Beiträge mit dem Schlagwort ‘Black Tiger’

Silberrücken, Amazonen und eine Unerhörtheit

Joel Gernet am Freitag den 13. Februar 2015

Da geht was in der Basler Rapszene: Gemeint sind nicht nur die Meisterwerke von Chilz und Zitral, sondern auch zahlreiche Veröffentlichungen der letzten Stunden und Monate – von Vybesbildern bis Samoon. Etwas aber geht gar nicht!

Herausragend: Chilz über den Dächern Basels. (Bild: Screenshot «Swiss Steet Life»)

Herausragend: Chilz über den Dächern Basels. (Bild: Screenshot «Swiss Steet Life»)

Wenn diese beiden Silberrücken Silben spucken, hagelt es Punchlines im Sekundentakt. Chilz und Zitral, beide um die dreissig, beide Teil einer grossen Basler Allstar-Rapcrew, beide seit über eineinhalb Dekaden am Mikrophon – und beide blutige Anfänger in Sachen Solo-Album. Das Warten hat sich gelohnt: Die in Eigenregie realisierten Debüts von Chilz und Zitral ragen aus den Basler Rap-Releases der vergangenen Monate heraus wie der Roche-Turm aus dem Wettstein-Quartier. So weit, dass man sogar in der Restschweiz in die Richtung dieser dopen Basler schielt.

Während Chilz auf «Innere Zirkel» lyrisch mit einer breiten Palette zwischen Wucht und Deepness auftrumpft, dreht sich bei Zitral alles nur um das Eine: «Rapmusig», angerichtet mit einer deftigen Portion Funk und einem Flavour, der seinesgleichen sucht. Zitral tauft sein Album übrigens diesen Samstag, 14. Februar, in der Kaserne Basel.

Beginnen wir den Besprechungs-Marathon bei Chilz, dessen Album «Innere Zirkel» (erhältlich auf Rappartment.ch oder iTunes) im November erschienen ist. Als Mitgründer der Basler Rapcrew K.W.A.T. (Köpf wo andrs tikke) hat der 31-Jährige in den vergangenen Monaten regelmässig bewiesen, dass er ein technisch versiertes Reimemonster ist. Aggressive Punchlines, die Kinnladen in mehrfacher Hinsicht austicken lassen, durchsetzt mit smarter Gesellschaftskritik und Strassenrap-Rhetorik – so kannte man ihn bisher. Zuletzt etwa bei der grossen «Bounce Cypher» auf SRF Virus (ab Min. 11:08).

Die Gretchenfragen beim Solo-Debüt lauten nun: Überzeugt der Protagonist auch abseits seiner Crew? Und kann er den Hörern neue Facetten präsentieren? Ja! Er kann! Auf dem Song «02.01.1984» thematisiert Chilz eindrucksvoll die Suche nach seiner Mutter und bei «Uf mim Pfad» wird schonungslose Selbstanalyse betrieben. Noch mutiger für einen Strassenrapper: Chilz ist sich nicht zu schade für eine Liebeserklärung an die Mutter seiner Kinder («Nr. 1»). Auch diese Fremdschäm-Hürde nimmt er locker und ohne dabei peinlich zu wirken – was auch am unsentimentalen Beat liegt.

Kontraste wie diese machen aus «Innere Zirkel» ein facettenreiches Album, das kaum eine Schattierung auslässt zwischen Gassen-Elend und Familien-Glück. Die textlichen Gegensätze sorgen dafür, dass Zwischentöne noch subtiler wirken – und sie machen bissige Punchline-Songs noch wuchtiger. Etwa bei Bangern wie «Swiss Street Life» oder dem Titeltrack «Innere Zirkel» mit K.W.A.T.-Kumpel Kush. Bewährte Strassenrap-Kost mit deftigen Kopfnicker-Beats, perfekt fürs Autoradio. Elektronisch-experimentell wird es beim Party-Tune «Presslufthammer» und dem sphärisch-obskuren «Anderi Wält».

Einen spannenden Mix von Lokalpatriotismus und Gesellschaftskritik gibts auf der Schweiz(er)-Hymne «Goodman» und dem sehr originellen «Mir wei luege». Ein Song, auf dem Chilz mit Sam (Rapreflex/K.W.A.T.) liebevoll die Baselbieter Macken und die Hassliebe zwischen Stadt- und Landkanton aufs Korn nimmt. Herrlich, wie die beiden im Baselbiet aufgewachsenen Rapper den Spagat zwischen Land-Idylle und Grossstadt-Hustle auf den Punkt bringen! Der differenzierte, selbstironische und kritische Umgang mit «Gangsterrap» steht Chilz gut an und lässt ihn umso authentischer wirken – gerade auch durch die Kontraste und Widersprüche, die das Leben mit sich bringt.

Abgesehen von den K.W.A.T.-Homies kommen die Gastbeiträge von ausserhalb: So geben sich auf «Innere Zirkel» der Zürcher Rapper Steezo, Webba aus Bern und die in Luzern lebende Baselbieter Raplegende Shape MC die Klinke in die Hand. Noch breiter gefächert ist die Sound-Palette: Die Album-Beats stammen von neun verschiedenen Produzenten, von denen das PW-Records-Trio um Jakebeatz, Sandro Purple Green und Manoo das Herzstück bildet. Letztgenannter war auch für die künstlerische Leitung und das herausragende «Swiss Street Life»-Video zuständig.

Die Schwachstelle des Albums ist die schwankende Beatqualität. Stellenweise wirkt die Soundunterlage etwas schmalbrüstig neben dem Powerrap von Silberrücken Chilz. Dieser, das bestätigt sich auf «Innere Zirkel» eindrücklich, präsentiert wie erhofft die geballte Wortwucht. Es sind Boxhiebe eines Bären, durchsetzt mit subtilen Zwischentönen.

Boxhiebe eines Bären – das sind auch die unverschämten Punchlines des Birsfelder Rappers Zitral, der sein Debüt-Album «Rapmusig» (erhältlich bei Rappartment.ch oder auf iTunes) am 14. Februar in der Kaserne Basel tauft. Ansonsten aber kommt der TripleNine-Member ganz anders daher als Chilz: Persönliches? Fehl am Platz! Ein Heer an Produzenten? Nie und nimmer! Dieses Album ist das Gegenteil von vielseitig – und das ist gut so. Denn der Flavour und die Frechheit, mit der Zitral die Musik und sich selber huldigt, wiegt auf, was man bei anderen Rappern schmerzhaft vermissen würde. Ignoranz und Selbstverliebtheit kann so sympathisch sein.

10959843_10205111533020416_7104907161365043374_nHier gilt es anzufügen, dass der Autor nicht aus neutraler Warte schiessen kann: Zitral ist sein Bandkollege bei der Basler Allstarcrew TripleNine. Im Gegenzug kann der Schreibende dem Beschriebenen nach einem gelungenen Rap-Part direkt sagen, dass er ein Arschloch ist. Hurra! Warum? Weil Zitral seine Zeilen so locker aus dem Handgelenk schüttelt, dass jedes gegenüber verdammt alt aussieht.

Zitrals Debut «Rapmusig» ist so etwas wie der Running Gag des Basler Raps: Vor Jahren vollmundig angekündigt, wollte es partout nicht zur Vollendung kommen. Das Album ist quasi die Basler Version von «Detox», dem ominösen Album von US-Rapstar Dr. Dre – dieses wurde 2004 angekündigt, ist aber bis dato nie erschienen. Allerdings hat Zitrals Erstling nun tatsächlich das Licht der Welt erblickt!

Abgesehen von vereinzelten Querschlägern rappt der Birsfelder auf 22 Songs über nichts anderes als Rap. Eigentlich haarsträubend. Aber: Was anderswo zur Tortur wird, entwickelt sich beim 32-jährigen Grossmaul zum Hörgenuss: Die Raps von Zitral sind irrwitzig, tollkühn und unvorhersehbar, verschachtelt oder so genial einfach, dass man sich fragt, warum das bis jetzt noch niemand so straight formuliert hat. Kurz: Beste Unterhaltung auf höchstem Niveau.

Auf Refrains verzichtet Zitral mit Vorliebe, stattdessen erhalten sein Stuuberocker-Bandkumpel DJ Freak und Brandhärd-Plattendreher Johny Holiday viel Platz für ihre Scratch-Orgien. Für den roten Faden sorgt TripleNine-Hausproduzent SimonAyEm, mit dem Zitral seit 1998 als kongeniales Duo funktioniert. Der Basler Sample-King hat sämtliche Album-Beats auf seinem MPC-Sequencer zusammengeschustert. Beats, wie massgeschneidert für Funklord Zitral. Die rappenden Gäste auf «Rapmusig» sind wohldosiert und umso effektvoller: Neben dem Berner Alleskönner Greis (Chlyklass) sind dies Zitrals TripleNine-Kumpel Abart, Cinzoman und SimonAyEm.

Knochentrockene Drumsets, gepaart mit herzerwärmenden Funk-, Soul- und Jazzsamples, gelegentlich mit obskuren Untertönen. In seiner Gesamtheit ergibt das eine HipHop-Platte im Vibe des amerikanischen Eastcoast-Rap der 90er Jahre. Zitral ist so zeitlos, dass er der Zeit fast schon wieder voraus ist.

Natürlich sind die überragenden Solo-Alben von Chilz und Zitral nicht die einzigen Basler Rap-Releases der vergangenen Monate. Deshalb hier ein kurzer alphabetischer Überblick über die jüngsten Releases von Abart, Dritte Stock, E-Light, Einzelgänger, Jean Deig und Samoon.

Zuvor unterbrechen wir das Programm aber kurz für eine soeben eingetroffene Sondermeldung; Heute Freitag, 13. Fabruar, haben sechs Ladies aus der Region via Soundcloud die Free-EP «Skillz on Fire» lanciert. Der Zusammenschluss der Rap-Amazonen nennt sich Vybezbilder und umfasst mit Nefera, Bina, Sista Lin, Merl, Luana und Pearlbeatz praktisch jede Basler Rapgeneration. Zusammengefunden haben die Damen bei Black Tigers 83-Minuten-Monster «1 City 1 Song».

Zurück zum alphabetisch angeordneten Release-Programm der vergangenen Monate: Neben Zitral war auch dessen Bandkumpel Abart alles andere als untätig. Klar! Dieser hat schliesslich den Titel als produktivster TripleNiner zu verteidigen. «Zur Sunne und zrugg» (ZSUZ) heisst der Gratis-Release, veröffentlicht im Dezember via Soundcloud. Die EP umfasst vier Songs und ein Thema: Hier wird eine Beziehung vom Verlieben bis zum bitteren Ende seziert. Persönlich, ehrlich und solid, untermalt mit Beats von Silenus, dem jüngsten TripleNine-Zuwachs. Das gemeinsame Projekt 787 hat inzwischen konkrete Formen angenommen. Bevor es soweit ist, lanciert aber Abart bald seine neuste Free-EP «Schädel». Soviel zum Thema aktivster TripleNiner.

Seit Herbst im Umlauf ist das auf Mundart und Englisch gehaltene Debut-Album «Dritti Art» (Free-Download) des jungen Basler Trios Dritte Stock um MicG, InteLekt und Mastermind Sherry-Ou. Dieser ist bereits bei der letzten Staffel des Swiss Video Battle Turniers positiv aufgefallen. Im Kreis der Crew wird sein Talent noch offensichtlicher: Sherry-Ou rappt so rund wie sein Name klingt. Seine Kumpel hingegen holpern phasenweise etwas gar hölzern durchs Alphabet. Vor allem die englischen Raps sind hart an der Schmerzgrenze.

Wenn schon Schweizer Rap auf Englisch, dann bitte so smooth wie beim Aargauer Duo Nefew, deren neues Album «Rise of the Antihero» Kritiker wie Fans gleichermassen verzückt – völlig zurecht. An der Beat-Front gibts im Dritten Stock nachdenkliche Pianoläufe, sphärische Synthies und gelungene Ausflüge in Richtung Drum and Bass und Dubstep. Die Texte drehen sich vorzugsweise um die Liebe zu Musik und um die Träume und Tragödien des Alltags. Dritte Stock sind verspielt und experimentell – vor allem aber noch ganz am Anfang. Ein zartes Pflänzchen. Mit Fleiss und Hartnäckigkeit könnte das noch etwas werden – ansonsten sollte sich Sherry-Ou ernsthaft Solo-Pläne machen.

Frische Kost gibts auch aus Oberdorf im Waldenburgertal. Also von dort, wo um die Jahrtausendwende unter dem legendären Label «WB-Tal» einige der damals erfolgreichsten Schweizer Rap-Platten entstanden sind. Der Junge heisst E-Light, ist noch keine zwanzig Jahre jung und hat im Oktober seine Debüt-EP «Nüt und trotzdäm meh» veröffentlicht. Gut möglich, dass nach eineinhalb Dekaden wieder Grosses entsteht im Oberbaselbiet: E-Light ist hungrig, verspielt, raptechnisch versiert und thematisch vielseitig. Vor allem aber legt er eine Euphorie an den Tag, die ansteckend wirkt. Kein Wunder, hat es der Teenager nicht nötig, verkrampft den Macker zu markieren. Talent statt Testosteron. Wenn E-Light so weiter macht und seine bisweilen etwas überhastet gerappten Zeilen um die ein oder andere Silbe kürzt, kommt das sehr gut. Ein Versprechen für die Zunkunft – auf dass das legendäre «WB-Tal» wieder von sich reden macht.

Wir bleiben im Baselbiet. Und zwar bei einem Phänomen namens Einzelgänger. Der junge Leimentaler ist seit Jahren hartnäckig am Ball. Nachdem er sich quasi in Isolation das Rappen und Beat-Produzieren beigebracht hat, tritt er inzwischen mit diversen Kollabo-Projekten in Erscheinung. Auf das Album «Antarctica» mit Kaotic Concrete folgte nun «Rune & Legände» mit dem Walliser Rapper Sevsnite. Die gebotene Musik macht dem sagenumwobenen Albumtitel alle Ehre und kommt pathetisch und brachial auf dem Schlachtross daher geritten – in Sachen Text und Beat. Hier sind offensichtlich keine Feinmotoriker am Werk, aber das passt ganz gut so: Rap mit Heavy-Metal-Attitüde ist in der Schweiz nicht so verbreitet. Das macht sie um so unverwechselbarer. Und es soll im selben Stil weitergehen: Für diesen Sommer kümmert Einzelgänger das Album seines Projekts Underground Legends an. Der passende Name: «The Clash Of The Titans». Mit von der Partie sind Tekneek (UK), Kaotic Concrete, Mr.G und Micky Gargano.

Der Baselbieter Rapper Jean Deig – früher unterwegs mit der Crew Unter Umständ – ist fast das pure Gegenteil zu Einzelgänger: Seine Musik erforscht nicht die düsteren Ecken vergangener Mythen, sondern eher die sonnigen Seiten des Alltags. Folgerichtig ist der Name des Solo-Debuts: «Uff die guete Ziite» (iTunes). Ein Album voller Humor und Ironie («Anerkennig») mit nachdenklichen Zwischentönen («Vater») und funky Momenten («Besserwüsser»). Die gesungenen Hooks sind Geschmackssache.

Jean Deigs Soundunterlagen stammen alle vom Berner (?) Produzenten Bone Beatz – die vielen guten Ansätze werden leider über weite Strecken durch ein generelles Manko an Durchschlagskraft beschnitten. Eines der stimmungsvollsten Samples hat man zudem schon 2011 bei Kool Savas gehört («Aura»). Das ist fast so dreist wie der Berner Feature-Gast (Name unbekannt), der schamlos den Rapstil von Chlyklass-Rapper Baze kopiert. Das geht gar nicht!

Einer der Höhepunkte des Albums: Der Song «Genau darum», auf dem Primarlehrer Jean Deig seine Arlesheimer Schulklasse ans Mikrophon bittet. Sehr originell mit einem lüpfigen Akkordeon- und Xylophon-Beat. In Anbetracht der vielen guten Ansätze fragt man sich, warum Jean Deig nie böse wird in seinen Raps. Hat er Angst, seine Schüler zu verstören? Das Album lässt eher einen anderen Schluss zu: Hier rappt ein gut gelaunter, positiver Mensch, der genügend selbstbewusst ist, um nicht künstlich den Harten zu markieren. Sehr erfrischend!

Richtig cool daher kommt das Album «Gueti Miene zum böse Spil» des Duos Samoon um Hunter S. Thompson und Red Cap. Seit rund zehn Jahren aktiv, spitten die beiden Baselbieter nun zum ersten Mal auf Albumlänge zusammen. Dabei harmonieren die beiden so gut, wie kaum ein anderes Schweizer Zweiergespann zur Zeit: Die beiden übergeben sich das Zepter am Mikrophon teilweise so rasch, dass der Hörer kaum weiss, wer das Wort hat. Das ist abwechslungsreich, spannend und – trotz der vielen Wechsel – absolut harmonisch. Ein Zahnrad greift perfekt ins andere. Eine gut geschmierte Reim-Maschine, die beweist, dass viele Rapper ihre ellenlangen Ego-Ergüsse innerhalb eines Crew-Tracks gerne zurecht stutzen dürfen – zum Wohl des Gesamtprodukts. Inhaltlich bieten die beiden neben dem gewohnten Auf-die-Fresse-Rap auch Gesellschaftskritik («Statussymbol») und Nachdenkliches («Schicksalsschlag»).

Ganz stark ist der Song «Räptourischte», in dem Samoon über einen fröhlichen Beat alle Mode-Rapper in die Einzelteile zerlegen. So machts Spass! Abgerundet wird das Ganze durch die Scratches von DJ Steel (Makale), der einmal mehr sein Ausnahmekönnen unter Beweis stellt. Achja, was ich in Bezug auf Samoon schon lange loswerden will: Heute feiern alle (zu recht) Comptons neuen Rapstar Kendrick Lamar und seine unverkennbar weinerliche Stimmlage beim rappen – lasst euch gesagt sein: Samoon-Spitter Hunter S. Thompson hat schon so gerappt, als Kendrick Lamar noch von «Swimming Pools» träumte. Vielleicht sollte Hunter den Nachahmer aus Amerika einmal zur Rede stellen.

Bevor wir zur Aussicht auf das Basler Rapjahr 2015 kommen, müssen wir noch über die grösste Unverschämtheit 2014 reden: Kuzco hat aufgehört zu rappen, um sich auf seine Karriere als «echter» Musiker zu fokussieren! Da hat Basel endlich wieder einmal einen überfreshen Newcomer und Hoffnungsträger (wir berichteten) – und dann bricht dieser die Fahrt ab, bevor der Panzer ins Rollen kommt. Eine bodenlose Frechheit ist das! Perlen vor die Säue! Aber vielleicht kommt mit dem Alter ja die Vernunft. Immerhin hat Kuzco zum Abschied ein letztes Video hinterlassen…

Und was steht uns 2015 bevor? Hier ein intuitiver und unvollständiger Ausblick für (mögliche) Veröffentlichungen des angelaufenen Rapjahres: Endlich wieder mal mit einem Solo-Release bescheren sollte uns Black Tiger, tüchtig gewerkelt wird auch beim Basler Label Rappartment, wo Pyro an seinem nächsten Solo-Streich türftelt. Im Chilz-Umfeld K.W.A.T. sollten Kush & Levo hoffenlich bald mit einem Kollabo-Projekt kommen – und die Rapreflex-Jungs, die mit DJ Johny Holiday an einem Mixtape werkeln. Neues könnte auch von Kalmoo – der dieser Tage mit Temple Of Speed released hat – und (?) seiner Crew TNN kommen.

Gespannt sein darf man auch auf die angekündigten Alben des «heissesten Schweizer Rappers» S-Hot und von Ensy (Uslender Productions), der kürzlich einen vielversprechenden Video-Vorboten zum Album von der Leine gelassen hat.

Aus dem Zitral-Umfeld TripleNine steht neben der Abart Free-EP «Schädel» zudem das Abart & Silenus-Projekt «787» an. Und wer weiss: vielleicht kommt dieses Jahr gar ein neues Brandhärd Album. Höchste Zeit, dass die faulen Säcke den Finger aus dem Allerwertesten nehmen!

Den Abschluss machen gute Neuigkeiten aus dem Oberbaselbiet: Der Sissacher Rapper Rudee (Falschi Verbindig) hat sein Debut-Album «Leerlauf» ins Presswerk geschickt und entfacht bereits jetzt die Vorfreude mit einem vielversprechenden Snippet…

This is it. Peace & out!

Das Stehaufmännchen des Basler Rap

Joel Gernet am Donnerstag den 10. Januar 2013

Mit «Eva» bringt Rapper Abart sein drittes Solo-Album in Umlauf. Dass es sein bisher nachdenklichstes Werk ist, hat seinen Gund.

Es ist nicht einfach, über Kollegen zu schreiben. Vor allem, wenn sie der eigenen Rap-Crew angehören. Man könnte mir Filz und Beisshemmungen vorwerfen. Andererseits ist dies ein Blog, den wir aus Leidenschaft nebenbei betreiben und in dem wir uns subjektiv mit Sachen beschäftigen, die uns interessierten und die wir als relevant erachten. Und Abart ist relevant: Der TripleNine-Söldner gehört zu den produktivsten Rappern dieser Stadt und tickt seit Jahren konstant wie ein Uhrwerk – auch in Sachen Rapflow. Er war treibende Kraft hinter den drei FCB-Maischtertracks seiner Crew. Und in früheren Jahren stand er mit der Crew Taktpakt und als Backup-Rapper von Black Tiger auf den Bühnen dieses Landes.

Abart – Eva (TripleNine Records 2012).

Abart – Eva (TripleNine Records 2012).

Ende Dezember ist Abarts drittes Solo-Album «Eva» erschienen. Die ausschliesslich in digitaler Form vorliegende «CD» markiert so etwas wie die dunkle Seite des Mondes. Eine kühle, schattige Seite, bedeckt mit Asche und Tränen. Aber auch mit Freude, Liebe und Zuversicht. «Eva» ist ein emotionales Audio-Manifest, mit dem Abart alias Nico Jucker den Tod seiner Mutter, der dieses Album gewidmet ist, verarbeitet. Es ist Schlussstrich und Neubeginn, mit dessen Veröffentlichung der 34-Jährige neue Kräfte freisetzen will. Und wird.

Denn wenn Abart für etwas berüchtigt ist, dann für seine unerschöpfliche Energie, die ihn zum produktivsten Mitglied des Rapkollektivs TripleNine macht – ein stetig schnurrender Musik-Motor. «Eva» umfasst 13 Songs, von denen ein Grossteil ehrlicher und persönlicher daherkommen als dies bei Abart ohnehin schon der Fall ist. Hier landen die Hochs und Tiefs des Lebens direkt auf dem Textblatt. Seine grossmauligen Punchline-Raps hat er fürs TripleNine-Album aufgespart. Liebe und Tod, Hoffnung und Schmerz – auf seinem Drittling behandelt Abart Themen, mit denen sich jeder identifizieren kann. So kommt es, dass der Basler dieser Tage auch positives Feedback von 40-Jährigen Hörern erhält. Eine ungewohnte, aber angenehme Erfahrung für Abart.

Abart und DJ Johny Holiday.

Abart und DJ Johny Holiday.

Dessen drittes Solo-Album markiert den Anfang vom Ende – und umgekehrt. Es wird die letzte Veröffentlichung von Abart sein; gleichzeitig steigt aus Abarts Asche das neue Ich des 34-Jährigen empor. So beschrieben auf auf dem Vorabtrack «Wachküsst usem Schloof»: «Eva isch fertig, y bruuch kei Maske meh. Drum git’s nach däm Album au kei Abart meh. Denn kunnt Nico vom Nico mit em Nico druff. Bi nie meh uf dr Flucht, gib dr Schizo uff».

Dieses Album beschliesst einen Lebensabschnitt und weist mit seiner Jetzt-wird-alles-besser-Haltung den Weg in die Zukunft. Neben dem persönlichen Struggle manifestiert «Eva» aber auch Abarts ungebrochene Liebe für Rap. Dies zeigt sich insbesondere in den Songs, bei denen der Basler seine Mitstreiter ans Mikrophon bittet. Neben seinen TripleNine-Freunden Thierrey, Zitral und Jean Luc Saint Tropez, sind dies Silenus und Krime (Rapreflex) sowie Kid Bakabu, der den Song «Durchblick» mit einem einzigartigen Refrain veredelt.

Wenn ich jetzt das Haar in der Suppe suchen müsste, würde ich den auf Dauer halt doch etwas monotonen Rapflow von Abart bemängeln. Die fadengerade, unverschnörkelte Vortragsweise ist zwar eines von Abarts Markenzeichen, ich glaube aber, es würde seiner Musik gut tun, wenn der 34-Jährige punktuell seine Komfortzone verlassen und sich auf Rap-Experimente einlassen würde.

«Eva» ist seit dem 21. Dezember 2012 auf iTunes erhältlich. Dies nicht nur, um die Produktionskosten des in Eigenregie realisierten Albums möglichst tief zu halten, sondern auch, um die Kräfte für künftige Veröffentlichungen zu bündeln. Denn Abart wäre nicht Abart, hätte er nicht bereits mit den Arbeiten zum nächsten Album begonnen. Und dieses wird dann im besten Fall wieder die Sonnenseite des Mondes abdecken.

Ein 83-Minuten-Monument für den Basler Rap

Joel Gernet am Mittwoch den 17. Oktober 2012

Dieses Wochenende erblickt ein Monster von einem Raptrack das Licht der Welt: Auf «1 City 1 Song» vereinigt Black Tiger über 140 Rapper aus der Region Basel. Am Freitag feiert das Werk mit einem Weltrekord auf DRS 3 Premiere, am Samstag gibts das Werk live in der Kaserne zu hören und als Gratis-Download. Der Bericht eines Beteiligten.

Black Tiger, Basler Rappionier. (Bild: Tim Lüdin)

Black Tiger, Basler Rappionier. (Bild: Tim Lüdin)

Black Tiger hat ein Monster erschaffen! Einen 83 Minuten langen Rapsong mit über 140 Rapperinnen und Rappern aus der Region und Beats von 11 Produzenten (Liste am Ende dieses Artikels). Auch wenn sich der Basler Rappionier eigentlich lieber nicht in den Vordergrund drängen will, schliesslich hatte er viele Helfer zur Seite, so ist es doch er, der dieses Wahnsinnsprojekt angerissen und durchgezogen hat. Es kann nur Black Tiger sein!

Kaum ein anderer Rapper hätte die Vision, den Optimismus und die Hartnäckigkeit, während zwei Jahren ein derart selbstloses Projekt zu realisieren. Andere hätten mit dieser Energie zwei Solo-Alben geschrieben. Nicht so Tiger, der mit «1 City 1 Song» ein eindrückliches Statement für die lokale HipHop-Szene abgibt und rund 20 Jahre nach der «Basler-Rap»-Hymne «Murder by Dialect» (mit P-27) ein zweites Mal Schweizer Musikgeschichte schreibt. Diesen Beitrag weiterlesen »

Wo der Gangster-Rapper mit der SVP-Politikerin die Klingen kreuzt

Joel Gernet am Donnerstag den 23. August 2012

An der Podiumsdiskussion «Vorurteilt» diskutieren am Samstag drei Rapper, eine junge Politikerin, ein Journalist und einen hyper-kritischer Musikproduzent über Sinn und Unsinn der HipHop-Kultur. Die Konstellation verspricht eine spannende Runde.

Teure Schlitten, dicke Titten und das Verticken von weissem Pulver – Rapper L-Montana aus Pratteln ist der regionale Stereotyp eines Gangster-Rappers (Video). Textlich und technisch bei weitem nicht immer über alle Zweifel erhaben, zieht er die Hörer mit seinem dreisten Auskosten fast aller Gangsta-Klischees in Bann.

Die provokante und selbstbewusste Art von L-Monatana ist wohl das Beste, was Maturand Tino Zihlmann für seine Podiumsdiskussion «Vorurteilt» hätte passieren können – auch wenn er dessen Rap-Philosophie überhaupt nicht teilt. Zwar sind die beiden anderen Rapper der Runde – Oldschool-Legende Skelt! (P-27) und Rappartment-Aushängeschild Pyro – um ein Vielfaches etablierter und talentierter als ihr Gegenpart aus Pratteln, doch allein der Fakt, dass sich der selbsternannte «Bad Boy» L-Montana unter lauter Andersdenkende wagt, verspricht Spannung. Das darf man ihm hoch anrechnen.

Tino Zihlmann, «Vorurteilt»-Organisator. (Bild: Joël Gernet)

Tino Zihlmann, «Vorurteilt»-Organisator. (Bild: Joël Gernet)

«Eine meiner grössten Aufgaben ist, dafür zu sorgen, dass L-Montana nicht dauernd in der Schusslinie ist», sagt Zihlmann, der das Podium im Rahmen seiner Maturarbeit am Gymnasium Münsterplatz organisiert. Dass er alle angefragten Teilnehmer rasch im Boot hatte, verwundert den 19-Jährigen selber. «Ich bin erstaunt, dass praktisch alle ohne langes Zögern zugesagt haben – sogar L-Montana, von dem ich das nicht unbedingt erwartet hätte». Neben der Rapper-Fraktion steigen Jungpolitikerin Sophie Feuz (JSVP BS), Musiker und Journalist Christian Platz sowie der angesehene Musikproduzent David Klein in den Ring. Alle Teilnehmer kommen aus der Region.

Mit «Vorurteilt» will Zihlmann dem oft undifferenzierten öffentlichen Bild der HipHop-Kulur entgegenwirken. Dieses ist geprägt von von Klischees wie Dekadenz, Gewalt, Sexismus und Drogenverherrlichung. «Ich werde immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert und merke, dass ich in meinen breiten Hosen nicht ernst genommen werde – das nervt mich», sagt Zihlmann. Zu viele Leute hätten wegen den Medien ein falsches, einseitiges Bild der HipHop-Kultur. «Dabei gibt es so viele Facetten, die nicht gezeigt werden.» Logisch also, dass die Podiumsdiskussion des 19-Jährigen durch Beatbox-, DJ- und Breakdance-Einlagen aufgelockert wird. Und mit Rap-Einlagen von Black Tiger kommt natürlich auch das meist beachtete HipHop-Element Rap nicht zu kurz. Bei der Diskussion selber steht dann Rap im Zentrum. «Dort wird halt mit Worten gearbeitet, das versteht jeder», sagt Zihlmann, dessen HipHop-Herz bei Rapmusik von Curse (D), Taz (TAFS, BL) und Gang Starr (NYC) höher schlägt, und der 2013 mit seinem Beat-Produzenten Fruit Richard sein erstes Album veröffentlichen will.

Damit am Samstag nicht nur HipHop-affine Gäste den Weg in den Parterre Kulturraum der Kaserne finden, hat Zihlmann das Podium auf den Nachmittag gelegt. «Ich habe schon gemerkt, dass viele Leute schon alleine wegen dem Line-Up der Darbietungen kommen», stellt Zihlmann lachend fest. Dass diese dann auch bei der Diskussion bestens unterhalten werden, dafür sorgt das breit gefächerte Teilnehmerfeld. «Ich hoffe, die Kontroverse kommt von allein», sagt Zihlmann. Mit dem bekannten Basler Musiker David Klein hat er neben SVP-Politikerin Feuz und Rudeboy L-Montana einen weiteren Trumpf gegen all zu viel Harmonie im Köcher. «Klein ist bekannt für seine kritische Haltung, gerade gegenüber Rap», sagt Zihlmann. Den beiden besonnenen Basler HipHop-Grössen Skelt! und Pyro dürfte mit ihrer differenzierenden Sichtweise eher die Historiker- und Diplomatenrolle zukommen – was auch sehr wichtig ist.

Podiumsdiskussion: Vorurteilt. Samstag, 25. August, 2012, 13:30 Uhr, Parterre Kulturraum, Kaserne, Klybeckstr. 1B, Basel. Mit: David Klein, Christian Platz, Skelt! (P-27), Pyro (Rappartment), L-Montana («Bald e Star»), und Sophie Feuz (JSVP). Performances: Black Tiger (Rap), B Boy Basti & B Boy Nordin (Breakdance), DJ Steel (DMC-Showcase) und Gorilla (Beatbox). Zuvor gibts draussen Graffiti-Action mit der Home2Crew (Just A Jam, Sissach). Mehr Infos.

20 Jahre Mundartrap aus Basel

Joel Gernet am Freitag den 13. April 2012

Der CH-Rapsampler «Fresh Stuff 2» (1992).

Ganze 20 Jahre hat Schweizer Mundartrap auf dem Buckel – zumindest, wenn man sich an der Zeitrechnung von DRS Virus und DRS3 orientiert, welche dieses Jubiläum heuer ausgiebig feiern. Und natürlich haben diverse Rapper aus der Rheinstadt während der vergangenen zwei Dekaden den Schweizer Rap massgebend mitgeprägt. Das muss hier natürlich ausgiebig gefeiert werden in Form einer kleinen Video-Zeitreise.

Achtung: Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Berücksichtigt wurde, was cool und/oder repräsentativ ist und zudem auf YouTube zu finden war. Ausserdem haben wir darauf geachtet, dass jeder Künstler nur einmal vorkommt (Ausnahmen gibts bei Kollaborationen und Namensänderungen;). Wer einen Song vermisst, kann diesen gerne in der Kommentarfeld posten.

Die DRS-Kollegen berechnen das Jubiläum übrigens an der Veröffentlichung des Schweizer Rapsamplers «Fresh Stuff 2» im Jahr 1992 und dem darauf enthalteten «Basler Rap» von P-27 und Black Tiger. Genau genommen erschien der Song mit Black Tigers bahnbrechenden Mundartreimen aber bereits ein Jahr zuvor auf dem P-27-Album «Overdose Funk» (edit: auch das Release-Date dieses Albums ist umstritten…siehe Kommentare unten). Sagen wirs doch so: Schweizer Mundartrap ist 20 Jahre jung…derjenige aus Basel hat bereits 21 auf dem Rücken;) Und ja…natürlich wurde bereits vor «Murder In Dialect» gerappt in Basel – aber kaum auf Baseldytsch. Aber jetzt viel Spass…

1991: P27 & Black Tiger – Murder By Dialect (Album: Overdose Funk)

Diesen Beitrag weiterlesen »

Zuerst Acapella-Rap, dann mit Liveband

Joel Gernet am Freitag den 3. Juni 2011

Freunde des experimentellen Raps kommen heute in Basel auf ihre Kosten: Mit dem Acapella-Event «Re:Quest» im Kulturpavillon und der «weCreate: Liveband Jam Session» im Hinterhof stehen gleich zwei Leckerbissen zur Auswahl. Bei letztgenanntem Anlass sorgen drei Jazzmusiker sowie DJ Steel für den Soundteppich der Session während Rapper und Sänger ihre (improvisierten) Texte zum Besten geben. Ganz ohne Begleitmusik kommen hingegen Hunter S. Thompson und Redcap beim «Re:Quest» aus: Hier bekommt das Publikum die Raptexte acapella um die Ohren gepfeffert – danach werden die beiden Samoon-Rapper mit Fragen zu ihren Texten gelöchert. Diesen Beitrag weiterlesen »

Vom Keller ins Rampenlicht

Joel Gernet am Mittwoch den 24. November 2010

Dass sich Basel in Sachen Pop, Rock und Rap nicht verstecken muss, ist – zumindest am Rheinknie – kein Geheimis. Dass in Basel aber viele, sehr viele Bands ihr Potenzial nicht ausschöpfen – erst recht auf nationaler Ebene – auch nicht. Woran liegt es, dass Herr und Frau Schweizer neben den Lovebugs und Black Tiger, allenfalls noch The Bianca Story oder The Glue, kaum aktuelle Musiker aus Basel kennen? Liegt es an der viel zitierten Basler Bescheidenheit? Sind unsere Bands zu wenig selbstbewusst? Oder nur zu versifft? Wird Basler Sound vom den nationalen Mainstream-Medien totgeschwiegen? Oder sind die Musiker schlicht und einfach zu schlecht?

Da viele ansässige Bands definitiv die Qualität und das Potenzial haben, national was zu reissen, wage ich zu behaupten, dass viele Basler Künstler zu bescheiden sind. Oder zu versifft. Oder beides. Was kann dagegen getan werden? Ganz einfach: Den Finger aus dem Allerwertesten nehmen und sich jetzt für das siebte Jugendkulturfestival (JKF) anmelden, das am 2. und 3. September die Innenstadt wieder Kopf stehen lassen wird. Folgenden fünf Punkte erklären, warum:

  1. Ein konkretes Ziel vor Augen haben: Wer sich stets nur im Bandkeller verschanzt und «für die Mülltonne» oder fürs Internet (was teilweise aufs Gleiche hinausläuft) musiziert, macht niemals die Fortschritte einer Band mit kontinuierlich wachsender Live-Erfahrung. Der Schritt auf die Bühnenbretter – mit echten Zuschauern und so…, nicht mit Clicks – stellt für die meisten Bands eine magische Grenze dar. Eine Grenze, über die sich viele aus falscher Bescheidenheit – oder eben Versifftheit – zu spät wagen. Klar, noch viel mehr Künstler präsentieren sich zu früh, aber das ist ein anderes Thema. Wer sich für einen Basler Grossevent wie das Jugendkulturfestival (oder auch die BScene) anmeldet, setzt sich ein ambitioniertes Ziel und kann dabei nur gewinnen.
  2. Das «Business» kennenlernen: Wer sich die Mühe nimmt, einen Anmeldeprozess wie beim JKF zu durchlaufen, merkt was es braucht, um über den Bandraum hinaus wahrgenommen zu werden: Eine professionell – am besten auch originell – geschriebene Bandbiographie; vernünftige Bandfotos; einen Plan, wer oder was auf die Bühne gehört und – vor allem – Sound der ready ist, vom Publikum gefeiert zu werden. Künstler, die sich angewöhnen, solche administrative Hürden zu überwinden und die sich so mit sich selber auseinandersetzen, haben es später auch leichter bei einer allfälligen Anmeldung zum «RegioSoundCredit», bei dem dreimal im Jahr Geld für vielversprechende Bands aus der Region ausgeschüttet wird. Als Kellerband mit Ambitionen gilt es solche Angebote sowie Wettbewerbe jeder Art zu nützen.
  3. Live-Erfahrung sammeln: Ein Bandprobe kann niemals ein Livekonzert ersetzen. Eine Combo kann noch so eingespielt sein – wenn sie nicht weiss, wie man mit dem Publikum kommuniziert und wie dieses auf die verschiedenen Lieder reagiert, ist diese Routine wenig wert. Ein überzeugendes Auftreten ist – wie fast überall – die halbe Miete. Mit Live-Routine können einem auch die gröbsten Patzer, sofern man diese originell auffängt, Publikums-Sympathien einbringen.
  4. Sich dem Publikum und den Fachleuten präsentieren: Nur wer sich zeigt, kommt ins Gespräch. Nur wer im Gespräch ist, wird auch weiter beachtet. Am Jugendkulturfestival ist halb Basel auf der Strasse (zumindest die musikaffine Peergroup). Zudem werden auch namhafte Komponenten aus der Musikszene unterwegs sein, denen man sich zeigen kann.
  5. Der Durchbruch ist möglich: Wenn eine unbekannte Kellerband an einem Grossevent wie dem Jugendkulturfestival überzeugt, hat sie gute Chancen auf Folgeauftritte. Oder, dass sie beim nächsten JKF nicht am Freitagnachmittag auf einer Nebenbühne, sondern am Samstagabend auf einer Hauptbühne spielen wird. Wer seinen Auftritt zudem via Videobilder (gibt es eine schönere Video-Kulisse als die voll besetzte Basler Innenstadt?) optimal weiter verwertet, kann noch mehr Leute erreichen und beeindrucken. Es soll ja Basler Bands geben, die auch dank einem JKF-Videoclip den nationalen Durchbruch geschafft haben. Also ran an den Speck!
  6. Spass haben: Das Wichtigste zuletzt. Es gibt für eine Band aus der Nordwestschweiz kaum etwas schöneres, als an einem Spätsommerabend in der zum bersten gefüllten Innenstadt zu spielen. Punkt.

Also… seit dieser Woche können sich (nicht nur) Musiker aus der Region für das siebte Jugendkulturfestival anmelden (hier das Formular). Und ich hoffe, dass sich die ein oder andere Kellerband am Riemen reisst und am ersten Septemberwochenende auf einer der JKF-Bühnen steht. Auf dass Basel bald wieder mehr zu bieten hat als eine Handvoll nationale bekannter Musiker. In Anbetracht des lokalen Potenzials kann es doch nicht sein, dass unter den über 300 Bewerbern für das SF-Finale zum Eurovision Song Contest (ESC) nicht einmal ein halbes Dutzend regionale Artists waren (oder sind sie sich zu schade dafür?)! Immerhin: Mit zwei von zwölf Finalisten – The Glue und Anna Rossinelli – ist Basel nun dafür quasi überproportional vertreten in der Finalshow um die Schweizer ESC-Vertretung. Und was ist schon der Konkurs-Concours gegen das Basler Jugendkulturfestival…