Beiträge mit dem Schlagwort ‘Amsterdam’

Mit Basler Bildern auf die Amsterdamer A-Liste

Joel Gernet am Freitag den 7. Oktober 2011


Bustart ist auf dem Sprung. Wieder einmal. Im Frühjahr hat der Basler Streetartist seiner Heimatstadt den Rücken gekehrt, um in Amsterdam sein Glück zu versuchen. Nun ist er für ein paar Tage ans Rheinknie zurückgekehrt. Seine Kollegen aus der Muttenzerkurve haben ihm den Kurztrip spendiert. Bust, wie er sich auch nennt, sitzt bei der Wettsteinbrücke am Grossbasler Rheinufer und lässt den Blick flussabwärts schweifen. In wenigen Stunden fliegt er zurück nach Holland. «Es ist ja gar nicht windig hier», stellt Bustart erstaunt fest, «in Amsterdam fliegt mir alles davon». Gemeint sind die Schablonen und Papiervorlagen, mit denen der 28-Jährige seine Bilder an die Wand bringt – die berüchtigten Affen- und Kindergesichter zum Beispiel.

Diese haben Bustart mittlerweile auch in Amsterdam viel Aufmerksamkeit beschert. Nicht nur bei den Passanten auf der Strasse. Soeben wurde der Basler in der Oktober-Ausgabe des «TimeOut Magazine», der grössten englischsprachigen Zeitschrift der Stadt, in die «A-List 2011» aufgenommen. Untertitel der Ehrenliste: «The People, Places & Things that define Amsterdam». Diesen Beitrag weiterlesen »

«Das Beste, was man in Basel bekommt, ist eine Anzeige»

Joel Gernet am Donnerstag den 3. Februar 2011


Bustart gehört zu den bekanntesten und fleissigsten Basler Streetart-Künstlern. Seinen Kindergesichtern, Affen und Schriftzügen begegnet der aufmerksame Flaneur in der ganzen Stadt. Heute Abend startet Bustarts Ausstellung «Off The Street» in der Kleinbasler Carambolage-Bar beim nt-Areal. Die erste Solo-Show des Künstlers ist gleichzeitig auch ein Abschied von seiner Heimatstadt. In wenigen Wochen wird Bustart sein Domizil nämlich nach Amsterdam verlegen, «einem Spielplatz für Erwachsene», wie «Bust» gegenüber Schlaglicht erklärt, während er das Carambolage für seine Ausstellung herrichtet – der Künstler darf fast die gesamte Bar nach Lust und Laune umgestalten. Und weil Bustart offensichtlich gerne grossflächig mit roter Farbe arbeitet, glaubt ein Passant, dass ein Bordell-Schaufenster entstehe. Fast wie in Amsterdam.

Neben London und Barcelona ist Amsterdam eines der Sprungbretter für europäische Streetart-Künstler, wie Bustart sagt. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum er Basel den Rücken kehrt: «Amsterdam ist das krasse Gegenteil der Schweiz.» Wenn er in den Strassen von Amsterdam male, würden die Polizisten bei ihm eine Zigarettenpause machen und sich für das tolle Bild bedanken. «Das Beste, was man in Basel bekommen kann, ist eine Anzeige», sagt Bustart, der sich beim Thema «künstlerischer Freiraum in Basel» regelrecht in Rage redet. Von Seiten der Behörden gebe es zwar viel positives Feedback, schlussendlich bleibe es aber fast immer bei Lippenbekenntnissen.

Kein Wunder, war Bustart irritiert, als vor zwei Wochen im Rheinhafen Streetartists aus São Paolo mit dem Segen der Basler Behörden diverse Wände gestalten durften. «Nichts gegen diese Künstler, aber wir bemühen uns seit Jahren vergebens um Freiräume, und die bekommen sofort eine Genehmigung.» Der Basler reagierte auf seine Weise – indem er bei der Brasilea-Stiftung ein «illegales» Schablonenbild neben das legale Werk des Brasilianers Daniel Melim klebte (siehe links). «Ich hätte mich ehrlich gesagt gefreut, wenn jemand reklamiert hätte», sagt Bustart. Doch eine Auseinandersetzung blieb aus.

Der Basler – er ist übrigens Mitbegründer der Guerilla-Ausstellung OpenArt (wir berichteten) – provoziert gerne mit seinen Bildern. Ihn reizt, dass in der Streetart jeder seine Meinung darstellen kann – ob es den Leuten passt oder nicht. «Bei mir hat jedes Bild eine Aussage», erklärt Bustart. Die ganze Welt sei vollgestopft mit Polit- und Werbeplakaten. «Ich probiere gegenzusteuern, indem ich Werbung mache für etwas, bei dem die Leute nicht wissen, was es ist, und das es nirgends zu kaufen gibt.» Das verbreitetste Bust-Motiv ist das lächelnde Bubengesicht, das fast wie die Wahlplakate der Politiker in der ganzen Stadt zu sehen ist. Das Portrait ist kein Kindheitsfoto von Bust, sondern ein Bild aus dem England der 60er Jahre.

Als Ernst Beyeler im Februar 2010 verstarb, tapezierte Bustart die Innenstadt mit dem Kopf des berühmtesten Basler Kunstsammlers. Und wer ab heute die Ausstellung «Off The Street» besucht, begegnet einem Schablonenbild von Jean Tinguely. Solche Referenzen sind Bust «sehr wichtig».

Off The Street, Carambolage, Erlenstrasse 34, 4058 Basel. Eröffnung: Do. 3. Februar, 18h-22h. Danach jeweils Donnerstag bis Sonntag von 18 Uhr bis Mitternacht. Sämtliche Exponate können via der Homepage von Bustart ersteigert werden.