Beiträge mit dem Schlagwort ‘Amber Heard’

Stumpfe Machete

Fabian Kern am Donnerstag den 19. Dezember 2013

«Machete Kills» läuft ab 19. Dezember im Capitol und im Küchlin.

«Machete Kills» läuft ab 19.12. im Capitol und im Küchlin.

Ausufernde Gewalt, coole Sprüche, nackte Haut und eine hanebüchene Story – das war «Machete». Zudem hatte Splatter-Spezialist Robert Rodriguez vor drei Jahren die Originalität auf seiner Seite, aus einem fiktiven Trailer in den Grindhouse-Filmen «Death Proof» und «Planet Terror» einen echten Film gemacht zu haben. Von den Attributen des billigen, aber als C-Movie durchaus gelungenen Actioners geblieben sind drei Jahre später bei der Fortsetzung «Machete Kills» nur die ausufernde Gewalt und die hanebüchene Story. Die Originalität ist ebenso auf der Strecke geblieben wie die Bereitschaft der weiblichen Stars, sich auszuziehen. So bleibt als erotisches Highlight die Art, wie Amber Heard das Wort «Machete» ausspricht. Eigentlich ist das sogar alles, was bleibt.

Optisches Highlight: Amber Heard.

Hingucker: Amber Heard. (Bilder: Impuls)

Am wenigsten ein Vorwurf zu machen ist dabei Danny Trejo. Dem 69-jährigen Narbengesicht scheint der Trash in die Wiege gelegt worden zu sein. In 275 Filmen hat der Mexikaner bisher schon mitgewirkt, nicht weniger als 32 weitere Rollen werden bis 2015 folgen. Gefühlte 98 Prozent seiner Streifen wurden direkt in die Videotheken geschickt und verrotten dort auf den billigsten Regalen. Deshalb muss sich niemand wundern, wenn Trejos zweiter Auftritt als menschliche Allzweckwaffe Machete Cortez Schrott ist. Wundern muss man sich einzig darüber, dass er im Kino läuft und gleich viel kostet wie ein Blockbuster. Denn Blockbuster-Format weist einzig der Cast von «Machete Kills» auf: Michelle Rodriguez, Amber Heard, Charlie Sheen aka «Carlos Estevez», Mel Gibson, Cuba Gooding Jr., Jessica Alba, Antonio Banderas und Lady Gaga gemeinsam auf die Leinwand zu bringen, macht Eindruck. Doch das Versprechen auf ein Kinovergnügen bleibt ein leeres.

Machete und die Bösewichte Mendez...

Machete und die Bösewichte Mendez…

... und Luther Voz.

… und Luther Voz.

Diese Stars wechseln sich nahezu beliebig mit dem grosszügigen Einsatz von Kunstblut ab, was mit zunehmender Dauer einschläfernd wirkt. Aus Mangel an neuen Ideen geht dem Machwerk jegliche Originalität ab, sogar der niveaulose Spass hält sich in engen Grenzen. Nicht einmal als gute Parodie geht die Story um einen schizophrenen mexikanischen Kartellboss (Demian Bichir), der Washington dem Erdboden gleichmachen will, dabei aber nur die Marionette eines grössenwahnsinnigen Strippenziehers ist, durch. Da helfen auch die zahlreichen Anleihen bei James Bond und Star Wars nichts, ja nicht einmal Charlie Sheen als politisch unkorrektester US-Präsident aller Zeiten. Wenn man den gleichen Witz immer wieder erzählt, wird er dadurch nicht lustiger. Dem zahlenden Publikum bleibt nur der Eindruck, nicht nur Geld, sondern auch 107 Minuten Lebenszeit verschwendet zu haben – da kann Amber Heard «Machete» hauchen, so oft sie will.

Das einzig Schockierende an «Machete Kills» ist die Tatsache, dass der zweite Film direkt zum dritten Teil überleitet: «Machete Kills Again… in Space». Wer dafür Geld ausgibt – ob als Produzent oder Kinogänger–, ist definitiv selbst Schuld.

«Machete Kills» läuft ab 19. Dezember 2013 in den Basler Kinos Capitol und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 19. Dezamber: Die schwarzen Brüder, Belle et Sebastian, Only Lovers Left Alive, Le passé, Dinosaurier – Im Reich der Giganten 3D.

Und hier zum Abgewöhnen schon mal der Trailer zum dritten Teil «Machete Kills Again… in Space»:

Freie Sicht auf die Stars

Fabian Kern am Mittwoch den 18. September 2013

«Paranoia» läuft ab 19.9. im Rex.

«Paranoia» läuft ab 19. September im Capitol, im Küchlin und im Rex.

Erinnert sich jemand an den roten Knopf? Den roten Knopf am Ende von «Flucht aus L.A.» mit Kurt Russell als «Snake» Plissken? Das B-Movie mit hohem Trash-Faktor ist eigentlich nicht der Erinnerung wert, die Schluss-Pointe allerdings hat durchaus seinen Reiz: Mit dem Drücken des besagten Knopfs wird die Menschheit in die Steinzeit zurückgeworfen – kein Internet, kein Strom mehr. Nur Dunkelheit. Eine Light-Version dieses Knopfs, nämlich jenen zur Zerstörung des allgegenwärtigen Mobilfunknetzes, wünscht sich wohl auch Liam Hemsworth alias Adam Cassidy in «Paranoia». Zumindest in der Mitte des Thrillers um den skrupellosen Machtkampf in der Hightech-Branche, als er dem engmaschigen Überwachungsnetz seiner mächtigen Feinde nicht entschlüpfen kann.

Adam (l.) wird auf seine Rolle vorbereitet. (Bilder: Rialto)

Adam (l.) wird auf seine Rolle vorbereitet. (Rialto)

Zu Beginn hat der findige Telekom-Entwickler nur eines im Kopf: den sozialen Aufstieg, den Sprung vom verhassten Brooklyn über den East River in die Upper Class nach Manhatten. Das grosse Geld lockt nach einer Kindheit in bescheidenen Verhältnissen. Als Schlüssel zum Tresor soll Nicolas Wyatt (Gary Oldman) beziehungsweise dessen Firma Wyatt Corporation dienen. Cassidy fällt mit der Präsentation eines neuen Tools zwar gnadenlos durch und verliert seinen ohnehin schlecht bezahlten Job. Doch er erhält von Wyatt eine zweite Chance. Nicht aus reiner Menschenliebe, sondern aus eiskalter Berechnung. Denn der Unternehmer hat Cassidy in der Hand. Nach einer durchzechten Nacht auf Kosten der Firma hat das Nachwuchstalent die Wahl zwischen Gefängnis und Industriespionage, mit deren fürstlicher Entlöhnung er nicht nur seinen kranken Vater durchfüttern, sondern sich auch in der Cüpli-Gesellschaft bewegen könnte. Eine einfache Wahl.

Emma hat Adams Herz erobert.

Emma hat Adams Herz erobert.

So weit, so schlecht für unseren Helden. Das nächste Problem folgt aber auf dem Fuss. Die Firma, bei der Cassidy als Maulwurf agieren soll, heisst Eikon und gehört Wyatts früherem Partner und jetzigem Erzfeind Jock Goddard (Harrison Ford). Das an sich wäre noch kein Problem. Dass die unbekannte Schöne, in die sich Cassidy gerade eben Hals über Kopf verliebt hat, Emma Jennings (Amber Heard) heisst und Goddards Tochter ist, allerdings schon. Cassidy hat je länger je mehr mit seinem Gewissen zu kämpfen, muss aber feststellen, dass ein Aussteigen nicht akzeptiert ist. Zwischen den Fronten von Wyatt, Goddard und dem FBI muss er um Leben und Freiheit kämpfen.

Erzfeinde: Jock Goddard und Nicolas Wyatt.

Erzfeinde: Jock Goddard und Nicolas Wyatt.

«Paranoia» bietet nichts Neues. Leitthemen sind zwei altbekannte: erstens die Kritik an der Big-Brother-Gesellschaft und zweitens der Preis für den Verkauf der eigenen Prinzipien. Da ist die Auflösung absehbar. Den roten Knopf findet Cassidy übrigens nicht. Dafür – oh Wunder – seine eigenen Werte wieder. Umso besser fürs Publikum. Wenn einen die Story nicht zu sehr fordert, kann man sich besser auf das wirklich Reizvolle des Films konzentrieren: das Personal. Männer ergötzen sich an Amber Heard, Frauen an Liam Hemsworth, Cineasten am Abnützungskampf der beiden älteren Semester Gary Oldman und Harrison Ford. Ist doch auch etwas.

«Paranoia» läuft ab 19. September 2013 in den Basler Kinos Capitol, Pathé Küchlin und Rex.

Weitere Filmstarts in Basel am 19. September: Jobs, Riddick, L’inconnu du lac, Ernest & Clementine.

«Rumantik» in Puerto Rico

Fabian Kern am Mittwoch den 12. September 2012

Filmplakat

«The Rum Diary» läuft ab 13. September im Pathé Küchlin und im Rex.

Johnny Depp als Rum saufender Chaot in der Karibik – da war doch etwas? Diesmal segelt Hollywoods Superstar allerdings nicht unter der Piratenflagge, sondern recherchiert im Jahr 1960 als Paul Kemp in Diensten des «San Juan Star», einer heruntergekommenen amerikanischen Zeitung in Puerto Rico. Recherchieren ist allerdings schon fast etwas zuviel gesagt, denn sein Leistungsauftrag ist es, bloss keine negativen Geschichten auszugraben, sondern die Exil-Amerikaner in ihrem Gefühl zu bestärken, sie lebten im Paradies. Was auf die herrliche Natur bezogen zwar stimmt, nicht jedoch auf die sozialen Zustände. Die Amis trampeln rücksichtslos über die Insel und behandeln die stolzen Puertoricaner wie Leibeigene.

Kemp, Sanderson und Chenault

Sanderson (mitte) stellt Kemp seine verführerische Verlobte Chenault vor.

Der eigentlich aufstrebende Jungjournalist Kemp ersäuft seinen beruflichen Ehrgeiz zunächst im Rum, welcher literweise fliesst. «Wir sollten weniger trinken. Hoffentlich werde ich nie Alkoholiker», stellt er mit Depps unnachahmlichem Säufer-Ausdruck auf dem Gesicht fest. Er sinkt sogar so tief, dass er sich vom skrupellosen Geschäftsmann Sanderson (Aaron Eckhart) kaufen lässt, um dessen illegales Hotelprojekt zu bewerben. Allerdings ist der Hauptgrund für dieses Engagement weniger das schnell verdiente Geld, als vielmehr Sandersons sexy Verlobte Chenault (Amber Heard), die Kemp fast den Verstand raubt. Schliesslich aber erwacht doch noch sein vom Alkohol und anderen Rauschmitteln verschüttetes Ehrgefühl, und er sagt den rücksichtslosen Kapitalisten den Kampf an: «Es gibt keinen amerikanischen Traum.»

Paul Kemp

Paul Kemp orientiert sich nach einer durchzechten Nacht. (Bilder im Verleih von ASCOT ELITE)

Sala und Kemp

Sala und Kemp verstehen sich auf Anhieb.

Chenault und Kemp

Chenault und Paul kommen sich näher.

Hunter S. Thompsons Roman lag jahrzehntelang in seiner Schublade. Als Johnny Depp, seit der Verfilmung von Thompsons «Fear and Loathing in Las Vegas» mit ihm befreundet, davon erfuhr, brachte er das Filmprojekt ins Rollen. Leider bekam Thompson das Endprodukt nie zu sehen – der Erfinder des Gonzo-Journalismus starb 2005. «The Rum Diary» ist ein autobiografischer Roman, Paul Kemp niemand anderes als Thompson in jungen Jahren. Depp mimt einmal mehr den routinierten Alkoholiker, der zusammen mit dem desillusionierten Redaktionskollegen Sala (Michael Rispoli) und dem schmuddligen Moburg (herrlich: Giovanni Ribisi) ein umwerfendes Trio bildet. Die herrliche Natur Puerto Ricos bildet einen faszinierenden Kontrast zur ekelhaften Journalisten-WG und Salas Schrott-Fiat. Dass die Drogen-Exzesse nicht ganz so dominant sind wie noch in Terry Gilliams überdrehtem «Fear and Loathing in Las Vegas», tut Bruce Robinsons Film gut. Tolle Darsteller, schräge Figuren, etwas Spannung und Romantik in einer Story um Ethik, angerichtet mit einem guten Schuss Hochprozentigem vor einer exotische Kulisse – «The Rum Diary» ist ein süffiger Cocktail. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

«The Rum Diary» läuft ab 13. September in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.