Beiträge mit dem Schlagwort ‘Alicia Vikander’

Bradley lässt nichts anbrennen

Fabian Kern am Mittwoch den 2. Dezember 2015

«Burnt» ab 4.12. in Küchlin und im Studio Central.

«Burnt» läuft ab 4.12. in Küchlin und Studio Central.

Komödie, Drama oder Romanze? Mit zunehmender Filmdauer mehr fragt man sich, in welche Schublade «Burnt» von John Wells denn nun gehört, nach fast jeder Szene ändert man seine Meinung. Das renommierte Film-Portal imdb.com macht es sich einfach und entscheidet sich gar nicht, sondern weist den Streifen als Comedy und Drama aus. Beim erfahrenen Kinogänger löst das einen stillen Alarm aus, denn Filme, die sich nicht genau einordnen lassen, sind meistens uninspirierte, nicht durchdachte Werke, die einen unbefriedigt aus dem Saal entlassen. Bei einer so beeindruckenden Besetzung wie im Gastrofilm «Burnt» von Regisseur John Wells («August: Osage County») wäre das allerdings schon fast ein Kunststück.

Anspruchsvoller Küchenchef: Adam Jones.

Anspruchsvoller Küchenchef: Adam Jones.

Zum zweiten Mal innert eines Jahres mimt Sienna Miller den weiblichen Gegenpart zu Bradley Cooper. War die schöne Britin in «American Sniper» noch verheiratet mit dem ehemals «Sexiest Man Alive», folgt sie nun als Köchin dem Ruf eines gefallenen Superstars – allerdings nicht freiwillig. Adam Jones (Cooper), einer der Grossen der Szene, ist nach einem kometenhaften Aufstieg und zwei Michelin-Sternen in Paris komplett in einen Sumpf aus Sex und Drogen abgestürzt und will sich nun in London wieder aufrappeln. Dazu erwählt er sich das Restaurant seines früheren Geschäftspartners Tony Balerdi (Daniel Brühl) und stellt ein eigenes Team zusammen. Bestimmt, selbstbewusst, arrogant. Hélène (Miller) bringt er nur in seine Küche, indem er sie von ihrem aktuellen Chef feuern lässt, von seinem früheren Sous-Chef Michel (Omar Sy) kassiert er erstmal eine Faust, bevor dieser sich auf ein neues Abenteuer einlässt. Kann das gutgehen mit der Jagd nach dem dritten Stern?

Adams Partner: Hélène und Tony.

Verliebt in Adam? Hélène und Tony.

Erschwerend hinzu kommen diverse Nebenschauplätze, allen voran die Liebe. Nicht nur, dass Tony verliebt in Adam ist, sondern als sich Adam und Hélène langsam näher kommen, taucht Adams grosse Liebe Anne Marie (Alicia Vikander) wieder auf. Sie ist aber nur ein Teil seiner dunklen Vergangenheit, denn Adam hat immer noch Schulden bei einem Mafia-Typen aus Paris, der regelmässig seine Schläger vorbeischickt. Und zudem muss sich der Rockstar unter den Küchenchefs von seinem Erzrivalen Reece (Matthew Rhys) vorwerfen lassen, an einem altmodischen Stil zu hängen. Und dann wäre da noch Belardis Auflage, dass Adam regelmässig Sitzungen bei der Suchttherapeutin Dr. Rosshilde (Emma Thompson) besucht. Dem ehrgeizigen Koch scheint das alles über den Kopf zu wachsen, und er lässt den Frust an seinem Team aus.

Therapeutischer Rat: Adam bei Dr. Rosshilde.

Therapeutischer Rat: Adam bei Dr. Rosshilde.

Die Fans von Bradley Cooper – es soll sogar einige männliche geben – kommen voll auf ihre Kosten. Der Amerikaner glänzt in einer Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben ist: Gutaussehend und trotzdem verlebt, arrogant und trotzdem charmant, erfolgreich und trotzdem zerbrechlich. So hat man Cooper schon in «Silver Linings» (2012), «The Words» (2012) oder «Limitless» (2011) gesehen. Die Umgebung in der Hochglanzküche, die Inszenierung der wunderbaren Gerichte und die Würze menschlicher Schwächen gibt dem eigentlich herkömmlichen Plot einen frischen Anstrich, der den Film sehenswert macht – zusätzlich zu den starken Schauspielern.

Komödie, Drama oder Romanze? Manchmal ist das gar nicht so wichtig. Hauptsache, der Film unterhält gut.

«Burnt» läuft ab 3. Dezember 2015 in den Kinos Pathé Küchlin und Studio Central in Basel.

Weitere Kinostarts in Basel am 3. Dezember: In the Heart of the Sea, Love the Coopers, Hallå, Hallå, Le tout nouveau testament.

 

Superman wird Superagent

Fabian Kern am Mittwoch den 12. August 2015

«The Man from U.N.C.L.E.» läuft ab 13.8. im Küchlin.

«The Man from U.N.C.L.E.» läuft ab 13.8. im Küchlin.

Das Revival des Agentenfilms hat nun auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. James Bond wurde in den Neunziger-Jahren durch Pierce Brosnan entstaubt und später durch Daniel Craig ins dritte Jahrtausend katapultiert – beeinflusst nicht zuletzt durch die Jason-Bourne-Reihe mit Matt Damon. Dieser wiederum ist eigentlich schon längst zurückgetreten, nimmt nun aber Anlauf für ein Comeback und damit den Kampf mit Tom Cruise auf, welcher sich als Ethan Hunt bereits durch die fünfte Mission Impossible kämpft. Ist es deshalb nötig, dass nun auch noch Guy Ritchie seine Helden in dieses Agentengetümmel wirft? Brauchen wir das wirklich? Nach dem Genuss von «The Man from U.N.C.L.E.» muss die deutliche und unmissverständliche Antwort lauten: Ja!

Der Amerikaner: Napoleon Solo (Henry Cavill).

Der Amerikaner: Napoleon Solo (Henry Cavill).

Der britische Kultregisseur («Lock, Stock and Two Smoking Barrels», «Snatch», «Sherlock Holmes») ist einfach anders als die anderen. Er gräbt eine Serie aus den 60er-Jahren aus, übersetzt sie aber nicht in die Gegenwart, sondern inszeniert sie als altmodischen Agentenfilm, leichtfüssig, fast spielerisch inszeniertund mit seinem unvergleichlichen Humor gespickt. Ein Eyecatcher ist schon der interessant zusammengestellte Cast. Henry Cavill muss im Jahr 1963 als Superagent der CIA nach intensiver und genussvoll zelebrierter Feindschaft mit den Russen plötzlich mit seinem KGB-Pendant Armie Hammer Seite an Seite kämpfen, um das Gleichgewicht der Supermächte im Kalten Krieg zu halten. Super Man und Lone Ranger – eine gewagte, aber auch reizvolle Mischung. Das Einzige was nervt, ist der schwere schwedische Akzent von Alicia Vikander (sie ist halt Schwedin!), wenn sie deutsch spricht.

Die Deutsche: Gaby Teller (Alicia Vikander).

Die Deutsche: Gaby Teller (Alicia Vikander).

In Italien sich nämlich das grössenwahnsinniges Unternehmerehepaar Vinciguerra eine Atombombe, was weder Amerikaner noch Russen oder Briten toll finden. Also werden die beiden besten Männer der jeweiligen Geheimdienste als schlagkräftiges Team nach Ostberlin geschickt, um über Gaby Teller (Alicia Vikander, «Ex Machina»), die Tochter eines verschwundenen deutschen Wissenschaftlers, den Vinciguerras auf die Fährte zu kommen. Das zusammengewürfelte amerikanisch-russisch-deutsche Trio kann jedoch überhaupt nichts miteinander anfangen. Der US-Ladykiller und der von einem Vater-Komplex gehemmte Sowjet scheinen einfach zu verschieden. Vielmehr droht die Mission an den Eitelkeiten der Agenten zu scheitern – oder spielt gar die scheinbar unbeteiligte Gaby ein doppeltes Spiel?

Der Russe: Illya Kuryakin (Armie Hammer).

Der Russe: Illya Kuryakin (Armie Hammer).

Guy Ritchie ist nicht in eine Schublade zu stecken. Aus jedem Stoff macht er etwas Einzigartiges. Der Ex-Mann von Madonna zündet in «The Man from U.N.C.L.E.» kein Effekte-Feuerwerk in der Manier von James Bond, kein Stunt-Spektakel à la Ethan Hunt und keine atemlose Jagd wie jene auf Jason Bourne. Vielmehr unterlegt er die Action-Sequenzen mit Musik und nimmt ihnen so die Wichtigkeit. So liegt das Gewicht auf den Figuren und den witzigen Dialogen. Damit ist Ritchie ein entspannter und kurzweiliger Film unter zwei Stunden gelungen, an dessen Ende man sich darüber freut, dass das erst der Auftakt zu einer Serie ist.

«The Man from U.N.C.L.E.» läuft ab 13. August 2015 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Kinostarts in Basel am 13. August: Fantastic Four, Self/less, Anime Nere, Trainwreck.

Wenn die Königin mit dem Leibarzt

Fabian Kern am Mittwoch den 30. Mai 2012

A Royal Affair

«A Royal Affair» läuft ab 31. Mai im kult.kino club in Basel.

Die Geschichte könnte auch einem schwülstigen Liebesroman entstammen: Die Königin verliebt sich in den royalen Leibarzt, wird von ihm schwanger, und die beiden leben in Sünde glücklich bis an ihr Lebensende. Nur dass den Protagonisten im dänischen Film «A Royal Affair» das romantische Happy End nicht vergönnt ist. Das Werk von Nikolaj Arcel («Verblendung») ist denn auch keine Romanze, sondern vielmehr eine Mischung aus  historischem Politthriller und Liebestragödie – nichts für einen kuschligen Kinoabend in verliebter Zweisamkeit.

Mads Mikkelsen und Alicia Vikander

Struensee und Königin Caroline entdecken Gefühle füreinander. (Bilder im Verlein von ASCOT ELITE)

«Da ist etwas faul im Staate Dänemark», stellte einst schon Hamlet in William Shakespeares gleichnamigem Stück fest. Für die Dreiecksgeschichte in «A Royal Affair» trifft dies genauso zu. Und genau durch Shakespeare-Zitate erwirbt sich der deutsche Arzt Johann Friedrich Struensee (Mads Mikkelsen; «Casino Royale») das Vertrauen des dänischen Königs Christian VII. (Mikkel Boe Følsgaard) und wird sein Leibarzt. Dass er sich mit Struensee ausgerechnet einen Aufklärer ins Nest geholt hat, realisiert der psychisch kranke Regent nicht. Ebenso wenig wie die Gefahr, die damit seiner Ehe mit Caroline Mathilde (Alicia Vikander) droht. Die Königin ist mit dem unberechenbaren Kindskopf und notorischen Bordellbesucher nämlich höchst unglücklich und lässt ihn nach der Geburt des obligaten Thronfolgers auch nicht mehr in ihr Bett.

Struensee hingegen erobert mit seinem aufklärerischen Denken Carolines Herz im Sturm. Die Affäre ist ebenso unvermeidlich wie die Schwangerschaft von einem Kuckuckskind. Ganz nebenbei nutzen die beiden Verliebten das königliche Vertrauen, das Struensee geniesst, um Dänemark zu reformieren. Doch die intriganten Traditionalisten geben sich nicht einfach so geschlagen und lassen die verbotene Liebe von Caroline und Struensee auffliegen.

Mikkel Boe Følsgaard als Christian VII.

Überragend in der Rolle des geisteskranken Königs: Mikkel Boe Følsgaard.

Das von Lars von Trier aufwändig prouzierte Werk «A Royal Affair» ist ein packend erzähltes Stück dänischer Geschichte. Der Film ist Beweis dafür, dass auch ein kleines Land ein grosses Stück Kino schaffen kann – ohne internationales Staraufgebot. Der einzige Star unter den Darstellern ist Mads Mikkelsen, doch die Show stiehlt ihm Mikkel Boe Følsgaard. Der 28-Jährige, der erst diesen Sommer die staatliche Theaterschule in Kopenhagen abschliessen wird, verkörpert den psychisch kranken König grandios. Zurecht wurde der international bisher völlig unbekannte Däne an der Berlinale mit dem Goldenen Bären als bester männlicher Darsteller ausgezeichnet. Zudem geben Mikkelsen und die 23 Jahre jüngere Alicia Vikander glaubwürdig die unglücklichen Turteltauben. Deshalb der Rat für jene, die nah am Wasser gebaut sind: Taschentücher nicht vergessen!

«A Royal Affair» läuft ab 31. Mai im kult.kino club in Basel.