Beiträge mit dem Schlagwort ‘Art Basel’

Tanzende Flaschengeister an der Volta 9

Joel Gernet am Dienstag den 11. Juni 2013

Seit heute Dienstag ist auch die Kunstmesse Volta 9 in der Dreispitzhalle für jedermann zugänglich. Bei einem ersten Streifzug sind wir unter anderem tanzenden Flaschengeistern von Gabriel Barcia-Colombo (USA), einem Hamsterrad für Menschen von Hartmut Stockter (D) und einer Hochhausstadt im Miniaturformat von Rik Smits (NL) begegnet.

Die tanzenden Flaschengeister «Animalia Chordata» (2006/2013) des New Yorkers Gabriel Barcia-Colombo werden von hinten mittels eines Projektors in die Gefässe projiziert. Gesehen bei der Muriel Guépin Gallery.

Senf? Nein, BrainDrain! Specta aus Kopenhagen (DK) zeigt die Skulptur Brain Drain (2013) von Andreas Schulenburg.

«Das gibt doch Löcher in die Wand», meint das Töchterlein zur Installation «Crossfire» (2012) von Sanell Aggenbach, ausgestellt bei Brundyn + Gonsalves aus Kapstadt (SA).

Das «Wiesenpfad Menschenrad» (2009) von Hartmut Stockter, präsentiert bei der Larmgalleri aus Kopenhagen (DK)

«Fuck The Poor» – auch provokante Installationen gehören an der Volta 9 zum Ausstellungsprogramm. Das geht wohl unter die Rubrik Gesellschaftskritik.

Porzellan und Gummi: Die Skulptur «I don’t want your freedom» von Nadine Wottke. Dahinter die imaginäre Miniaturstadt «Capital 1» (2013) von Rik Smits. Alle Häuser hat er eigenhändig aus Styropor ausgeschnitten.

Basserboxen: Die mit Wasser gefühlten «Volume»-Lautsprecher von Serge Baghdassarians und Boris Baltschun weisen je nach Vibration ein aussergewähnliches Muster auf ihrer flüssigen Membran auf.

Wieder dominiert Blau: Die Bilder von Ritums Ivanivs der Gallery Bastejs aus der lettischen Hauptstadt Riga.

Städtchen im Häuser-Boot: Dieses Werk von Bo-Christian Larsson steht bei der Christian Larsen Gallery aus Stockholm.

Blick in die Koje von Andreas Binder aus München.

Volta 9, Dreispitzhalle, Dreispitz Areal, Tor 13, Helsinki-Strasse 5, Münchenstein. Di. 11. Juni bis Sa. 15. Juni 2013, 10-19 Uhr.

Das Schuhwerk der Art-Besucher

Joel Gernet am Donnerstag den 14. Juni 2012


Absätze, so hoch wie der Messeturm. Sohlen, so leuchtend wie manche Werke an den Wänden. Während der Art Basel tummeln sich am Rheinknie Menschen, die sich kleiden, als ob sie selber ein Kunstwerk sind. Besonders ins Auge sticht bei diesen Paradiesvögeln nicht selten das Schuhwerk.

Wir waren an der Art Basel auf Fotosafari und haben den Besuchern auf die Füsse geguckt. Von eleganten High Heels über gediegene Budapester Lederschuhe bis hin zu schrecklichen Plastiktretern war alles dabei – zu sehen in der Fotostrecke oben. Ende Woche gibts dann vielleicht eine Bildergalerie mit den geschundenen Füsschen der Art-Besucherinnen. Oder mit den besten Botox-Gesichtern. Oder mit sämtlichen Kunstwerken, die Geschlechtsteile zeigen. Vielleicht.

Mit iPad und «digitalem Heiligenschein» verblüfft er die Art-Besucher

Joel Gernet am Mittwoch den 13. Juni 2012


Ohne schräge Vögel wie Claudio Di Bene wäre die Art Basel nur halb so schön. Ausgerüstet mit iPad, digitaler Brille, Elektro-Feder und einer runden Scheibe, die über seinen weissen Haaren schwebt, sticht der Italiener selbst unter den bunt gekleideten Art-Besuchern heraus.

Die Scheibe über seinem Haupt sei eine Art «digitaler Heiligenschein», erklärt Di Bene mit Handzeichen und in brüchigem Englisch. Er komme aus den Abruzzen und sehe sich als digitale Version des «Homo Technologicus». Mit seiner erlektronischen Feder zeichnet Di Bene Bilder in die Luft. Diese tauchen via Datenübertragung auf dem Monitor seines iPads auf. Dank seiner Space-Brille kann der Italiener die digitale und die reale Welt simultan sehen.

An die erstaunten Reakionen der Passanten hat sich Di Bene inzwischen gewöhnt, schliesslich ist er seit Jahren in dieser Montur an Kunstmessen unterwegs. Di Bene, der sich gerne als «digitalen Touristen» bezeichnet, kommt direkt von der Kunstmesse Documenta aus Kassel. Bereits 2005 war er mit Tablet-PC an der Biennale in Vendig anzutreffen – der Italiener ist also sozusagen ein Pionier im Umgang mit dem iPad und dessen Vorgängern. Und in deren kreativen Verwendung sowieso.

Mehr zu Claudio Di Bene gibts hier, hier und hier.

Vor der Art attackiert die Strassenkunst

Joel Gernet am Donnerstag den 7. Juni 2012

Nicht weniger als vier Graffiti- und Streetart-Ausstellungen bereichern dieser Tage den regionalen Kunstkosmos zwischen Dreispitz und Riehen. Vom Galeristen-Liebling bis zum Untergrund-Künstler gibts dabei alles zu sehen – und kaufen. Ein Überblick.

Einfach weggeputzt! Über 300’000 Euro soll es wert gewesen sein, das Bild des britischen Streetart-Stars Banksy an einer Londoner Hausfassade. Die Behörden allerdings hatten keine Freude daran. Sie beseitigten das unerlaubt angebrachten Werk, das eine Szene des Kultfilms «Pulp Fiction» zeigte, in der John Travolta und Samuel L. Jackson mit Bananen anstatt Pistolen hantieren. Das war im März 2007. Heute, nach fünf weiteren Jahren Banksy-Hype, würde das Strassenbild wohl noch wertvoller eingeschätzt werden.

Rooftop: Das Banksy-Bild mit John Travolta und Samuel L. Jackson wurde 2007 in London weggeputzt.

Und es könnte ohne Weiteres an der Art Basel gezeigt und verkauft werden. Schliesslich geben hier Kunstsammler ohne mit der Wimper zu Zucken sechsstellige Beträge aus für Kunstwerke. Manchmal auch für solche aus dem Graffiti- und Streetart-Bereich. Allerdings ist Banksy in diesem Kosmos noch immer eine Ausnahmeerscheinung, der personifizierte Spagat zwischen Kunst und Kommerz. Er steht aber auch für eine steigende Zahl urbaner Künstler, die es in Galerien und an Kunstmessen zieht und die dort zunehmend Anklang finden.

Das liegt auch daran, dass viele Graffiti- und Streetart-Kenner zu potenziellen Käufern herangewachsen sind. Und dass viele Exponenten jetzt in einem Alter sind, in dem sie von der Kunst leben wollen, beziehungsweise müssen, oder eine Galerie gründen. Die Region Basel mit ihrer langjährigen Graffiti-Tradition ist dafür nicht das schlechteste Pflaster. Das zeigen auch die vier Graffiti- und Streetart-Ausstellungen, die rund um die Art Basel zum Besuch einladen: «Public Provocations» in der Carhartt Gallery Weil am Rhein (D), «Suspect» in der Galerie Schöneck Riehen, «L’art de vandalisme» in der YourGallery auf dem Dreispitz und die NeoVandalism Gallery im Gundeli. Hier gibts dieser Tage die Künstler zu sehen, deren Werke vielleicht morgen – oder übermorgen – an der Art Basel für teures Geld den Besitzer wechseln. Diesen Beitrag weiterlesen »

Ist die Schlafstadt erwacht?

karen gerig am Montag den 8. August 2011

Nix los in Basel? (Foto N. Pont)

Vor ein paar Jahren schallten sie besonders laut, die Stimmen, die Basel eine Schlafstadt schimpften. Auch heute noch hört man sie, doch es scheint, als wären sie leiser geworden. Ist Basel aus dem Schlaf erwacht? Oder hat sich schlicht Resignation breitgemacht? Eine Diskussion «Schlafstadt oder nicht?» muss an verschiedenen Punkten ansetzen. Wir versuchen sie aufzulisten. Diesen Beitrag weiterlesen »

Art-Snapshot: Google is King!

karen gerig am Sonntag den 19. Juni 2011

Simpel, diese Aufforderung. Also tun wirs, wir googlen «Lord Golden Goose». Und landen auf der Website eines Poeten und Künstlers aus San Francisco. Der hat offensichtlich noch keine Galerie gefunden, die ihn an die Art Basel mitnimmt. Also hat er sein Glück selbst in die Hand genommen und sein Gemälde selber platziert. Neben einer Treppe, auf einem Feuerlöschschlauch. Da siehts wenigstens jeder. Und Gold fällt sowieso sofort auf.

Das Fremdplatzieren von Kunst gibts übrigens jedes Jahr. Meist bleiben die Werke jedoch nicht lange vor Ort. Ein Künstler hat es heuer deshalb richtig gemacht: Er hat einen Pinsel genommen und sein Werk in einem Treppenhaus der Art gleich an die Wand gepinselt. Anonym allerdings – und das ist dann doch wieder etwas doof.

Art-Snapshot: Emptyness

karen gerig am Samstag den 18. Juni 2011

Er sieht schon komisch aus, dieser Messeplatz, so ungewohnt leer. Mit fehlen die Public Projects, irgendwie waren sie immer gut als Einstimmung auf das, was in den Hallen ist. Nun steigt man aus dem Tram und läuft erstmal einen gefühlten Kilometer durch den leeren Raum, bevor man vor den Art-Toren steht. Dies macht die Art Basel selbst vielleicht exklusiver, aber auch ein ganzes Stückchen langweiliger. Hoffen wir, dass nach Abschluss der Bauarbeiten dann wieder ganz gross(artig)e Kunst hier auf dem Platz stehen wird.

Art Snapshot: Express-Essen

karen gerig am Samstag den 18. Juni 2011

Mit der Lupe könnte mans sehen: Dort, wo die Menschenschlange rechts ansteht, hats ein kleines Schildchen. «VIP and Exhibitors Express» steht da drauf. Das ist so wie bei den Schnellkassen in der Migros: Wer hier arbeitet oder wichtig ist, soll schneller zu seine Verpflegung kommen.

Nur – die Schlange links ist gar nicht länger. Man fragt sich also, ob das Konzept aufgeht. Oder einfach nur lustig aussieht.

Art Snapshot: Art Kids

karen gerig am Freitag den 17. Juni 2011

Kinder sehen Kunst meist anders als Erwachsene. Da begeistert ein mechanischer Pinguin, der sich bewegt, mehr als der unbezahlbare Picasso. Videos, je langsamer geschnitten, sind desto langweiliger. Kunst, welche spielerisch ist oder die Sinne anspricht, ist bei Kindern gesucht. Vor einem Jahr war es an der Art Unlimited der mit schwebenden Kerzen gefüllte Kubus, in dem man sich in einem Sternenmeer wähnte. 2011 sind es der Riesenoktopus von David Zink Yi, der in seiner Tinte schwimmt, und die hängenden Backsteine von Kendell Geers, die faszinieren – natürlich nicht der politischen Bedeutung wegen. Und dann ist da noch die Lichtinstallation von James Turrell. Sie lädt so schön zum Schattenspiel. Wie ging gleich nochmal der Hund?

Art-Snapshot: Upside down

karen gerig am Donnerstag den 16. Juni 2011

Ob sie sich vielleicht auch auf den Kopf stellen würde, wollte ein Passant grinsend von der Securitas-Dame wissen. Diese lächelte nur. Sieht doch aber gar nicht so unbequem aus, was die beiden wächsernen, von Maurizio Cattelan gefertigten Kollegen da machen. Sorgt zumindest sicher für genug Blut im Kopf.