Beiträge mit dem Schlagwort ‘Dreispitz’

Space Disco

Luca Bruno am Freitag den 15. Februar 2013

Im Nachhinein ist man immer schlauer und dementsprechend waren wir rückblickend betrachtet vielleicht doch ein wenig übereilig, als wir vor knapp zwei Jahren das Dreispitzareal als «Soon-to-be Kulturhotspot» betitelten. So wurde der Umzug der Hochschule für Gestaltung und Kunst mittlerweile auf frühestens 2014 verschoben und auch das einst so geschätzte Shift-Festival macht dieses Jahr bereits zum zweiten Mal in Folge Pause – dem anfänglichen Enthusiasmus ist also längst Ernüchterung gewichen. Höchste Zeit also, diesen Negativschlagzeilen ein Ende zu bereiten.

Und in der Tat: Erst kürzlich kam mit der Eröffnung der «Rakete Dreispitz» wieder ein bisschen Schwung in das Quartier und diesen Sonntag, am 17. Februar 2013, wird sich nun gleich noch ein zweites Himmelsobjekt zum ersten Mal auf dem Radar des Dreispitz-Orbits zeigen: Die «MIR».

Hinter dem Verein «MIR» stehen zahlreiche, vorwiegend junge Basler Kulturschaffende, darunter Tonwerk, die Veranstalter der Partyreihen «Balztanz» (Hinterhof) und «Nachtigall» (Garage), und umtriebige DJs wie Shaka, Eskimo* oder Miss Peel – letztgenannte steht dem Verein übrigens vor, die dem Clubsterben in Basel mit einem neuen Veranstaltungsort entgegen wirken wollen. Mit einer Zwischennutzung vom «Raum D» des «Hauses für elektronische Künste» an der Oslostrasse hat der Verein den idealen Ort gefunden, um am Abend vor dem «Morgestraich» das Abenteuer «MIR» in Angriff zu nehmen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Abrissparty auf dem Dreispitz

Joel Gernet am Freitag den 21. Dezember 2012

Die letzte Stunde der YourGallery rückt näher: Ende Jahr wird das Kleinod des Kunstvereins 0123spitz seine Pforten am Walkeweg für immer schliessen. Bevor es soweit ist, steigt in der Halle neben der 36er-Bushaltestelle eine letzte Abrissparty in Form der Abschiedsausstellung «Les Copins». Heute Freitag wird sie eröffnet.

Daniel Fröhlicher aka Jon Doe, Initiant der YourGallery.

Zum letzten Tanz bitten mit Ynre und Jon Doe zwei der Künstler, die die Geschicke der YourGallery in den vergangenen eineinhalb Jahren leiteten. Während es in der vorletzten Ausstellung von Graffiti-Legende Kron vor allem Bilder mit Gesichtern und Figuren zu sehen gab, bekommen die Besucher nun wieder eine geballte Ladung Buchstaben vorgesetzt – von filigran bekritzelten Leinwänden über saftige Tag-Schriftzüge bis hin zu klassischem Wand-Graffiti.

Und als Abschlussbouquet haben es sich Ynre und Jon Doe nicht nehmen lassen, die Gallery-Mauern bis unters Dach zuzubomben. «Wir wollten durchdrehen und den Raum so bemalen, wie es bisher noch nie der Fall war», sagt Daniel Fröhlicher alias Jon Doe. Der Galeriegründer und Vereinspräsident blickt auf eine ereignisreiche Zwischennutzung mit rund 20 Ausstellungen zurück.

Im Sommer 2011, kurz vor der Art Basel, bekam er Wind von der leerstehenden Garagenhalle – und schlug zu. «Als ich den Raum und den Mietpreis sah, wusste ich: da ist etwas machbar», erinnert sich der 30-Jährige. Ohne Konzept, dafür mit umso mehr Elan, erschufen Fröhlicher und seine Kunstkollegen – alle mit Graffiti-Hintergrund – quasi über Nacht einen neuen Basler Offspace für junge, urbane Kunst. «Es war cool, etwas für Basel machen zu können», sagt Fröhlicher. Als grösster Erfolg wertet er, dass sich die YourGallery während der Zwischennutzung eine treue Fanbasis erarbeiten konnte und in der Öffentlichkeit als Kunstplattform wahrgenommen wurde. Unvergessen auch die Sommernächte im Hinterhof der Galerie – mit Grill, Getränken und Blick auf die Bilder im Innern der Halle.

Zähne zeigen: Eines der Bilder von Ynre.

Zähne zeigen: Eines der Bilder von Ynre.

«Klar hat uns die Gallery zeitweise auch aufgefressen, schliesslich haben wir sehr viel Zeit investiert – aber ich bereue nichts», sagt Fröhlicher mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht. Wie es 2013 weitergeht, weiss der 30-Jährige noch nicht genau. Nach alternativen Standorten hat sich der Kunstverein zwar bereits (erfolglos) umgesehen. Man ist sich aber auch bewusst, welche Perle man sich mit der ausrangierten Garage geangelt hat. «Wir waren verwöhnt mit dieser Halle an diesem zentralen Standort », findet Fröhlicher.

Wenn sich eine neue Gelegenheit bietet, ist ein Revival nicht ausgeschlossen – forcieren will man aber nichts. «Wir wollen Spass haben – und nicht eine professionelle Galerie betreiben», erklärt Fröhlicher. Der Kunstverein 0123spitz bleibt jedenfalls auch ohne festes Domizil bestehen. Und voraussichtlich wird es auch 2013 vereinzelte Events geben. Wo auch immer. Bevor es soweit ist, steht jetzt aber eine letzte Ausstellung zweier «Copains» an – und danach bleiben viele farbige Erinnerungen.

Les Copains. YourGallery, Walkeweg 1, Basel, Fr. 21. Dezember bis So. 30. Dezember. Öffnungszeiten

Dreieckige Aliens auf dem Dreispitz

Joel Gernet am Freitag den 7. September 2012
Sick of being cool: Timothy Hall im Kreis seiner «Pictos».

Sick of being cool: Timothy Hall im Kreis seiner «Pictos».

Die YourGallery auf dem Dreispitz ist von Aliens eingenommen worden. Dreieck-förmige Wesen mit gummiartigen Armen und einem einzigen grossen Auge, das den Besucher anstarrt, als ob dieser der Ausserirdische wäre. Irgendwie erinnern einen die dreispitzigen Dinger an die schlabbrigen Aliens aus den Simpson-Folgen. Kein Wunder, zählt doch die gelbe TV-Familie zu den Comic-Einflüssen von Alien-Erschaffer Timothy Hall. «Pictos» nennt der 28-Jahrige seine Dreieckköpfe. «Mit ihnen will ich zurück zum Kindlichen und Comic-artigen», sagt Hall, dem die Wiedererkennbarkeit seiner Geschöpfe am Herzen liegt. «Sie sind alle gleich und trotzdem unterscheiden sie sich.»

«I Am Sick Of Being Cool» heisst diese erste Solo-Ausstellung des Baslers. Neben seinen Pictos präsentiert der HGK-Student mit Graffiti-Vergangenheit unter anderem auch Collagen seiner Serie «MyModels», für die Hall Models aus Hochglanzmagazinen entführt und ihren Luxus-Laufsteg durch Pappkarton ersetzt. «Ich pflücke die Models aus den Mode-Heftchen und nehme ihnen die Identität, indem ich ihre Gesichter überklebe», erklärt er die fehlende Menschen-Visage seiner Kunstkörper. Mit 20 Franken pro Stück sind die Karton-Collagen die preiswertesten Exponate. Wer einem der Pictos ein neues Zuhause bieten will, bezahlt zwischen 50 und 300 Stutz.

Dass Hall seine erste Solo-Schau ausgerechnet in der YouGallery präsentiert, ist alles andere als Zufall. Der 28-Jährige gehört zu den Mitbegründern der Urban-Art-Galerie, die seit Mai 2011 regelmässig regionale Jungkunst zeigt auf dem Gelände der ehemaligen Autowerkstatt bei der 36er-Bushaltestelle Dreispitz. Getragen wird der Offspace durch den eigens gegründeten Kunstverein 0123spitz. Ende Jahr ist die YourGallery – zumindest am jetzigen Standort – Geschichte. Anfang 2013 werden die alten Werkstätten platt gemacht. Bis die Bagger auffahren realisieren die Zwischennutzer aber noch drei weitere Ausstellungen, bei denen neben einer Basler Graffiti-Legende auch zum ersten Mal ein ausländischer Künstler zum Zug kommt. Die Abriss-Ausstellung zum Abschluss wird dann wieder mit Künstlern aus den eigenen Reihen bestritten. So wie damals vor bald eineinhalb Jahren als alles begann.

I Am Sick Of Being Cool, YourGalerie (0123spitz), Walkeweg 1, Basel. Vernissage: Freitag, 7. September, ab 18 Uhr (inkl. Grill). Finissage: 16. September. Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag ab 18 Uhr.

Vor der Art attackiert die Strassenkunst

Joel Gernet am Donnerstag den 7. Juni 2012

Nicht weniger als vier Graffiti- und Streetart-Ausstellungen bereichern dieser Tage den regionalen Kunstkosmos zwischen Dreispitz und Riehen. Vom Galeristen-Liebling bis zum Untergrund-Künstler gibts dabei alles zu sehen – und kaufen. Ein Überblick.

Einfach weggeputzt! Über 300’000 Euro soll es wert gewesen sein, das Bild des britischen Streetart-Stars Banksy an einer Londoner Hausfassade. Die Behörden allerdings hatten keine Freude daran. Sie beseitigten das unerlaubt angebrachten Werk, das eine Szene des Kultfilms «Pulp Fiction» zeigte, in der John Travolta und Samuel L. Jackson mit Bananen anstatt Pistolen hantieren. Das war im März 2007. Heute, nach fünf weiteren Jahren Banksy-Hype, würde das Strassenbild wohl noch wertvoller eingeschätzt werden.

Rooftop: Das Banksy-Bild mit John Travolta und Samuel L. Jackson wurde 2007 in London weggeputzt.

Und es könnte ohne Weiteres an der Art Basel gezeigt und verkauft werden. Schliesslich geben hier Kunstsammler ohne mit der Wimper zu Zucken sechsstellige Beträge aus für Kunstwerke. Manchmal auch für solche aus dem Graffiti- und Streetart-Bereich. Allerdings ist Banksy in diesem Kosmos noch immer eine Ausnahmeerscheinung, der personifizierte Spagat zwischen Kunst und Kommerz. Er steht aber auch für eine steigende Zahl urbaner Künstler, die es in Galerien und an Kunstmessen zieht und die dort zunehmend Anklang finden.

Das liegt auch daran, dass viele Graffiti- und Streetart-Kenner zu potenziellen Käufern herangewachsen sind. Und dass viele Exponenten jetzt in einem Alter sind, in dem sie von der Kunst leben wollen, beziehungsweise müssen, oder eine Galerie gründen. Die Region Basel mit ihrer langjährigen Graffiti-Tradition ist dafür nicht das schlechteste Pflaster. Das zeigen auch die vier Graffiti- und Streetart-Ausstellungen, die rund um die Art Basel zum Besuch einladen: «Public Provocations» in der Carhartt Gallery Weil am Rhein (D), «Suspect» in der Galerie Schöneck Riehen, «L’art de vandalisme» in der YourGallery auf dem Dreispitz und die NeoVandalism Gallery im Gundeli. Hier gibts dieser Tage die Künstler zu sehen, deren Werke vielleicht morgen – oder übermorgen – an der Art Basel für teures Geld den Besitzer wechseln. Diesen Beitrag weiterlesen »

«Mode muss nicht unbedingt bequem sein»

Joel Gernet am Freitag den 25. Mai 2012

In ihrem Atelier am Vogesenplatz entwirft Yana Ryabenkaya (links) ihre Mode – zum Beispiel die aktuelle Sommerkollektion (rechts). Bilder: Joël Gernet / Ale Frigo

Keine Kleider – nur Hosen und Oberteile ohne Form! Yana Ryabenkaya kann nicht nachvollziehen, warum sich viele Schweizerinnen «wie Touristen» anziehen. «Ich verstehe die Mentalität der Frauen hier nicht», sagt die russische Modemacherin über ihre Geschlechtsgenossinnen in funktionaler Outdoor-Bekleidung. Wobei Letzteres perfekt zur Kreation passen würde, mit der sich Ryabenkaya in ihrem Basler Atelier gerade beschäftigt. Sie näht an einem Zelt.

Ein Kleid aus Yana Rays Sommerkollektion. (Bild: Eva Flury)

Die Frage, wer das anziehen soll – bei der heutigen Mode muss man sich ja über nichts mehr wundern –, beantwortet die blonde Russin mit schallendem Gelächter. Sie schneidert das Zelt für den Designermarkt des «Laufsteg Oslo», welcher am Samstag auf dem Dreispitzareal Mode, Markt und Musik zusammenbringt. Rund ein Dutzend Schweizer Jungdesigner und aufstrebende Labels werden ihre neusten Kreationen präsentieren – die Hälfte davon aus Basel.

Es wird also viele stilvolle Kleider zu kaufen geben für die in Ryabenkayas Augen zu oft zu bescheiden gekleideten Schweizer Frauen. Zugegeben, wer eine Modedesignerin auf den Kleidungsstil des Otto Normalverbrauchers anspricht, erhält eigentlich immer knackige Zitate. Erst recht, wenn diese wie Ryabenkaya aus Russland kommt, wo die Damen sich nicht so einfach mit ihrer naturgegebenen Schönheit abspeisen lassen, sondern diese mit entsprechender Kleidung und Schminke unter- beziehungsweise überstreichen. Dass aus der Russin die Basler Modemacherin Yana Ray wurde, ist dennoch aussergewöhnlich. Nicht wegen des Metiers, aber wegen des Weges dorthin. Diesen Beitrag weiterlesen »

Like a Bird on a Wire: Shift Festival 2011

Luca Bruno am Donnerstag den 27. Oktober 2011

(Die Hand von) Moritz von Oswald am Shift Festival 2010 (Bild: Eva Flury)

Heuer findet in der Dreispitzhalle (und Umgebung) zum fünften Mal das Shift Festival statt. Die diesjährige Ausgabe des Festivals der elektronischen Künste dauert von heute Donnerstag (27. Oktober) bis Sonntag (30. Oktober) und nebst Ausstellungen und Talks locken die Macher einmal mehr mit einem fantastischen Lineup der elektronischen Musik. Wir haben mit Jean-Marc Galler, dem Hauptverantwortlichen des Konzerthallenprogramms, über das Lineup gesprochen und bieten euch anschliessend noch unsere drei persönlichen Tipps fürs elektronische Wochenende. Diesen Beitrag weiterlesen »

Nun zum Spocht in Basel

chris faber am Freitag den 23. September 2011

Das Begehlager des Sportmuseums am Dreispitz lädt ab Heute 17 Uhr zum 48 Stunden-Marathon ein, mit vielen interessanten Gästen und 150.000 Objekten zum Staunen.

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Reflexionen der Realität

Joel Gernet am Freitag den 16. September 2011


Dunkle Laubbäume, heller Himmel. Links ein Geländer, rechts Bahnschienen, darüber Fahrleitungen. Kanten und Linien, ausgerichtet auf den Fluchtpunkt in der Bildmitte. Gespiegelt in einer Wasserlache, deren Oberfläche sich ebenfalls am Horizont zu verlieren scheint. Die Schwarzweiss-Fotographien, welche der Basler Terry Hofmann ab Samstag bei Nulleinszwei Dreispitz zeigt, sprechen eine deutliche Bildsprache – zumindest auf den ersten Blick. Bei näherer Betrachtung wirken Hoffmanns Werke jedoch irgendwie surreal: Velos stehen quer im Raum, Autos stehen Kopf, ein 3er-Tram verschwimmt als wäre es Teil einer Fata Morgana.

«Die meisten Bilder sind verkehrt herum aufgehängt», erklärt Terry Hofmann. Da es sich um symmetrische Sujets mit zentraler Spiegelachse handelt, ist diese «Manipulation» nicht sofort ersichtlich und der Blick des Betrachters verliert sich zuerst in der scheinbar normal dargestellten Hälfte des Bildes – welche in Wahrheit das Spiegelbild des tatsächlichen Objekts ist. Dieses steht Kopf. «Ich will damit aufzeigen, dass wir uns im Alltag oft blenden lassen und die schöne heile Welt oft nicht so ist, wie sie erscheint», sagt der 25-Jährige. Diesen Beitrag weiterlesen »

Gebt uns mehr von diesen Festen!

karen gerig am Montag den 30. Mai 2011

Der Dreispitz rief, die Leute kamen.

Schön wars, am Freitagabend. Sonne und Regen vermischten sich zur Regenbogenkunst am Himmel. Unter den wenigen verbliebenen Wolken tummelte sich das Partyvolk auf dem Dreispitzareal. Kaum hatten die Eröffnungsreden begonnen, wimmelte es in den Kunsträumen von Leuten. Den Reden selbst lauschten vergleichsweise wenige Ohren… Diesen Beitrag weiterlesen »

Überwachter Stadtrundgang

karen gerig am Freitag den 27. Mai 2011

Guck her, was die Kamera sieht!

Spontaneität ist etwas Tolles. Und im Internet sind wir ja flexibel. Deshalb machen wir eine Ausnahme und weisen hier noch in aller Kürze auf eine Veranstaltung hin, von der wir gerade erst erfahren haben. Deshalb, und weil die Veranstaltung sehr empfehlenswert ist. Bekanntlich feiert heute Abend auf dem Dreispitzareal das Haus für elektronische Künste seine Eröffnung. Eigentlich aber handelt es sich um ein ganzes Eröffnungswochenende mit Spezialveranstaltungen. Diesen Beitrag weiterlesen »