Beiträge mit dem Schlagwort ‘Ausstellungsraum Klingental’

Von Grenzen, Vergänglichkeit und Realität

Luca Bruno am Donnerstag den 20. Oktober 2011
Simon Grab live Soundperformance MRI

Simon Grab: «MRI»

Jeweils am Anfang jeder Woche präsentieren wir euch in der Schlaglicht-Wochenvorschau unsere Kulturtipps für die kommenden sieben Tage. Zurzeit läuft jedoch so viel, dass wir den Kulturscheinwerfer wohl nicht zum letzten Mal auch unter der Woche auf Basel richten müssen.

Dieses Wochenende im Angebot: Eine Soundperformance von Simon Grab, der Beginn der Ausstellung «I die every day!» von Andy Storchenegger, sowie die Vernissage zur neusten Veröffentlichung von «Belles Lettres». Diesen Beitrag weiterlesen »

Drei Freunde und ein Kunstraum

karen gerig am Freitag den 1. April 2011

Der Austellungsraum Klingental ist kein einfacher Raum zum Bespielen. Zentral ein grosses Rechteck, links und rechts je ein fast gänzlich geschlossener Annex. Und dann noch ein kleinerer Raum, der sich hervorragend als Black Box tarnen lässt. Walter Derungs, Thomas Hauri und Hagar Schmidhalter beschäftigten sich im Vorfeld zu ihrer gemeinsamen Ausstellung intensiv mit diesen Räumlichkeiten: Während Derungs und Schmidhalter ihre Arbeiten für diesen Ort schufen, brachte Hauri jene Werke mit, die ihm am besten zu passen schienen.

Ausgehen von Architektur, das tun die drei seit Jahren befreundeten Kunstschaffenden nicht nur hier. Alle drei entwickeln ihre Arbeiten aufgrund von persönlichen Beobachtungen ihrer unmittelbaren Umgebung. So erstaunt es nicht, dass im ARK Material von ihren verschiedenen Reisen zu finden ist. Walter Derungs war in Peking oder in Perth, Hagar Schmidhalter hat sich von einem Swimmingpool in Portugal inspirieren lassen. Thomas Hauris Werke lassen sich zwar nicht verorten, doch da der Künstler seit einiger Zeit in Warschau lebt, wird die polnische Stadt auch in seinen Werken Spuren hinterlassen haben.

Stimmige Inszenierung: Aquarelle von Thomas Hauri (l.), eine Fotografie von Walter Derungs (m.), Objekte von Hagar Schmidhalter (r.).

Alle drei setzen sich mit Architektur auseinander, indem sie experimentieren und transformieren – und dies in ganz unterschiedlichen Medien. Für Thomas Hauri ist es seit jeher die Technik des Aquarells, die ihn fasziniert. Von der Farbpalette nutzt er nur das Schwarz. Weil Korrekturen nur schwer möglich sind, legt sich in manchem Bild schwarze Schicht auf schwarze Schicht, bis das Endresultat eine beinahe monochrome Fläche zeigt. Die dreidimensionalen Strukturen in seinen Bildern erinnern an den Konstruktivismus, oder sie wachsen dem Betrachter Hochhäusern gleich aus dem Bildgrund entgegen. Das Aquarell, oftmals Sinnbild für etwas Liebliches, kann bei Hauri bedrohliche Züge annehmen.

Walter Derungs bildet für ihn interessante architektonische Strukturen fotografisch ab. Ihn faszinieren dabei Orte, wo soziale, politische oder gesellschaftliche Umbrüche sichtbar werden. Gleichzeitig arbeitet er gerne mit der Materialität der Fotografie, indem er etwa zur Entwicklung der Fotografien Schwämme nutzt. Seine grossformatigen Fotografien setzt er aus mehreren Einzelteilen zusammen – die Fragmentierung des Gesamtbildes repetiert dabei die Gliederung der gezeigten Architektur.

In der Ausstellung scheinen diese einzelnen Blätter in Schmidhalters Wandobjekten wiederholt: Auf farbigen Tücher hängt die Künstlerin weisse Papierbögen. Sie bezieht sich damit auf provisorische Umbauten oder Abdeckungen im Stadtraum. Dazu stellt sie Objekte aus MDF-Brettern, die unterschiedlich ausgeschnitten und wie zufällig an Wände gelehnt werden. Durch ihre unsicher wirkende Positionierung bleiben sie beweglich und rücken den experimentellen Entstehungsprozess in den Fokus.

Das Zusammenspiel der Arbeiten des Trios funktioniert hervorragend, die Inszenierung wirkt stimmig. In einer Woche werden die Werke wieder abgeräumt, die Künstler wieder ihre Wege gehen und neue Inspirationen suchen. Die Zukunft ist ungewiss – das sagt uns schon der Titel der Ausstellung: «When shall we three meet again?» Vielleicht in diesem Raum, zu einer anderen Zeit.

«Regionale» Räume #1: Ausstellungsraum Klingental

karen gerig am Montag den 29. November 2010

Kunst aus Basel und der Region zu zeigen – dieser Grundgedanke der «Regionale» wird im Ausstellungsraum Klingental, kurz ARK genannt, im Jahr 2011 durchbrochen. Die Basler Kuratorengruppe The Forever Ending Story, bestehend aus Pedro Wirz, Claudio Vogt, Raphael Linsi und Tilman Schlevogt, zog den Blick von aussen der reinen Nabelschau vor. In einer Art Labor kommen deshalb auswärtige Positionen zum Zug, in denen die Region Basel eine Rolle spielt. Bei allen Werken handelt es sich um Auftragsarbeiten. Das gelang «mal besser, mal weniger gut», wie Raphael Linsi gesteht. «Wieviel Basel in der Ausstellung steckt, überlassen wir dem Betrachter.»

Der Berner San Keller, bekanntester Künstler vor Ort, hat eine Gewichthebebank in den Raum gestellt. Statt Gewichten hängen daran Kunstkataloge. «Die Kataloge mussten wir aussuchen», so Linsi. Damit hat es sich dann aber auch schon mit dem Bezug zu Basel. Rainer Ganahl hingegen hat sich unters Basler Volk gewagt: Mit der Videokamera bewaffnet befragte der in New York lebende Österreicher Leute auf den Strassen zur Stadt. Auf einer Wandtafel daneben dürfen die Ausstellungsbesucher die wichtigsten Baseldeutschen Wörter verewigen, «Bebbisagg» steht da schon am ersten Tag, oder «Gugge». Der Stock von Nora Rekade, der lässig an der Wand lehnt, wurde immerhin in Basel hergestellt.

Rebecca Stephany wohnt in Amsterdam, stellt dort gerade aus, und hat via Internet Basler dazu aufgefordert, ihre Kunst zu interpretieren. So bastelten Familien Kunstwerke nach, und andere Künstler schufen aus alten neue Werke. Ein Raumteil wird von Aaron Ritschards «Salon» eingenommen – eine Ansammlung von Möbelstücken, die der Hamburger Kunststudent sich von Baslern ausgeliehen hat. Pedro Wirz hat dazu ein Readymade aus Topfpflanzen gesellt: Sie gehören unter anderem dem Künstler Tobias Madison oder Kunsthallendirektor Adam Szymczyk.

Die Kuratoren seien zufrieden mit der Ausstellung, sagt Linsi. Was ich denn davon denke? Sie dürfen zufrieden sein, finde ich. Der Ausbruch aus dem «Regionale»-Konzept tut gut. Für einmal hört man nicht die altbekannten Namen, sondern kann Neues entdecken. Gut so. Oder etwa nicht?

In ein paar Tagen wird die Serie zu den einzelnen Räumen der «Regionale» mit einem Blick ins Kunsthaus Baselland weitergeführt.