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Smash137 lackiert Basels neustes Hotel und landet einen Coup in Frankreich

Joel Gernet am Mittwoch den 17. September 2014

Kaum in Betrieb, schon versprayt: Zur offiziellen Eröffnung des neuen Basler Novotels gestaltet der Basler Graffiti-Künstler Smash137 zwei Wände. Und in Frankreich wird der Sprayer ab kommender Woche in tausenden Anwaltsbüros vertreten sein.

Abstraktion eines Namens: Die Arbeitsversion eines Smash137-Bildes im Novotel.

Abstraktion eines Namens: Die Arbeitsversion eines Smash137-Bildes im Novotel.

Die Mittagssonne kommt Graffiti-Künstler Smash137 gar nicht gelegen: Der harte Schattenwurf lässt sein entstehendes Bild an der porösen Wand in einem kantigen und körnigen Licht erscheinen. «Ich male nicht nach Farben, sondern nach Kontrast», erklärt der Basler. Angewöhnt hat er sich diese Praktik vor über zwei Dekaden als seine Sprayer-Laufbahn nachts an der Basler Bahnhofseinfahrt begann. Es war der Anfang einer Erfolgsgeschichte: Der 35-Jährige gehört inzwischen zur weltweiten Elite im Bereich der urbanen Kunst – und er etabliert sich langsam auch im grossen Kunstbetrieb abseits der Streetart- und Graffiti-Nische.

Adrian Falkner aka Smash137 im Novotel Basel. Foto: Lucian Hunziker.

Adrian Falkner aka Smash137 im Novotel Basel.
Foto: Lucian Hunziker.

Jetzt steht Adrian Falkner, so der bürgerliche Name von Smash137, also vor der Sichtbetonmauer auf der Rückseite des frisch eröffneten Novotels an der Basler Grosspeterstrasse und macht sich Gedanken zum Schattenspiel auf seinem Bild. Die Basler Bahnhofseinfahrt, wo sein schwungvoller Graffiti-Stil damals seine ersten Blüten trieb, liegt nur wenige Schritte entfernt. Hier, hinter Basels jüngstem Hotel, rollen allerdings nicht täglich Tausende Pendler an seinen Werken vorbei.

Hier kommen Geschäftsleute zum Zug: Die beiden Bilder von Smash137 sind von den Konferenzräumen im Untergeschoss aus zu sehen. Aus deren Perspektive wirken die Aussenbilder wie Gemälde an der Zimmerwand – eine raffinierte architektonische Lösung in Anbetracht der wenig anschaulichen Strassen und den engen Platzverhältnissen rund ums Hotel.

Ausufernd in alle Richtungen: Ein typisches Smash137-Graffiti.

Ausufernd in alle Richtungen: Ein typisches Smash137-Graffiti.

«Vom Stil her sind die Bilder ein Mischung aus meinen Innen- und meinen Aussenarbeiten», erklärt Smash137. Ein Blick auf die Wand zeigt, was er meint: An ihren Rändern lässt der Künstler seine Werke weitläufig ausklingen, wie man es von den typischen Smash137-Graffitis her kennt. In der Bildmitte hingegen werden die Strukturen verdichtet – und zwar in dem von Innen sichtbaren Bereich.

Während seiner Arbeit im Novotel geniesst Smash137 den vollen Komfort des Business- und Lifestyle Hotels. «Ich habe eine wunderbare Zeit – Ferien in der eigenen Stadt, das kann ich jedem nur empfehlen», findet der Basler, den es inzwischen ins Hotelrestaurant verschlagen hat. Vor ihm ein Clubsandwich und ein Pinot Noir von der Aescher Domaine Nussbaumer.

Verantwortlich für den regionalen Wein im Sortiment und die regionale Kunst an der Wand ist der junge Hoteldirektor Robin Deb. Der Kunstliebhaber versucht, das Quartier und die Stadt so gut wie möglich in sein Haus einzubinden. Erstaunlich und erfreulich, dass der Hotelmanager im Neubau an der Münchensteinerbrücke über so viel Freiheit verfügt – schliesslich gehören das Novotel und das angegliederte Ibis-Hotel zum weltweit agierenden Hotelgiganten Accor.

Das künstlerische Konzept des kreativen Hoteldirektors war für Smash137 ausschlaggebend für die Teilnahme. Als Vermittler hatte der Basler Streetart-Kenner und Artstübli-Betreiber Philipp Brogli seine Finger mit im Spiel. Der Auftrag im Novotel ist für Smash137 der erste Basler Auftrag seit längerer Zeit. «Ich lehne bedeutend mehr Anfragen ab, als ich annehme», erklärt der 35-Jährige. Ein Privileg, das nicht jedem Künstler zuteil wird. Wen oder was der Basler berücksichtigt, hängt auch von dessen Jahresplanung ab: Herzstück neben diverser Gruppen-Projekten sind im besten Fall eine grosse Einzelausstellung im Frühling und im Herbst (auch keine Selbstverständlichkeit).

Parkhausdach: Das Smash137-Projekt «The Z» in Detroit. Foto: Sal Rodriguez

Parkhausdach: Das Smash137-Projekt «The Z» in Detroit.
Foto: Sal Rodriguez

Vor einem Jahr war das etwa in Detroit mit der Solo-Show «Disclosure» der Fall: Smash137 erschuf sämtliche Werke vor Ort und sorgte zudem für Aufsehen, als er die Spitze eines brandneuen Parkhauses grossflächig bemalte: Dieses wurde von Dan Gilbert erbaut, ein führender Kopf beim Wiederaufbau der heruntergekommenen Auto-Metropole und Besitzer der Cleveland Cavaliers.

«Einmal hat mich Dan mit der ganzen Basketballmannschaft Besucht», erinnert sich der Basler. «Das war ein Highlight – schliesslich habe ich wegen Sportmannschaften wie den Cavaliers mit Graffiti angefangen.» Dazu sei gesagt: In den 90er Jahren waren die Klamotten amerikanischer Baseball, Basketball und Football-Teams in der HipHop-Szene das Nonplusultra – US-Sport und Rap wurden auch am Rheinknie quasi in einem Atemzug aufgesogen.

Coup: Das französische Zivilrechtsbuch mit dem Cover von Smash137.

Coup: Das französische Zivilrechtsbuch mit dem Cover von Smash137.

Diesen Frühling hatte Smash137 zudem eine grosse Solo-Ausstellung in Paris, für die er mit rund 50 Bildern überdurchschnittlich viele Werke abliefern konnte. «Im Arrondissement, in dem sich die Galerie befand, gehört Kunstsammeln zum guten Ton», erklärt Adrian Falkner, dem kommende Woche in Frankreich eine ganz spezielle Ehre zuteil wird: Eines seiner Bilder ziert das Titelblatt des neuen Zivilgesetzbuches (Code Civil 2015) und dürfte somit bald im Regal von tausenden Anwälten stehen.

Da kann sich auch Sprayer Smash137 ein Schmunzeln nicht verkneifen. «Viele Pariser Kunstsammler sind Anwälte – anders kann ich mir das nicht erklären. Ich wurde vor vollendete Tatsachen gestellt.»

Im Dezember bestreitet der Basler seine nächste Einzelausstellung in Saarbrücken. Die Vorbereitungen laufen. Zuerst aber müssen die beiden Bilder im Novotel beendet werden. Die Mittagssonne hat sich inzwischen verzogen. «Die Sonne ist weg – so geht es schon viel besser», findet Smash137 und setzt zu einer Linie an.