Archiv für die Kategorie ‘Theater’

Komm zu Fatih!

chris faber am Sonntag den 13. Februar 2011

Als Kabarettist mit türkischem Immigrationshintergrund hat Fatih Çevikkollu seine ganz eigene Art von Humor entwickelt. Das aktuelle Soloprogramm greift die zentralen gesellschaftlichen Themen des 21. Jahrhunderts auf, von kleinen erlebten Geschichten von nebenan bis hin zur Islamdebatte, als aufmerksamer Wanderer zwischen den Kulturen formuliert Fatih für die Zuschauer Einsichten pur, charmant auf den Punkt gebracht.

Schon früh hatte er den Wunsch, als Kabarettist auf der Bühne zu stehen und sein Publikum zum Lachen zu bringen. Heute hat er es geschafft, Fatih Çevikkollu ist ein erfolgreicher Schauspieler und Kabarettist.

Geboren und aufgewachsen ist er in Köln, wo er zusammen mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter lebt. Im Alter von 25 Jahren zog es ihn nach Berlin, um eine Ausbildung an einer renommierten Schauspielschule zu beginnen und abzuschliessen. Nach einem erfolgreichen Casting spielt er in der mehrfach ausgezeichneten Comedy-Serie «Alles Atze» eine der Hauptrollen. Nach seiner Arbeit beim Düsseldorfer Schauspielhaus, wo er einige Spielzeiten verbrachte, begibt sich Fatih Çevikkollu auf die Suche nach mehr Selbstständigkeit und größeren Entfaltungsmöglichkeiten. Er hat viele Ideen und entwickelt eigene Konzepte. Er gründet den No Maganda-Club, eine ComedyClub-Reihe, die Fatih Çevikkollu ab 2005 regelmäßig in Köln, Aachen, Essen und Dorsten moderiert. Dort präsentiert er jeweils vier Newcomer aus der Comedy-Szene, und ich konnte dort viele Male sein Stand-Up-Comedytalent bewundern.

Parallel startete er Ende 2005 seine erste Solotournee mit «Fatihland», für das er den Prix Pantheon 2006 Jurypreis gewann. In der Laudatio der Jury heißt es: «Mit Fatih Çevikkollu zeichnet die Jury einen jungen Komiker aus, für den Integration Kabarettistensache ist. Er schafft mit Liebe und Selbstironie einen urkomischen Brückenschlag zwischen seinen beiden Kulturen: der deutschen und der türkischen. Seine Sicht der Dinge bringt die Zuschauer nicht nur zum Lachen, sie wirkt auch in deren Köpfen weit über den Abend hinaus.» Das Handelsblatt zeichnete Fatih Çevikkollu im April 2007 im Düsseldorfer Kom(m)ödchen mit dem Kabarettpreis «Sprungbrett 2007» aus, und lobte, wie «er den Wanderer zwischen deutschen Vorurteilen und türkischen Vorbehalten gibt». Er wäre zu wünschen, wenn sein Comedytalent und seine Ideen und Projekte noch mehr Menschen erreichen.

Faitih Çevikkollu möchte die Menschen zum Nachdenken anregen und ist gleichzeitig überzeugt: «Kunst muss in erster Linie unterhalten.» Ich freue mich, Ihn in Basel auf der Bühne wiederzusehen: Fatih Çevikkollu spielt am Dienstag, 15.02.2011, im Fauteuil in Basel, Karten unter Tel. 061 261 26 10.

Agieren statt lavieren

karen gerig am Sonntag den 13. Februar 2011

Die Mehrheit der Baselbieter möchte nicht mehr fürs Basler Theater zahlen, so das Resultat des Abstimmungssonntags. Schade. Man kann als Theatergänger oder als Basler nun lavieren und sich über die «Kulturbanausen» enervieren. Luft ablassen tut bekanntlich gut. Zentral jedoch ist jetzt die Frage: wie geht es nun weiter mit dem Theater? Laut Direktor Georges Delnon habe das Theater keinen Plan B, liess er vor der Abstimmung verlauten.

Doch man kann das Theater schlecht einfach schliessen. Das wird der Kanton Basel-Stadt nun verhindern müssen. Philippe Bischof, Leiter des Ressorts Kultur Basel-Stadt, sagte nach Bekanntwerden des Abstimmungsresultats zu Schlaglicht, die Politik kenne immer einen Plan B. Bezüglich des Basler Theaters muss sie das auch haben. Wie der Plan konkret aussieht, darauf müssen wir noch warten. Ob eine weitere Subventionserhöhung des Kantons Basel-Stadt, der jetzt schon als Geldgeber mehr als die Hauptlast trägt, die Lösung ist, ist fraglich.

Trotzdem steht fest: Das Abstimmungsresultat setzt ein sehr schlechtes Zeichen für die Partnerschaft der beiden Halbkantone. Die schwierige Aufgabe der Politik ist es nun, dieses zu neutralisieren. Schliesslich steht in verschiedenen Bereichen wichtige Zusammenarbeit an. Die mit dem neuen Finanzausgleich verknüpften Verhandlungen könnten den Kanton Baselland allerdings bald zu mehr Solidarität zwingen – auch im Bereich der Kultur.

Nicht nur Basler sind Trockennasenaffen – Esther Hasler im Teufelhof

chris faber am Freitag den 4. Februar 2011

Esther Haslers schnelle Pianofinger begleiten herrlich die virtuose Textakrobatik in Ihrem 2. Solostück «Laus den Affen!». Zur Zeit gastiert Sie mit der Basler Premiere Ihres Programms im Theater im Teufelhof.

Lausen gehört auch zum Zusammenhalt zwischen uns Menschen, wobei Sie Hintergründe bemerkt, die wir leicht übersehen, wie bei einer Putzperlenpersiflage und anderen Situationen, wunderbar gespielt durch Ihre Alias Frau Friedl und Gruschenka. Der Themenhorizont reicht vom Unfall vor dem Haus über Pimp my Bauer-Versuche bis hin zum russischen Grossfürsten Putin. Tabulos zieht Sie manche Laus aus unseren Pelzen, die uns bisher verborgen blieben. Dabei stösst die Stimme auch mal an Ihre Grenzen, was die Darbietungen keineswegs schmälert.

Esther Hasler ist noch am Fr 4. / Sa 5. Februar und Do 10. / Fr 11. / Sa 12 Februar 2011, jeweils um 20.30 Uhr im Theater im Teufelhof zu sehen.

Tanztage Basel 2011: Körper in Ekstase, Teil 1

chris faber am Mittwoch den 2. Februar 2011

Der Februar sollte uns langsam aus dem Winterschlaf erwecken, also kommen die Tanztage gerade richtig, um sich die Sinne verwöhnen zu lassen und den eigenen Körper in Schwung zu bringen.

Erstmals abgerundet mit ausgewählten internationalen Tanzproduktionen wird ein toller Überblick der aktuellen Richtungen im Schweizer Tanz präsentiert. Also ab in die Kaserne und ins Roxy, Workshops mit Schulklassen und Tanzinteressierten sowie Partys nach einigen Auftritten sorgen zusätzlich für eigene Bewegung.

Den Anfang macht heute Abend um 20 Uhr der brasilianische Choreograf  Guilherme Botero, der 15 Tänzer/Innen in der Kaserne durch Beziehungskisten und die menschliche Evolution wirbelt, wenn das kein grosser spannender Themenbogen ist. ALIAS wird diese Formation aus Genf genannt, international sehr gefragt und am noch Freitag um 20 Uhr sowie Morgen um 15 Uhr zu sehen.

Am Donnerstag um 20 Uhr ist dann im Theater Roxy Jérôme Bel mit «Cédric Andrieux» zu sehen. Ein Meister des zeitgenössischen Tanzes, der sich und sein Leben auf der Bühne vorstellt, mit Augenzwinkern und Tanzgeschichte prägend schon seit über 15 Jahren.

Bis zum 13.02.2011 sind über 15 besondere Aufführungen und Konzerte zu sehen, das gesamte Programm könnt Ihr Euch unter www.kaserne-basel.ch anschauen.

NACHSCHLAG von Bachmann & Bardelli im Nasobem

chris faber am Samstag den 29. Januar 2011

NACHSCHLAG heisst der Programmzyklus des Basler Kabarett-Duos Bachmann & Bardelli, der seit Donnerstag wieder an der Kellerbühne in der fast ausverkauften Buch- und Kaffeebar Nasobem zu sehen ist.

Raphael Bachmann, Schauspieler, Regisseur und Salzburger Stier – Preisträger sowie Patrick Bardelli, Schauspieler und Moderator, zeigen mit NACHSCHLAG Ihr drittes selbstgeschriebenes und inszeniertes Kabarett-Programm.

Schon seit November 2010 greifen sie amüsant hintergründig Themen wie die BAZ-Besitzverhältnisse, Social Media-Auswüchse, SVP-Parteiwerbung, Kachelmann-Prozess, Ausschaffungsintiative oder Integrationsbemühungen auf, um sie schlagartig und schlagfertig kurz zu beleuchten. Mit dem als Kunstgriff verwendeten Rückblick auf das Jahr 2011 schaffen sie ganz neue Perspektiven und Einsichten aufs Basler Tattoo, Waffeninitiative und die Bundesratswahl. Dabei finden sich viele kleine Perlen im Programm wie z.B. der Integrationsunterricht oder der Zollibesuch, selten leicht unfertige Texte, denen der letzte Biss fehlt.

Den Schlusspunkt setzt ein Text von Heinrich Heine mit überraschend aktuellen Worten, stimmgewaltig vorgetragen von Raphael Bachmann. Ein vergnüglicher Abend, der gleichzeitig Nachdenklichkeit angesichts der gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in der Schweiz hinterlässt.

Noch heute, Samstag 29. Januar, sowie 23. – 26. Februar, 23. – 26. März und 27. – 30. April 2011 im Nasobem in der Frobenstr. 2 im Gundeldingerquartier (Hinterausgang Bahnhof SBB). Tickets im Vorverkauf à Fr. 30.– unter www.nasobem.ch oder Tel. 061 271 22 23.

Das Theater mit dem Theater

karen gerig am Montag den 24. Januar 2011

Kaum einer, der sich im Vorfeld der Baselbieter Abstimmung zum Theaterreferendum nicht zu Wort meldet. Auch von uns wurde von mehreren Seiten eine Stellungnahme gefordert. Wir vom Schlaglicht sind uns einig, dass ein Ja zum Theater unabdingbar ist. Unsere persönlichen Gründe und Argumente dafür sind hingegen vielgestaltiger und erinnern an die Argumente der unzähligen Gastbeiträge und Wortmeldungen in verschiedenen Medien der letzten paar Wochen.

Nur etwas für die Basler und Baselbieter Elite? Das Theater Basel. (Foto Lucian Hunziker)

Die Gegner der Subventionserhöhung fürs Theater Basel nutzen vordergründig finanzielle Argumente: Baselland müsse sparen, da sei die Verpflichtung auf höhere Ausgaben hirnrissig. Basel könne vom «Goldesel Baselland» nicht mehr und mehr verlangen. Solle man doch die Eintrittspreise erhöhen. Die Befürworter halten mit anderen Zahlen dagegen: 44,5 Prozent der Abonnenten des Theaters kommen aus dem Baselbiet, mehr als aus Basel-Stadt (41,3 Prozent). Trotzdem bezahle Basel mit 37,1 Millionen Franken den Löwenanteil der Subventionen, Baselland würde nach der Erhöhung der Subventionen 8 Millionen bezahlen – ein deutliches Ungleichgewicht.

Diese auf Zahlen beruhenden Gedankengänge könnte man auf beiden Seiten weiterführen. Man könnte anmerken, dass viele Baselbieter ihren Lohn in Basel-Stadt abholen, ihre Steuern aber auf dem Land bezahlen. Dass nur ein kleiner Teil der Baselbieter tatsächlich ins Theater Basel pilgert. Dass, wenn die Eintrittspreise erhöht werden müssten, nur noch Gutverdiener die Vorstellungen besuchen könnten, das Theater dadurch Zuschauer verlieren würde und wiederum weniger Geld zur Verfügung hätte.

Doch sind Zahlen und Budgetfragen die richtigen Argumente? Oder soll man stattdessen das Ansehen des Theaters ins Felde führen, die Auszeichnungen, die es erhalten hat? Den Leistungsauftrag, den es erfüllen muss? Die Spitzenleistungen, die das Theater erbringt? Soll man ans Verantwortungsbewusstsein des Stimmvolkes appellieren? Ans Partnerschaftsverhältnis, das bekanntlich auch in anderen Belangen leidet? Darf das Hauptargument sein, dass das Theater Basel am Ende wäre, wenn die Subventionen nicht erhöht würden?

Hoffen gemeinsam: Theaterdirektor Georges Delnon (l.) und der Baselbieter Kulturdirektor Urs Wüthrich-Pelloli. (Foto Margrit Müller)

Es hat wohl jedes Argument, ob pro oder kontra, in dieser Diskussion seine Berechtigung. Grundsätzlich geht es bei der Abstimmung aber um Solidarität – ein Grundwert, der in unserer Gesellschaft stetig schwindet. Egal, ob es ums Gesundheitswesen, um die Altersvorsorge oder eben um Kulturfragen geht. Eine der zentralen Fragen heutzutage scheint zu sein: Warum soll ich für etwas bezahlen, wovon ich nicht profitiere? Mein Nachbar will ins Basler Theater? Soll er, doch dann soll ER dafür zahlen. Doch auch diese Argumentationslinie führt uns nicht viel weiter. Denn irgendwann gelangt man damit ad absurdum. Keiner kann nur für das bezahlen, was er selber nutzen will.

Urs Wüthrich, Baselbieter Kulturdirektor, sagt heute Montag in der BaZ: «Kultur ist nicht einfach nice to have. Kultur ist lebenswichtig. Ohne Kultur ist man heimatlos.» Das widerspiegelt nicht nur seine Meinung. Kultur ist daneben auch ein anerkannter Wirtschafts- und Standortfaktor. Kultur ist vielfältig, dazu gehört der Dorfverein genauso wie das Theater Basel. Doch ist auch dies wiederum eine subjektiv gefärbte Meinung.

«Nacht Schatten Gewächse» Chansonkabarett von Stefanie Kerker, Ralf Schuon Klavier

chris faber am Freitag den 7. Januar 2011

Stefanie KerkerWie wirken sich Träume auf unser Leben aus? Wie beeinflussen wir unser Schicksal? In Nacht Schatten Gewächse, der Basler Premiere von Stefanie Kerker, wird die Bäckerei um die Ecke zum geheimnisvollen Ort der Suche nach dem Traumpartner. Ob Sie Ihn findet und was hinter seinen krassblauen Augen stecken könnte, sollten sie live erleben. Kleine witzige wortspielige Szenen wechseln ab mit emotionalen Chansons, ob energievoll, melancholisch, lachend oder bissig böse.

In Ihren wortgewaltigen Texten sind Beziehungen keine Probefahrten, Freundschaften Minenfelder und Glücksfindung ein Mix der richtigen Lebens(mittel)zutaten.

Begleitet vom feinen Ralf Schuon am Klavier wird Ihre samtige Stimme zum Ohrenschmaus. Ein rundum gelungener Abend, der auf das nächste Frühlingserwachen hoffen lässt.

Stefanie Kerker ist noch am Fr 7. / Sa 8. und Do 13. / Fr. 14. / Sa 15. Januar 2011, jeweils um 20.30 Uhr, im Theater im Teufelhof zu sehen.

Mit dem Kind ins Theater: Freude oder Qual?

karen gerig am Montag den 27. Dezember 2010

Der berufliche Besuch einer Theatervorstellung für Kinder stürzt die Kulturjournalistin immer wieder mal in ein kleineres Dilemma. Grund dafür ist die Frage, nach welchen Kriterien man derlei Theaterstücke beurteilen soll – denn, sind wir ehrlich, mit den Vorstellungen, wie sie uns auf den grossen Bühnen der Welt geboten werden, haben Theaterstücke für Kinder meist wenig gemeinsam. Was also tun? Die Vorstellungen ganz ignorieren, wie es diverse Feuilletons und Kulturteile von Zeitungen inzwischen tun? Sie an grossen Vorbildern messen? Oder gar Kinder die Rezensionen verfassen lassen?

Kindertheater locken unbestreitbar die Massen. Tickets für Vorstellungen im Theater Arlecchino etwa oder im Fauteuil sind in Basel ein begehrtes Gut. Und der Applaus ist den Schauspielern immer sicher. Aber ist das ein Gütesiegel?

Heidi am Basler Schauspielhaus. (Foto Judith Schlosser, Theater Basel)

Im Moment wird der Unterschied zwischen grossen und kleinen Bühnen für den regelmässigen Kindertheaterbesucher besonders augenfällig. Das Schauspielhaus inszeniert diesen Winter Johanna Spyris «Heidi» als Familienstück – perfektes Bühnenbild, professionelle Schauspieler und echte Geisslein inklusive. Da können kleinere Häuser nicht mithalten. Oder?

Der bald sechsjährigen Tochter ist das ausgeklügelte Heidi-Bühnenbild egal. Soll sich der Holzberg doch zum Hüttendach wandeln. Sie will gleich am Anfang wissen, wann denn die Geisslein endlich kommen. Und warum die Tante Dete mitten im Publikum steht und nicht aufhört zu reden. Wann es denn endlich richtig losgehe. Und später vielleicht noch, ob der Schnee echt ist, der von der Decke fällt. Gefallen tuts ihr aber trotzdem.

Das Arlecchino zeigt über die Festtage den «Froschkönig». Mit klitzekleinem Budget. In einer einfachen, aber einfallsreichen Inszenierung, die manchmal mehr Klamauk ist als Theater, mag der Erwachsene vielleicht denken. Doch mit viel Liebe und Freude am Spiel aufgeführt, das wirkt ansteckend. Die Kinder auf ihren Holzbänken jauchzen und singen mit.

Der «Froschkönig», inszeniert vom Ensemble des Tamalan-Theaters, im Theater Arlecchino.

Ist das «Heidi» denn nun wertvoller als der Froschkönig? Oder als das «Tapfere Schneiderlein», das im Fauteil aktuell sein Unwesen treibt? Wichtig ist doch, dass unsere Kinder ins Theater gehen. Das Arlecchino wurde für sein Engagement für die Kleinen deshalb auch schon mit dem Schappo-Preis ausgezeichnet. Zurecht. Denn vergessen wir nicht: Wer dort auf, hinter und neben der Bühne steht, tut das, ohne eine Gage zu erhalten. Nur die leuchtenden Kinderaugen vor der Bühne winken als Lohn.

Im Praxistest zeigt sich zudem, dass das Theater Basel von den kleinen Theatern noch lernen kann. Das «Heidi» nämlich dauert stolze 110 Minuten. Am Stück, ohne Pause, von 3 Uhr nachmittags bis 10 vor 5. Um vier fängt der Bauch des Jungen links an zu knurren. Und alle drei Minuten frägt er danach seinen Vater, wann denn nun endlich Pause sei und er sein Zvieri essen könne. Auch das Mädchen rechts ist plötzlich überfordert und muss draussen beruhigt werden.

Es scheint, als müssten die theatererprobten Erwachsenen im Kindertheater ihre Ansprüche etwas zurückschrauben. Das sollte man gerne tun. Spass haben kann man überall. Und die Kulturjournalistin sollte weiter ein Auge zudrücken, wenns etwa um die Qualität der schauspielerischen Leistungen geht. Und auf die Tochter hören, die regelmässig sagt: «Super wars!». Und sich beim Rausgehen schon aufs nächste Mal freut.

Der «Froschkönig» im Arlecchino läuft noch bis 31.12. täglich um 14.30 Uhr, zusätzlich vom 29. bis 31.12. um 11 Uhr.
«Heidi» läuft im Schauspielhaus noch am 30.12. um 17.45 Uhr, am 2.1. um 15 Uhr, am 16.1. um 16 Uhr und am 17.1. um 11 Uhr.

stahlbergerheuss «Im Schilf»

chris faber am Freitag den 26. November 2010

Die wahnwitzigen Maschinen von Erfinder Stefan Heuss spielen den 2 Künstlern im Teufelhof wahrlich in die Hände. Verkehrskegel-Megafon, Flamenco-Gitarren-Nähmaschine, Kokosnusstrommel, Pingpongkanone oder die Sparversion des Dudelsacks: Presskanister mit Flötenansatz umspielen die heftigst heimtückischen Liedtexte wie eine Filmmusik und gehen in Richtung Kunstperformance. Die Texte, charmant stoisch von Stahlberger und liebevoll enthusiastisch von Heuss vorgetragen, nutzen Situationen wie Schneeschuhlaufen, Zahnarzt, Saunagang oder auch mal den Weltuntergang, um skurrile, aber sehr wahrhaftig witzige nachdenkliche Ansichten zu verbreiten. Heuss funktioniert alltägliche Dinge so gekonnt genial zu Musikmaschinen um, das sie auch dem Museum Tinguely gut stehen würden. Wie Heuss spielt Mäder-Kultcomics-Autor Manuel Stahlberger seine Instrumente mit einer wunderbaren Lässigkeit, während Kompressor und Verschwindwurst die Bühne bereichern.

Diese unvergleichliche Kombination führte stahlbergerheuss gradewegs zum Gewinn des Kabarettpreises «Salzburger Stier» 2009 und begeisterte auch gestern Abend das zugabenwillige Publikum.

Das Duo ist noch am Fr 26. / Sa 27. November und Do 2. / Fr 3. / Sa 4. Dezember 2010, jeweils um 20.30 Uhr im Theater im Teufelhof zu sehen. Nicht verpassen!