Beiträge mit dem Schlagwort ‘1. Stock’

Von Grenzen, Vergänglichkeit und Realität

Luca Bruno am Donnerstag den 20. Oktober 2011
Simon Grab live Soundperformance MRI

Simon Grab: «MRI»

Jeweils am Anfang jeder Woche präsentieren wir euch in der Schlaglicht-Wochenvorschau unsere Kulturtipps für die kommenden sieben Tage. Zurzeit läuft jedoch so viel, dass wir den Kulturscheinwerfer wohl nicht zum letzten Mal auch unter der Woche auf Basel richten müssen.

Dieses Wochenende im Angebot: Eine Soundperformance von Simon Grab, der Beginn der Ausstellung «I die every day!» von Andy Storchenegger, sowie die Vernissage zur neusten Veröffentlichung von «Belles Lettres». Diesen Beitrag weiterlesen »

Schlaglicht auf Woche 41

schlaglicht am Montag den 10. Oktober 2011

Noch keine Ahnung, was kulturell läuft diese Woche? Wir helfen Dir bei der Planung Deiner Kulturwoche mit Hinweisen auf ausgewählte Kultur-Leckerbissen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Schlaglicht auf Woche 25

schlaglicht am Dienstag den 21. Juni 2011

Noch keine Ahnung, was kulturell läuft diese Woche? Wir helfen Dir bei der Planung Deiner Kulturwoche mit Hinweisen auf ausgewählte Kultur-Leckerbissen.
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The Wave Pictures: Die Messlatte liegt hoch

Luca Bruno am Donnerstag den 10. Februar 2011

Diesen Freitagabend (11. Februar) treten The Wave Pictures zum zweiten Mal im 1. STOCK in Münchenstein auf. Die Musik des Trios aus Wymeswold, eine kleine Stadt irgendwo im englischen Nirgendwo, orientiert sich zwar an amerikanischen Lo-Fi Helden wie Jonathan Richman oder den Feelies, könnte jedoch britischer nicht sein. Doch David Tattersalls smarte Lyrics kommen nicht nur mit einer gesunden Portion britischer Nonchalance daher, sie lassen sich auch endlos zitieren. So findet sich auf den bisher erschienenen neun Alben der Band garantiert ein Satz für jede Lebenslage wieder.

Als das Trio am 1. Februar 2009 zum ersten Mal in Münchenstein spielte, verabschiedete es sich nach knapp 50 Minuten Spielzeit mit den Worten «We’re gonna take a short break and will be back in a few minutes for another set. Stay tuned!» vom Publikum. Als die Band dann nach einer kurzen Pause wieder auf die Bühne trat, spielten sie tatsächlich nochmals zwei volle 50-minütige Sets. In insgesamt drei Stunden gab es an diesem Abend somit fast jeden Song aus der ausführlichen Diskographie der Band zu hören. Ein Sonntagabend, von dem man im 1. Stock auch knapp zwei Jahre später noch schwärmt.

Wer heute einen Blick auf ebenjene Diskographie wirft, stellt fest, dass das Trio in der Zwischenzeit nicht untätig geblieben ist. Seit ihrem letzten Auftritt im 1. Stock haben sich schon wieder zwei neue Alben und vier neue Singles zum ohnehin schon üppigen Output der drei Briten dazugesellt. Und mit «Beer In the Breakers», welches diesen April erscheinen soll, steht bereits das nächste Album in den Startlöchern. Es wäre vielleicht ein wenig zu viel verlangt, aufgrund der vielen neuen Songs nun sogar vier Sets zu erwarten, die Messlatte liegt jedoch auf alle Fälle hoch.

The Wave Pictures: Diesen Freitagabend (11. Februar) live im 1.STOCK. Türöffnung: 21:00, Beginn: 21:45.

«Do you understand english? English sucks, english sucks…»

Luca Bruno am Montag den 13. Dezember 2010

Vorgestern haben wir euch von den beiden Mixtapes des New Yorker Rapkollektivs Das Racist vorgeschwärmt. Gestern Abend haben wir im 1.STOCK nun gleich selbst überprüft, ob das Brooklyner Trio seine Versprechen auch Live einhalten kann.

Zuerst allerdings die Aufwärmübungen, die an diesem Sonntagabend von der jungen New Yorkerin Tecla übernommen werden. Mit ihren synthesizer-lastigen Popsongs bringt sie während 15 Minuten zumindest die ersten Reihen mehrmals zum Hüpfen. Ein Versprechen für die Zukunft.

Im Verlaufe des Abends bezeichnen Das Racist den mittlerweile gut gefüllten 1. Stock geschätzte 20 Mal als «super dope». Auf ihrem Track «hahahaha jk?» rappen Das Racist jedoch «We’re not joking, just joking, we are joking» und in der Tat konnte man sich das ganze Konzert über nicht ganz sicher sein, ob die drei New Yorker wirklich Gefallen am Basler Publikum gefunden haben oder ob wir gerade veräppelt werden. «Do you understand english?», wollten die Drei etwa von der johlenden Menge wissen. «English sucks, english sucks, english sucks…» gab es als Antwort.

Die Herren sind Meister im Vor-den-Kopf-Stossen, unterwegs auf dem schmalen – und unterhaltsamen – Grat zwischen Genie und Wahnsinn. Wen wundert es da noch, dass wenn Das Racist plötzlich zum Publikum meint «shut up». Zuerst mit ernstem Gesicht, dann mit breitem Kiffergrinsen. Eines steht fest: Die Drei haben jede Menge Spass auf der Bühne – zumindest unter sich. Das Airhorn wird rege betätigt und auch auf das in der Ecke stehende Drumkit wird immer mal wieder eingehauen.

Das Racist fordern «mehr Pizza» auf den Monitoren, ihren Hit «Combination Pizza Hut and Taco Bell» verweigern sie uns jedoch. Hits wie «Who’s That? Brooown!» oder «You Oughta Know» machen die Absenz ihres Breakout-Hits jedoch vergessen.

Zum Abschluss erklingt dann «Simply the Best» von Tina Turner aus den Boxen – um diesem Motto auch wirklich gerecht zu werden, hätte uns Das Racist allerdings gerne mehr als 30 Minuten unterhalten dürfen.

Hare-Krishna-Rap und ein Vierteljahrhundert Country in Münchenstein

Luca Bruno am Samstag den 11. Dezember 2010

Letzte Woche haben wir vom 1.STOCK in Münchenstein geschwärmt. Ob unsere Behauptung, dass das Lokal momentan über die beste Livemusik-Programmierung der Stadt verfügt, auch wirklich stimmt, können wir in den nächsten 7 Tagen gleich mehrmals überprüfen.

«Sit Down, Man»

«Sit Down, Man»

Den Anfang machen die New Yorker Das Racist, welche diesen Sonntag, dem 12. Dezember, dem 1. Stock einen Besuch abstatten werden. Auf ihrer MySpace-Seite beschreibt sich die Band als «a weed edge/hare krishna hard core/art rap/freak folk music trio». Letztes Jahr bekam die Blogosphäre dank ihrem Track «Combination Pizza Hut and Taco Bell» zum ersten Mal Wind von Das Racist und schnell war man versucht, das Duo als ein weiteres Hipsterprojekt aus Brooklyn abzustempeln. Doch schon ihr erstes Mixtape «Shut Up, Dude», welches diesen März erschien, bewies eindrücklich das Gegenteil.

Das Racist bringen zwar eine wichtige Komponente von Hipstermusik mit: Ihre Lyrics lesen sich wie ein Lexikon zeitgenössischer Popkultur und kommen dementsprechend auch verpackt in jede Menge Ironie daher, ihre musikalischen Referenzen sind allerdings viel zu tief, als dass es sich hier nur um ein blosses Spassprojekt handeln könnte. So ist beispielsweise der erste Track von «Shut Up, Dude» eine clevere Hommage an A Tribe Called Quest und in einem anderen Track wiederum wird Ghostface Killahs Klassiker «Nutmeg» angegangen.

Vor knapp 3 Monaten erschien mit «Sit Down, Man» nun ihr zweites Mixtape und ein kurzer Blick auf die Produzenten- und Gästeliste zeigt, dass sich Das Racist über die vergangenen Monate jede Menge Bewunderer angeschafft haben. Besonders erfreulich ist jedoch, dass sich unter den Gästen nicht nur Hip Hop-Grössen wie beispielsweise El-P befinden, sondern auch zahlreiche junge Brooklyn-Bands wie Chairlift oder KeepAway, die mit Hip Hop normalerweise nichts am Hut haben, die Produzentenrolle auf «Sit Down, Man» übernahmen.

Wir empfehlen das Konzert von Das Racist also allen, die wieder einmal über den Tellerrand hinausschauen möchten und wer sich aus diesem Grund ordentlich vorbereiten will, macht das am besten mit den beiden erwähnten Mixtapes, die sich auf der offiziellen Homepage von Das Racist in voller Länge anhören lassen.

Ein komplett anderes Bild bietet sich uns dann am nächsten Mittwoch. Am 15. Dezember tritt nämlich Alt Country-Grösse Howe Gelb mit seiner Band Giant Sand im nahegelegenen Depot auf. Und wer sich auf dieses Konzert ebenfalls optimal vorbereiten möchte, wird bis nächsten Mittwoch ausgiebig beschäftigt sein: Seit 1985 erschienen nämlich nicht weniger als 25 Alben von Giant Sand.

Das Motto der aktuellen Tour lautet dementsprechend «25 Jahre, 25 Alben Giant Sand» und wir dürfen nebst Stücken aus ihrem sehr gelungenen aktuellen Album «Blurry Blue Mountain» also auch auf den einen oder anderen Klassiker hoffen. Howe Gelb war in den vergangenen Jahren zwar gern gesehener Gast in der Schweiz, sein letzter Auftritt in Basel unter dem Namen Giant Sand liegt jedoch schon einige Jahre zurück. Und wer sich seit 10 Jahren nicht mehr mit Howe Gelb beschafft haben sollte, sei hiermit beruhigt: Auch 2010 steht Giant Sand noch immer für staubigen und intimen Alternative Country – wie man ihn in der Wüste von Arizona schon seit 25 Jahren macht.

5 Jahre 1.STOCK – Schlaglicht gratuliert

Luca Bruno am Donnerstag den 25. November 2010

Man könnte meinen, dass uns in Basel langsam aber sicher die Orte für Livemusik ausgehen: Letzten Donnerstag fand das vorerst letzte Konzert im Volkshaus statt, der Kuppel droht momentan die Gefahr, bald von Elefanten des Zoos zertrampelt zu werden und auch das Gerücht, dass es beim Schiff zwangsweise bald “Leinen los!” heissen wird, hält sich seit einiger Zeit wacker. Trotzdem kein Grund, nur Trübsal zu blasen: Seit einiger Zeit erfindet sich die Basler Konzertkultur nämlich am Rande der Stadt gerade neu.

Wer sich schon ein mal ins Tram Nr. 10 oder in die S3 Richtung Münchenstein gesetzt hat, um im Hochsommer auf der Terrasse des 1.STOCKs auf dem Walzwerkareal ein Bier zu trinken oder an einem verschneiten Winterabend “The Next Big Thing” zum ersten Mal auf einer Schweizer Konzertbühne Live zu erleben, weiss wovon hier die Rede ist. Ohne schlechtes Gewissen darf man behaupten: Das beste Konzertprogramm aller Basler Clubs wird momentan im 1. Stock in Münchenstein gemacht.

Vor zweieinhalb Wochen feierte der 1.STOCK nun sein 5-jähriges Jubiläum. Grund genug also, nicht nur ein wenig verspätet zu gratulieren und auf die nächsten fünf Jahre anzustossen, sondern auch mit den Machern des 1. Stocks die vergangenen 5 Jahre ein wenig Revue passieren zu lassen. Felix Bossel stand uns Rede und Antwort:

1. Stock, Walzwerkareal Münchensten

Für einige Konzertlocations in Basel und Region sieht es momentan nicht all zu rosig aus. So verwundert es doch eigentlich, dass ihr euer Konzertangebot von Monat zu Monat mit immer mehr bekannteren Acts ausbaut. Womit begründet ihr das?
Felix Bossel: Weil wir nicht auch noch Konzerte machen, sondern vor allem.

Inwiefern seid ihr selbst an euren Aufgaben gewachsen?
Zu Beginn war da kein Masterplan. Eher war es eine spontane Entwicklung in kleinen Schritten, die zu dem führte, was heute ist. Dabei war hilfreich, dass sich im Team von Anfang an für alles Anfallende die passende Besetzung fand: Handwerker, Tontechniker, Gastroerfahrener, Compi-Arbeiter – alles war da und hat sich mitentwickelt. Und auf halbem Wege dieser Entwicklung entstand der Hauptbroterwerb für zwei Drittel des Teams: eine Handwerkergenossenschaft, die uns vieles im baulichen Bereich, besonders was die zeitlichen Ressourcen betrifft, ermöglichte und der ganzen Sache damit nochmals entscheidend Schwung verlieh.

Man kann also durchaus sagen, dass wir an unserer Aufgabe mitgewachsen sind.  Muss man auch, insbesondere in der Zusammenarbeit mit Agenturen und Musikern konnten wir uns mit guter Arbeit einen Ruf machen, was nun eben dazu führte, dass immer bekanntere Namen den Weg zu uns finden. Kurz gesagt: Antrieb = Leidenschaft.

Orte für Livemusik in Basel, die nicht gerade im Radius von 500 Meter um den Barfüsserplatz stehen, bemängeln regelmässig, dass sich ihr abgelegener Standort nachteilig auswirkt. Ist der Standort Münchenstein für euch eher Vor- oder Nachteil?
Sicher geht auf dem Weg nach Münchenstein der eine oder andere Stadtbewohner verloren. Aber das hat auch seine guten Seiten: Das Publikum besteht somit fast ausschliesslich aus Leuten, die wegen der Musik da sind und nicht einfach auftauchen, weil sie halt grad um die Ecke wohnen. Das macht sich insbesondere bei ruhigeren Shows oder ruhigen Passagen von Shows bemerkbar: Es wird nicht geschwatzt!

Aber natürlich muss man, wenn man etwas ausserhalb zuhause ist, ganz besonders den eigenen Ruf kultivieren. Das aufmerksame Publikum ist beispielsweise so eine Sache, die sich da anbietet. Das macht nicht nur den Musikern jeweils grossen Eindruck.

Obwohl euer Club ja inmitten eines Industriegebietes steht, hattet ihr – wie auch viele andere Basler Clubs – schon mit Lärmklagen zu kämpfen. Wie geht ihr damit um?
Mittlerweile hat sich die Lage ein wenig beruhigt und wird das hoffentlich weiter tun. Der primäre Lärm war ja noch nie das Problem. An diesem Standort hängt viel mehr vom Verhalten der Besucher ab, denn auf den ersten Blick könnte man wirklich meinen, dass es weit und breit niemanden gäbe, der sich gestört fühlen könnte. Das ist aber nicht der Fall.

Lassen wir nun die ersten fünf Jahre 1. Stock ein wenig Revue passieren. Was waren die Highlights und was die eher weniger guten Momente?
Grösstes Highlight und grösste Anstrengung in einem: Friska Viljor mit proppevollem Haus, tropfenden Decken, einer Band in Hochform mit zweistündigem Set plus Zugaben, Crowdsurfing bei 2.30m Raumhöhe (somit wohl eher Ceiling-Surfing), einem völlig durchdrehenden Publikum, welches irgendwann dann auch noch den Sänger von der Bühne reisst und gegen die Decke drückt. Ebenfalls grossartig waren The Wave Pictures, die uns an einem Sonntagabend beinahe volles Haus bescherten und sich mit drei Sets à 60 Minuten – und damit der Livepräsentation ihres kompletten Liedkatalogs – bedankten (am 11. Februar 2011 übrigens mit neuem Album zu Gast).

Zu erwähnen wäre auch noch das allererste Schweizer Konzert von Gisbert zu Knyphausen – ein grandioser Soloauftritt in intimem Rahmen, der sein ganzes Potenzial erahnen liess. Giant Panda gehört definitiv ebenfalls auch auf diese Liste – Hip Hop ganz ohne Allüren und Stereotypen. Resultat: Party, aber friedlich und entspannt – und natürlich das erste Efterklang-Konzert als Premiere im Depot oder Port O’Brien – was für liebe Leute!

Weniger gute Momente gab’s natürlich auch: Die nicht so gut besuchten Konzerte; oder mühsame, weil geldgierige Bands/Managements/Agenturen. Und eine der wohl grössten Enttäuschungen: die mangelnde Unterstützung und auch Anerkennung durch die Institutionen; und das, obwohl alles, was wir haben – sei es Live-Technik, Umbau und Ausbau der Räumlichkeiten, Expansion ins Depot, und für dort wiederum der Kauf von Live-Technik – aus dem Betrieb selber finanziert wurde und der Beweis mittlerweile mehr als erbracht sein dürfte, dass an diesem Ort ernsthaft und professionell gearbeitet wird. Aber so ist das wohl: Die wirklich spannenden Sachen entstehen an der Peripherie und ohne Zuschüsse.

Und wie sehen eure Pläne für die nächsten Monate aus?
Im neuen Jahr gibt’s Umbauten im Depot, damit da ein paar grössere Namen an Land gezogen werden können. Und auch im 1.STOCK werden wir den einen oder anderen Schritt vorwärts machen und ein qualitativ hochwertiges Programm bieten.

Zukünftige Highlights im 1. Stock, von Schlaglicht empfohlen:
Am 12. Dezember erwartet uns die New Yorker Hip Hop-Combo Das Racist, die vor kurzem mit ihrem Mixtape “Sit Down, Man” für mächtig Aufsehen gesorgt hat.

Ausserdem im Dezember im 1. Stock: Howe Gelb’s Band Giant Sand (15.12.) schaut mal wieder in Basel vorbei und Freunde von Folk Rock werden sicherlich auch an The Builders & The Butchers (17.12.) Gefallen finden.

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