Beiträge mit dem Schlagwort ‘Antoine Fuqua’

Ein Fall für Denzel

Fabian Kern am Mittwoch den 8. Oktober 2014

«The Equalizer» läuft ab 9.10. in Capitol, Küchlin und Plaza.

«The Equalizer» läuft ab 9. Oktober in den Kinos Capitol, Pathé Küchlin und Pathé Plaza.

Viel karger kann der Alltag eines Mannes nicht aussehen: Den ganzen Tag in einem Baumarkt arbeiten, dann in die spartanisch eingerichtete Wohnung in einem grauen Bostoner Quartier, Abendessen allein, Abwasch, fertig. Nachts um zwei ist dann fertig mit Schlafen, dann gehts mit einem Klassiker der Weltliteratur unter dem Arm und einem säuberlich in eine Serviette eingewickelten Teebeutel in der Brusttasche ins ewig gleiche Diner auf den ewig gleichen Platz, wo der Tee mit ewig gleichen Handgriffen zubereitet und im Buch gelesen wird. Was hat dieser Mann für ein Geheimnis? Das fragen sich nicht nur die Menschen, die dem Mann vom Kinosessel aus zusehen, sondern auch seine Arbeitskollegen, die Wetten abschliessen, was er wohl vor seiner handwerklichen Arbeit beruflich gemacht hat. Sie werden es noch herausfinden.

Robert wacht am Tag über seine Kollegen im Baumarkt...

Robert wacht über seine Kollegen im Baumarkt…

... und nachts über die Prostituierte Teri.

… und nachts über die Prostituierte Teri.

Manchmal muss ein Mann einfach zur Waffe greifen.

Robert McCall (Denzel Washington) kann sich tarnen, aber er kann nicht aus seiner Haut. Man muss auch ohne den Trailer gesehen zu haben kein Profiler zu sein, um herauszufinden, dass der Mann als Elitekämpfer irgendwo in der militärischen oder Agenten-Ecke zu Hause war. Und dass er dem Töten abgeschworen hat. Bis ihn die Umstände dazu zwingen, eine Ausnahme zu machen. Oder auch zwei. Oder drei. Und ab dann kommt es auch nicht mehr drauf an. Diese Umstände bescheren dem freundlichen Home-Mart-Angestellten gemeine Männer. Denn McCall hat seine ganz persönlichen Schützlinge. Da wäre zum Beispiel sein übergewichtiger Mitarbeiter Ralphie (Johnny Skourtis), dem er hilft abzunehmen und den Traum vom Beruf des Wachmanns zu erfüllen. Oder Teri (Chloë Grace Moretz), die jugendliche Prostituierte, mit der er sich jeweils nachts im Diner unterhält, die offensichtlich keinen zart besaiteten Zuhälter hat. Wenn Polizei, FBI und CIA nicht verhindern können, dass solch netten Menschen Schaden zugefügt wird, dann muss das jemand wieder in Ordnung bringen. Jemand, der sich nicht zu schade ist, sich auch mal die Finger blutig zu machen, um für Gerechtigkeit zu sorgen: der «Equalizer».

Böser tätowierter Russe: Teddy.

Böser tätowierter Russe: Teddy.

Mit diesem Actionthriller hat sich Regisseur Antoine Fuqua zumindest halbwegs für seinen peinlichen pathetischen Ausrutscher «Olympus Has Fallen» rehabilitiert. Dass er dazu seinen alten Weggefährten aus «Training Day»-Zeiten ins Boot geholt hat, war die richtige Entscheidung, denn wer wäre besser für die Rolle des melancholischen Rächers geeignet als Denzel Washington? Herrlich auch, wie er jeden Übeltäter erst vor die Wahl stellt, das Richtige zu tun, bevor er ihn büssen lässt. Und mit Teddy (Martin Csokas) hat Fuqua einen richtig fiesen Gegenspieler installiert, der als Aufräumer der Russen-Mafia McCall den Garaus machen soll. Die Karten sind verteilt, der Rest ist Zurücklehnen für Fans von soliden Actionthrillern. Keine Hänger, keine allzu krassen Twists, aber viel handfeste und ziemlich kompromisslose Action – «The Equalizer» erfüllt die Erwartungen. Das ist mehr, als viele Filme von sich behaupten können. Und beim nächsten Besuch eines Baumarkts betrachtet man die Werkzeuge mit ganz anderen Augen.

«The Equalizer» läuft ab 9. Oktober 2014 in den Basler Kinos Capitol, Pathé Küchlin und Pathé Plaza.

Weitere Filmstarts in Basel am 9. Oktober: Annabelle, Get on Up, L’abri, Saint Laurent.

Oops, Emmerich did it again!

Fabian Kern am Mittwoch den 4. September 2013

«White House Down» läuft ab dem 5.9. im Capitol, Eldorado und im Küchlin.

«White House Down» läuft ab dem 5.9. im Capitol, im Eldorado und im Küchlin.

Warum gehe ich ins Kino? Um mich zu unterhalten. Klar, Zerstreuung, schlechtes Wetter oder das Prickeln, wenn es dunkel wird im Saal können ebenfalls Motive sein. Aber der Antrieb ist es, gut unterhalten zu werden – und zwar nach meinen Erwartungen. Gehe ich in eine Komödie, will ich lachen können, in einem Drama soll es ernst sein und ein Actionfilm muss krachen. Am angenehmsten ist es, wenn man kritisch eingestellt ist und dann positiv überrascht wird. So geschehen bei «White House Down». Verantwortlich dafür ist in erster Linie Antoine Fuqua. Der Regisseur ist zwar an diesem Film komplett unbeteiligt, hat aber mit seinem enttäuschenden, weil grimmigen und vor Patriotismus triefenden «Olympus Has Fallen» vor knapp drei Monaten die Erwartungshaltung ziemlich gedrückt. Denn wer hätte schon erwartet, dass Roland Emmerich, Regisseur von «Independance Day», bei einem Actionfilm, in dem das Weisse Haus angegriffen wird, weniger pathetisch ist als der hoch gelobte Macher von «Training Day»?

Master of Disaster: Roland Emmerich. (Bild: Keystone)

Master of Disaster: Roland Emmerich. (Bild: Keystone)

Den Übernamen «Master of Disaster» hat sich Emmerich redlich verdient. Nach dem Blockbuster-Erfolg von «Independance Day» spezialisierte sich der Schwabe auf die schamlose Zerstörung amerikanischer Grossstädte, glitt aber mit «Godzilla», «The Day After Tomorrow» und zuletzt «2012» zunehmend ins Lächerliche ab. Vielleicht hat er sich deshalb dazu entschlossen, wieder einmal das US-Heiligtum schlechthin zu demolieren: das Weisse Haus. Und das tut keiner so lustvoll wie Emmerich. Explosive Action, ein starkes Helden-Duo, ein glaubwürdiger Bösewicht und gut getimte coole Sprüche – «White House Down» bietet alles, was Popcorn-Kino ausmacht. Doch nicht nur im Ergebnis unterscheidet sich der Deutsche vom auf den ersten Blick so ähnlichen «Olympus Has Fallen». Fuquas Präsident war weiss (Aaron Eckhart) Emmerichs ist – politisch korrekt – schwarz (Jamie Foxx), die jeweiligen Backups entsprechend umgekehrt. Und der Held ist – im Gegensatz zum Schotten Gerard Butler in «Olympus Has Fallen» – mit Channing Tatum ein Amerikaner. So viel Patriotismus muss es dann schon sein.

Präsident Sawyer und Cale

Starkes Duo: John Cale (rechts) und Präsident James Sawyer. (Bild: Sony Pictures)

Mit diesem Helden erweist Emmerich dem Kult-Streifen «Die Hard» seine Referenz. Der vom Secret Service abgelehnte John Cale (Tatum) ist wie Bruce Willis in seiner Kultrolle als John McClane ein einfacher Polizist und nachlässiger Vater, der durch Zufall in ein Terroristen-Szenario gerät. Eben noch auf einer Sightseeing-Tour im Weissen Haus findet sich Cale schon bald im weissen Unterhemd – dem McClane-Markenzeichen – an der Seite des Präsidenten und schiesst auf alles, was sich bewegt. Und das mit einer ziemlichen Wut im Bauch, denn seine elfjährige Tochter ist in der Gewalt der ruchlosen Verbrecher, die dem liberalen Staatsoberhaupt ans Leder und einmal mehr einen Atomkrieg auslösen wollen. Doch was der rechtsradikale Sturmtrupp, vom verbitterten Secret-Service-Chef (souverän: James Woods) angeheuert, eigentlich im Schilde führt, ist zweitrangig. Die Übeltäter sind böse, und die Bösen müssen weg. Der Reihe nach und auf möglichst spektakuläre Weise. Das weiss Emmerich und treibt die Handlung entsprechend befriedigend voran. Gespickt mit viel passendem Humor – der Präsident gewöhnt sich das Rauchen ab und trägt AirJordans – und Twists, die nicht unvorhersehbar sind, aber der Story zusätzlich Drive geben.

Das Weisse Haus versinkt einmal mehr im Schutt.

Das Weisse Haus versinkt einmal mehr im Schutt. (Bild: Sony Pictures)

In einer Zeit, in der Actionfilme immer auch intelligent und vielschichtig sein sollen, ist ein Streifen wie «White House Down» erfrischend unverkrampft und erinnert an die grossen Sommer-Blockbuster der Neunziger Jahre. Die Protagonisten nehmen sich nicht allzu ernst, dafür gegenseitig auf die Schippe. Das Duo Tatum/Foxx funktioniert wie ein altes Ehepaar und macht richtig Laune. Kurzum: Mehr erwarte ich nicht von einem Actionfilm. Aber wissen Sie was? Am besten, Sie vergessen das Gelesene gleich wieder. Es gibt schliesslich nichts Schöneres, als sich im Kino positiv überraschen zu lassen.

«White House Down» läuft ab 5. September 2013 in den Basler Kinos Capitol, Pathé Eldorado und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 5. September: Lovely Louise, Vijay and I, La cage dorée, An Episode in the Life of an Iron Picker.

24 trifft Die Hard

Fabian Kern am Mittwoch den 12. Juni 2013

Filmplakat

«Olympus Has Fallen» läuft ab 13.6. in den Kinos Küchlin und Capitol.

«Olympus has fallen.» Der Funkspruch eines sterbenden Secret-Service-Agenten sorgen für ungläubiges Staunen in der Einsatzzentrale. Das Weisse Haus, das vermeintlich sicherste Haus der Welt mit dem Codenamen «Olympus», ist eingenommen – in gerade mal 13 Minuten, wie der nordkoreanische Oberbösewicht Kang (Rick Yune) dem Präsidenten Benjamin Asher (Aaron Eckhart) genüsslich unter die Nase reibt. Dieser ist nämlich im eigenen Bunker in Geiselhaft des Terroristen, leider in Gesellschaft der Verteidigungsministerin und des Oberbefehlshabers. Leider darum, weil damit alle drei Halter eines Codes für das «Zerberus»-System, das alle amerikanischen Atomsprengköpfe vernichten kann, in einem Raum vereint sind. Dumm gelaufen.

Secret Service Agents

Fallobst: Der Secret Service. (Bilder: Ascot Elite)

So dumm, dass man hofft, die USA hätten in der Realität ihre Lehren aus 9/11 gezogen und seien nicht so leicht zu düpieren wie im Actionthriller von Antoine Fuqua. Mit einem einzigen Flugzeug dringen die Nordkoreaner – amüsanterweise am 5. Juli, einen Tag nach dem amerikanischen Nationalfeiertag – ohne grosse Gegenwehr in den Flugraum von Washington D.C. ein und richten im Herzen der «Greatest Nation» ein Blutbad an. Beim folgenden Boden-Angriff scheinen sich dann die top-ausgebildeten Secret-Service-Leute gar nicht schnell genug ins feindliche Feuer werfen zu können. Kein Wunder, ist der Präsident mir nichts, dir nichts isoliert.

Mike Bannister

Die letzte Hoffnung: Mike Bannister.

Aber noch ist nicht alles verloren im Land der Tapferen und Freien. Das Sternenbanner wird zwar, vom Kugelhagel zerlöchert, von den Besetzern vom Dach des arg ramponierten Weissen Hauses geworfen, aber die bösen Asiaten haben die Rechnung ohne Mike Bannister (Gerard Butler) gemacht. Der zum Bürogummi degradierte ehemalige beste Leibwächter von Asher wirft sich ebenfalls ins Getümmel und wütet sich als Ein-Mann-Armee im Weissen Haus durch die feindlichen Linien. Er soll zuerst Präsidenten-Sohn Connor finden und aus der Gefahrenzone bringen, der das einzige Druckmittel darstellt, das Asher zur Herausgabe seines Zerberus-Codes bewegen kann. Damit erhält er die Chance, seine Mitschuld am Tod der First Lady wieder gut zu machen. Auch kein ganz unbekanntes Muster.

Kang und Asher

Präsident am Wickel: Kang und Asher.

Man hätte etwas mehr erwartet vom gefeierten «Training Day»-Regisseur. Fuqua beweist, dass er trotz seines unamerikanischen Namens ein Patriot reinster Güte ist. Schon mit dem pompösen Soundtrack zur Begrüssung wird einem im Kinosaal bewusst, worum es geht: um die Huldigung der amerikanischen Werte. Dass er das amerikanische Verteidigungssystem nach intensiven Recherchen beim echten Secret Service als Haufen von Dilettanten darstellt, ist allerdings bedenklich. Handwerklich ist an «Olympus Has Fallen» nichts auszusetzen. Die Kampfszenen sind eindrucksvoll inszeniert, der Spannungsbogen hält bis zum Schluss. Auch die Besetzung ist top. Neben Gerard Butler, quasi einer Kreuzung aus Jack Bauer («24») und John McClane («Die Hard»), überzeugt Aaron Eckhart ebenso wie Routinier Morgan Freeman und Angela Bassett.

Das Weisse Haus

Eine Nation unter Feuer: das Weisse Haus.

Das ist aber erst der erste Actionstreifen, der im Weissen Haus spielt. Bereits im September soll «White House Down» von Roland Emmerich mit verdächtig ähnlichem Plot in unsere Kinos kommen. Während Fuqua mit Butler einen Schotten als einzige Hoffnung des Präsidenten in die Schlacht schickt, tritt dann «Sexiest Man Alive» Channing Tatum zur Rettung des wichtigsten Manns der Welt – gespielt von Jamie Foxx – an. Wir sind gespannt, ob Emmerich ebenfalls auf die Karte Pathos setzt. «Independence Day» lässt grüssen.

«Olympus Has Fallen» läuft ab 13. Juni 2013 in den Kinos Pathé Küchlin und Capitoö.

Weitere Filmstarts in Basel am 13. Juni: The Big Wedding, The Purge, Les invisibles, Une Estonienne à Paris.