Beiträge mit dem Schlagwort ‘Ben Affleck’

Spoiler-Alarm in Metropolis

Fabian Kern am Mittwoch den 23. März 2016

«Batman v Superman» läuft ab 23.3. in Basel.

«Batman v Superman» läuft ab 23. März in Basel.

Ich gebe zu, ich fühle mich ein wenig geehrt. Zack Snyder, Mister «300» persönlich, richtet ein paar eindringliche Worte an mich und meine Journalistenkollegen. Die Wendungen und Überraschungen in «Batman v Superman – Dawn of Justice» dürften ja nicht verraten werden, um den Zuschauern das Kinovergnügen nicht im Vorneherein zu verderben. Nachdem man bereits beim Unterzeichnen des Embargos darum gebeten wurde, die grössten Knüller für sich zu behalten. Die Angst vor Spoilern ist so gross, man könnte meinen, die beiden Superhelden würden am Ende heiraten und Super-Babys kriegen – wobei ich damit nicht sagen will, dass das so ist, es gleichzeitig aber auch nicht abstreiten möchte, sonst wäre das ja bereits gespoilert.

Ist Superman Held oder Bedrohung?

Ist Superman Held oder Bedrohung?

Dabei bietet der Plot gar nicht so viele Sensationen. Batmans Hintergrundgeschichte ist aus Christopher Nolans Dark-Knight-Trilogie hinlänglich bekannt, wird aber trotzdem nochmals erzählt, nun einfach aus der Perspektive von Ben Affleck. Doch das ist eigentlich nur Randerzählung, denn der dunkle Rächer ist diesmal nicht mehr als der Edel-Sidekick, des strahlenden Helds aus dem Weltall. «Batman v Superman» ist eigentlich die Fortsetzung von «Man of Steel», was insofern logisch ist, weil mit Snyder auch derselbe Mann Regie führte. Hätte sich Christopher Nolan dem etwas kruden Plot angenommen, vielleicht hätte sich Christian Bale nochmals die Fledermausmaske übergestülpt. Gut, hat er es nicht getan. Nun aber zurück zur Handlung.

Batman hat seine Meinung gemacht.

Batman hat seine Meinung gemacht.

Im Mittelpunkt steht also Superman (Henry Cavill). Sein tadelloser Ruf hat nach dem ersten Hype etwas gelitten, da seine Heldentaten regelmässig von erheblichen Kollateralschäden begleitet sind. Weil auch schon Unschuldige wegen der Superkräfte von «Cal El» ihr Leben lassen mussten, wird in Metropolis hitzig über Supermans Daseinsberechtigung debattiert. Bruce Wayne alias Batman ist gar überzeugt, der Ausserirdische stelle mit seiner enormen Feuerkraft eine Gefahr für die Menschheit dar, weshalb er Superman den Kampf ansagt. Moment, war das schon ein Spoiler? Ich glaube nicht… Nun wirds aber langsam heikel. Die Ereignisse in Metropolis und Gotham City – Superman flitzt wie ein Überschall-Pendler hin und her – spielen natürlich Lex Luthor (Jesse Eisenberg) in die Karten. Supermans ebenso genialer wie durchgeknallter Erzfeind möchte die beiden Superhelden zu einem ultimativen Kampf provozieren, verfolgt daneben aber einen noch viel teuflischeren Plan, nämlich… SPOILER!

Neue, interessante weibliche Heldin: Wonder Woman.

Neue, interessante weibliche Heldin inmitten des Zerstörungswahns: Wonder Woman.

Supermans Erzfeind und Geliebte: Lex Luthor und Lois Lane.

Erzfeind und Geliebte: Lex Luthor und Lois Lane.

Puh, das ist gar nicht so einfach, zumal nicht erwähnt wurde, welche Wendepunkte man nicht ansprechen darf. Deshalb noch ganz unverfänglich ein Wort zum schönen Geschlecht, sonst denkt man, der Streifen bestehe zu 100 Prozent aus Testosteron. Mit Wonder Woman (Gal Gadot; «Fast & Furious) – sie kommt im Trailer vor, also darf ich das wohl verraten – wird eine neue Superheldin eingeführt, die sich in den Macho-Kampf einmischt. Sie ist die interessanteste Figur, weil man von ihr noch am wenigsten weiss. Dem wird allerdings bald Abhilfe geschaffen, denn nicht weniger als drei Filme mit Wonder Woman sind bereits in der Pipeline. Auch das ist offiziell bekannt und deshalb keine unerlaubte Enthüllung. Nun aber verlasse ich das inhaltliche Glatteis und gebe ganz spoilerfrei einfach noch meinen persönlichen Senf dazu: «Batman v Superman» ist eine grosse, laute Materialschlacht, die logische Antwort von DC Comics auf die Avengers-Filme aus dem Hause Marvel, von Snyder spektakulär, aber auch überlang und übermotiviert angerichtet. Batman war bei Nolan definitiv besser aufgehoben.

«Batman v Superman – Dawn of Justice» läuft ab 24. März 2016 in den Basler Kinos Pathé Küchlin, Pathé Plaza und Rex.

Weitere Kinostarts in Basel am 9. April: My Big Fat Greek Wedding 2, Grüsse aus Fukushima, Dem Himmel zu nah, Grozny Blues.

Finchers Psychospiel mit Ben Affleck

Fabian Kern am Mittwoch den 1. Oktober 2014

«Gone Girl» läuft ab 2.10. in Küchlin, Plaza und Rex.

«Gone Girl» läuft ab 2.10. in Küchlin, Plaza und Rex.

Asche auf mein Haupt. Ich habe bis zur Ankündigung dieses Films noch nie von «Gone Girl» gehört. Der Bestseller von Gillian Flynn ist total an mir vorbeigegangen. Was aber nicht an mir vorbeigegangen ist, ist der Name David Fincher. Jeder Regiearbeit mit diesem Label ist erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Herausragend aus der Liste seiner Werke sind die cineastischen Meilensteine «Seven» und «Fight Club» jeweils mit Brad Pitt in der Hauptrolle. Das Markenzeichen des 52-jährigen Kaliforniers sind unvorhersehbar Twists in der Handlung. Diese Überraschungseffekte werden natürlich von Film zu Film schwieriger.

Ausnehmend schwierig, ja gar unmöglich war es bei «Gone Girl», jene Zuschauer aus den Socken zu hauen, die das Buch von Gillian Flynn gelesen haben. Dazu gehöre ich, wie gesagt, nicht – zum Glück. Denn das erhöht den Thrill erheblich. Die Ausgangslage ist knifflig. Just an ihrem fünften Hochzeitstag verschwindet Amy Dunne (Rosamund Pike) spurlos. Zumindest fast spurlos, denn ihr Mann Nick (Ben Affleck) findet Kampfspuren im gemeinsamen Haus. Amys Eltern ziehen gleich das ganz grosse Kino auf, richten Hotline und Website für die Suche nach ihrer Tochter, die sie als Vorbild für die beliebten Kinderbuchfigur «Amazing Amy» zur nationalen Bekanntheit gemacht haben.

Wie aufrichtig ist Nicks Aufruf für Amy?

Wie aufrichtig ist Nick Dunnes Aufruf für seine verschwundene Frau Amy?

Über Nick hingegen bricht die öffentliche Empörung herein. Die omnipräsenten und aggressiven Medien schiessen sich grossflächig auf ihn als Möder seiner wunderschönen und beliebten Gattin ein. Als Zuschauer hingegen ist man von Beginn weg auf der Seite des Beschuldigten, weil man ihn von Beginn weg begleitet, wie er die Spuren im Haus findet und die Polizei alarmiert. Aber warum soll Amy ihre Ermordung vortäuschen? Zudem benimmt sich der arbeitslose Journalist, dem das Leben durch seine aus gutem Hause stammende Frau finanziert wird, zunehmend verdächtig. Erst zeigt er keine Emotionen, dann beginnt er der ermittelnden Polizistin Rhonda Boney (Kim Dickens) Dinge zu verheimlichen, die helfen könnten, Licht ins Dunkel zu bringen. Zudem ist die Last der Indizien erdrückend. Hat er doch etwas mit Amys Verschwinden zu tun? Oder ist Amys Ex-Freund und Stalker Desi Collings (Neil Patrick Harris), der plötzlich auftaucht, in die Sache verstrickt?

Regie-Oscargewinner lernt von Regie-Altmeister: Ben Affleck und David Fincher.

Regie-Oscargewinner lernt von Regie-Altmeister: Ben Affleck und David Fincher.

Fincher demontiert das Bild der perfekten Ehe kontinuierlich und sehr geschickt. Mit Auszügen aus Amys Tagebuch wird die Geschichte der Beziehung Stück für Stück aufgerollt und die zunehmenden Probleme aufgedeckt. Bis man zum Schluss kommt, dass ein gewaltsames Ende nur logisch wäre… Atmospärisch ist das trotz Thriller-Überlänge von knapp zweieinhalb Stunden sehr dicht gestrickt. Dichter noch als das Buch, wie man hört. Insofern ist im Vorteil, wer unbelastet ins Kino geht. «Gone Girl» ist kein Meilenstein à la «Fight Club». Aber Fincher holt das Maximum aus Story sowie Darstellern heraus und fesselt einen bis zum Schluss an den Kinosessel. Ein Thriller wie gemacht für kühle Herbstabende.

«Gone Girl» läuft ab 2. Oktober 2014 in den Basler Kinos Pathé Küchlin, Plaza und Rex.

Weitere Filmstarts in Basel am 2. Oktober: Dracula Untold, Männerhort, Les vacances du petit Nicolas, Phoenix, Yalom’s Cure.

Ben Afflecks grosser Wurf

Fabian Kern am Mittwoch den 7. November 2012

Argo

«Argo» läuft ab 8. November im Pathé Küchlin und im Rex.

Als Ben Affleck 1998 mit seiner Rolle im Blockbuster «Armageddon» in die erste Schauspiel-Riege Hollywoods aufstieg, war den Wenigsten bewusst, dass der wie fürs Heldenkino gemachte Kalifornier noch viel mehr auf dem Kasten hat. Bereits ein Jahr zuvor war er zusammen mit seinem Kumpel Matt Damon für das brillante Drehbuch zu «Good Will Hunting» mit einem Oscar ausgezeichnet worden. Doch damit waren die filmischen Ambitionen des Ex-Manns von Jennifer Lopez noch nicht befriedigt. Auch der Regiestuhl lockte. Mit dem beklemmenden Thrillerdrama «Gone Baby Gone» legte Affleck 2007 ein überzeugendes Debüt als Regisseur hin, das er drei Jahre später mit dem Copthriller «The Town» bestätigte. Und nun liefert der 40-Jährige mit «Argo» sein Meisterstück ab.

Tony Mendez und die Flüchtlinge

Tony Mendez paukt mit den Flüchtlingen den Auftritt als Filmcrew. (Bilder: Warner Bros.)

Im November 1979 stürmten in Teheran iranische Studenten die amerikanische Botschaft und nahmen die gesamte Belegschaft in Geiselhaft. Doch sechs Personen gelingt die Flucht. Der kanadische Botschafter gewährt den je drei Männern und Frauen Unterschlupf. Doch damit sind die Amerikaner noch nicht in Sicherheit. Sobald die Iraner merken, dass einige Leute fehlen, würden sie sie mit allen Mitteln jagen und öffentlich hinrichten, um den Ernst ihrer Forderung nach der Auslieferung des Schahs zu unterstreichen. Also muss ein Rettungsplan her. Die Verantwortlichen der CIA entwerfen Szenarien von einer Ausreise mit falschen Papieren als Lehrer bis zu einer Flucht auf Fahrrädern. Bis Agent Tony Mendez (Ben Affleck) eine noch abenteuerlichere Idee vorstellt: Er möchte als Produzent eines fiktiven Science-Fiction-Films mit dem Titel «Argo» nach Teheran fliegen, die sechs Amerikaner als seine kanadische Filmcrew ausgeben und mit gefälschten Pässen ausreisen. Dabei riskiert Mendez aber nicht nur die Leben der Botschaftsangestellten, sondern auch seinen eigenen Kopf. «Das ist die beste schlechte Idee, die wir haben. Mit Abstand», verteidigt Mendez’ Mitstreiter Jack O’Donnell (Bryan Cranston) das vermeintliche Himmelfahrtskommando vor seinen Vorgesetzten.

John Chambers und Lester Siegel

Spassvögel: John Chambers und Lester Siegel.

Der Plot liest sich wie eine Politfarce über ein ernstes Thema. Der Clou daran ist aber: Alles hat sich so zugetragen. Manchmal schreibt das Leben die verrückteren Geschichten als die Drehbuchautoren der Traumfabrik. Wie Affleck nun diese Geschichte inszeniert, ist stark. Er schafft es, zwischen ernst und lustig hin- und herzuwechseln, ohne dabei die Spannung zu verlieren oder ins Lächerliche abzudriften. Ernst, das sind die Geiseln mit ihrer klaustrophobischen Todesangst in Teheran. Lustig, das sind die Szenen in Hollywood. Die CIA muss, um die Tarnung perfekt zu machen, einen Film promoten und bewerben, der nie gemacht wird. Dazu werden mit grossem Aufwand Setdesigns und Kostüme entworfen und ein riesiger Medienhype um die Mogelpackung veranstaltet. Mendez’ eingeweihte Verbündete in der Filmbranche sind der Maskenbildner von «Planet der Affen» John Chambers (John Goodman) und Produzent Lester Siegel (Alan Arkin). Die beident Routiniers Goodman und Arkin verkörpern das Filmbusiness mit viel Lust und Ironie und lockern so den dramatischen Plot auf.

Ben Affleck

Auch hinter der Kamera stark: Ben Affleck.

Zugegeben, Affleck hat sich mit der Geschichte um Tony Mendez, die wegen Geheimhaltung erst Ende der Neunziger Jahre bekannt wurde, eine tolle Vorlage gesichert. Er hat diese aber in einen packenden Thriller umgemünzt, der einem ohne Actionszenen bis am Schluss an den Nerven zerrt. Und sogar die gute alte Swissair erlebt eine kurzzeitige Auferstehung. Für einmal lohnt es sich aber auch, für den Abspann noch sitzen zu bleiben, denn dort werden die Fotos der echten Beteiligten am Geiseldrama gezeigt. Und erst da wird einem richtig bewusst, wie nahe sich der Film an der Realität orientiert hat. Chapeau, Mr. Affleck!

«Argo» läuft ab 8. November in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.