele in Schutt und Asche, ganz abgesehen von zahlreichen Kollateralschäden auf dem Weg dorthin. Nun ist der damals halbwüchsige Sohn Rusty selbst Vater von zwei Kindern und möchte die – aus seiner Sicht – schönen Ferienerinnerungen aus seiner Jugend mit seiner eigenen Familie aufleben lassen: mit einem Roadtrip in den kalifornischen Vergnügungspark «Walley World».

Highlight: Chris Hemsworth (r.) als Schwager Stone.

Highlight: Chris Hemsworth (r.) als Stone.

Mineralquelle oder Kloake? Die Antwort dürfte klar sein.

Mineralquelle oder Kloake? Die Antwort ist klar.

Die Sache mit dem Humor wurde an dieser Stelle schon mehrfach abgehandelt. Das Urteil bleibt: es ist Geschmackssache. Aber gerade der Geschmack wird von den Griswolds der zweiten Generation auf eine harte Probe gestellt. Alle möglichen Körperflüssigkeiten sowie Magen- und Darminhalte werden regelmässig eingesetzt, um – ja was eigentlich? Die Leute zum Lachen zu bringen? Naja, wers mag. Auf nüchternen Magen ist die Komödie jedenfalls nicht zu empfehlen. Dabei hätte Ed Helms («Hangover»), der als Rusty ziemlich nervt, vor zwei Jahren Anschauungsunterricht gehabt, wie man eine Komödie über eine Familie auf Roadtrip zum Brüllen komisch gestaltet, denn er spielte im Sommerhit «We’re the Millers» ebenfalls mit. Jener Film schaffte die so schwierige Gratwanderung zwischen Slapstick, Gags unter der Gürtellinie und guter Unterhaltung meisterlich.

Griswolds mit Grosseltern

Die erste und zweite Generation der Griswolds.

Diese Gesten sind ein steter Begleiter der Griswolds.

Diese Gesten sind steter Begleiter der Griswolds.

Auf solche Lobeshymnen müssen wir im Fall von «Vacation» leider verzichten. Zwar ist der Cast mit Ed Helms, Christina Applegate («Eine schrecklich nette Familie», «Anchorman»), Leslie Mann («The Other Woman», «This ist 40») oder dem herrlich überdreht spielenden Chris Hemsworth («Thor») vielversprechend und treibt die Fahrt quer durch die Vereinigten Staaten jedem Verkäufer von US-Reisen Freudentränen in die Augen, aber nur Haudrauf-Humor und groteske Szenen zum Fremdschämen sind heutzutage nicht mehr gefragt. Das mag zu den besten Zeiten von Chevy Chase und Beverly d’Angelo so gewesen sein. Aber dass diese vorbei sind, sieht man beim ersten Blick auf die Hauptdarsteller der 80er-Griswolds: Der eine hat den Frust eimerweise in sich hineingefressen, die andere ihre Gagen beim Schönheitschirurgen verprasst. Man hätte die Griswolds besser im Filmarchiv gelassen.

«Vacation» läuft ab 20. August 2015 in den Kinos Pathé Küchlin und Rex in Basel.

Weiterer Kinostart in Basel am 20. August: Southpaw.

Die unglaubliche Reise in einem verrückten Camper

Fabian Kern am Mittwoch den 28. August 2013

Filmplakat

«We’re the Millers» läuft ab 29. August im Capitol, Rex und Pathé Küchlin.

Eigentlich gibt es keinen Grund, warum der Kinofilm «We’re the Millers» lustig sein sollte. Zwar wird der Plot mit Jason Sudeikis von einem echten Komödianten (Saturday Night Live) getragen, aber schon beim Namen Jennifer Aniston zweifelt man, ob das nicht wieder eine dieser 0815-Komödien ist, mit denen sich zwar langweilige Abende totschlagen lassen, die einem aber nicht mehr als ein müdes Lächeln abringen. Dazu dieser Plot: Ein Gras-Dealer Ende dreissig, der nicht erwachsen werden will, muss Marihuana aus Mexiko in die USA schmuggeln, um bei seinem Boss die Schulden zu begleichen. Schnarch. Dazu seine zündende Idee: Er stellt sich aus drei Losern in seiner Nachbarschaft eine Bünzli-Familie par excellence zusammen, um das Dope in formvollendeter auffällig-unauffälliger Tarnung in einem Riesencamper über den Zoll zu bringen. Bitte.

Familienausflug nach Mexiko: die Millers. (Bilder: Warner Bros.)

Heiterer Familienausflug nach Mexiko: die Millers. (Bilder: Warner Bros.)

Doch damit nicht genug. Die hirnrissige Geschichte, dass eine Ansammlung von Verlierern einem mexikanischen Drogenkartell zwei Tonnen Gras klauen kann, lassen wir mal aussen vor. Denn schon der Humor – in einer Komödie nicht ganz unerheblich – ist diskutabel. Gags gibt es zuhauf, oft zielen diese aber unter die Gürtellinie. Sexual- und Fäkalhumor sind spätestens seit den Machwerken der Farrelly-Brüder («Dumb & Dumber», «There’s Something About Mary») out. Zu allem Übel zielt die Story offensichtlich nur auf eines ab: die Läuterung des chronischen Junggesellen und Kindskopfs David (Sudeikis). Ob er wohl mit der ungeliebten Nachbarin und Stripperin im Ruhestand Rose (Aniston) schliesslich zusammenkommt? Na? Wie oft haben wir das schon gesehen? Ausserdem hat der nervige «Sohn» Kenny (Will Poulter) akutes Nerd-Potenzial und die gemeinsame Nacht mit einer echten Camping-Familie das Zeug zum Fremdschämen.

David und der mexikanische Goliath.

David und der mexikanische Goliath.

Also: Es gibt keinen Grund, warum das alles lustig sein soll. Erstaunlicherweise ist «We’re the Millers» aber genau das: lustig. Und wie. Sie fragen warum? Die Frage ist berechtigt. Regisseur Rawson Marshall Thurber, dessen bisher bekanntestes Werk den politisch korrekten Titel «DodgeBall – voll auf die Nüsse» trägt, hat die richtige Mischung aus Klamauk und Action, Blödeln und Unterhaltung gefunden. Der Cast ist sichtlich gut aufgelegt, und man verzeiht ihm auch jene Geschmacklosigkeiten, die nun wirklich zu weit gehen – wie Davids Vorschlag, Kenny soll einem schwulen mexikanischen Polizisten mittels Oralverkehr bestechen. Das Erfolgsgeheimnis aber ist wohl die Tatsache, dass niemand sich oder den Film zu ernst nimmt. Man versucht nicht, um jeden Preis lustig zu sein, sondern ist es einfach. Und das trotz eines absurden Plots. Faszinierend.

«We’re the Millers» läuft ab 29. August 2013 in den Basler Kinos Capitol, Rex und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 29. August: Feuchtgebiete, Planes, R.I.P.D., The Look of Love, Halb so wild, The Mortal Instruments: City of Bones, To the Wonder.