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Die Aura der Jennifer Lawrence

Fabian Kern am Mittwoch den 30. Dezember 2015

«Joy» läuft ab 31.12. in Studio Central und Küchlin.

«Joy» läuft ab 31.12. in Studio Central und Küchlin.

Filme über starke Frauen klingen in vielen Männerohren wie der blanke Horror. «Stark» heisst bei Frauen männermordend oder zumindest männerverachtend, im besten Fall einfach langweilig, auf keinen Fall aber sehenswert. Deshalb hat Mann schnell eine Ausrede zur Hand, wenn die bessere Hälfte auf einen Kinobesuch eines dieser gefürchteten Filme drängt. Zum Jahresende nun erhalten diese potenziellen Opfer ein verspätetes Weihnachtsgeschenk oder einen Beziehungs-Vitaminschub für neue Jahr: Nun können sie ihren Frauen frohen Mutes einen Film über eine starke Frau vorschlagen. Denn ab Silvester verkörpert Jennifer Lawrence eine solche. Das ist eine seltene Win-Win-Situation, die ein Pärchen-Happy-End für 2015 verspricht.

Wer kann dieser Frau widerstehen?

Wer kann dieser Frau widerstehen? Jennifer Lawrence und Edgar Ramirez.

Denn Jennifer Lawrence ist ein Phänomen. Sie fasziniert das vermeintlich starke Geschlecht mit einer Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit aus Humor und Intelligenz – was in Kombination mit ihrem fantastischen Aussehen eine hochattraktive Mischung gibt. Sex-Appeal trifft Kumpel-Typ, sozusagen. Ob als Katniss Everdeen, dieser Jungfrau von Orléans in der End-Zeit von Panem, als durchgeknallte Tiffany in «Silver Linings Playbook», als blaue Mystique bei den X-Men oder als unterschätzte Blondine Rosalyn Rosenfeld in «American Hustle» oder einfach als Jennifer Lawrence, die einen Misstritt auf dem Roten Teppich mit einem gewinnenden Lächeln auffängt – diese Frau versteht es, im Mann Lust und Beschützerinstinkt gleichermassen zu wecken. Und dabei ist sie gerade mal 25 Jahre alt.

Am Ende: Joy mit ihrem Vater (Robert de Niro).

Am Ende? Joy mit ihrem Vater (Robert de Niro).

David O. Russell hat dies schon früh erkannt. Kein Wunder, inszeniert der Regisseur mit «Joy» schon zum dritten Mal Jennifer Lawrence in einer Hauptrolle. Während sie sich diese in «Silver Linings Playbook» (2012) und «American Hustle» (2013) noch mit Bradley Cooper beziehungsweise Cooper, Christian Bale und Amy Adams teilen musste, wird im aktuellen Werk der Scheinwerfer ganz auf sie gerichtet. Die Rolle einer jungen Mutter, die ihre realitätsfremde Mutter beherbergt, ihren Ex-Mann im Keller duldet und sich schliesslich auch noch mit ihrem opportunistischen Vater herumschlagen muss, ist wie für sie gemacht. Denn Joy, deren einziger Rückhalt ihre Grossmutter darstellt, zerbricht nicht an diesen Bürden des Lebens. Als ihr der Privatkonkurs droht, gibt sie nicht auf, sondern geht in die Offensive. Sie erfindet den ersten selbst auswringbaren Mop und bringt ihn mit grossem Einsatz auf den Markt. Doch um auch Profit damit zu machen, muss sie sich gegen alle möglichen Widrigkeiten durchsetzen und sich von der Hausfrau zur toughen Geschäftsfrau entwickeln.

Lichtblick in einer schrecklich netten Familie: Joy.

Lichtblick in einer schrecklich netten Familie: Joy.

Wenn Jennifer Lawrence leidet, möchte man sie in den Arm nehmen. Wenn sie wütend ist, möchte man nicht der Grund dafür sein. Wenn sie lacht, geht die Sonne auf. Wer sich der Aura dieser jungen Frau aus Louisville, Kentucky, verschliesst, dem ist nicht zu helfen. Der Untertitel ihres neusten Films könnte auch der Slogan für ihr eigenes Leben sein: «Alles ausser gewöhnlich».

P.S. «Joy» ist zwar eine One-Woman-Show von Jennifer Lawrence, doch der Cast dieser intelligenten und absolut sehenswerten Biografie ist auf der ganzen Linie hochklassig: Die Namen Robert de Niro, Isabella Rossellini, Virginia Madsen, Diane Ladd und Bradley Cooper halten, was sie versprechen.

«Joy» läuft ab Silvester 2015 in den Kinos Pathé Küchlin und Studio Central in Basel.

Weitere Kinostarts in Basel am 31. Dezember: Legend, The Big Short.

Bradley lässt nichts anbrennen

Fabian Kern am Mittwoch den 2. Dezember 2015

«Burnt» ab 4.12. in Küchlin und im Studio Central.

«Burnt» läuft ab 4.12. in Küchlin und Studio Central.

Komödie, Drama oder Romanze? Mit zunehmender Filmdauer mehr fragt man sich, in welche Schublade «Burnt» von John Wells denn nun gehört, nach fast jeder Szene ändert man seine Meinung. Das renommierte Film-Portal imdb.com macht es sich einfach und entscheidet sich gar nicht, sondern weist den Streifen als Comedy und Drama aus. Beim erfahrenen Kinogänger löst das einen stillen Alarm aus, denn Filme, die sich nicht genau einordnen lassen, sind meistens uninspirierte, nicht durchdachte Werke, die einen unbefriedigt aus dem Saal entlassen. Bei einer so beeindruckenden Besetzung wie im Gastrofilm «Burnt» von Regisseur John Wells («August: Osage County») wäre das allerdings schon fast ein Kunststück.

Anspruchsvoller Küchenchef: Adam Jones.

Anspruchsvoller Küchenchef: Adam Jones.

Zum zweiten Mal innert eines Jahres mimt Sienna Miller den weiblichen Gegenpart zu Bradley Cooper. War die schöne Britin in «American Sniper» noch verheiratet mit dem ehemals «Sexiest Man Alive», folgt sie nun als Köchin dem Ruf eines gefallenen Superstars – allerdings nicht freiwillig. Adam Jones (Cooper), einer der Grossen der Szene, ist nach einem kometenhaften Aufstieg und zwei Michelin-Sternen in Paris komplett in einen Sumpf aus Sex und Drogen abgestürzt und will sich nun in London wieder aufrappeln. Dazu erwählt er sich das Restaurant seines früheren Geschäftspartners Tony Balerdi (Daniel Brühl) und stellt ein eigenes Team zusammen. Bestimmt, selbstbewusst, arrogant. Hélène (Miller) bringt er nur in seine Küche, indem er sie von ihrem aktuellen Chef feuern lässt, von seinem früheren Sous-Chef Michel (Omar Sy) kassiert er erstmal eine Faust, bevor dieser sich auf ein neues Abenteuer einlässt. Kann das gutgehen mit der Jagd nach dem dritten Stern?

Adams Partner: Hélène und Tony.

Verliebt in Adam? Hélène und Tony.

Erschwerend hinzu kommen diverse Nebenschauplätze, allen voran die Liebe. Nicht nur, dass Tony verliebt in Adam ist, sondern als sich Adam und Hélène langsam näher kommen, taucht Adams grosse Liebe Anne Marie (Alicia Vikander) wieder auf. Sie ist aber nur ein Teil seiner dunklen Vergangenheit, denn Adam hat immer noch Schulden bei einem Mafia-Typen aus Paris, der regelmässig seine Schläger vorbeischickt. Und zudem muss sich der Rockstar unter den Küchenchefs von seinem Erzrivalen Reece (Matthew Rhys) vorwerfen lassen, an einem altmodischen Stil zu hängen. Und dann wäre da noch Belardis Auflage, dass Adam regelmässig Sitzungen bei der Suchttherapeutin Dr. Rosshilde (Emma Thompson) besucht. Dem ehrgeizigen Koch scheint das alles über den Kopf zu wachsen, und er lässt den Frust an seinem Team aus.

Therapeutischer Rat: Adam bei Dr. Rosshilde.

Therapeutischer Rat: Adam bei Dr. Rosshilde.

Die Fans von Bradley Cooper – es soll sogar einige männliche geben – kommen voll auf ihre Kosten. Der Amerikaner glänzt in einer Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben ist: Gutaussehend und trotzdem verlebt, arrogant und trotzdem charmant, erfolgreich und trotzdem zerbrechlich. So hat man Cooper schon in «Silver Linings» (2012), «The Words» (2012) oder «Limitless» (2011) gesehen. Die Umgebung in der Hochglanzküche, die Inszenierung der wunderbaren Gerichte und die Würze menschlicher Schwächen gibt dem eigentlich herkömmlichen Plot einen frischen Anstrich, der den Film sehenswert macht – zusätzlich zu den starken Schauspielern.

Komödie, Drama oder Romanze? Manchmal ist das gar nicht so wichtig. Hauptsache, der Film unterhält gut.

«Burnt» läuft ab 3. Dezember 2015 in den Kinos Pathé Küchlin und Studio Central in Basel.

Weitere Kinostarts in Basel am 3. Dezember: In the Heart of the Sea, Love the Coopers, Hallå, Hallå, Le tout nouveau testament.