Beiträge mit dem Schlagwort ‘DJ Ace’

Drei starke Duos und ein funky Supplement

Joel Gernet am Donnerstag den 6. Juni 2013

Gleich drei neue regionale Rap-Releases lassen die Szene am Rheinknie zur Zeit im besten Licht erstrahlen: Mit «Airplane To Paradise» präsentieren die Ladies PearlBeatz und Quenn ihr erstes Kollabo-Album; Dirty D und Trace ballern mit «Startschuss» ein eindrückliches Signal in den Himmel; und Scout legt nach über einer Dekade seinen allerersten Solo-Release überhaupt vor.

Pearlbeatz & Quenn – Airplane To Heaven.

Pearlbeatz & Quenn – Airplane To Heaven.

Wie es sich gehört, gewähren wir an dieser Stelle den Damen den Vortritt. Insbesondere in der Testosteron-geschwängerten Rapwelt ist das ganz wichtig. Zum ersten Mal gemeinsam aufhorchen liessen PearlBeatz & Quenn im Herbst 2011 mit einem Song auf Pearls Produzenten-Album. Zwei Jahre später präsentiert das Duo nun ihr Kollabo-Album «Airplane To Paradise». Die samtweiche Stimme von Quenn zieht den Hörer sofort in Bann – der Rapperin und Sängerin würde man vermutlich auch zuhören, wenn sie Packungsbeilagen vorliest. Das Hochdeutsch der Baslerin ist einwandfrei, manchmal fast zu perfekt.

Dass der erste Song «Startklar» reimtechnisch nicht zu den besten des Albums gehört, ist leider etwas unglücklich. Scheint ein älterer Track zu sein, auf dem Quenn eigentlich mein Album-Fazit vorzieht: «Danke denen, die an uns glauben, die jetzt schon das in uns sehen, was erst Entwicklung braucht», rappt die Baslerin und liegt damit absolut richtig. Man hört nämlich, dass Quenns Raps und Pearls Beats hervorragend miteinander harmonieren. Und dass man sich in den letzten zwei Jahren gehörig entwickelt hat. Bester Beweis ist «Showgirl», ein Song über eine selbstbewusste Vorstadtfrau, die weiss, was sie will und macht. Ein Beat wie aus dem Pariser Varieté, dazu der buttwerweiche, lockere Singsang von Quenn – ganz gross, dieses Ding!


Ausnahmsweise auf Englisch: Pearlbeatz & Quenn mit «Evil Clowns». Dieser Song ist nicht auf dem Album vertreten.

Im Titeltrack «Airplane To Paradise» philosophiert Quenn über Todessehnsucht. Und kommt zum Schluss, dass sie das Paradies in sich selbst – im Diesseits – finden kann. Ebenfalls um den Tod gehts im Song «Der Zug rollt»: Über einen knackigen Beat mit sphärischen Stimm- und Piano-Samples schildert die Rapperin, wie sie im Alltagsstress bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt und danach die Szenerie vom Jenseits aus beobachtet. Packendes Storytelling.

Trotz seiner tragischen Momente ist «Airplane To Paradise» keine düstere Platte. Das beweisen Songs wie «Easy» und «Hallo mein Lieber» – zwei Tracks, so stark wie dieses Album, dessen Fazit ihr ja bereits oben lesen konntet. Ein solides Debut eines vielversprechenden Duos.

Trace & Dirty D – Startschuss.

Trace & Dirty D – Startschuss.

Ebenso vielversprechend kommen Trace und Dirty D mit ihrer Gratis-EP «Startschuss» (download hier) daher. Auf insgesamt sieben Songs zeigen sich die beiden selbstbewusst und nachdenklich zugleich. Nachdem man der Schweizer Rapszene einen «Tritt ins Gsicht» verpasst hat, lassen der Rodersdorfer Trace und der Allschwiler Dirty D auf «Alles wo blibt» die Höhepunkte und Tiefschläge ihrer bisherigen Rapkarrieren Revue passieren – ein ganz starker Song mit super Hook und stimmigem Beat. In eine ähnliche Richtung geht «Schall und Rauch» (siehe Video), der mich vor das Luxusproblem stellt, dass ich mich nicht entscheiden kann, welchen Song ich mehr mag. Worum es auf Songs wie «Kings» oder «Läbe für das» geht, muss bei diesen Titeln ja eigentlich nicht erklärt werden.

Die Beats auf der «Startschuss»-EP überzeugen durchs Band und bewegen sich alle im Bereich gut bis sehr gut. Vom Club-Banger bis zum melancholischen Piano-Heuler ist alles dabei. Dass die sieben Soundunterlagen von sechs verschiedenen Produzenten stammen (von denen ich schändlicherweise noch nie gehört habe), macht die Sache umso interessanter. Dass Dirty D ein guter Rapper und Hoffnungsträger ist, habe ich ja bereits einmal geschrieben. Die grosse Offenbarung dieser EP ist für mich Trace: Früher hat man den jungen Rapper weniger wegen seiner Skills, sondern vielmehr wegen seiner Aufdringlichkeit wahrgenommen, beziehungsweise ignoriert. Jetzt steht uns da ein selbstbewusster Rapper gegenüber, der massive Fortschritte gemacht hat und wunderbare Refrains schreiben und singen kann. Chapeau! Von der Nervensäge vom Hoffnungsträger – ich mag solche Geschichten. Und ich liebe Gratis-Downloads von derart herausragender Qualität. Jungs, jetzt muss ein Album her!

Scout – Ohni Sorge.

Scout – Ohni Sorge.

Als Letzter reiht sich Scout MC aus Pratteln ein. Nach über zehnjähriger Absenz präsentiert der Ausnahmerapper nun sein erstes Solo-Album «Ohni Sorge». Und der Name ist Programm: Man hört dem Familienvater an, dass sich in seinem Leben einiges verändert hat – in die richtige Richtung.

Wenn Scout über Freunde, Familie und das Leben im Allgemeinen rappt, strahlt er eine ansteckende Zufriedenheit aus. Man meint beim Zuhören förmlich das Lächeln auf seinen Lippen zu sehen. Das erlebt man nicht oft. Aus dem herausragenden Freestyle-Rapper, der um die Jahrtausendwende von sich Reden machte, ist ein Musiker geworden.

Neben dem positiven Vibe bestechen vor allem Scouts intelligente Texte – und seine Gesangskünste, die er etwa auf dem Titeltrack «Ohni Sorge» zeigt. So ist eine Art Songwriter-Rap-Album entstanden, das auch durch die Handschrift des Gitarristen Andreas Röthlisberger geprägt wird. Im Kellerstudio des Muttenzers wurde Scouts Album in Eigenregie produziert und aufgenommen. Das hat Vor- und Nachteile. Einerseits verfügt das Album so über einen ganz eigenständigen Klang; andererseits würde den Gitarren-dominierten Beats auf Albumlänge etwas mehr Abwechslung nicht schlecht bekommen. Scout und Röthlisberger haben mit wenigen Mitteln ein hervorragendes Album erschaffen – und damit auch das Fundament für weitere Musik.

Das funky Supplement kommt an dieser Stelle von DJ Ace. Der Basler bereichert die HipHop-Szene am Rheinknie mittlerweile seit rund zwei Jahrzehnten als Sprayer, Breaker, Party-Organisator, Shop-Betreiber – und vor allem als DJ und Beat-Produzent. In eben dieser Funktion hat der Tausendsassa kürzlich das neue Video zu seinem Breakdance-Song «Arsal The B-Boy» veröffentlicht. Der Track – ich würde ihn liebevoll als Mariachi-Funk bezeichnen – erschien 2012 auf auf dem Soundtrack zum «Battle Of The Year», das sind sozusagen die Weltmeisterschaften im Breakdance. Im Video zu sehen ist das Who-is-Who der Basler Breakdance-Szene: Jay-Roc, Still-Ill, Ben-X, TK-O, Janick und Pedrolic, gemeinsam bekannt als Ruff’n’X. Das Video ist von Jakebeatz (PW Records). Viel Spass…

Der «King» ist zurück in Basel

Joel Gernet am Freitag den 25. Februar 2011

Sechs Jahre lang hatte der Basler HipHop-Pionier DJ Ace seiner Heimatstadt den Rücken gekehrt, um in New York, Istanbul und Zürich seine Karriere voranzutreiben. Seit Januar 2011 ist der «King of Kings», wie sich der 36-Jährige gerne nennt, nun zurück am Rheinknie (zum King gekrönt wird in der HipHop-Szene, wer seinen Status durch Fleiss und Können erarbeitet hat). Diesen Samstag startet Ace seine neue Party-Reihe «Hip-Hop Hurraaayyy!!!» im Singerhaus am Marktplatz.

«Basel kunnt mr grad sauguet yyne», sagt DJ Ace im Gespräch mit Schlaglicht. Soeben ist der schweizerisch-türkische Doppelbürger von einem DJ-Auftritt aus Hongkong zurückgekehrt, wo er «die Masse rocken konnte». Sich in einer neuen Umgebung durchzusetzen, ist für DJ Ace kein Problem – im Gegenteil. Der Basler sucht die Herausforderung. Mit seinem ausgeprägten Selbstbewusstsein, seiner Rastlosigkeit und seinem Geschäftssinn hat es der DJ bis nach New York gebracht. Dorthin hat es den Basler 2005 verschlagen, nachdem er in der Schweiz mit «Jetzt Ich!» sein erstes Album als Beat-Produzent veröffentlicht hat. «Damit habe ich hier meine Kindheitsträume alle verwirklicht», sagt DJ Ace, der zwischen 1996 und 1998 drei mal in Folge Schweizer DMC-Champion wurde – also DJ-Schweizermeister (1989 hat übrigens ein gewisser DJ Bobo gewonnen).

«Stillstand bedeutet Rückschritt», heisst es in der Ace-Biografie. Und da DJ Ace 2005 in der Schweiz alles erreicht hatte, was er wollte, wagte er den Schritt nach New York, den Ursprungsort der HipHop-Kultur. Zunächst hatte es der Basler dort aber nicht leicht. «Niemand wartet in New York auf einen europäischen DJ, erst recht nicht auf einen Weissen – da wirst du abgestempelt als Vanilla Ice», erklärt Ace. Damit habe er aber gut umgehen können, schliesslich sei er ja nicht an den Big Apple gereist, um Freunde zu finden. Dass er schlagfertig ist, bewies Ace in NY dann bei einem DJ-Auftritt, an dem D.I.T.C.-Legende Lord Finesse am Mikrophon eine abschätzige Bemerkung über den Basler fallen liess – worauf Ace den Rapper mit seinem Sound übertönte und ihm so das Wort abschnitt. «Danach wusste er, wer ich bin», sagt DJ Ace mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht.

Neben diversen Bookings als DJ konnte der 36-Jährige die Radioshow «New York Style» bestreiten – zusammen mit Stik-E & The Hoods aus dem Umfeld der Brüll-Rapper M.O.P., mit denen DJ Ace 2007 auf Tournee gehen konnte. Im selben Jahr meldete sich Columbia Records beim Basler, mit dem Wunsch, ihn zu managen. Das Label bescherte Ace den Höhepunkt seines NY-Trips: Er durfte das Mixtape zum neuen Album von Kelly Rowland (Destiny’s Child) mixen und mit eigenen Beats anreichern. Das Resultat dieses Mixes soll dem Vater und Manager von Rowlands Destiny-Child-Kollegin Beyoncé so gut gefallen haben, dass dieser DJ Ace unter seine Fittiche nehmen wollte. «Doch Columbia gab meinen Kontakt nicht weiter und erzählte mir erst später davon», erinnert sich Ace. Nach dieser Erfahrung war für ihn bald klar: «Hier habe ich das Maximum erreicht, es ist Zeit weiterzuziehen».

Sommer 2009: DJ Ace legt im Supperclub in Istanbul auf.

DJ Ace legt im Supperclub in Istanbul auf.

Auf drei Jahre USA folgte ein Zwischenjahr in Zürich. Dann ging es 2009 weiter nach Istanbul. Doch sowohl privat als auch als DJ lief es Ace in der Türkei nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. Also baute sich der Basler vor Ort ein eigenes Studio auf und produzierte Lieder im Stil der 70er-Jahre-Klassiker aus der Türkei. Mit dem türkischen Rap konnte sich DJ Ace nicht anfreunden – ganz im Gegensatz zum Fussballclub Fenerbahce Istanbul, für den er 2009 eine Club-Hymne produzierte, die auch im Stadion gespielt worden sei. Nach rund einem Jahr ging es vom Bosporus zurück nach Basel.

25 Jahre nachdem aus Arsal Caglar der berüchtigte DJ Ace wurde und sechs Jahre nach seinem Weggang, schliesst sich nun also der Kreis: Was für den Teenager Anfang der 90er Jahre hinter den Plattenspielern an den ersten HipHop-Jams in den Jugendhäusern Gundeli, Birsfelden oder Bachgraben begann, findet jetzt seine Fortsetzung im Singerhaus. Natürlich, eine 2011er-Rapparty kann schlecht verglichen werden mit einem HipHop-Jam aus der Zeit, in der die Basler Szene noch in den Kinderschuhen steckte (Adidas Superstar oder Puma States – mit breiten Schuhbändeln, versteht sich) und bei jedem Event neben Rappern und DJs auch die Breakdancer und Graffiti-Sprayer zum Zuge kamen.

Aber wer die Karriere von DJ Ace unter die Lupe nimmt und auch nur über einen kleinen Funken Liebe zu HipHop verfügt, wird zwangsläufig nostalgisch. Und als Basler B-Boy ist man typischerweise traditionsbewusst. Da ist es sicher auch keine schlechte Idee, dass Ace seine neue Partyreihe mit dem altbewährten Schlachtruf «Hip-Hop Hurraaayyy!!!» betitelt. Geboten werden der Partycrowd am Samstag Untergrund-Banger und Party-Hits – und natürlich Rapklassiker aus den 90er-Jahren (kommt in Basel immer gut an). «Der historische Bezug zur HipHop-Kultur ist wichtig», sagt Ace, «gerade in Basel, wo die Leute was im Kopf haben».

Als Appetizer gibts hier den 65-Minuten-Mix der aktuellen DJ Ace Radioshow.
DJ ACE Show Week 08 2011 by DJ ACE

Hip-Hop Hurraaayyy!!!
Samstag, 26. Februar, 22:00 – 04:00 Uhr, Singerhaus, Basel
Mit: DJ Ace (Kings Organisation), DJ Tray (UCM) und DJ Giddla (TNN)
Special: Live Video-Clip-Shooting von Makale
Eintritt: CHF 20.- inkl. CD-Album
Alter: Jungs ab 21, Mädels ab 18 (Ausweispflicht!)