Archiv für die Kategorie ‘Konzert’

Die BScene im 360-Grad-Winkel

Luca Bruno am Dienstag den 5. April 2011

Würde man zehn verschiedene Personen fragen, wieso sie gerne Konzerte besuchen, dann würde man auch zehn verschiedene Antworten erhalten. Für die einen ist es wichtig, dass sie Künstlern dabei zusehen können, wie diese ihre Studioaufnahmen möglichst detailgetreu wiedergeben, andere erwarten Improvisation, und wiederum andere möchten an Konzerten einfach nur die eigenen Emotionen mit Freunden und dem restlichen Publikum teilen. Das BScene-Programm der Voltahalle vom Samstagabend liess alle auf ihre Kosten kommen.

We Are Drums!

We Are Drums! (Foto: Sandro Simon)

Auch Dekaden nach ihrer Entstehung bleibt die elektronische Livemusik noch immer ein Sorgenkind der Konzertwelt. Mikrofonständer lassen sich herumwerfen, und mit Gitarren kann man sich ziemlich schnell in eine coole Pose werfen. Jemandem dabei zuzusehen, wie er sich hinter einem Laptop versteckt und dabei still Knöpfchen drückt, kann allerdings schnell langweilig werden. In der Voltahalle ist an diesem Abend durch den besonderen Bühnenaufbau zumindest dafür gesorgt, dass sich heute niemand hinter irgendwelchen Geräten verstecken kann. Aufgrund der Performance von We Are Drums wurde die Bühne in der Mitte des Raumes aufgebaut, womit Künstler von allen Seiten beobachtet werden können und erst recht gefordert sind, das Knöpfchen drücken irgendwie spannend aussehen zu lassen.

laFayette, ein Duo bestehend aus Jascha Dormann und Simon Hauswirth, scheitern an dieser Aufgabe. Interaktion mit dem Publikum findet während ihres Auftritts keine statt, und immer wieder muss man sich fragen, ob sich die beiden nicht gerade viel lieber in den eigenen vier Studiowänden aufhalten würden. Das ist deswegen besonders schade, weil laFayette in ebendiesen Wänden Musik produzieren, die grosse Beachtung verdient.

Dormann und Hauswirth lassen die Bässe wummern und beweisen immer wieder, dass sie auch von Experimenten abseits konventioneller elektronischer Popmusik nicht abgeneigt sind. So spielen sie in der Mitte des Sets einen Song mit gesampelten Steel drums, der sich als eindeutiges Highlight ihres Auftritts auszeichnet. Nach ihrem BScene-Konzert werden sich die beiden nun mit der Produktion ihres Debütalbums beschäftigen, und man kann nur hoffen, dass sie dabei in erster Linie das Spektrum ihrer instrumentalen Seite weiter vertiefen werden. Der einzige Song mit Vocals, den die beiden an diesem Abend spielen – beigesteuert übrigens von Lena Fennell – ist es nämlich, welcher deutlich vom Rest ihres Sets abfällt. Ausserdem mangelt es Basel ja sowieso noch immer an poporientierten Instrumentalproduzenten.

Dan Deacon hingegen verdient für seine Leistung im Fach «Publikumsinteraktion» Bestnoten. Wie versprochen hat er sein Performance-Pult inmitten des Publikums aufgebaut, und es ist beeindruckend anzusehen, wie er das Publikum innert weniger Minuten zum Toben bringt. Er tut dies unter anderem mit spontan organisierten Dance Contests und Gruppenumarmungen in der Mitte des Saales.

Dort wo sich laFayette kurz vor ihm auszeichneten, liegen jedoch Deacons Schwächen. Musikalisch gesehen bleibt sein Auftritt nämlich äusserst durchschnittlich, da im ganzen Trubel vor allem der Song- und Setaufbau viel zu oft auf der Strecke bleibt. Trotzdem: Liveshows sollten ab und zu auch einfach nur Spass machen, und der passende Act für den nächsten Kindergeburtstag wäre hiermit auch gefunden.

Doch auch wenn Dan Deacon der letzte Liveact des Abends ist und die BScene von sich behauptet, keine Unterscheidung zwischen Headliner und Vorband zu machen, ist es trotzdem eindeutig, wer die wahren Stars des Abends sind: We Are Drums.

We Are noch immer Drums

We Are noch immer Drums (Foto: Sandro Simon)

Hinter diesem Namen stehen acht Basler Drummer (Michel Anklin, David Burger, Marco Wolfgang Faseth, Flavio Gortana, Florian Haas, Georg Müller, Stefan Schneider und Fabian Trümpy) aus sieben verschiedenen Bands, die sich für die diesjährige Ausgabe der BScene für eine einmalige Performance vereinigt haben. Vier Drumkits und vier Drumpads stehen bereit, als die in weissen Overalls gekleideten Künstler kurz nach Mitternacht die Bühne betreten.

Das Motto des Voltahallen-Abends lautet «Electro». Die acht Protagonisten beschränken sich dementsprechend in der ersten Hälfte ihrer Performance darauf, aus ihren Instrumenten möglichst viele tanzbare Rhythmen zu holen. Es findet nur wenig Laut/Leise-Spiel statt und die Samplearbeit der Drumpad-Gruppe gestaltet sich als zu repetitiv. Die Lehrstunde in Synchrondrumming, welche die Gruppe an den richtigen Drumkits dem Publikum heute erteilt, bleibt dennoch äusserst beeindruckend. In der zweiten Hälfte weichen die Drummer dann vollständig auf Improvisation aus und finden den Groove immer mehr. Unter dem besonderen Antrieb von Fabian Trümpy werden nun «Call and response»-Einlagen eingebaut, die Drummer werden lockerer und das Dargebotene wird von Minute zu Minute lebendiger. Das Experiment We Are Drums gipfelt nach einer halben Stunde in einer spontanen Zugabe und trotzdem bleibt die Lust nach noch mehr.

Dass es in naher Zukunft eine Wiederholung des exakt gleichen Projektes geben wird, ist zu diesem Zeitpunkt höchst unwahrscheinlich. Es ist der Basler Musikszene jedoch nur zu wünschen, dass das Experiment «We Are Drums» als Dominostein für weitere Projekte dieser Art wirken wird. Schliesslich soll die BScene nicht nur Nabelschau der vielseitigen Musikszene dieser Stadt sein, sondern auch daran erinnern, dass sich die Mitglieder dieser Szene musikalisch so oft wie möglich gegenseitig befruchten und voneinander profitieren sollten.

Die BScene im Zeichen der Gitarren

Luca Bruno am Montag den 4. April 2011

15 Jahre hat die BScene mittlerweile auf dem Buckel und scheut sich trotzdem nicht davor, Jahr für Jahr weiterzuwachsen. Und damit sind nicht nur die 500 zusätzlichen Zuschauer gemeint, welche der diesjährigen Ausgabe zu einem erneuten Besucherrekord von gesamthaft 8500 Eintritten verholfen haben, oder die indessen 15 Bühnen, welche die über 50 Künstler und Bands dieses Jahr beherbergten, sondern viel eher die blosse Präsenz, welche die BScene mittlerweile in den Köpfen Basler Musikinteressierten und Bands einnimmt. Die BScene ist längst mehr als ein blosses Schaulaufen der gerade angesagtesten Basler Bands und Projekte wie die diesjährige Schlagzeug-Extravaganza «We Are Drums» werden hoffentlich dafür sorgen, dass das Clubfestival in den folgenden Jahren noch mehr Austauschforum für lokale Bands werden wird.

Sei es Hip Hop, Reggae oder Folk-Rock: Seit Jahren kommt an der BScene kaum ein Musikstil zu kurz. Blickt man auf das Lineup und das Logo der diesjährigen Ausgabe, so ist es allerdings noch immer der Gitarrenrock, der an der BScene am meisten vertreten ist. In der ersten Hälfte unserer Reviews beschränken wir uns daher auf ausgewählte Auftritte von Gitarrenbands, bevor wir dann morgen noch auf die elektronische und perkussive Seite der BScene eingehen werden.

My Heart Belongs To Cecilia Winter (Freitag 21:30, Kaserne – Reithalle)

Thom Luz (oder etwa doch ein Patrick Wolf-Double?) Foto: Dirk Wetzel

Festivalbesucher verfügen gerne über eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne als normale Konzertgänger. Thom Luz, Sänger und Songwriter von My Heart Belongs To Cecilia Winter, scheint darüber Bescheid zu wissen und trifft daher die weise Entscheidung, die wunderbare Ballade «I Made You A Tape», welche er normalerweise alleine und gegen Ende der Sets der Band darbietet, für einmal zu Beginn eines Konzertes zu spielen. Ein äusserst stimmungsvoller und gelungener Beginn eines Auftritts, der – zumindest am Anfang – allerdings noch vor zu wenig Publikum stattfinden muss. Es ist anzunehmen, dass einige Besucher die Wartezeit an den Bändchenaustausch-Stellen unterschätzt haben.

In Reviews zu ihrem 2010 erschienenen Debütalbum «Our Love Will Cut Through Everything» musste das Trio des Öfteren den Vergleich mit der Band Arcade Fire über sich ergehen lassen. Eine Referenz, die nicht nur unfair, sondern auch einfach falsch ist. Zwar schreiben auch My Heart Belongs To Cecilia Winter gerne euphorische Hymnen, ihr Noise Pop Musik erinnert aber mehr an Bands wie die Raveonettes. Und beim Trio aus Zürich ist es auch heute wieder einmal das stimmliche Zusammenspiel der Vocals von Luz und Bassistin Betty Fischer, welches die meisten Höhepunkte setzt.

Noch verfügen My Heart Belongs To Cecilia Winter aber nicht über genügend Material, um ein Publikum über die volle Distanz bei Laune zu halten. Nach den ziemlich grossartigen «Eighteen» und «Guide Me To The Starts», die in der ersten Hälfte gespielt werden, funktioniert die Gratwanderung zwischen geradlinigen Popsongs und experimentelleren Tracks mit Autoharp nicht mehr. Oder vielleicht war die Aufmerksamkeitsspanne doch einfach zu kurz.

Sheila She Loves You (Freitag 22:50, Kaserne – Reithalle)

Sheila She Loves You (Foto: Dirk Wetzel)

Sheila She Loves You (Foto: Dirk Wetzel)

Während des Überhits «Don’t Give Us Poets, Give Us Bread» kann sich in der Reithalle zwar kein Fuss länger als eine Sekunde auf dem Boden halten, Sheila She Loves You zeigen sich davon allerdings unbeeindruckt. Popsongs? Been there, done that! Anstatt die mittlerweile bis auf den letzten Quadratzentimeter vollgestopfte Reithalle mit den bereits bekannten Hits zu beliefern, zeigt uns die Band an diesem Abend in erster Linie, wie fest der bandeigene Kosmos seit dem Release ihres Debütalbums «Esztergom» gewachsen ist. So ist bereits der Opener des Konzerts, eine Hommage an den Soundtrack zu «The Lord Of The Rings», die ziemlich schnell in eine brachiale Rockoper ausartet, ein guter Indikator dafür, wie sehr man sich in den letzten zwölf Monaten musikalisch weiterentwickelt hat.

Doch nur weil die an diesem Abend dargebotenen neuen Songs eine vielschichtigere und komplexere Seite der Band zeigen, heisst das noch lange nicht, dass man das Ohr für gute Melodien verloren hat. Nimmt man die neuen Songs als Gradmesser, dann wird das hoffentlich bald erscheinende Nachfolgewerk das Publikum vielleicht nicht mehr so fest zum Tanzen bringen wie die Ohrwürmer der ersten Platte, dafür aber ein umso stärkeres Songwriting repräsentieren. Wir halten die Ohren offen und sind gespannt.

4th Time Around (Freitag 23:59, Kaserne – Rossstall)

«Ladies & Gangsters» heisst das soeben erschienene neue Album von 4th Time Around. Ausser einer Lady, welche die Band an diesem Abend mit einem Cello unterstützt, fehlt von den Gangstern allerdings jede Spur. Viel mehr sind es waschechte Gentlemen, welche da den souveränsten Auftritt der Freitagsbands hinlegen. 4th Time Around schlagen zwar ruhigere Töne als die an gleicher Stelle vor ihnen aufgetretenen 77 Bombay Street und Kapoolas an, halten das Publikum aber dennoch mit Leichtigkeit bei Laune.

4th Time Around (Foto: Dirk Wetzel)

4 Gentlemen Around (Foto: Dirk Wetzel)

Besonders Tobias Hügin, der sich auch heute wieder die Leadvocals mit Marc Givel teilt, hat sich seit dem Release von «A Morning Prayer» (2007) zu einem äussert souveränen Sänger entwickelt, dessen hervorragende stimmliche Präsenz angenehm an John Darnielle erinnert. Es ist jedoch die ganze Band, die an diesem Band einen sehr positiven und vor allem spielfreudigen Eindruck hinterlässt. Die Songs des neuen Albums sind eine willkommene Ergänzung zum bereits bekannten Material, zeigen eine um einiges abwechslungsreichere Seite der Band und bei «Lost», welches die Band in der Mitte des Sets spielt, sind für einmal sogar Tom Waits-Vergleiche völlig gerechtfertigt.

Reding Street (Samstag 21:30, Volkshaus – Grosser Saal)

Machen unzählige Gitarrensoli, unerwartete Breaks und überraschende Tempowechsel einen Song wirklich besser? Das ellenlange Lied über die Frage, ob die technische Versiertheit ihrer Mitglieder einer Band dabei hilft, bessere Songs zu schreiben, erhält mit dem Auftritt von Reding Street jedenfalls eine weitere Strophe.

Selbstverständlich ist es auf eine Art beeindruckend, wie sich Reding Street technisch einwandfrei und mit nötiger Durchschlagskraft durch ihr Programm wälzen, ihre Version von New Prog bleibt aber dennoch viel zu durchschaubar. Zum einen ist es bereits nach dem zweiten Song eindeutig, dass sich die Band zu fest an ihren Vorbildern Muse orientiert, zum anderen verkommt der rund 45-minütige Auftritt viel zu oft zu einem Showcase für die Fingerfertigkeiten der einzelnen Mitglieder.

Das Quartett wird in Zukunft weiterhin Bandcontests gewinnen und bedenkt man, dass Muse mit Regelmässigkeit auf Platz 1 der Schweizer Hitparade landen, so sieht die Zukunft von Reding Street eigentlich ziemlich rosig aus.

Fotos vom BScene-Freitag im Volkshaus

Joel Gernet am Samstag den 2. April 2011

Kurz nach Mitternacht ist das Trottoir vor dem Volkshaus dicht bevölkert – offensichtlich hat das Traumwetter die Massen nicht davon abgehalten, an die BScene-Konzerte in der Rebgasse zu pilgern. Zumindest hier. Oder liegts am Programm? Mit Schwellheim und Famara stehen nämlich mindestens zwei Acts mit hervorragendem Live-Ruf auf. Letztgenannter hat im Grossen Saal soeben die Bühne betreten, im Rücken seine vierköpfige Band. In der folgenden Bildstrecke gibts ein paar Eindrücke von der zweiten Hälfte des Konzertabends.

Elektroniktüfteleien und We Are Drums an der BScene

Luca Bruno am Freitag den 1. April 2011

Heute Abend beginnt die 15. Ausgabe der BScene. Gestern haben wir vierzehn teilnehmenden Künstlern das Wort überlassen, heute möchten wir selbst noch einen Blick auf das Samstagsprogramm in der Voltahalle werfen.

Selbstverständlich ist die BScene in erster Linie das Schaufenster der Basler Musikszene, allerdings ist es auch seit Jahren Tradition, mindestens eine internationale Band einzuladen. Während diese Gäste in der Vergangenheit jedoch von leicht durchschnittlicher Natur waren (Infadels, Dúné u.a.), konnte man für die diesjährige Ausgabe keinen geringeren als Dan Deacon verpflichten. Seit einigen Jahren begeistert er uns mit seinem ADHD-Elektropop und auch seine Liveshows geniessen einen hervorragenden Ruf.

Nach Jahren im Untergrund wurde die Musikwelt dank «Spiderman Of The Rings», Deacons’ drittes Album, im Jahr 2007 auf den heute 29-jährigen Künstler aus Baltimore aufmerksam. Auf diesem Album zelebrierte Deacon den neonfarbenen Overkill, der sogar den hartgesottensten Chiptune-Anhänger neidisch werden liess. Und für sein nächstes und bislang letztes Album «Bromst», welches 2009 erschien, erhöhte er den Einsatz sogar noch: Anstatt seine Musik weiterhin mit seinen zahlreichen elektronischen Geräten – einsetzbar ist alles, was irgendwie Töne von sich gibt – zu machen, begann er nun auch richtige Instrumente zu verwenden. Da seine Ideen allerdings zu schnell für menschliche Hände waren, musste er sich Pianolas anschaffen und sie zuerst umbauen, damit diese mit seinen Kompositionen fertig werden.

Und so hyperaktiv seine Alben sind, seine Liveauftritte sind oftmals noch um einiges verrückter. Gerne performt er inmitten der Zuschauer oder animiert das Publikum zu Gymnastikübungen. Und alle, die besorgt darüber sind, dass ein ausländischer Künstler den einheimischen Bands vor der Sonne stehen wird, können wir beruhigen: Wenn Dan Deacon um 1:30 morgens loslegen wird, sind in allen anderen Locations nur noch DJs am Start.

Es ist allerdings nicht nur der Auftritt von Dan Deacon, für den sich der Besuch in der Voltahalle lohnt. Vor seinen wahnwitzigen Tüfteleien geben sich unter dem Projektnamen We Are Drums acht Drummer aus verschiedenen Basler Bands die Ehre, ihre eigens für diesen Auftritt geschaffenen Kompositionen vorzutragen. Um Punkt Mitternacht werden Mitglieder von Bands wie Cloudride, Kapoolas, Laser, Slag In Cullet, We Invented Paris und We Loyal ein Feuerwerk aus Drumpatterns und Samples zünden. Der Beschreibung nach klingt das nach der Basler Ausgabe des legendären «77 Boadrum»-Projekt der Boredoms und darf dementsprechend auf keinen Fall verpasst werden.

Und zum Schluss nochmals unsere BScene-Vorschau, in der ausgewählte Bands schreiben, warum man ihr Konzert nicht verpassen sollte…

Basel zum 15. Mal im Bann der BScene

Luca Bruno am Donnerstag den 31. März 2011

Dieses Wochenende findet die 15. Ausgabe des Basler Clubfestivals BScene statt. Für Musikfans heisst das: Innerhalb weniger Minuten quer durch die ganze Stadt hetzen, nur um dann schlussendlich doch vor verschlossenen Türen zu stehen, da der Club bereits zu voll ist. Oder es gibt Zerwürfnisse in der Gruppe, da man sich wieder einmal nicht darüber einig ist, wo es als nächstes hingehen soll. Auch die ständige innerliche Unzufriedenheit, weil es eben doch ein Fehler war, auf das Konzert dieser einen bestimmten Band zu verzichten, werden wohl viele Basler Musikliebhaber kennen.

«BScene», das heisst allerdings auch: Live mit dabei sein, wenn eine Band vor 500 anstatt 50 Zuschauern auftreten kann und dabei total aufgeht, um dann gleich anschliessend auf dem Weg zur nächsten Location wildfremden Personen, bei denen man ebenfalls ein Festivalbändchen erblickt hat, vorzuschwärmen, was für eine phänomenale Band man soeben entdeckt hat. Und spätestens dann, wenn man am frühen Sonntagmorgen beim Verlassen der Voltahalle an die besten Konzertmomente des Wochenendes zurückdenkt, weiss man, dass sich der Stress jedes Jahr wieder auf’s Neue lohnt.

An den beiden Abenden werden über 50 Bands und Solokünstler auftreten. Die Auswahl ist also wie jedes Jahr riesig und aus diesem Grund haben wir einige Künstler gebeten, uns in eigenen Worten zu sagen, warum man sich ihren Auftritt auf keinen Fall entgehen lassen darf. Wer seine Route für’s Wochenende noch nicht fertig durchgeplant hat, klickt sich durch die Galerie:

2010 pilgerten über 8000 Gäste in die Clubs und blickt man auf die Entwicklung der Besucherzahlen in den letzten Jahren, darf auch dieses Jahr wieder mit einem neuen Besucherrekord gerechnet werden. Passend zum 15-jährigen Jubiläum findet die BScene dieses Jahr übrigens auf 15 Bühnen in 12 Häusern statt, mit dabei auch BScene-Neulinge wie das Goldene Fass oder die Jägerhalle. Und Punkto «Weitläufigkeit» kommt die BScene ihren Besuchern dieses Jahr entgegen: Am Freitagabend finden alle Konzerte im Kleinbasel statt, am Samstagabend – mit Ausnahme des Volkshauses und der Kaserne – im Grossbasel.

Morgen werfen wir an dieser Stelle einen genaueren Blick auf das BScene-Programm der Voltahalle und am Wochenende wird die Schlaglicht-Crew dann in den Basler Clubs unterwegs sein. Das vollständige Programm gibt’s auf der Karte und wer uns in letzter Sekunde noch auf einen Geheimtipp aufmerksam machen möchte, hinterlässt uns in den Kommentaren seine persönliche Route.

Stürmischer Abschluss in Washington

the glue am Montag den 7. März 2011

Am Sonntag um 15 Uhr haben wir unser letztes Konzert am SingStrong-Festival gegeben. Wieder war es ein super Publikum und sie schenkten uns einen tollen Applaus. Wir haben das erste Mal probiert, wie unsere etwas seltsameren Songs funktionieren, auch die Deutschen. Das funktioniert definitiv sehr gut, so können wir weitermachen. Die Schweizer Botschaft hat sogar eine Delegation geschickt und wie passend, die Dame war selber lange in einer A-cappella-Gruppe und jetzt Kulturkoordinatorin hier in Washington. Sieht also gut aus für eine weitere Tour nächstes Jahr;)

Leider hat das Wetter gerade gewechselt. Gerade stürmt es draussen und es regnet heftig. Hoffen wir, dass es morgen wieder etwas besser wird. Es wird unser freier Tag in Washington, bevor wir nach Norden nach Kanada fahren.

Pantha du Prince bewegt den Hinterhof

schlaglicht am Sonntag den 6. März 2011

Am Freitagabend spielte der Berliner Pantha du Prince seinen Minimal Techno zum ersten Geburtstag des Hinterhof. Mit seinen Grooves und den Sounds vom letzten Album Black Noise brachte er den Hinterhof auf Betriebstemperatur. Niemand stand mehr still. Das Publikum im gut gefüllten Hinterhof war begeistert. Hier einige Impressionen vom electric Friday:

Technobeats und Glockenspiele

Luca Bruno am Donnerstag den 3. März 2011

Vor ein paar Wochen haben wir es bereits angekündigt, nun ist der Zeitpunkt endlich gekommen: Die Hinterhof Bar, welche sich in den letzten zwölf Monaten als geschmackssichere Addition zur Basler Clublandschaft bewies, darf dieses Wochenende zum ersten Mal Kerzen auspusten. Wir gratulieren herzlich und freuen uns auf das musikalisch hervorragend bestückte Wochenende mit Konzerten von Pantha du Prince und Efterklang.

Pantha du Prince2007 veröffentlichte Hendrik Weber unter seinem Pseudonym Pantha du Prince sein zweites Album «This Bliss». Es sollte dies sein erster erfolgreicher Versuch sein, die Grenzen des Minimal Technos weiter auszuloten. Während seine frühen Veröffentlichungen noch sehr traditionell daher kamen, klang «This Bliss» so mechanisch durchkalkuliert, dass das Album auf den Hörer nicht nur einfach kühl, sondern irgendwie schon fast bedrohlich wirkte. Mit diesem Album schuf Weber ein faszinierendes Werk mit Blick in die Abgründe des Technos und bot gleichzeitig den perfekten Soundtrack für kalte Winterlandschaften.

Trotz dieser musikalischen Kälte war die Rezeption der Musikwelt extrem positiv. Die Website «Resident Advisor», eine der besseren Anlaufstellen für elektronische Musik im Internet, zählt «This Bliss» zu den besten 100 Alben der 00er-Jahre und Geoff Travis, Gründer des britischen Kultlabels «Rough Trade Records», war von dieser Platte so begeistert, dass er um jeden Preis Webers nächstes Album veröffentlichen wollte. Pantha du Prince wurde so nicht nur zum ersten deutschen Künstler, der bei Rough Trade unter Vertrag steht, auch würde er damit den Nachfolger zu «This Bliss» bei einem Label veröffentlichen, welches sich in den Jahren zuvor hauptsächlich mit vielgelobten Releases aus dem Garagen und Indie Rock-Bereich (z.B. «Is This It» von den Strokes oder «Up The Bracket» von den Libertines) auszeichnete. Die Weichen für ein transzendentales Werk waren also gestellt.

Vor den Aufnahmen zu seinem nächsten Album tourte er 2009 als Supportact mit dem Animal Collective durch Europa und entwickelte sich so zu einem verlässlichen Liveact. Anschliessend reiste er in die Schweizer Alpen, um dort die Geräusche der Wälder aufzunehmen und sich von der Umgebung inspirieren zu lassen. Und es hat gewirkt. Mit «Black Noise», welches letzten Februar erschien, hat es Pantha du Prince nicht nur geschafft, seine Klangpalette nochmals um ein Vielfaches zu erweitern, durch die für ihn ungewohnten organischen Einflüsse konnte er seiner vormals sterilen und berechnenden Musik so Menschlichkeit und Wärme hinzufügen. «Black Noise» zeichnet sich ausserdem durch eine in der Technomusik bislang selten gehörte Dramaturgie aus – und das, obwohl Weber hauptsächlich wortlose Geschichten erzählt.

Pantha du Prince war zum letzten Mal im Januar 2009 in Basel zu Gast. Damals noch in der Übergangsphase, tritt er diesen Freitag nun zum ersten Mal mit dem vollendeten Werk hier auf.

Ebenfalls nicht zum ersten Mal in der Stadt ist das Folk Rock-Ensemble Efterklang. 2010 veröffentlichen sie ihr aktuelles Album «Magic Chairs» und begeisterten damals mit haufenweise Glockenspiel und Handclaps den 1. Stock.

DEfterklangas Quartett aus Dänemark ist in der Zwischenzeit allerdings nicht etwa untätig geblieben. Im letzten August zog man sich mit vier zusätzlichen Livemusikern auf eine kleine Insel vor der dänischen Küste zurück und nahm in Zusammenarbeit mit Vincent Moon den Film «An Island» auf. Moon kennt man durch seine essentiellen Videos für «La Blogothèque», bei denen er Bands in einer unerwarteten Location auftreten lässt, oder durch seine Arbeit bei Videoclips für The National oder R.E.M.

Vor ihrem Liveauftritt diesen Samstag werden uns Efterklang diesen Film in einem exklusiven Screening präsentieren und uns anschliessend mit ihrer unglaublich grossen Spielfreude, die man unbedingt live erleben muss, beehren. Wie auf all ihren Touren treten Efterklang zu acht auf und haben nebst angesprochenem Glockenspiel auch Bläser im Gepäck dabei. Wir freuen uns auf das Mini-Orchester im Hinterhof.

Abgerundet werden beide Abende durch zahlreiche DJ-Sets: Am Freitag werden u.a. Nik von Frankenberg und Thom Nagy, die bereits letztes Wochenende Ricardo Villalobos beim Presswerk-Finale an die Wand gespielt haben, hinter den Plattentellen stehen und am Samstag gibt’s elektronisches von den Lokalhelden Zaber Riders, sowie Hits aus der Indiedisco vom IndieNet.ch-DJ-Team.

Pantha du Prince: Diesen Freitagabend (4. Februar) live im Hinterhof. Bar: 20:00, Beginn: 23:00.
Efterklang: Diesen Samstagabend (5. Februar) live im Hinterhof. Screening
«An Island»: 20:30, Konzert: 22:15.

Rap von der Ostküste live im Sommercasino

Joel Gernet am Mittwoch den 2. März 2011

Mit dem Konzert von Termanology und DJ Statik Selektah bekommen Basler Rapfans am Donnerstagabend im Sommercasino einen absoluten Leckerbissen geboten. Das Duo bringt derzeit mit dem Album «1982» die Köpfe der Anhänger des klassischen Ostküsten-Boom-Bap-Rap der 90-Jahre zum nicken. Und zwar heftig. Für Kenner ein Must-See, für den Rest ein Geheimtipp.

Termanology und Statik Selektah

Traumduo: Termanology und Statik Selektah.

Zum ersten Mal zusammengearbeitet haben die beiden im Jahr 2005 für das Termanology-Mixtape «Hood Politics II». Dieses trug seinen Teil dazu bei, dass sich Beatproduzent Statik Selektah (aus Boston) und Rapper Termanology (aus dem rund 45 Kilometer davon entfernten Lawrence) auch in New York einen Namen machten. Seinen bisher grössten Hit landete der Rapper mit puertoricanischen Wurzeln dann 2006 mit dem von Gang-Starr-Legende DJ Premier produzierten Song «Watch how it go down», einem Vorboten zu Terms überzeugendem Debut-Album «Politics As Usual» (2008). Derweil belieferte Tausendsassa Statik Selektah fast die gesamte Undergroundrap-Garde der Ostküste mit Beats. Diese versammelt er auch auf seinen drei Produzenten-Alben, auf denen neben Künstlern wie Jadakiss, KRS-One und M.O.P. auch Reks zu hören ist.

Letztgenannten haben Termanology und Statik Selektah auch in Basel mit im Gepäck. Der nach einer persönlichen Krise wieder auferstandene Bostoner Rapper Reks verzückt die Szene derzeit mit seinem Vorab-Song «25th Hour» (der Beat ist ausnahmsweise nicht von Statik…sondern von DJ Premier). Sein Album «R.E.K.S» erscheint am 8. März – das Basler Publikum hat also das Privileg, die neuen Songs noch vor deren Veröffentlichung zu hören. Das Vorprogramm des Ostküsten-Mobs gestaltet mit Kaotic Concrete (und DJ Tray) passenderweise ein Basler Rapper, der Wurzeln in Boston hat.

Und nun das Gute zuletzt: Der Gig von Termanology, Statik Selektah und Reks ist nicht das einzige vielversprechende Rapkonzert im Soca dieses Frühjahr: Angekündigt sind bereits Konzerte des New Yorker Rappers Pharoahe Monch (2.4.) – das ist der mit «Simon Says – Get The F*#ck Up» –, der CunninLynguists aus Kentucky (8.4.) und der beiden Hardcore-Rapper Ill Bill und Vinnie Paz, zusammen bekannt als Heavy Metal Kings (5.5.). Alle sind sie Garanten für energiegeladene Rapkonzerte.

Doch woher diese Häufung hochkarätiger Rapkonzerte? «Wir profitieren davon, dass viele Künstler momentan wieder auf Tour sind», erklärt Serge Borer, der im Sommercasino seit September 2010 für die Rapkonzerte verantwortlich ist. Dass er ausgerechnet Statik Selektah nach Basel holt, ist aber kein Zufall. «Nach DJ Premier ist Statik Selektah für mich einer der besten Beatproduzenten der US-Ostküste», findet der 26-Jährige. Dasselbe lässt sich in Bezug auf Rap auch über den technisch versierten Termanology sagen (gebt Euch diese letzte Strophe!). Wen Borer aber schlussendlich für das Soca buche, entscheide er aus dem Bauch heraus. Bleibt zu hoffen, dass uns Borers Bauchgefühl auch künftig ganz viele Rapleckerbissen beschert.
Donnerstag 03.03.11

HipHop ShowOff-Tour
Do. 3. März 2011, Sommercasino Basel
Statik Selektah & Termanology, Reks & DJ Deadeye
Support: Kaotic Concrete & DJ Tray (BS)
Doors: 20:00 Uhr

Europa endlos

Luca Bruno am Dienstag den 22. Februar 2011

Mitte 2006 war es, als jeder Besitzer eines gutsortierten Plattenladens notfallmässig ein «Ed Banger»-Regal nahe seines Eingangs installieren musste und an Indie Rock-Parties alle nur noch die neuen Singles von Digitalism oder Justice hören wollten. Elektronische Musik mit «Rockstar»-Attitüde war plötzlich im Trend und auch die Musikpresse, welche in den Jahren zuvor damit beschäftigt war, die wiederauferstandene britische Gitarrenmusik zu zelebrieren, fand Gefallen an dieser neuen Szene. Selbst das britische Musikmagazin NME, bei welchem traditionell die Gitarre immer an erster Stelle steht, sprang ziemlich schnell auf diesen Zug auf, und in den kommenden Monaten grinsten buntgekleidete Bands wie die Klaxons oder Shitdisco vom Frontcover. Das Genre «Nu Rave» war geboren, und schrille Keyboardklänge, treibende Basslinien und Glowsticks gehörten für die kommenden 12 Monate zum Standardrepertoire jeder neuen Band.

Wie immer, wenn der Vorrat an geeigneten Bands für das neugeschaffene Genre im eigenen Land knapp wird, sorgt das europäische Festland unfreiwillig für Nachschub. So wurden kurzerhand auch Bands wie Datarock aus Norwegen oder Goose aus Belgien zu einem Teil dieser „Nu Rave“-Szene ernannt – und das obwohl ihre Debütalben schon seit über einem Jahr erhältlich waren.

Doch wie schon zahlreiche andere Trends zuvor, war auch die Halbwertszeit von «Nu Rave» nur von kurzer Dauer und wenn Goose nun knapp 4 Jahre nach «Nu Rave» ein Gastspiel in der Kaserne geben, stellte sich eigentlich nur eine Frage: Was blieb übrig vom Hype?

Im Pressetext zum Konzert kündigen Goose an, dass die Hauptinspiration für ihr letzten Oktober erschienenes zweites Album «Synrise» die Musik des Discoproduzenten Giorgio Moroder gewesen sei. Schnell dürfen wir an diesem Samstagabend erfreut feststellen, dass für dieses eine Mal der Pressetext auch tatsächlich die Wahrheit sagt. Anstatt mit dem Haudrauf-Electrorock ihres ersten Albums «Bring It On» beginnen die 4 Belgier Ihren Auftritt nämlich mit dem Titeltrack von «Synrise». Dort stapeln Goose nun über 10 Minuten hinweg minutiös genau Synthesizer- und Keyboard-Linien übereinander und lassen ein unaufhaltbares Monster auf das Publikum los. Auch «Can’t Stop Me Now», die Leadsingle ihres neuen Albums, welche in der Studioversion platt und leblos klingt, erwacht kurz danach durch die exakte Arbeit des Quartetts zu neuem Leben. Und als die vier Belgier dann anschliessend mit «Black Gloves» und «Bring It On» die Hits ihres Debütalbums auspacken, ist die Stimmung endgültig auf dem Höhepunkt. Moroder, Kraftwerk und New Order: Während den ersten 25 Minuten machen Goose alles richtig und beweisen eindrücklich, dass sie den Hype überlebt haben. Das Publikum im Rossstall dankt es ihnen während jeder beatlosen Sekunde mit Szenenapplaus.

Doch so fulminant wie Goose beginnen, so schnell scheint ihnen in der Mitte des Sets die Puste auszugehen. Die Band interagiert zwar gekonnt mit dem Publikum, doch alle Spielfreude der Welt kann nicht über die Eintönigkeit ihrer weniger bekannten Songs hinwegtäuschen. Spätestens dann aber, als die vier gegen Ende ihres Hauptsets mit «British Mode» zum letzten Feuerwerk ansetzen, bleibt im Rossstall wieder kein Fuss mehr länger als eine Sekunde auf dem Boden.

Nach einer guten Stunde Spielzeit ist kein T-Shirt mehr trocken und die Band verabschiedet sich mit den Worten «Tomorrow, we’re going back to Belgium. The first thing that we’re gonna say to our people is: BASEL ROCKS!». Wir finden: Goose auch.