Beiträge mit dem Schlagwort ‘Charlotte Rampling’

Leiche im Keller

Fabian Kern am Mittwoch den 21. November 2012

I, Anna

«I, Anna» läuft ab 22. November im Kultkino Club.

Manchmal kann eine flüchtige Begegnung reichen, um Gefühle auszulösen. Chefinspektor Bernie Reid (Gabriel Byrne) erlebt einen solchen Moment, als er einen Wolkenkratzer in einem grauen Londoner Vorort betritt. Noch ahnt er nicht, dass Anna Welles (Charlotte Rampling) mehr mit dem erschlagenen Toten, der auf ihn wartet, zu tun hat, als ihm lieb ist. Vielmehr lässt er jede Professionalität vermissen, als er den Kontakt zu der geschiedenen Frau sucht und die Ermittlungen nicht nur vernachlässigt, sondern gar sabotiert. Deren Gewissen ist jedoch rein. Sie hat nämlich jegliche Erinnerung an den Abend verdrängt, an dem sie das Opfer beim Speed-Dating kennengelernt hat. Anna hat andere Sorgen: Sie muss sich um ihre alleinerziehende Tochter Emmy (Hayley Atwell) und ihre Enkelin kümmern. Doch genau ihre familiäre Situation gibt immer mehr Rätsel auf, je näher ihr der Polizist kommt. Hat Anna vielleicht noch mehr verdrängt als nur jenen fatalen Abend im Hochhaus?

Anna Welles

Was versteckt die labile Anna vor sich selbst? (Bilder: Filmcoopi)

Irgendwie lässt einen das Gefühl nie los, dass die Geschichte in kein gutes Ende nehmen kann. Irgendwie hofft man aber trotzdem darauf, denn die beiden Hauptfiguren sind so einsam und traurig, dass sie einem nur leid tun. Barnaby Southcombe verknüpft in seinem Erstlingswerk drei Genres miteinander. «I, Anna» ist sowohl Drama als auch Thriller und ein wenig Film Noir. Subtil verrät der Regisseur in seiner Verfilmung der amerikanischen Romanvorlage von Elsa Lewin Stückchen für Stückchen das dunkle Geheimnis, welches Anna tief in ihre Psyche verbannt hat.

Bernie und Anna

Findet Bernie die Wahrheit über Anna heraus?

Für die Hauptrolle hat sich der Brite niemand anderen als seine eigene Mutter ausgesucht. Rampling untermauert als Anna ihren Ruf als brillante Charakterdarstellerin. Auch Gabriel Byrne glänzt einmal mehr in einer Rolle als vom Leben gezeichneter Polizist, der die Suche nach dem Glück schon fast aufgegeben hat. Der Ire passt genau zur trostlosen Grundstimmung, die Southcombe dem Film unterlegt – ebenso wie der prägnante Soundtrack. Mit dem Gefühl der Hoffnungsloigkeit wird sich der eine oder andere Zuschauer allerdings schwer tun. Genauso wie mit dem Genre-Mix. «I, Anna» ist handwerklich einwandfrei, kommt aber schwermütig daher wie ein typischer November-Tag.

«I, Anna» läuft ab 22. November im Kultkino Club.