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Küss mich, Stiefschwester!

Fabian Kern am Mittwoch den 3. Oktober 2012

Kyss mig

«Kyss mig» läuft ab 4. Oktober im Pathé Eldorado.

Eine Träne kullert Mias Wange hinunter, nachdem sie zum ersten Mal mit Frida geschlafen hat. Kein Vergleich zur Einstiegsszene von «Kyss mig», einem routinierten Liebesakt mit ihrem Verlobten Tim. Zwischen diesen beiden Szenen liegen nur etwa zwei Tage, in denen sich jedoch für die beiden Frauen Entscheidendes ereignete: Liebe auf den ersten Blick. Das Verzwickte an der Situation ist aber nicht nur, dass sowohl Mia (Ruth Vega Fernandez) als auch Frida (Liv Mjönes) in einer festen Beziehung sind – die eine hetero, die andere homo –, sondern dass Fridas Mutter Elisabeth (Lena Endre; «Mankells Wallander», «Millennium»-Trilogie) kürzlich den Heiratsantrag von Mias Vater Lasse (Krister Henriksson; «Mankells Wallander») annahm, an dessen Feier sich die beiden über den Weg liefen. Doch Mia fällt es weit weniger leicht, sich ihren romantischen Gefühle für Frida zu stellen als umgekehrt. Zu weit fortgeschritten ist ihre konservative Zukunftsplanung: Hochzeit, Haus, Kind. Da passt eine lesbische Affäre mit der Stiefschwester in spe natürlich gar nicht ins Bild.

Tim und Mia

So sehen einseitige Gefühle aus: Mia mit ihrem Verlobten Tim. (Bilder: Rialto)

Elisabeth und Lasse

Bekannte Gesichter für Wallander-Fans: Lena Endre und Krister Henriksson.

Was für ein Paar die beiden Frauen abgeben! Die rehäugige Brünette Mia und Frida, die mit ihren blonden Haaren und blauen Augen einem Astrid-Lindgren-Buch entsprungen scheint. Passend dazu ist die ganze Ästhetik des Films. Die Einrichtung der Wohnung in Stockholm wirkt wie aus einem Ikea-Katalog, in Lasses Haus in Südschweden und Elisabeths gemütliche Sommerresidenz auf einer kleinen Insel möchte man sofort einziehen. In Sachen Stil kann man den Schweden einfach nichts vormachen.

Mia und Frida

Aus anfänglicher Abneigung wird leidenschaftliche Liebe: Mia und Frida.

Stilvoll ist auch der Umgang der Regisseurin Alexandra-Therese Keining mit dem Thema Homosexualität. Der Grundton des Films ist angenehm unaufgeregt. «Kyss mig» würde auch als konventionelle Hetero-Lovestory funktionieren. Die Chemie zwischen Mia und Frida stimmt, man spürt, dass sie ganz einfach zwei Menschen sind, die zusammen sein wollen. Mit dem Einsatz verschiedener Lichtfilter versetzt Keining den Zuschauer in die Rolle des Voyeurs. Zudem spielt sie mit der Tonspur, um zu zeigen, wie man mit grossen Gefühlen – ungeachtet der sexuellen Ausrichtung – umgehen sollte: alle Begleitumstände ausblenden und das Herz sprechen lassen.