Beiträge mit dem Schlagwort ‘Basler Galerien’

Röhrende Hirsche im Kleinbasel

karen gerig am Freitag den 2. September 2011

Karin Sutter steht im vorderen Teil ihrer neuen Galerie an der Rebgasse 27 und macht sich Gedanken über die richtige Platzierung eines schwarzen Hirsches des Zürcher Künstlers Marck. «Nicht gerade kindertauglich, oder?», fragt sie angesichts der vielen kleinen Bildschirme, die der Hirsch an seinem Geweih trägt. Darauf zu sehen: Nackte, aufgespiesste, sich windende Frauenkörper. Kindertauglichkeit – darüber musste die Galeristin sich bin anhin keine Gedanken machen. Weil sie den Hirsch aber gerne frontal vor die Fensterscheibe gestellt hätte und daran vorbei täglich viele kleine Kinder zum Kindergarten, zur Schule oder zur Krippe gehen, werden solche Themen plötzlich relevant. «Wer hätte das gedacht», schmunzelt Karin Sutter. Diesen Beitrag weiterlesen »

Gesucht: Die perfekten Galerieräume

karen gerig am Freitag den 11. Februar 2011

Karin Sutter schliesst die Tür zur Galerie an der St.-Alban-Vorstadt im Sommer für immer.

«Sechseinhalb Jahre sind es schon», sagt Karin Sutter, und ist selbst überrascht. «Im November 2004 hab ich die Galerie aufgemacht, tatsächlich.» Sechseinhalb Jahre und unzählige Ausstellungen später geht das Kapitel jedoch zu Ende: Karin Sutter ist auf der Suche nach neuen Galerieräumen. Spätestens im September müsste sie aus dem Burghof ausziehen – und somit Platz machen für den Erweiterungsbau des Kunstmuseums. Weil es aber wenig Sinn mache, die Saisoneröffnung Ende Sommer noch in den alten Räumen zu feiern, wird sie die Glastür wohl bereits im Juli für immer schliessen. Schweren Herzens, denn «sowas wie hier finde ich wohl nicht mehr», schätzt sie.

Suchen tut sie schon länger, schon seit klar ist, dass das Gebäude weichen muss. Doch geeignete Räume zu finden, gestaltet sich nicht einfach. «Mir gefiel hier einfach alles: Die Lage, der Raum mit der Fensterfront – ich gucke gern raus und seh die Passanten. Und mag es, dass die reinsehen können», sagt sie. Seit sie vergangenen Sommer noch den Projektraum rechts davon dazumieten konnte, war auch das Platzproblem gelöst. «Der Projektraum gab mir mehr gestalterische Freiheit», erzählt sie. Plötzlich waren Doppelausstellungen möglich mit künstlerischen Positionen, die sich schlecht oder gar nicht verbinden liessen, oder es liessen sich spontane Ausstellungen ohne kommerziellen Charakter organisieren oder eine Bar einrichten.

Für ihre neue Galerie wünschte sie sich deshalb auch mindestens zwei Räume, damit sie diese Freiheiten des Ausstellungsmachens weiterführen kann. Sie wolle nicht einfach einen Raum mieten, nur damit gemietet sei, es müsse schon passen. Doch was, wenn sich bis im Sommer nichts Geeignetes finden lässt? «Es gäbe wohl eine interimistische Lösung» sagt sie, «aber spruchreif ist noch nichts.»

Bis im Sommer plant die Galeristin noch vier Ausstellungen in der Galerie und drei oder vier im Projektraum, da ist sie noch nicht ganz sicher. Erstmals wird ab heute Abend aber ein Künstler beide Räume bespielen: Ulrich Muchenberger darf den ganzen Platz für seine Lichtobjekte beanspruchen. Nicht, weil sie besonders gross wären, aber weil sie Raum brauchen für die Betrachtung. Das mehrfarbige Licht dehnt sich nämlich unterschiedlich stark im Raum aus und verändert dadurch die Wahrnehmung.

Konzeptkunst, und das bei Karin Sutter? «Stimmt, ein weiteres Novum» sagt sie und lacht. Bis jetzt lag ihr Ausstellungsschwerpunkt klar auf der Malerei, auf der figurativen. «Das hat sich so ergeben mit der Zeit», erklärt sie. «Unbeabsichtigt. Das entspricht mir wohl am meisten.» Früher zeigte sie auch hauptsächlich regionale Künstler, auch das hat sich geändert. «Mir fehlte früher die Zeit für Atelierbesuche, für die ich weit reisen musste», sagt Sutter, die noch immer zu 70 Prozent bei der Galerie Beyeler angestellt ist und dort seit dem Ableben Ernst Beyelers vor einem Jahr den Galeriebestand liquidiert. «Sag jetzt aber bloss nicht, dass meine Galerie nur mein Hobby ist», warnt sie plötzlich und mit Nachdruck. «Das wäre komplett falsch.» Im  Wissen darum, dass kaum ein Galerist seine Galerie noch ohne Brotjob führen kann, verwenden wir stattdessen das Wort Leidenschaft. Die wird spürbar, wenn die Galeristin über ihre Arbeit spricht. Über die Arbeit mit den Kunstschaffenden. Über die Vermittlungsrolle zwischen Künstlern und Rezipienten, die sie so gerne einnimmt. Nun fehlt nur noch der passende Raum, der sich mit dieser Leidenschaft füllen lässt. Wir wünschen viel Glück bei der Suche.

Vernissage der Ausstellung mit Werken von Ulrich Muchenberger ist heute Freitag um
17 Uhr. Die Ausstellung dauert dann bis zum 12. März.