Archiv für die Kategorie ‘Releases’

«Ich möchte gehört werden»

Luca Bruno am Donnerstag den 17. Februar 2011

Musikjournalisten machen es sich sehr gerne sehr einfach. So wird neuerdings beispielsweise jede aufstrebende junge Künstlerin mit Akustikgitarre ohne genauer hin zu hören kurzerhand dem Musikstil «Sophie Hunger» zugeordnet. Dabei steht eigentlich ausser Frage, dass auch das Genre «Singer/Songwriter» in so vielen Facetten daherkommt, dass man es eigentlich nicht auf eine einzige Referenz reduzieren sollte.

Diesen Samstag (19. Februar) wird uns Lena Fennell ihre Interpretation des Genres «Singer/Songwriter» darbieten. An diesem Abend wird die 26-Jährige nämlich im Parterre ihr Debütalbum «Nauticus» taufen, welches vor knapp einer Woche erschienen ist. Grund genug also, kurz vor der bevorstehenden Plattentaufe mit ihr über ihr Album, ihre Ambitionen und Sophie Hunger-Vergleiche zu reden.

Stört dich die Tatsache, dass jede aufstrebende Schweizer Singer/Songwriterin sofort mit Sophie Hunger verglichen wird?
Lena Fennell:
Sophie Hunger ist eine tolle Musikerin und mir persönlich gefällt ihre Musik ausgezeichnet. Der Vergleich stört mich also keinesfalls, ich empfinde ihn eigentlich sogar als Kompliment. Die mediale Aufmerksamkeit, die Sophie Hunger momentan erhält, öffnet auch Türen für andere Songwriterinnen, also kann mir der Vergleich eigentlich nur recht sein.
Wer allerdings dazu bereit ist, genauer hinzuhören, wird merken, dass nicht jede junge Schweizer Singer/Songwriterin mit Akustikgitarre auch automatisch die gleiche Musik macht. Wer sich «Nauticus» anhört, wird schnell feststellen, dass Sophie Hunger und ich zwei komplett verschiedene Musikerinnen sind.

Seit 2007 spielst du Konzerte, dein Debütalbum erscheint aber erst jetzt. Warum hast du so lange mit der Veröffentlichung eines Albums gewartet?
Ich habe während den letzten Jahren mit vielen verschiedenen Personen und Formationen zusammengearbeitet und zahlreiche Demos aufgenommen. Der richtige Zeitpunkt, meine Songs auf einer Platte festzuhalten, ist allerdings erst jetzt gekommen. Für mich war es immer wichtig, für meine Aufnahmen eine Band zu finden, auf die ich mich jederzeit verlassen kann und mit welcher «es» einfach stimmt. Mit Antoine Kauffmann (Schlagzeug) und Pascal Ujak (Bass) habe ich nun zwei Mitmusiker, mit denen die Zusammenarbeit hervorragend klappt.
«Nauticus» sind die ersten Aufnahmen von mir, die ich mir auch nach dem Aufnahmeprozess sehr gerne anhöre und dabei nie das Gefühl habe, dass sie bereits wieder veraltet sind.

Was versprichst du dir vom Release deines Debütalbums?
Ich möchte gehört werden. Wer auch immer behauptet, es sei ihm egal, ob seine Musik gehört wird oder nicht, ist nicht ehrlich. Ich wünsche mir jedoch nicht nur, dass sich möglichst viele Leute mein Album anhören werden, sondern dass sie zu meinen Konzerten kommen werden. Konzerte geben ist schliesslich trotz Veröffentlichung meines Albums noch immer mein Kerngeschäft. Es gibt nichts Schöneres, als die Atmosphäre in einem Club zu spüren und mit eigenen Augen zu sehen, was die eigene Musik bei anderen auslöst.
Ausserdem hoffe ich, dass sich mit dem Release von «Nauticus» der Radius meiner Livekonzerte vergrössern wird. Ich würde gerne in der Romandie spielen, und selbstverständlich bin ich auch dem Ausland nicht abgeneigt.

Während die eine Hälfte von «Nauticus» ganz traditionell in einem Studio aufgenommen wurde, hast du die andere Hälfte bei dir zu Hause oder am Rhein aufgenommen. Was hat der Rhein, welcher auch Inspiration für den Titel deines Debütalbums war, für eine Bedeutung für dich?
Der Rhein ist ein Ort, an welchem ich mich früher wie heute oft aufgehalten habe und mich jederzeit erholen konnte. Mir war es wichtig, dass genau diese Stimmung, das Gefühl von Gelassenheit und Harmonie, ebenfalls auf dem Album repräsentiert wird.

Und inwiefern ist die Musik von anderen Künstlern eine Inspiration für dich?
Ich habe zwar einen ziemlich breiten Musikgeschmack, bin allerdings nicht eine Person, die einzelne Elemente oder Sounds bewusst in die eigene Musik einbaut. Ich denke, dass mich die Musik von anderen Künstlern oder Künstlerinnen eher auf emotionaler und unbewusster Ebene inspiriert. Ein Beispiel, das mir spontan einfällt, das mich bewusst inspiriert hat, ist das Fingerpicking des britischen Künstlers Fink.

Dein Album wird diesen Samstag im Parterre getauft. Hast du etwas Besonderes geplant?
Ja! Meine Kernformation wird von zwei zusätzlichen Musikern und einer Gastsängerin unterstützt. Unter anderem wird Jan Krattiger, ehemaliger Gitarrist von Mañana, seinen Teil zu diesem Abend beisteuern. Ausserdem werde ich zum ersten Mal ein Cover spielen, welches vielen Baslerinnen und Baslern bekannt vorkommen wird. Als besonderes Extra wird es eine limitierte, mit Goldstift nummerierte Edition des Albums zu kaufen geben, so dass sich alle Besucherinnen und Besucher eines der ersten hundert Exemplare meines Albums sichern können.

Lena Fennell: Diesen Samstagabend (19. Februar) live im Parterre. Türöffnung: 20:00, Beginn: 20:30.

Brachial und dreckig – Zu Besuch bei Navel

Joel Gernet am Mittwoch den 9. Februar 2011


Seit dem 4. Februar ist das neue Navel-Album im Umlauf. Diesen Freitag wird «Neo Noir» in der Kaserne Basel getauft. Bei den Kritikern kommt der Zweitling der Basler Rockband mit Wurzeln in Erschwil (SO) bisher sehr gut an: «Ein Koloss mit blutunterlaufenen Augen, dem man vom ersten Ton an eine Liebeserklärung machen will», schreibt etwa die Thurgauer Zeitung. Solche Kritiken freuen natürlich auch Navel-Drummer Steve Valentin, der sich durch das positive Feedback in seinem Gefühl bestätigt sieht (siehe Video): «Das neue Album ist besser, als der Vorgänger Frozen Souls.» Weniger vertrackt sei es, dafür düsterer, brachialer und dreckiger vom Sound her – «einfach Rock halt».

Nicht immer stand es so positiv um den neuen Tonträger des Trios um Frontmann Jari Altermatt: Vor rund einem Jahr musste Navel einen herben Rückschlag hinnehmen – das Berliner Label der Band ging pleite und man sass auf einer vollendeten CD, die nicht veröffentlicht werden konnte. Da nützten auch der wenige Wochen zuvor erhaltene erste Basler Pop-Preis und die damit verbundenen 15’000 Franken wenig. «Zuerst wussten wir gar nicht, wie´s weitergeht», erinnert sich Steve Valentin. Vom ursprünglichen Album seien rund 40 Prozent der Musik geblieben, der Rest entstand in den letzten Monaten.

Nun – noch bevor das neuste Baby getauft ist – denkt Navel bereits über eine neue CD nach. «Unser Ziel ist, dass wir keine drei Jahre mehr brauchen bis zur nächsten Platte», erklärt Valentin. Vorerst aber will er mit Navel so viele Konzerte wie möglich spielen – auch, damit genügend Geld reinkommt und man neben der Musik keinem Job mehr nachgehen muss. «Denn das macht viel kaputt im kreativen Prozess – ich kann nicht gleichzeitig arbeiten und Musik machen.» Ist sein Ziel, von der Musik zu leben, denn greifbar? «Jaja, für mich immer, irgendwie», grummelt Valentin, «ich bin ein ziemlich naiver Mensch».

In Deutschland war Navel bereits eine Woche mit «Neo Noir» unterwegs. Dass nach der Plattentaufe vom 11. Februar weitere Konzerte im Ausland – und am besten natürlich der internationale Durchbruch – folgen, darauf hofft die Band. Immerhin war sie 2007 bereits als Vorgruppe der Queens Of The Stone Age unterwegs und 2009 spielte das Trio am renommierten «South by Southwest»-Festival in Austin und in New York.

Eine ausführliche CD-Kritik zur Navels «Neo Noir» gibt es in der BaZ von Donnerstag.

Amici del Rap – Vom Sofa in den Club

Joel Gernet am Freitag den 3. Dezember 2010

Ein Sofaheld sitzt vor dem Fernseher und kann alles besser. Den verschossenen Penalty hätte er höchstpersönlich eiskalt versenkt; die Quizfrage hätte er ohne Zusatzjoker beantwortet und die jämmerliche Darbietung dieses billigen Casting-Sternchens hätte er sowieso mit links überboten. Amici del Rap (ADL) sind Sofahelden. Deshalb heisst auch das neuste Album der Rapband aus Liestal so. «Im Rap geht es ja meistens darum, der grösste Held zu sein – und wir sind halt Sofahelden», erklärt Rapper Mirco Melone. «Der Albumtitel ist Selbst- und Gesellschaftskritik zugleich», ergänzt Dicher, der zweite Rapper der Crew.

In einer Zeit, in der es überall darum geht, der Beste und Grösste zu sein, geben Amici del Rap also Gegensteuer. Auf «Sofahelde» – draussen seit dem 5. November – wird kein aufgesetztes Winnerlächeln präsentiert, viel eher wird entwaffnend gegrinst. Neben nachdenklichen und kritischen Passagen (etwa auf «Schtill» oder «Kei Bock») ist es vor allem diese unverkrampfte Ehrlichkeit, welche die Crew aus Lietsch-City auszeichnet. Etwa bei der «Chalberei» mit den Kollegen und Wegbereitern der TAFS. Das Gastspiel passt perfekt, sind doch Amici del Rap drauf und dran, sich als zweite Liestaler Rapband hinter der TAF-Squad einen hervorragenden, überregionalen Ruf zu erarbeiten.

Beeindruckend auch der Kontrast auf dem Song «California», dessen Strophen nachdenklich-depressiv daherkommen, gefolgt von fast schon kitschigem kalifornischen Sonnenschein im Refrain. Solche Gegensätz finden sich selten in einem einzigen Song – zumindest im Schweizer Rap.

Im Gegensatz zum Debut-Album «Euses Ding» (2006) sind ADL nun mit kompletter Band im Rücken unterwegs – ein Gewinn, nicht nur bei den Live-Konzerten. Im November haben Amici del Rap noch als Vorgruppe der TAFS die Kuppel aufgeheizt. Nun sind die Freunde des Rap selber am Zug – am Samstag, 4. Dezember, wird im Modus Liestal das neue Album getauft. Selbstverständlich wird dann auch das rosarote Sofa aus dem Sofahelden-Videoclip auf der Bühne zugegen sein.

  • CD: Amici del Rap, Sofahelde, VÖ 05.11.2010
  • Plattentaufe: Modus, Liestal, mit Black Tiger, Blazup Tunes, Vinyl Bros, uvm… Doors, 21:00 Uhr, Abendkasse: CHF.20.-
  • Wir verlosen 2 Sofahelde-CDs: Wer gewinnen will, schreibt uns ein Mail, in dem beantwortet wird, ob der ADL-Rapper a) Mirco Mamba b) Mirco Melone oder c) Mirco Microphon heisst. Viel Glück.