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Angelina Jolies Reifeprüfung

Fabian Kern am Mittwoch den 14. Januar 2015

«Unbroken» läuft ab 15.1. im Capitol und im Küchlin.

«Unbroken» läuft ab 15.1. in Capitol und Küchlin.

Zu Jahresbeginn hat Angelina Jolie angekündigt, sie werden ihre Schauspiel-Karriere an den Nagel hängen und nur noch hinter der Kamera stehen. Eine der bestbezahlten Hollywood-Aktricen nie mehr auf der Leinwand? Schaut man sich ihr neustes Werk an, dann kann man die Entscheidung der schönen Amerikanerin nachvollziehen. «Unbroken ist ein grosser Film – noch dazu von epischem Umfang –, mit dem die 39-Jährige ihr Talent als Regisseurin belegt. Da spielt es keine Rolle, dass einmal mehr der Zweite Weltkrieg Schauplatz eines menschlichen Schicksals ist. Wer von der Leidensgeschichte von Louis Zamperini nicht in den Bann gezogen wird, der sollte dringend Nachhilfe in Sachen Empathie in Betracht ziehen.

Louis Zamperini im Berliner Olympia-Stadion (Mitte)...

Louis Zamperini im Berliner Olympia-Stadion (Mitte)…

Im Januar 1998 trägt ein 81-jähriger Mann die olympische Fackel eine Etappe lang auf dem Weg in Richtung Nagano – auf japanischem Boden. Letzteres ist deshalb von Belang, weil derselbe Mann mit dem Land der aufgehenden Sonne die schrecklichsten Erinnerungen seines Lebens verbindet. Vor seiner Leidenszeit während des Zweiten Weltkriegs musste der junge Louis allerdings erst einmal sein Leben auf die Reihe kriegen. Als Sohn italienischer Einwanderer fristet er kein einfaches Dasein und driftet in Richtung schiefe Bahn. Bis sein älterer Bruder ihn zum Laufsport drängt oder vielmehr zwingt. «Du kannst es schaffen, du musst nur daran glauben», lautet dessen Devise. Es sollte Louis’ Lebensmotto werden.

... über die Einsamkeit des Pazifiks...

… über die Einsamkeit des Pazifiks…

Louis schafft es als High-School-Läufer über 5000 Meter an die Olympischen Spiele 1936 in Berlin und sorgt dort mit einer unglaublichen letzten Bahnrunde derart für Aufsehen, dass er sogar von Adolf Hitler gelobt wird – als Amerikaner wohlgemerkt. Doch dann muss er in den Krieg. Auf einer Rettungsmission wird Louis über dem Pazifik abgeschossen und überlebt als einer von drei Besatzungsmitgliedern. Und damit beginnt die Tour de Force. 47 Tage kämpft er erfolgreich gegen Hunger, Durst, Haie und feindlichen Beschuss, bis er gerettet wird. Wenn man die Gefangennahme durch die Japaner als Rettung bezeichnen will. Fortan leidet Louis in einer feuchten, dunklen Zelle auf den Marshall-Inseln und wird in japanischen Arbeitslagern erniedrigt, gefoltert, verprügelt – aber nie gebrochen. Bis zum Kriegsende.

... bis ins japanische Arbeitslager: Louis bleibt stark.

… bis ins japanische Arbeitslager: Louis bleibt stark.

Der Titel ist in den fast schon quälend langen 137 Minuten unumgängliches Programm. Jolie lässt den roten Faden nie los, was die Geschichte etwas eindimensional macht, ebenso wie die Stereotypen. Die Japaner sind überwiegend arrogant, böse und haben einen Hang zum Sadismus, während die Alliierten fast durchwegs coole Buddy-Typen sind, die auch noch mehr auf dem Kasten haben als die Asiaten. Der imponierenden Geschichte von Louis Zamperini – die Coen-Brothers adaptierten das Buch von Lauren Hillenbrand – kann das allerdings nichts anhaben. Der bislang nur Insidern bekannte Engländer Jack O’Connell («300 – Rise of an Empire») verkörpert den standhaften Olympioniken mit einer ansteckenden Lebensfreude und darf als Entdeckung gefeiert werden. Als eine von zwei von Angelina Jolie.

Angelina Jolie mit dem fiktiven...

Angelina Jolie mit dem fiktiven…

... und dem echten Louis Zamperini.

… und dem echten Louis Zamperini (1917-2014).

«Die Besetzung der Hauptrolle war eine wirklich schwierige Aufgabe», gestand Jolie. «Beim Vorsprechen von Jack aber merkte ich, dass er den übergeordneten Sinn eines Films verstand.» Der 23-jährige O’Connell war bei den Dreharbeiten physischen aufs Äusserste gefordert, musste er doch vom durchtrainierten Leichtathleten bis zum ausgezehrten Kriegsgefangenen sämtliche Körperzustände darstellen. Bei der Besetzung von Louis’ Gegenspieler im Gefangenenlager, dem Gefängniskommandanten Mutsuhiro Watanabe, wurde Jolie gar noch kreativer und landete einen kleinen Coup, der in Japan für volle Kinos sorgen wird: Sie überredete den japanischen Rockstar Miyavi zum Mitwirken, obwohl dieser gar nicht an der Schauspielerei interessiert war. Alle Darsteller – bis auf eine Ausnahme durchwegs männlich waren in der Folge hell begeistert ob der Führungsqualitäten Jolies. Das ist vielleicht die grösste Bestätigung für deren Entscheidung, voll auf ihre zweite Karriere zu setzen.

«Unbroken» läuft ab 15. Januar 2015 in den Basler Kinos Capitol und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 15. Januar: Annie, St. Vincent, Wild, Frau Müller muss weg, Danioth – der Teufelsmaler, A Pigeon Sat on a Branch Reflecting on Existence.

Dornröschen Reloaded

Fabian Kern am Donnerstag den 29. Mai 2014

«Maleficent» läuft ab 29. Mai 2014 im Kino Pathé Plaza in Basel.

«Maleficent» läuft ab 29. Mai im Pathé Plaza.

Dornröschen? Die Story ist bekannt: Es war einmal eine böse Königin, eine schöne Prinzessin, ein Stich der Spindel, ein komatöser Schlaf, ein Kuss des Prinzen, ein Happy End. Dafür muss man nicht nochmals ins Kino, Angelina Jolie hin, 3D-Optik her. «Maleficent» hat einen neuen Anreiz geschaffen, denn nun erzählt Dornröschen höchstselbst: die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Offensichtlich wurden wir alle von den Gebrüdern Grimm jahrzehntelang verschaukelt. Die Disney-Studios korrigieren nun diesen Irrtum – 55 Jahre nach ihrem eigenen Zeichentrickklassiker.

Die Geschichte, die uns die gealterte «Sleeping Beauty» jetzt erzählt, handelt von einer guten Fee namens Maleficent (Angelina Jolie). Das geflügelte Wesen beschützte das Feenreich im Sumpf vor den verfeindeten Menschen. Ein Jüngling von ausserhalb aber konnte ihr Herz gewinnen. Stefan (Sharlto Copley) gesteht ihr an ihrem 16. Geburtstag die wahre Liebe, um sie ein paar Jahre später zu hintergehen. Er beraubt Maleficent ihrer geliebten Flügel, um die Krone zu erhalten. Die wort- und sprichwörtlich Gehörnte lässt sich fortan von ihrem Hass gegen die Menschen leiten und wird zur dunklen Fee, welche den Sumpf mit einem gigantischen Dornwall vor den machtgierigen Sterblichen schützt. Maleficent rächt sich mit dem bekannten Fluch gegen Stefans Tochter Aurora, der an ihrem 16. Geburtstag eine Nadel zum Verhängnis werden soll. Sie zeigt dabei gar noch Gnade, denn die Prinzessin soll durch die «wahre Liebe» aus ihrem Schlaf erweckt werden – jene Liebe, an die Maleficent nicht mehr glaubt.

Unheilvoll: Maleficent vor dem Fluch im königlichen Schloss.

Unheilvoll: Maleficent vor dem verhängnisvollen Fluch im königlichen Schloss. (Bilder: Disney)

Definitiv einen neuen Weg schlägt dann die Story während Auroras Kindheit ein. Die kleine Prinzessin soll von drei Feen beschützt werden, die sich aber in Erziehungsfragen bald als komplett unfähig herausstellen. Maleficent beobachtet das Kind auf Schritt und Tritt aus dem Schatten. Und – siehe da – der fröhliche Blondschopf rührt das kalte Herz der dunklen Fee. Fortan wacht Maleficent mithilfe des verzauberten Raben Diaval (Sam Riley) über Aurora (Elle Fanning), ja vermittelt ihr gar die menschlichen Werte. Den von ihr ausgesprochen Fluch bereut sie schon bald einmal, doch leider erweist er sich als unwiderruflich. Da hilft nichts: Ein Prinz muss her!

Mutter und Tochter: Angelina Jolie und Vivienne Jolie-Pitt.

Mutter und Tochter: «Maleficent» Angelina Jolie und «Aurora» Vivienne Jolie-Pitt.

Angelina Jolie als Fee zu besetzen, ist interessant. Die kühle Schönheit hat eigentlich nichts Feenhaftes an sich. Die Wandlung zur desillusionierten bösen Fee allerdings ist der 38-Jährigen auf den Leib geschrieben. Und sie hält sich auch erstaunlich gut auf dem Weg zurück zu Nächstenliebe und Güte. Vielleicht hat ihr dabei ihre Töchter geholfen, denn Angelina ist nicht die einzige Jolie im Cast von «Maleficent». Vivienne Jolie-Pitt spielt die fünfjährige Aurora, und auch ihre Schwester Zahara kommt zu einem Auftritt. Der Löwenanteil an der guten Qualität des Films gebührt aber nicht der erfahrenen Hauptdarstellerin, sondern einem Regie-Neuling.

Kühle Schönheit: Maleficent in ihrem Dornenwall.

Kühle Schönheit: Maleficent versteckt sich im Dickicht vor ihren wahren Gefühlen.

Robert Stromberg, als Produktionsdesigner von «Avatar» und «Alice im Wunderland» bereits zweimal mit einem Oscar ausgezeichnet, hat aus «Maleficent» nicht nur ein optisch ansprechendes Werk mit beeindruckenden Baumkriegern, Dornwällen und Drachen geschaffen, sondern auch eine Story, die einen mitraten lässt, wie denn das Ende des «echten» Märchens aussieht. Es handelt sich sozusagen um «Dornröschen Reloaded», eine zeitgemässe Version des Märchen-Klassikers mit differenzierten Figuren: Es gibt nicht nur Gut und Böse, sondern viele Schattierungen und Wendungen. Willkommen im 21. Jahrhundert, Dornröschen!

«Maleficent» läuft ab 29. Mai 2014 im Kino Pathé Plaza in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 29. Mai: A Million Ways to Die in the West, Edge of Tomorrow, Omar, The Two Faces of January, Violette.