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Es lebe der Literatur-Trash!

Fabian Kern am Mittwoch den 15. Juni 2016

«Pride and Prejudice and Zombies» läuft ab 16.6. im Küchlin.

«Pride and Prejudice and Zombies»: ab 16.6. im Küchlin.

Die Hoffnung stirbt zuletzt – wie übrigens auch die Zombies, aber das nur am Rande. Die Hoffnung, die gemeint ist, ist jene auf einen geglückten Versuch, aus einem literarischen Stoff einen anständigen Trashfilm in B-Movie-Qualität auf die Leinwand zu bringen. Der verunglückten Beispiele gibt es einige, die in den letzten Jahren kurz auf- und gleich wieder tief in die hinteren DVD-Regale untergetaucht: «Brothers Grimm» (2005), «Abraham Lincoln: Vampire Hunter» (2012), «Hänsel & Gretel: Witch Hunters» (2013) oder «I, Frankenstein» (2014) – eine Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Und nun kommt also aus Grossbritannien der nächste Versuch. Das Werk versucht nicht einmal, sich hinter einem grossen Anspruch zu verstecken, denn der Titel ist an Plumpheit nicht zu überbieten: «Pride and Prejudice and Zombies». Dieses lieblose Anhängen des Splatter-Aspekts entpuppt sich aber schon bald als die grosse Stärke des Streifens von Burr Steers. Dadurch wird die Absicht transparent, die Erwartungen werden heruntergeschraubt, dem unbeschwerten B-Movie-Vergnügen steht nichts mehr im Weg. Und – Überraschung, Überraschung – ein solches ist die Zombie-Version von «Stolz und Vorurteil» tatsächlich auch.

Schönheit schützt nicht vor dem Zombie-Virus.

Weder Schönheit noch Adel schützen vor dem Zombie-Virus.

Es ist nicht verbürgt, ob Jane Austen, die Urheberin dieses Literaturklassikers, im Grab rotiert ob der Respektlosigkeit, ihr Gesellschaftsporträt aus dem 19. Jahrhundert zum Horrorvergnügen zu verschandeln. Der Aufschrei unter den Hütern klassischer Literatur ist aber garantiert. Dabei bewegt sich Burr Steers, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, aber erstaunlich nah an der weltberühmten Romanvorlage, die auch schon ernsthaft verfilmt wurde (2005; mit Keira Knightley in der Hauptrolle). Nah, wenn man die Kleinigkeit von Hunderten von Zombies ausblendet, die es nicht nur auf die saftigen Gehirne der süssen Bennet-Töchter abgesehen haben, sondern auf alle in England, ungeachtet von Alter oder sozialem Stand.

Auf alles vorbereitet: Elizabeth Bennet und ihre Schwestern.

Kampfbereit und furchtlos: Elizabeth Bennet und ihre vier Schwestern.

Trotz massiven Widerstands durch das Militär wütet die Plage unaufhaltsam auf der Insel. London droht zu fallen, und auch die Grafschaft Herfordshire sieht sich mit einer rapide steigenden Anzahl an Untoten konfrontiert. Deshalb bildet Mr. Bennet (Charles Dance) seine fünf Töchter in der chinesischen Kampfkunst aus. Während es das Ziel der Mutter ist, alle Mädchen möglichst schnell unter die Haube zu bringen und finanziell abzusichern, ist der Vater primär am Überleben seiner Sprösslinge interessiert. Die vier attraktiven Jungfrauen wissen sich auch gegen noch so hässliche Zombies zur Wehr zu setzen – nicht aber gegen ihre Gefühle. Denn als der attraktive Junggeselle Mr. Bingley (Douglas Booth) in die Nachbarschaft zieht und mit ihm der furchtlose Zombiejäger Mr. Darcy (Sam Riley), da ist es nicht nur um das Herz der schüchternen Jane (Bella Heathcote) geschehen, sondern auch um jenes der toughen Elizabeth (Lily James). Wenn da nur nicht der Stolz wäre und die Vorurteile – und die Zombies.

Freunde auch im Krieg: Mr. Bingley und Mr. Darcy.

Freunde auch im Krieg gegen die Zombies: Mr. Bingley und Mr. Darcy.

Die Hoffnung auf guten Literatur-Trash war gerechtfertigt. «Pride and Prejudice and Zombies» – man wagt es kaum zu schreiben – überzeugt tatsächlich. Hinter diesem kruden Titel verbirgt sich ein unterhaltsamer, rasanter Film mit schwarzem Humor, guter Action und einer Geschichte, für die sich die Jane Austen keineswegs schämen müsste, denn der rote Faden bleibt derselbe – womit sogar Pärchen abgeholt werden. Vielmehr könnte das ein Anreiz sein, die heutige Jugend für einen klassischen Stoff zu interessieren. Und wenn nicht, dann macht der Film einfach Spass.

«Pride and Prejudice and Zombies» läuft ab 16. Juni 2016 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Kinostarts in Basel am 16. Juni: Central Intelligence, The Conjuring 2, Ama-San, 7 Angry Indian Goddesses, Ma Ma, Nahid.

Demi für Sophie – ein schlechter Tausch

Fabian Kern am Donnerstag den 31. Mai 2012

LOL

«LOL» läuft ab 31. Mai in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.

Jede Generation hat ihr Kreuz zu tragen. Die Teenager des neuen Jahrtausends sind aufgewachsen mit Internet und Handys, Social Media sind ihre Heimat. Paradoxerweise trägt die Vielzahl an Kommunikationsmitteln aber dazu bei, dass immer weniger miteinander gesprochen wird. Der Film «LOL», ein Remake des gleichnamigen französischen Originals aus dem Jahr 2008, thematisiert genau jene Kommunikationsprobleme. Im Zentrum steht die High-School-Schülerin Lola (Miley Cyrus), die von ihren Freunden einfach nur Lol genannt wird – analog zur Chat-Abkürzung für «laughing out loud». Lolas Sorgen sind, wie es sich für einen Teenager gehört, nicht schulischer Art, sondern  drehen sich um die Liebe. Von ihrem Freund Chat betrogen, fühlt sie sich immer mehr zu ihrem – und gleichzeitig auch Chats – bestem Freund Kyle (Douglas Boothe) hingezogen. Gleichzeitig zickt sie mit ihrer Mutter Anne (Demi Moore) herum, die sich mit denselben Problemen abmüht.

Miley Cyrus und Demi Moore in LOL

Ihre Mutter Anne (Demi Moore) ist für Lola (Miley Cyrus) mehr Freundin als Mutter. (Bilder: Rialto)

Sie habe einen Film für die Generation der 16-Jährigen drehen wollen, sagte Lisa Azuelos über ihre Motivation, den ersten «LOL» zu drehen. Das ist ihr sicherlich gelungen. Die Teenager erkennen sich darin wieder – sogar mit ihrer Wahrnehmung der Erwachsenen. Die Teenies überlisten ihre Erzeuger gleich reihenweise, um ihre eigenen Interessen zu verfolgen: Liebe, Party, Musik. Doch warum nur ist die Kommunikation im Chat einfacher als im persönlichen Gespräch? Tröstlich für Lola ist, dass ihre Mutter von der Rolle als Alleinerziehende von drei Kindern überfordert ist. Dadurch sind die Grenzen der Rollen von Mutter und Tochter fliessend. Anne ist für Lola eher Freundin als Erzieherin, was aus pädagogischer Sicht absolut tabu ist, für den Film aber funktioniert. Teenager wollen keine starken Erwachsenen sehen.

Miley Cyrus und Douglas Booth in LOL

Warum miteinander sprechen, wenn man Musik hören kann? Kyle (Douglas Booth) und Lola.

Miley Cyrus und Thomas Jane

Wenn nicht das iPhone, dann zumindeste das iBook: Lola mit ihrem Vater Allen (Thomas Jane).

Sprechen wir aber noch über die Daseinsberechtigung von Remakes. Die ist sicher bei Filmen gegeben, die von Special Effects leben, und deshalb durch den technischen Fortschritt eine Aufwertung erfahren. Zum Beispiel bei der Verfilmung von literarischen Klassikern. Oder bei Themen, die durch den Lauf der Zeit plötzlich eine ganz neue Aktualität bekommen. Im Fall von «LOL» ist nach bloss vier Jahren nichts davon gegeben und der Sinn deshalb eindeutig: Es geht einzig und allein darum, einen französischen Film dem intoleranten amerikanischen Publikum zu verkaufen. Dieses will sich nicht mit Untertiteln abmühen, sondern amerikanische Schauspieler in ihrer Muttersprache zuhören. Der Film ist nicht schlecht, sondern nur unnötig – und dazu ein einziger Werbespot für Apple. Schade, dass sich Regisseurin Lisa Azuelos dazu hergegeben hat, ihren eigenen Film zu kopieren, und während einer Episode einer Schulreise nach Paris auch noch ihre eigenen Landsleute dem amerikanischen Klischee entsprechend zu zeichnen: als Schnecken essende, Wein trinkende, hoffnungslos altmodische und naive Menschen. Dass der Tausch der herrlich trotzig-charmanten Sophie Marceau durch die einfach nur überforderte Demi Moore ein ganz schlechter ist, kommt erschwerend hinzu.

«LOL» läuft ab 31. Mai in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.

Hier der Trailer zum französischen Original von 2008 mit Christa Theret als Lola: