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Die BScene 2014 aus den Augen der Künstler, Teil 2: The Waves

Luca Bruno am Dienstag den 4. März 2014

BSceneLogoBezüglich unserer alljährlichen Berichterstattung zur BScene haben in der Vergangenheit vor allem wir selbst oder die Organisatoren das Zepter übernommen. Für die diesjährige Ausgabe überlassen wir nun den auftretenden Künstlern selbst das Wort. Während der achtzehnten Edition der BScene haben wir mit einigen ausgewählten Künstlern Kurzinterviews geführt, die wir euch hiermit präsentieren. Heute an der Reihe: The Waves. Eine noch ziemlich junge Basler Band, die sich unüberhörbar der R.O.C.K.-musik verschrieben hat.

The Waves: Yannick Frich, Ruben Bachmann, Silas Gusset und Micha Setlik (v.l.n.r.)

The Waves: Yannick Frich, Ruben Bachmann, Silas Gusset und Micha Setlik (v.l.n.r.). Kopf hoch! Sollte es mit der Musikkarriere nicht klappen, gibt es noch immer die Option «Haarmodelle».

Betrachtet man die musikalischen Trends, die in dieser Stadt derzeit Vorrang haben, stellt sich folgende Frage: Steht man als Gitarrenband in Basel auf verlorenem Posten?
Micha Setlik, Vocals/Gitarre: Naja, zumindest The Waves gibt es ja noch! Und uns wird es auch noch lange geben!
Ruben Bachmann, Gitarre: Und dann gibt es ja auch noch haufenweise andere Gitarrenbands in Basel… Ich arbeite in einem Musikladen und kann dort jeden Tag wieder aufs Neue feststellen, dass es in Basel noch immer sehr viele Musiker gibt, die sich der Rockmusik widmen.

Stört es euch, als Vertreter der Rockmusik, dass die BScene dieses Jahr auch vermehrt elektronische Acts ins Programm aufgenommen hat?
Setlik: Nun ja, unser Drummer Yannick hat am späteren Abend auch noch einen Auftritt als DJ und bekommt da viel mehr Gage als wir jetzt. Das geht natürlich überhaupt nicht (lacht). Aber im Ernst: Das stört mich überhaupt nicht. Das ist halt einfach eine musikalische Tendenz, die momentan ziemlich fest spürbar ist. Übrigens auch bei ganz vielen Rockbands: Da gibt es ja derzeit einige, die sich neuerdings am Synthpop versuchen…

Heisst das also, dass bei euch Keyboards weder in den Proberaum noch auf die Bühne kommen?
Bachmann: Keyboards waren bei uns definitiv auch schon ein Thema. Das Schöne am Keyboard ist halt, dass du damit ganz andere Klangfarben in deine Musik reinbringen kannst. Das kannst du mit der Gitarre natürlich auch – aber nur bis zu einem gewissen Grad. Eine derart breite Soundpalette wie diejenige eines Keyboards kannst du mit einer Gitarre einfach nicht abdecken.

Das Herz von «The Waves» schlägt unverkennbar für den Gitarrenrock. Jedoch haben die einzelnen Mitglieder ziemlich unterschiedliche Musikbiographien. Was sind die Einzelteile, aus denen sich die Musik von «The Waves» zusammensetzt?
Setlik: Auf mich hatten sicherlich Oasis, Richard Ashcroft und die ganze übrige «Britpop»-Szene den grössten musikalischen Einfluss. Aber das ist natürlich noch längst nicht alles – was sich ja auch in unserer Musik zeigt. So sagen wir intern zum Beispiel immer, dass sich unser jüngster Song ziemlich fest nach B.R.M.C. anhört. Und die ruhige, amerikanische Art à la Ryan Adams schwebt bei uns natürlich auch immer mit.
Bachmann: Ich hingegen war lange Zeit ein riesiger U2-Fan, habe aber ebenfalls immer viel Oasis und Britpop gehört. Und Kings of Leon. Und Bon Iver. Und Coldplay…
Setlik: Unser Drummer Yannick hingegen kommt – wie schon erwähnt – aus der elektronischen Ecke. Und unser Bassist Silas, der früher Teil von The Triad war, hat bislang mit Leib und Seele den Stoner Rock ausgelebt. So macht es rückblickend betrachtet also schon Sinn, dass wir uns ausgerechnet im Gitarrenrock zusammengefunden haben – aber es war definitiv keine Entscheidung, die wir im vornherein bewusst getroffen haben.
Wichtig ist ja eigentlich sowieso nur, dass es für uns momentan funktioniert und es uns dabei auch Spass macht. Aber ich schätze, dass unsere Musik in zehn Jahren ganz anders klingen wird als jetzt.

Was machen «The Waves» in zehn Jahren also?
Setlik: Immer noch montags und mittwochs fleissig proben. Und natürlich ab und zu an der BScene spielen.

Dann wieder im Sommercasino, so wie heute?
Setlik: Ich war überrascht, dass das Sommercasino dieses Jahr überhaupt dabei war. Die Location ist ja eigentlich ziemlich weit weg von allen anderen Orten, die ich sonst normalerweise an einer BScene besuche. Gleichzeitig habe ich aber auch sofort gewusst, dass die Soundverhältnisse im Sommercasino meistens sehr gut sind und es dementsprechend immer «geil» tönt, wenn man hier spielt. Ich habe mich also durchaus gefreut, hier spielen zu dürfen.

Aber wenn ihr jetzt für euren Auftritt an der BScene 2015 einen Ort frei nach Wahl aussuchen dürftet, dann wäre es wahrscheinlich nicht das Sommercasino, oder?
Setlik: Am coolsten wäre es natürlich in der Reithalle in der Kaserne zu spielen. Aber ehrlich gesagt würde ich nächstes Jahr dort noch nicht auftreten wollen. Wir sind schliesslich noch immer mitten in einem musikalischen Findungsprozess und haben unsere Bandidentität noch nicht zu 100 Prozent gefunden.
Bachmann: Ja, angesprochener Selbstfindungsakt ist immer noch in vollem Gange. Darum sind wir beispielsweise momentan auch noch nicht dazu bereit, ein Album oder ähnliches aufzunehmen.
Setlik: Bezüglich Studioaufnahmen mache ich der Band noch einen weiteren Stich durch die Rechnung: Ich gehe im August nämlich für fünf Monate in die Ferien. Die Welt muss also noch ein wenig warten, bis sie von uns erobert werden kann.

Und welche Tipps gebt ihr einer aufstrebenden Basler Band, die nächstes Jahr an der BScene spielen möchte, mit auf den Weg?
Setlik: Üben, üben, üben.
Bachmann: Und – das darf durchaus auch einmal gesagt werden – es gibt ein paar Schlüsselpersonen in Basel, bei denen es nur von Vorteil sein kann, wenn man sie kennt.

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Die BScene 2014 aus den Augen der Künstler, Teil 1: Two and Yuna

Luca Bruno am Samstag den 1. März 2014

BSceneLogoBezüglich unserer alljährlichen Berichterstattung zur BScene haben in der Vergangenheit vor allem wir selbst oder die Organisatoren das Zepter übernommen. Für die diesjährige Ausgabe überlassen wir nun den auftretenden Künstlern selbst das Wort. Während der achtzehnten Edition der BScene haben wir mit einigen ausgewählten Künstlern Kurzinterviews geführt, die wir euch nun präsentieren. Den Anfang macht das Duo Two and Yuna, welches am Freitagabend die BScene im Parterre eröffnen durfte und dabei gleichzeitig auch zum ersten Mal überhaupt an der BScene auftrat.

Two and Yuna. Luzian Graber (l.) & Chantal Krebs (r.)

Two and Yuna. Luzian Graber (l.) & Chantal Krebs (r.)

Vor wenigen Minuten habt ihr euren allerersten BScene-Auftritt absolviert. Seid ihr zufrieden damit?
Chantal Krebs, Piano/Vocals:
Ja, sehr sogar! Wir haben letzten Donnerstag ein Konzert in Winterthur gespielt und dort war ich überhaupt nicht zufrieden. Zwar sind wir in Winterthur nicht irgendwie schlechter angekommen als jetzt gerade vorher, aber ich hatte nach jenem Konzert trotzdem ein viel schlechteres Gefühl als heute.
Luzian Graber, Drums: Die Voraussetzungen dort waren im Gegensatz zu heute allerdings auch ziemlich anders…
Krebs: Das Publikum heute hat auf alle Fälle sehr gut zugehört. Das hat mich sehr erstaunt. Es ist so angenehm zu wissen, dass dir die Leute auch wirklich zuhören, wenn du spielst.

Two and Yuna Ihr steht mit eurer Band «Two and Yuna» noch ziemlich am Anfang eurer Karriere. Inwiefern könnt ihr von einem Auftritt an der BScene profitieren?
Graber: Zuerst einmal ist die öffentliche Wahrnehmung eines Auftritts an der BScene im Vergleich zu den anderen Veranstaltungen, an denen wir bis jetzt gespielt haben, natürlich grösser. Nicht nur, weil es ein Festival ist, welches von sehr vielen Leuten besucht wird – also auch solchen, die uns noch nicht kennen – sondern auch, weil du generell mehr Aufmerksamkeit erhältst: So wurden wir im Rahmen des Festivals beispielsweise auch von Radio X interviewt und konnten unsere Musik dort ebenfalls vorstellen.
Krebs: Und dazu kommt: Das BScene-Publikum ist äusserst musikinteressiert! Es besucht das Festival, weil es Musik hören will.

Dass ihr für euren ersten Auftritt ins Parterre, eine der kleinsten BScene-Bühnen, gebucht wurdet und ihr bereits freitags um halb Zehn spielen musstet, stört euch dabei also nicht?
Krebs: Nein. Wir sind schon total glücklich darüber, dass wir heute überhaupt auftreten durften.

Wie sieht es mit euren Studioaufnahmen aus?
Krebs: Nächste Woche nehmen wir eine EP auf, die wir im Herbst veröffentlichen wollen. Und selbstverständlich stehen auch noch ein paar weitere Konzerte an. Wir wollen zum Beispiel auf der Summerstage spielen! (lacht) [Anm.: Die BScene schickt dieses Jahr eine von fünf im Vorfeld ausgewählten Bands mittels SMS-Voting auf die Summerstage. Two and Yuna sind eine der fünf Bands, die im Rennen um diesen Slot sind.]
Graber: Unser primäres Ziel für die nächste Zeit ist eindeutig, diese EP fertig zu bekommen. Wobei wir einen Teil davon eigentlich schon haben.
Krebs: Genau. Der Song «Lost», gleichzeitig auch der erste Song, den wir je aufgenommen haben, wird Teil dieser EP sein.

Eure in erster Linie nur von Piano und Drums getragene Musik erinnert durch ihre Reduziertheit an Regina Spektor oder Fiona Apple. Wo liegen also eure Inspirationsquellen?
Krebs:
 Fiona Apple habe ich tatsächlich früher sehr gerne und oft gehört und sie hat mich musikalisch definitiv inspiriert. Und sonst: Patrick Watson, oder ganz allgemein andere Singer/Songwriter beziehungsweise Menschen am Klavier. Aber die Samples, die wir via Laptop einspielen sind mir natürlich auch sehr wichtig. Denn wenn wir nur Klavier und Schlagzeug hätten, dann würde mir definitiv etwas fehlen.
Grabner: Bei mir sind es eher weniger konkrete Einflüsse – ich kann jetzt also keine Bandnamen nennen – sondern ganz generell einfach Musik, die sich mit Sound auseinandersetzt. Darum funktioniert übrigens auch unsere Zusammenarbeit so gut: Chantal kümmert sich um das Songwriting und zusammen schauen wir dann, wie das ganze möglichst gut tönen könnte.

Ständiger Begleiter der Band: Yuna.

Ständiger Begleiter der Band: Yuna.

Euer Bandname lässt darauf schliessen, dass ihr eigentlich gar kein Duo, sondern in Wirklichkeit ein Trio seid. Bei euren Konzerten begleitet euch ein Porträt von Yuna, welches ihr heute am vorderen Bühnenrand platziert habt. Wer ist diese Yuna?
Krebs: Nach einem Konzert von uns hat ein Künstler – inspiriert durch unsere Musik – Yuna gemalt und sie mir anschliessend präsentiert. Zwar betonte er, dass dieses Bild nur eine Skizze sei und er sie noch viel besser malen könnte, aber ich habe sofort gewusst, dass das Mädchen auf diesem Bild unsere Yuna ist. Seither ist sie überall und immer dabei und besonders bei unseren Konzerten ein ständiger Begleiter. Unser Bandname existiert zwar schon länger als das Bild, durch dieses Portrait fühlt es sich allerdings noch viel realer an.

Und ist Yuna ebenfalls zufrieden mit dem heutigen Auftritt?
Krebs: Das kann ich nicht beantworten. Sie ist immer äusserst kritisch.

«Die BScene hat an Bedeutung gewonnen»

Luca Bruno am Donnerstag den 14. März 2013

Siebzehn Jahr, Blondes Haar… Dieses Wochenende, am 15. und 16. März 2013, geht das Basler Clubfestival BScene zum siebzehnten Mal über die zahlreichen Bühnen der Stadt. Einmal mehr geben sich also neue und alte Bekannte während zwei Tagen die Ehre und zeigen dabei die Basler Musikszene von ihrer hoffentlich besten Seite.

Viel haben wir in den letzten beiden Jahren über die BScene geschrieben. Höchste Zeit also, dass auch die Organisatoren einmal zur Sprache kommen dürfen. Deshalb standen uns Christoph Meneghetti, Präsident der BScene, und Jennifer Jans, Programmverantwortliche des Festivals, in einem längeren Gespräch Red und Antwort. Sie gewährten dabei einen ausführlichen Einblick hinter die Kulissen des Festivals…

BScene 2012: Jaro Milko & The Cubalkanics in der Kuppel. (Foto Dominik Plüss)

BScene 2012: Jaro Milko & The Cubalkanics in der Kuppel. (Foto Dominik Plüss)

Wo beginnt die Organisation einer BScene?
Christoph Meneghetti: Am Anfang einer jeden Ausgabe steht immer die Frage, wie gross die diesjährige BScene werden soll. Sobald wir dies festgelegt haben und somit wissen, welche Grössen von Clubs wir benötigen, beginnen wir damit, die jeweiligen Lokalitäten anzuschreiben. Wir sprechen uns dabei logischerweise schon weit im Vorfeld des Festivals mit den jeweiligen Clubs ab, damit sich diese das Datum des Festivals reservieren können. Über die Jahre sind zahlreiche freundschaftliche Beziehungen entstanden und dank eines intensiven Feedback- und Debriefing-Prozesses kommt es relativ selten vor, dass Clubs kein Interesse an einer Zusammenarbeit zeigen. Schliesslich darf auch nicht vergessen werden, dass die BScene für die teilnehmenden Clubs auch eine Möglichkeit sein kann, Publikum zu erreichen, welches an den anderen 51 Wochenenden des Jahres vielleicht nie bei ihnen vorbeischauen würde.
Neue Räume gehören im Idealfall dazu und trotzdem könnten wir nie eine BScene organisieren, die sich ausschliesslich aus Lokalitäten zusammensetzt, welche im Vorjahr nicht dabei waren. Die Frage, welche Clubs wir unbedingt dabei haben müssen, um das aktuelle Ausgangsverhalten der Stadt optimal wiederspiegeln zu können, stellt sich für uns aber jedes Jahr wieder aufs Neue. Selbstverständlich würden wir auch sehr gerne vermehrt kleinere und speziellere, beziehungsweise temporäre, Lokale mit ins Programm nehmen, wollen aber nicht vor bewilligungstechnische Probleme gestellt werden. Dass wir letztes Jahr mit der Jägerhalle in die Falle getappt sind, war uns Warnung genug… Diesen Beitrag weiterlesen »

BScene '12: Die Sache mit den Ambitionen

Luca Bruno am Dienstag den 27. März 2012
BScene

BScene '12. Hier: Elephant Anthony in der 8-Bar

7000 Besucher waren es dieses Jahr. Das sind zwar tausend weniger als an der letztjährigen Ausgabe, diese 7000 BScene-Besucher sollten aber immer noch genügend Ticketeinnahmen generiert haben, um dem Organisationsteam die Fertigstellung des längst geplanten Wintergartens für ihre goldene 27-Zimmer Villa in der Karibik – welche sich das Team wiederum aus den Einnahmen der vergangenen Jahren finanziert hat – zu garantieren.

Spass beiseite: Die BScene erlebt man am besten hautnah und in Farbe, daher bieten wir anstatt ausführlichen «Think pieces» nun zufällig ausgewählte Eindrücke aus unserem BScene-Besuch. In den Hauptrollen: The Hoanhieu, Elephant Anthony und We LoyalDiesen Beitrag weiterlesen »

Beatbox-Bässe aus Bauch und Backe

Joel Gernet am Freitag den 23. März 2012


Auch dieses Jahr wieder dabei: Skiller (Bul) und krNfx (Can), hier im Final des «Grand Beatbox Battles» 2011.

Kürzlich hat FCB-Star Xherdan Shaqiri bei JoizTV gezeigt, dass er nicht nur dribbeln, sondern auch beatboxen kann – zumindest ein bisschen. Das war zwar ganz sympathisch und gut für die Street Credibility, wer sich aber wirklich für die aus Bauch und Backe ins Mikrophon gespuckten Beats interessiert, geht dieses Wochenende an das «Grand Beatbox Battle» in die Kaserne Basel. Dort messen sich im Rahmen des BScene-Festivals die Shaqiris der Beatbox-Szene. 31 Teilnehmer aus 12 Ländern werden im Rossstall in den Ring steigen, darunter einige aus der Weltelite und 15 Schweizer. Für Basel ziehen Beat-Quest, Lee-On und Cagla in den Kampf.

Wir haben uns mit Organisator Claudio Rudin (27), auch bekannt unter dem Beatoxer-Namen Ciaccolo oder als ehemaliger Top-Secret-Tambour, über das von ihm gegründete Battle und dessen rasante Entwicklung unterhalten. Diesen Beitrag weiterlesen »

BScene '12: Alles B-Reit?

Luca Bruno am Donnerstag den 22. März 2012

Unser liebstes Basler Clubfestival, die BScene, wird 16. Gratulation!

Doch genauso, wie man am Tag seines 16. Geburtstag voller Vorfreude seine erste Dose Tell-Bier im Coop kaufte, nur um kurz darauf realisieren zu dürfen, dass Bier eigentlich doch nicht so gut schmeckt (Keine Angst, das kommt dann mit fortschreitendem Alter noch), so muss man auch konsterniert feststellen, dass die sechzehnte Edition der BScene irgendwie magerer besetzt ist, als manch vergangene Ausgabe. Nichtsdestotrotz freuen sich aber selbstverständlich auch wir auf das kommende Wochenende und nach dem Sprung sezieren wir das diesjährige Programm. Diesen Beitrag weiterlesen »

Ist die Schlafstadt erwacht?

karen gerig am Montag den 8. August 2011

Nix los in Basel? (Foto N. Pont)

Vor ein paar Jahren schallten sie besonders laut, die Stimmen, die Basel eine Schlafstadt schimpften. Auch heute noch hört man sie, doch es scheint, als wären sie leiser geworden. Ist Basel aus dem Schlaf erwacht? Oder hat sich schlicht Resignation breitgemacht? Eine Diskussion «Schlafstadt oder nicht?» muss an verschiedenen Punkten ansetzen. Wir versuchen sie aufzulisten. Diesen Beitrag weiterlesen »

Von den Sofas Europas zurück nach Basel

Joel Gernet am Montag den 2. Mai 2011
We Invented Paris

Flavian Graber (rechts) bei einem der WIP-Speedgigs in Mannheim.

Über 80 Konzerte in 40 Städten Europas innerhalb von sechs Monaten – das Indiepop-Kollektiv We Invendet Paris (WIP) ist zwar noch kein Jahr alt, dennoch hat das Projekt des Basler Sängers und Gitarristen Flavian Graber schon mehr von der Welt gesehen, als die meisten anderen Schweizer Bands in ihrer ganzen Karriere.

Am Freitag beendete das Quintett mit einem Konzert in der Kuppel Basel ihre zweite Tournee – genau ein halbes Jahr nach der Konzertpremière. Der Gig markierte den Schlusspunkt einer Konzertodyssee, die das Quintett seit ihrem ersten Gig im Kleinbasler Parterre über die Sofas Europas zurück ans Rheinknie brachte – mit im Gepäck die «Iceberg EP», deren Titelsong ab Freitag, 6. Mai, auch in digitaler Form erhältlich ist. Wir unterhielten und mit WIP-Frontmann Flavian Graber über die turbulenten vergangenen Monate, den Musikvertrieb im digitalen Zeitalter und das Leben als Strassenmusiker.

Flavian Graber, wie war das Heimkonzert in der Kuppel am Freitag?
Der Auftritt war sehr cool. Ich habe es genossen, nach den ganzen Strassenkonzerten wieder einmal auf einer grösseren Bühne zu spielen. Erstaunlicherweise hat es beim Publikum hier etwas länger gedauert bis das Eis bricht als in Deutschland. Zwei der Songs, die wir in der Kuppel präsentierten, haben wir in einer Akustik-Version mitten im Publikum gespielt – ich befürchtete zuerst, dass die Leute uns dabei nicht zuhören würden und miteinander reden. Aber zum Glück hat das toll geklappt.

Wie entstand «We Invented Paris»?
Ich war als Singer-Songwriter unterwegs, hatte dann aber genug vom alleine sein und habe «We Invented Paris» initiiert. Die Idee wurde vor gut einem Jahr geboren. In den folgenden Wochen kamen mehr und mehr Künstler dazu bis dann vergangenen Herbst der erste Gig und die erste Tour gespielt wurde. Auf der jetzigen, zweiten Tour haben 80 Prozent der Musiker ihren Wohnsitz in oder um Basel. Hier zu spielen heisst also immer auch, nach Hause zu kommen.

Basler Bohème: We Invented Paris in Heidelberg.

Wie verliefen die vergangenen Monate?
Das Highlight war sicher der Startschuss mit der «Tour d’Europe» Ende 2010. Innerhalb von 60 Tagen spielten wir 50 Konzerte in 40 europäischen Städten wie Amsterdam, Gent, Wien, Berlin und Basel. Wir gaben Konzerte in Clubs, Cafés, WG-Wohnzimmern, Frisörsalons, Hausbooten und Balkonen. Und wir übernachteten bei Fremden und Freunden auf Couches, Matratzen und in Schlafsäcken – das war ein grosses Erlebnis. Wir haben viele tolle Leute kennengelernt – etwa die Jungs der Hamburger Indierock-Band Kettcar. An der diesjährigen BScene kreierten wir dann mit den Künstlern Bryan Haab (CAN) und Simon Siegenthaler (BS) zusammen mit den Zuhörern ein interaktives Kunstwerk unter dem Motto «We Invented BScene».
Daneben haben wir einige Videos gedreht. In den letzten Wochen waren wir dann auf unserer zweiten Tour, bei der wir auch bei der Musik-Talk-Show TV Noir in Berlin spielen konnten zusammen mit der Kölner Popband Klee. Und an Ostern haben wir in Heidelberg rekordverdächtige 30 Speedgigs an einem Tag gespielt.

Und wie hast Du den Tag mit diesen 30 Kurzauftritten erlebt?
Es war unglaublich anstrengend und wir mussten an unsere Grenzen gehen. Doch es hat vor allem Spass gemacht. Wir spielten zum Beispiel ein paar Songs in einem Gewürzladen – dort hätten wir ewigs bleiben können. Aber auch auf der Wiese im Innenhof der Heidelberger Uni-Mensa war es interessant. Zudem spielten wir u.a. noch in der Chocolaterie, im Kaffeerösthaus, in einer Buchhandlung, im Kunstkeller und in einer Bäckerei. Die Leute reagierten sehr positiv, viele blieben stehen oder kamen in die Geschäfte hinein, um zuzuhören. Es kam aber auch vor, dass nur zwei bis drei Leute in einem Geschäft waren. Dies schaffte aber auch sehr spezielle und intime Konzertchen. Abends, beim 30. Konzert im Club, war es dann richtig schön zu sehen, wie viele Leute, für die wir am Tag in den Shops und auf der Strasse gespielt haben, tatsächlich gekommen sind. Es war ein grossartiger Tag.

Wie ist denn das Leben als «Strassenmusikant»?
Es kann sehr schön sein, wenn man beachtet wird und die Leute stehen bleiben. Man wird zu einem Teil der Strasse, man ist nicht mehr derjenige, der durch die Strasse geht. Man beobachtet die Passanten und nicht umgekehrt. Es kann aber auch sehr hart sein, wenn man von den Leuten ignoriert wird.

WIP bei einem Gig in einem Heidelberger Geschäft.

Geht einem das Übernachten in fremden Wohnzimmern auf Dauer nicht auf die Nerven?
Wir waren schon froh, nach der Tour wieder in unseren eigenen Betten pennen zu können. Aber es ist auch sehr beeindruckend, die unterschiedlichen Kulturen so hautnah mitzuerleben. Und wir sind ja noch jung…

Kam es vor, dass Du beim Aufwachen nicht wusstest, in welcher Stadt Du bist?
Das mit der Stadt weiss ich meistens noch, aber das Gefühl für den Wochentag geht auf Tour vollkommen verloren.

«We Invented Paris» ist laut Bandbio «ein europäisches Künstlerkollektiv – ein Zusammenschluss von Multiinstrumentalisten und Freunden, die ihre feinsinnig arrangierten Indiepop-Songs in wechselnder Besetzung ‘neu erfinden’». Das erinnert doch irgendwie an Bonaparte – das Berliner Musik- und Künstlerkollektiv mit Wurzeln in Zürich. Gibt es Parallelen?
Ich glaube die Entwicklung der Musikindustrie mit dem Internet zwingt einzelne Künstler immer mehr dazu, zusammen zu arbeiten – weil einfach keine grossen Firmen mit grossen Budgets mehr vorhanden sind. Dies sehe ich aber als eine sehr positive Entwicklung, welche die Kreativität fördert. Abgesehen von der Bezeichnung des Kollektivs gibt es aber nicht viele Parallelen zu Bonaparte. Wir machen keine Partymusik, sondern eher Mitfühl-Musik.

Der Titelsong der «Iceberg EP» kann ab dem 6. Mai online gekauft werden – die CD selber ist nur an euren Konzerten erwerbbar. Warum pfeifft ihr auf die herkömmlichen Vertriebswege?
Die physische Version der «Iceberg EP» wird es nur an unseren Konzerten oder via Bandhomepage geben. Wir wollen einfach den Leuten, die an unsere Konzerte kommen oder via Homepage direkt mit uns kommunizieren etwas Spezielles bieten können. Und für eine EP lohnt sich der Aufwand eines physischen Vertriebs nicht wirklich.

Ein allfälliger Charteinstieg, der ja massgeblich von CD-Verkäufen in «herkömmlichen» Geschäften abhängt, kommt so kaum in Frage.
Oje. Wer glaubt schon an die Charts.

Und so tönt der Titelsong der «Iceberg EP»…

We Invented Paris – Iceberg (Indietronic Version) (HD) from We Invented Paris on Vimeo.

In der Hoffnung, dass die Konzertreisen und Begegnungen der vergangenen Monaten ein solides Fundament oder gar ein Sprungbrett für den weiteren Verlauf des Abenteuers «We Invented Paris» sind, plant Flavian Graber für diesen Herbst das erste WIP-Album – natürlich inklusive Tournee. Nebenbei arbeitet er bereits am übernächsten Album.

Die BScene im 360-Grad-Winkel

Luca Bruno am Dienstag den 5. April 2011

Würde man zehn verschiedene Personen fragen, wieso sie gerne Konzerte besuchen, dann würde man auch zehn verschiedene Antworten erhalten. Für die einen ist es wichtig, dass sie Künstlern dabei zusehen können, wie diese ihre Studioaufnahmen möglichst detailgetreu wiedergeben, andere erwarten Improvisation, und wiederum andere möchten an Konzerten einfach nur die eigenen Emotionen mit Freunden und dem restlichen Publikum teilen. Das BScene-Programm der Voltahalle vom Samstagabend liess alle auf ihre Kosten kommen.

We Are Drums!

We Are Drums! (Foto: Sandro Simon)

Auch Dekaden nach ihrer Entstehung bleibt die elektronische Livemusik noch immer ein Sorgenkind der Konzertwelt. Mikrofonständer lassen sich herumwerfen, und mit Gitarren kann man sich ziemlich schnell in eine coole Pose werfen. Jemandem dabei zuzusehen, wie er sich hinter einem Laptop versteckt und dabei still Knöpfchen drückt, kann allerdings schnell langweilig werden. In der Voltahalle ist an diesem Abend durch den besonderen Bühnenaufbau zumindest dafür gesorgt, dass sich heute niemand hinter irgendwelchen Geräten verstecken kann. Aufgrund der Performance von We Are Drums wurde die Bühne in der Mitte des Raumes aufgebaut, womit Künstler von allen Seiten beobachtet werden können und erst recht gefordert sind, das Knöpfchen drücken irgendwie spannend aussehen zu lassen.

laFayette, ein Duo bestehend aus Jascha Dormann und Simon Hauswirth, scheitern an dieser Aufgabe. Interaktion mit dem Publikum findet während ihres Auftritts keine statt, und immer wieder muss man sich fragen, ob sich die beiden nicht gerade viel lieber in den eigenen vier Studiowänden aufhalten würden. Das ist deswegen besonders schade, weil laFayette in ebendiesen Wänden Musik produzieren, die grosse Beachtung verdient.

Dormann und Hauswirth lassen die Bässe wummern und beweisen immer wieder, dass sie auch von Experimenten abseits konventioneller elektronischer Popmusik nicht abgeneigt sind. So spielen sie in der Mitte des Sets einen Song mit gesampelten Steel drums, der sich als eindeutiges Highlight ihres Auftritts auszeichnet. Nach ihrem BScene-Konzert werden sich die beiden nun mit der Produktion ihres Debütalbums beschäftigen, und man kann nur hoffen, dass sie dabei in erster Linie das Spektrum ihrer instrumentalen Seite weiter vertiefen werden. Der einzige Song mit Vocals, den die beiden an diesem Abend spielen – beigesteuert übrigens von Lena Fennell – ist es nämlich, welcher deutlich vom Rest ihres Sets abfällt. Ausserdem mangelt es Basel ja sowieso noch immer an poporientierten Instrumentalproduzenten.

Dan Deacon hingegen verdient für seine Leistung im Fach «Publikumsinteraktion» Bestnoten. Wie versprochen hat er sein Performance-Pult inmitten des Publikums aufgebaut, und es ist beeindruckend anzusehen, wie er das Publikum innert weniger Minuten zum Toben bringt. Er tut dies unter anderem mit spontan organisierten Dance Contests und Gruppenumarmungen in der Mitte des Saales.

Dort wo sich laFayette kurz vor ihm auszeichneten, liegen jedoch Deacons Schwächen. Musikalisch gesehen bleibt sein Auftritt nämlich äusserst durchschnittlich, da im ganzen Trubel vor allem der Song- und Setaufbau viel zu oft auf der Strecke bleibt. Trotzdem: Liveshows sollten ab und zu auch einfach nur Spass machen, und der passende Act für den nächsten Kindergeburtstag wäre hiermit auch gefunden.

Doch auch wenn Dan Deacon der letzte Liveact des Abends ist und die BScene von sich behauptet, keine Unterscheidung zwischen Headliner und Vorband zu machen, ist es trotzdem eindeutig, wer die wahren Stars des Abends sind: We Are Drums.

We Are noch immer Drums

We Are noch immer Drums (Foto: Sandro Simon)

Hinter diesem Namen stehen acht Basler Drummer (Michel Anklin, David Burger, Marco Wolfgang Faseth, Flavio Gortana, Florian Haas, Georg Müller, Stefan Schneider und Fabian Trümpy) aus sieben verschiedenen Bands, die sich für die diesjährige Ausgabe der BScene für eine einmalige Performance vereinigt haben. Vier Drumkits und vier Drumpads stehen bereit, als die in weissen Overalls gekleideten Künstler kurz nach Mitternacht die Bühne betreten.

Das Motto des Voltahallen-Abends lautet «Electro». Die acht Protagonisten beschränken sich dementsprechend in der ersten Hälfte ihrer Performance darauf, aus ihren Instrumenten möglichst viele tanzbare Rhythmen zu holen. Es findet nur wenig Laut/Leise-Spiel statt und die Samplearbeit der Drumpad-Gruppe gestaltet sich als zu repetitiv. Die Lehrstunde in Synchrondrumming, welche die Gruppe an den richtigen Drumkits dem Publikum heute erteilt, bleibt dennoch äusserst beeindruckend. In der zweiten Hälfte weichen die Drummer dann vollständig auf Improvisation aus und finden den Groove immer mehr. Unter dem besonderen Antrieb von Fabian Trümpy werden nun «Call and response»-Einlagen eingebaut, die Drummer werden lockerer und das Dargebotene wird von Minute zu Minute lebendiger. Das Experiment We Are Drums gipfelt nach einer halben Stunde in einer spontanen Zugabe und trotzdem bleibt die Lust nach noch mehr.

Dass es in naher Zukunft eine Wiederholung des exakt gleichen Projektes geben wird, ist zu diesem Zeitpunkt höchst unwahrscheinlich. Es ist der Basler Musikszene jedoch nur zu wünschen, dass das Experiment «We Are Drums» als Dominostein für weitere Projekte dieser Art wirken wird. Schliesslich soll die BScene nicht nur Nabelschau der vielseitigen Musikszene dieser Stadt sein, sondern auch daran erinnern, dass sich die Mitglieder dieser Szene musikalisch so oft wie möglich gegenseitig befruchten und voneinander profitieren sollten.

Die BScene im Zeichen der Gitarren

Luca Bruno am Montag den 4. April 2011

15 Jahre hat die BScene mittlerweile auf dem Buckel und scheut sich trotzdem nicht davor, Jahr für Jahr weiterzuwachsen. Und damit sind nicht nur die 500 zusätzlichen Zuschauer gemeint, welche der diesjährigen Ausgabe zu einem erneuten Besucherrekord von gesamthaft 8500 Eintritten verholfen haben, oder die indessen 15 Bühnen, welche die über 50 Künstler und Bands dieses Jahr beherbergten, sondern viel eher die blosse Präsenz, welche die BScene mittlerweile in den Köpfen Basler Musikinteressierten und Bands einnimmt. Die BScene ist längst mehr als ein blosses Schaulaufen der gerade angesagtesten Basler Bands und Projekte wie die diesjährige Schlagzeug-Extravaganza «We Are Drums» werden hoffentlich dafür sorgen, dass das Clubfestival in den folgenden Jahren noch mehr Austauschforum für lokale Bands werden wird.

Sei es Hip Hop, Reggae oder Folk-Rock: Seit Jahren kommt an der BScene kaum ein Musikstil zu kurz. Blickt man auf das Lineup und das Logo der diesjährigen Ausgabe, so ist es allerdings noch immer der Gitarrenrock, der an der BScene am meisten vertreten ist. In der ersten Hälfte unserer Reviews beschränken wir uns daher auf ausgewählte Auftritte von Gitarrenbands, bevor wir dann morgen noch auf die elektronische und perkussive Seite der BScene eingehen werden.

My Heart Belongs To Cecilia Winter (Freitag 21:30, Kaserne – Reithalle)

Thom Luz (oder etwa doch ein Patrick Wolf-Double?) Foto: Dirk Wetzel

Festivalbesucher verfügen gerne über eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne als normale Konzertgänger. Thom Luz, Sänger und Songwriter von My Heart Belongs To Cecilia Winter, scheint darüber Bescheid zu wissen und trifft daher die weise Entscheidung, die wunderbare Ballade «I Made You A Tape», welche er normalerweise alleine und gegen Ende der Sets der Band darbietet, für einmal zu Beginn eines Konzertes zu spielen. Ein äusserst stimmungsvoller und gelungener Beginn eines Auftritts, der – zumindest am Anfang – allerdings noch vor zu wenig Publikum stattfinden muss. Es ist anzunehmen, dass einige Besucher die Wartezeit an den Bändchenaustausch-Stellen unterschätzt haben.

In Reviews zu ihrem 2010 erschienenen Debütalbum «Our Love Will Cut Through Everything» musste das Trio des Öfteren den Vergleich mit der Band Arcade Fire über sich ergehen lassen. Eine Referenz, die nicht nur unfair, sondern auch einfach falsch ist. Zwar schreiben auch My Heart Belongs To Cecilia Winter gerne euphorische Hymnen, ihr Noise Pop Musik erinnert aber mehr an Bands wie die Raveonettes. Und beim Trio aus Zürich ist es auch heute wieder einmal das stimmliche Zusammenspiel der Vocals von Luz und Bassistin Betty Fischer, welches die meisten Höhepunkte setzt.

Noch verfügen My Heart Belongs To Cecilia Winter aber nicht über genügend Material, um ein Publikum über die volle Distanz bei Laune zu halten. Nach den ziemlich grossartigen «Eighteen» und «Guide Me To The Starts», die in der ersten Hälfte gespielt werden, funktioniert die Gratwanderung zwischen geradlinigen Popsongs und experimentelleren Tracks mit Autoharp nicht mehr. Oder vielleicht war die Aufmerksamkeitsspanne doch einfach zu kurz.

Sheila She Loves You (Freitag 22:50, Kaserne – Reithalle)

Sheila She Loves You (Foto: Dirk Wetzel)

Sheila She Loves You (Foto: Dirk Wetzel)

Während des Überhits «Don’t Give Us Poets, Give Us Bread» kann sich in der Reithalle zwar kein Fuss länger als eine Sekunde auf dem Boden halten, Sheila She Loves You zeigen sich davon allerdings unbeeindruckt. Popsongs? Been there, done that! Anstatt die mittlerweile bis auf den letzten Quadratzentimeter vollgestopfte Reithalle mit den bereits bekannten Hits zu beliefern, zeigt uns die Band an diesem Abend in erster Linie, wie fest der bandeigene Kosmos seit dem Release ihres Debütalbums «Esztergom» gewachsen ist. So ist bereits der Opener des Konzerts, eine Hommage an den Soundtrack zu «The Lord Of The Rings», die ziemlich schnell in eine brachiale Rockoper ausartet, ein guter Indikator dafür, wie sehr man sich in den letzten zwölf Monaten musikalisch weiterentwickelt hat.

Doch nur weil die an diesem Abend dargebotenen neuen Songs eine vielschichtigere und komplexere Seite der Band zeigen, heisst das noch lange nicht, dass man das Ohr für gute Melodien verloren hat. Nimmt man die neuen Songs als Gradmesser, dann wird das hoffentlich bald erscheinende Nachfolgewerk das Publikum vielleicht nicht mehr so fest zum Tanzen bringen wie die Ohrwürmer der ersten Platte, dafür aber ein umso stärkeres Songwriting repräsentieren. Wir halten die Ohren offen und sind gespannt.

4th Time Around (Freitag 23:59, Kaserne – Rossstall)

«Ladies & Gangsters» heisst das soeben erschienene neue Album von 4th Time Around. Ausser einer Lady, welche die Band an diesem Abend mit einem Cello unterstützt, fehlt von den Gangstern allerdings jede Spur. Viel mehr sind es waschechte Gentlemen, welche da den souveränsten Auftritt der Freitagsbands hinlegen. 4th Time Around schlagen zwar ruhigere Töne als die an gleicher Stelle vor ihnen aufgetretenen 77 Bombay Street und Kapoolas an, halten das Publikum aber dennoch mit Leichtigkeit bei Laune.

4th Time Around (Foto: Dirk Wetzel)

4 Gentlemen Around (Foto: Dirk Wetzel)

Besonders Tobias Hügin, der sich auch heute wieder die Leadvocals mit Marc Givel teilt, hat sich seit dem Release von «A Morning Prayer» (2007) zu einem äussert souveränen Sänger entwickelt, dessen hervorragende stimmliche Präsenz angenehm an John Darnielle erinnert. Es ist jedoch die ganze Band, die an diesem Band einen sehr positiven und vor allem spielfreudigen Eindruck hinterlässt. Die Songs des neuen Albums sind eine willkommene Ergänzung zum bereits bekannten Material, zeigen eine um einiges abwechslungsreichere Seite der Band und bei «Lost», welches die Band in der Mitte des Sets spielt, sind für einmal sogar Tom Waits-Vergleiche völlig gerechtfertigt.

Reding Street (Samstag 21:30, Volkshaus – Grosser Saal)

Machen unzählige Gitarrensoli, unerwartete Breaks und überraschende Tempowechsel einen Song wirklich besser? Das ellenlange Lied über die Frage, ob die technische Versiertheit ihrer Mitglieder einer Band dabei hilft, bessere Songs zu schreiben, erhält mit dem Auftritt von Reding Street jedenfalls eine weitere Strophe.

Selbstverständlich ist es auf eine Art beeindruckend, wie sich Reding Street technisch einwandfrei und mit nötiger Durchschlagskraft durch ihr Programm wälzen, ihre Version von New Prog bleibt aber dennoch viel zu durchschaubar. Zum einen ist es bereits nach dem zweiten Song eindeutig, dass sich die Band zu fest an ihren Vorbildern Muse orientiert, zum anderen verkommt der rund 45-minütige Auftritt viel zu oft zu einem Showcase für die Fingerfertigkeiten der einzelnen Mitglieder.

Das Quartett wird in Zukunft weiterhin Bandcontests gewinnen und bedenkt man, dass Muse mit Regelmässigkeit auf Platz 1 der Schweizer Hitparade landen, so sieht die Zukunft von Reding Street eigentlich ziemlich rosig aus.