Archiv für die Kategorie ‘Ausstellungen’

Der Ackermannshof als Kunst-Kirche

Joel Gernet am Donnerstag den 20. September 2012

Dieses Wochenende wird die St. Johanns-Vorstadt wieder zum Zentrum für urbane Kunst. An der «Artyou» treffen Tattoos aus Frankreich auf Basler Graffiti-Bilder oder gesellschaftskritische Comic-Kunst aus Leipzig.

Ein Triptychon ist ein dreigeteiltes Gemälde mit christlichen Motiven und einklappbaren Seitenteilen. Die grossen Exemplare sind oft Teil eines Flügelaltars. Und sie werden ausschliesslich an Feiertagen aufgeklappt. Heute ist so ein Feiertag – zumindest für die regionale Urban-Art-Szene. Heute nämlich wird der Ackermannshof in der St. Johanns-Vorstadt im Rahmen der 7. Artyou – Urbane Kunst Basel zur temporären Kunst-Kirche – dank dem Doppel-Triptychon, welches das deutsche Duo Doppeldenk auf einem grossen Altar im Herzen der Ausstellung platziert hat. Inklusiv Kerzen, Samt-Bezug und Kirchenbänken zum hinknien. Diesen Beitrag weiterlesen »

Zuckersüss und schwer gestört

Joel Gernet am Freitag den 14. September 2012

An der Gruppenausstellung «How To Make A Monster» im «High Voltage Lab» gibt es vom kindlichen Nutella-Hasen bis zum grausamen Familienvater die unterschiedlichsten Monster zu sehen. Am Freitagabend steigt in der Markthalle die Vernissage-Party.

Projektleiterin Nora Donner und Künstler Jay Rechtsteiner vor dessen Nutella-Hasen.

Projektleiterin Nora Donner und Künstler Jay Rechtsteiner vor dessen Nutella-Hasen.

Eigentlich hätten wir diesen Artikel auch mit «Fratzen und Fritzl» oder «Kunst mit Kinderschändern» betiteln können. Schliesslich ist das auf Teppich geb(r)annte Porträt des österreichischen Monstervaters Josef Fritzl eines der schockierendsten und plakativsten Werke der Ausstellung «How To Make A Monster». Die boulevardesken Titel wären allerdings etwas sehr fies gewesen, geht es doch bei der heute anlaufenden Ausstellung nicht nur um die offensichtlichen Monster, die uns glücklicherweise meist nur via Medien begegnen, sondern auch um abstraktere Monster aus Alltag oder Kindheit. Das zeigen die autobiographischen Foto-Arbeiten von Jay Rechtsteiner oder die kindlich wirkenden Figuren des Indonesiers EddiE HaRA. Das Fritzl-Werk des Basler Künstlers Tarek Abu Hageb ist mit seiner schockierenden Eindeutigkeit eher die Ausnahme.

Skurril und irritierend sind die Werke aber alle. Vor allem Jay Rechtsteiners überdimensionaler Nutella-Hase, der am anderen Ende des Raumes vor einem lärmenden Fernseher sitzt. Er guckt einen trashigen Ninja-Film mit Rechtsteiner und dessen Bruder in der Hauptrolle. «Der Hase repräsentiert das reine Kind», erklärt der Künstler und füttert den Hasen indem er ihn mit Nutella beschmiert. Über zwei Kilo nimmt das Tier so zu pro Monat. Die Gesellschaftskritik ist offensichtlich und wird noch beissender, wenn man merkt, dass der süsse Hase gar keine Augen hat.

Eines der Bilder von EddiE HaRA.

Eines der Bilder von EddiE HaRA.

In einem anderen Werk will Rechtsteiner mit modifizierten Fotos aus seiner Kindheit, auf denen er sich etwa als «Monster Boy» betitelt, aufzeigen, wie er durch gesellschaftliche Normen und Zwänge zum kleinen Monster wurde. Die Gesellschaft als Monster, die sich laufend über kleine Monster reproduziert. Wesentlich naiver und heiterer kommen da die farbenfrohen Bilder des Wahlbaslers EddiE HaRA daher. Sie erinnern an Ethno-Motive aus Asien und Mexiko.

Das Konzept zu «How To Make A Monster» trug Jay Rechtsteiner schon länger mit sich herum. Ursprünglich wollte der in London wohnhafte Schweizer die Ausstellung in Portugal realisieren. Als die dortigen Partner dann aber mit Barbiepuppen und dergleichen antanzen wollten, zog er sich zurück und fragte seine Basler Kunstfreunde EddiE HaRA und Tarek Abu Hageb an. Dass die Gruppenausstellung nun in Abu Hagebs und Nora Donners «High Voltage Lab» statt finden kann, ist ein glücklicher Zufall. Damals war nicht klar, wie sich die Zwischennutzung in der Markthalle entwickelt.

Auge des Bösen: Ein Ausschnitt von Abu Hagebs Fritzl-Bild.

Und nun trifft hier ein kindlicher Nutella-Hase auf Kinderschänder Fritzl. «Tarek ist der direkteste der drei Künstler – bei ihm geht es ans Eingemachte», sagt Projektleiterin Nora Donner und zeigt auf den Teppich mit dem per Lötkolben eingebrannten Gesicht des Österreichers. «Das ist ein richtig fieses Medium für Fritzl.» Der flauschige Stoff als Symbol für die heimelige Wohnung kontrastiere auf schauderhafte Art die grausamen Taten das Familienvaters. Dieser hatte seine Tochter 24 Jahre lang in einem unterirdischen Verlies gefangen gehalten und mehrfach geschwängert. Schräg gegenüber des Wandteppichs steht ein alter Holzschrank – die Installation ist kurz vor Ausstellungsbeginnn noch nicht ganz vollendet. Es fehlt das Frauenwimmern, welches den Schrank vom Möbel zum Kunstobjekt transformiert.

Wer sich dieses Wimmern nach der Vernissage am Freitagabend umgehend wieder aus den Gehörgangen blasen lassen will, kann dies im Anschluss im angrenzenden Projektraum FAKT machen. Dort gibt’s die Vernissage-Konzerte mit Reverend Beat Man und den Bikini Girls. «Der rustikale Rock’n’Roll-Blues-Sound passt perfekt zur Ausstellung», erklärt der Booking-Verantwortliche Valentin Ismail. Zudem spiele der Berner Musiker und «Rockgott» Reverend Beat Man passenderweise auch in der Band The Monsters. Na, dann muss der Herr aber aufpassen, dass er von Jay Rechtsteiner nicht mit Nutella beschmiert wird.

«How To Make A Monster» mit Jay Rechtsteiner, Tarek Abu Hageb und EddiE HaRA. 15. September bis 4. Oktober, High Voltage, Markthalle Basel. Vernissage: Freitag, 15.9., ab 18h. Vernissage-Konzert im F A K T (Reverend Beat Man und Bikini Girls) ab 21h.

Dreieckige Aliens auf dem Dreispitz

Joel Gernet am Freitag den 7. September 2012
Sick of being cool: Timothy Hall im Kreis seiner «Pictos».

Sick of being cool: Timothy Hall im Kreis seiner «Pictos».

Die YourGallery auf dem Dreispitz ist von Aliens eingenommen worden. Dreieck-förmige Wesen mit gummiartigen Armen und einem einzigen grossen Auge, das den Besucher anstarrt, als ob dieser der Ausserirdische wäre. Irgendwie erinnern einen die dreispitzigen Dinger an die schlabbrigen Aliens aus den Simpson-Folgen. Kein Wunder, zählt doch die gelbe TV-Familie zu den Comic-Einflüssen von Alien-Erschaffer Timothy Hall. «Pictos» nennt der 28-Jahrige seine Dreieckköpfe. «Mit ihnen will ich zurück zum Kindlichen und Comic-artigen», sagt Hall, dem die Wiedererkennbarkeit seiner Geschöpfe am Herzen liegt. «Sie sind alle gleich und trotzdem unterscheiden sie sich.»

«I Am Sick Of Being Cool» heisst diese erste Solo-Ausstellung des Baslers. Neben seinen Pictos präsentiert der HGK-Student mit Graffiti-Vergangenheit unter anderem auch Collagen seiner Serie «MyModels», für die Hall Models aus Hochglanzmagazinen entführt und ihren Luxus-Laufsteg durch Pappkarton ersetzt. «Ich pflücke die Models aus den Mode-Heftchen und nehme ihnen die Identität, indem ich ihre Gesichter überklebe», erklärt er die fehlende Menschen-Visage seiner Kunstkörper. Mit 20 Franken pro Stück sind die Karton-Collagen die preiswertesten Exponate. Wer einem der Pictos ein neues Zuhause bieten will, bezahlt zwischen 50 und 300 Stutz.

Dass Hall seine erste Solo-Schau ausgerechnet in der YouGallery präsentiert, ist alles andere als Zufall. Der 28-Jährige gehört zu den Mitbegründern der Urban-Art-Galerie, die seit Mai 2011 regelmässig regionale Jungkunst zeigt auf dem Gelände der ehemaligen Autowerkstatt bei der 36er-Bushaltestelle Dreispitz. Getragen wird der Offspace durch den eigens gegründeten Kunstverein 0123spitz. Ende Jahr ist die YourGallery – zumindest am jetzigen Standort – Geschichte. Anfang 2013 werden die alten Werkstätten platt gemacht. Bis die Bagger auffahren realisieren die Zwischennutzer aber noch drei weitere Ausstellungen, bei denen neben einer Basler Graffiti-Legende auch zum ersten Mal ein ausländischer Künstler zum Zug kommt. Die Abriss-Ausstellung zum Abschluss wird dann wieder mit Künstlern aus den eigenen Reihen bestritten. So wie damals vor bald eineinhalb Jahren als alles begann.

I Am Sick Of Being Cool, YourGalerie (0123spitz), Walkeweg 1, Basel. Vernissage: Freitag, 7. September, ab 18 Uhr (inkl. Grill). Finissage: 16. September. Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag ab 18 Uhr.

Graffiti-Gastronomie in Liestal

Joel Gernet am Donnerstag den 9. August 2012
Graffiti-Gastronomie: Im Kaffe Farbklex Liestal (l.) gibts bis Ende August Bilder von Dust (r.), KordOne und Florian La Castellane zu sehen.

Graffiti-Gastronomie: Im Kaffe Farbklex Liestal (l.) gibts bis Ende August Bilder von Dust (r.), KordOne und Florian La Castellane zu sehen.

Plötzlich hat Sprayer Dust seine erste Ausstellung. Schuld daran ist die grosse Schwester des Basler Graffiti-Künstlers. Sie hatte sich spontan beim Betreiber des Liestaler Kaffees Farbklex gemeldet als dieser nach einem Ersatz-Künstler suchte. Der vorgesehene August-Gast war kurzfristig abgesprungen. Nun bestreitet der 19-jährige Dust – seinen bürgerlichen Namen möchte er lieber nicht preisgeben – seine erste Werkschau, gemeinsam mit KordOne (19) und Florian La Castellane (23). «Bei dieser Menge an Bildern wollte ich das nicht alleine durchziehen», sagt Dust, «schliesslich erfuhr ich erst vor drei Wochen, dass sich diese Möglichkeit ergibt». Für alle drei Künstler ist es die erste Ausstellung.

Lack auf Stahlplatten: Bild-Reihe von KordOne.

Die Feuertaufe haben Dust, KordOne und Castellane nun hinter sich. Zum Auftakt der «ARTcore»-Ausstellung fanden rund 60 Personen den Weg ins Kaffe Farbklex. «Die Vernissage war cool, es kamen ziemlich viele Leute in diese zwei kleinen Räume», erinnert sich Dust. Gezeigt werden noch bis Ende August bemalte Leinwände, Stahlplatten und Papierbogen, denen man den Graffiti-Hintergrund der Macher ansieht. Viele Exponate kommen ziemlich abstrakt daher, was der Ausstellung gut bekommt. «Die Bilder sind sehr wild, wenn man sie mit herkömmlichen Graffiti vergleicht», sagt Dust, der im Farbklex für die Bilder mit den gut lesbaren Schriftzügen verantwortlich ist.

Coffeetime: Farblex-Betreiber Sebastian Benz.

Seit bald zwei Jahren bereichert das Kaffe Farbklex die Gastrokultur in Liestal. Am 2. Oktober 2010 eröffnete Sebastian Benz sein «Klex» in den ehemaligen BaZ-Redaktionsäumen gegenüber der Kaserne. Während die Soldaten eher in den beiden benachbarten Kneipen einkehren, bewirtet Benz viele junge Küstler und Musiker, die sich vor dem Ausgang oder am Feierabend treffen. «Ich habe aber auch viele ältere Stammgäste», sagt Benz und zieht an seiner Zigarette, «das finde ich noch interessant».

Dass Ende Juli der ursprünglich vorgesehene Künstler für die monatlich wechselnde Ausstellung abgesprungen ist, hat ihm keine schlaflosen Nächte bereitet. «Teilweise bin ich zwar auf dem letzten Drücker, aber ich kenne genügend Leute, um auch einen Plan B durchzuziehen.» Dass mit Dust, KordOne und Florian La Castellane nun drei ausgesprochen junge Künstler in seinem Kaffee ausstellen, ist Benz, der selber eine Graffiti-Vergangenheit aufweist, mehr als recht: «Ich will Künstlern, die noch keinen grossen Namen haben, eine Plattform geben», sagt der 35-Jährige und winkt einem älteren Mann mit weissem Rauschbart auf der anderen Strassenseite zu. Aus dem Innern des Kaffes ertönt abwechslungsweise Rap, Jazz, Soul und Funk. Diesen Beitrag weiterlesen »

Sprayer Shez steht auf Scheiben

Joel Gernet am Freitag den 27. Juli 2012
Krea'k'tiv Reloaded: Diese Bildreihe gibts ab Samstag in der YourGallery zu sehen. (Bilder: zvg)

Krea'k'tiv Reloaded: Diese Bildreihe gibts ab Samstag in der YourGallery zu sehen. (Bilder: zvg)

Shez hat nachgeladen. Fast auf den Tag genau ein Jahr nach seiner ersten Ausstellung in der YourGallery präsentiert der Basler Graffiti-Künstler ab Samstag mit «Krea’k’tiv – Reloaded» seine zweite Soloshow auf dem Dreispitz. «Ich bin zielstrebiger geworden bei meinen Arbeiten», sagt der 28-jährige. «Wenn ich jetzt eine Idee im Kopf habe, setze ich diese viel schneller um.» Trotzdem hat sich Shez für sein zweites Gastspiel am Walkeweg mehr Zeit genommen als 2011. Damals entstanden seine Exponate innerhalb von eineinhalb Monaten. «Das war ziemlich stressig», erinnert er sich. Diesmal begann er im Februar. Die vergangenen drei Nächte war der Künstler in der YourGallery bis in die frühen Morgenstunden mit den Vorbereitungen beschäftigt. «Jetzt steht die Ausstellung», sagt der Wahlbasler erleichtert. Diesen Beitrag weiterlesen »

«Die Einzelhaft war ein unglaublich beängstigendes Erlebnis»

Joel Gernet am Dienstag den 3. Juli 2012

Die Arme erhoben, in den Händen Dolch und Keule. Augen und Mund weit aufgerissen. Über dem grauweissen Kopf leuchtet ein gelber Heiligenschein. «Urban Primitives» nennt der iranische Künstler A1one seine gemalten Fantasie-Figuren, die aussehen, als bestünden sie aus Spaghetti und Hautschuppen. «Früher hatten unsere Könige die Krone auf dem Kopf – jetzt tragen sie diese am Kinn», sagt A1one und begutachtet den überdimensionalen Kopf mit den drei gelb leuchtenden Zacken am Kinn, die den Bart der religiösen Führer im Iran symbolisieren.


Das beschriebene Exemplar gibt es noch bis Oktober in der Carhartt Gallery Weil am Rhein (D) zu sehen. Sein 31-Jähriger Erschaffer aus dem Iran wirkt zufrieden. Hier kann er malen, ohne darüber nachdenken zu müssen, wie sein Werk beim Regime ankommt. Und ohne, dass er eingebuchtet wird wie ein politischer Dissident – so geschehen diesen März, als A1one für zwölf Tage in Einzelhaft gesteckt wurde.

Trotz Repressionen lebt und arbeitet A1one noch immer in Teheran. Er gilt als Graffiti- und Streetart-Pionier im Nahen Osten und ist neben seinen Figuren auch für Schablonen-Bilder und persische Kalligraphien bekannt. Im Interview erinnert sich A1one an die Zeit, als er in Teheran allein auf weiter Flur war und Freiheiten genoss, von denen iranische Strassenkünstler heute nur träumen können. Diesen Beitrag weiterlesen »

Vor der Art attackiert die Strassenkunst

Joel Gernet am Donnerstag den 7. Juni 2012

Nicht weniger als vier Graffiti- und Streetart-Ausstellungen bereichern dieser Tage den regionalen Kunstkosmos zwischen Dreispitz und Riehen. Vom Galeristen-Liebling bis zum Untergrund-Künstler gibts dabei alles zu sehen – und kaufen. Ein Überblick.

Einfach weggeputzt! Über 300’000 Euro soll es wert gewesen sein, das Bild des britischen Streetart-Stars Banksy an einer Londoner Hausfassade. Die Behörden allerdings hatten keine Freude daran. Sie beseitigten das unerlaubt angebrachten Werk, das eine Szene des Kultfilms «Pulp Fiction» zeigte, in der John Travolta und Samuel L. Jackson mit Bananen anstatt Pistolen hantieren. Das war im März 2007. Heute, nach fünf weiteren Jahren Banksy-Hype, würde das Strassenbild wohl noch wertvoller eingeschätzt werden.

Rooftop: Das Banksy-Bild mit John Travolta und Samuel L. Jackson wurde 2007 in London weggeputzt.

Und es könnte ohne Weiteres an der Art Basel gezeigt und verkauft werden. Schliesslich geben hier Kunstsammler ohne mit der Wimper zu Zucken sechsstellige Beträge aus für Kunstwerke. Manchmal auch für solche aus dem Graffiti- und Streetart-Bereich. Allerdings ist Banksy in diesem Kosmos noch immer eine Ausnahmeerscheinung, der personifizierte Spagat zwischen Kunst und Kommerz. Er steht aber auch für eine steigende Zahl urbaner Künstler, die es in Galerien und an Kunstmessen zieht und die dort zunehmend Anklang finden.

Das liegt auch daran, dass viele Graffiti- und Streetart-Kenner zu potenziellen Käufern herangewachsen sind. Und dass viele Exponenten jetzt in einem Alter sind, in dem sie von der Kunst leben wollen, beziehungsweise müssen, oder eine Galerie gründen. Die Region Basel mit ihrer langjährigen Graffiti-Tradition ist dafür nicht das schlechteste Pflaster. Das zeigen auch die vier Graffiti- und Streetart-Ausstellungen, die rund um die Art Basel zum Besuch einladen: «Public Provocations» in der Carhartt Gallery Weil am Rhein (D), «Suspect» in der Galerie Schöneck Riehen, «L’art de vandalisme» in der YourGallery auf dem Dreispitz und die NeoVandalism Gallery im Gundeli. Hier gibts dieser Tage die Künstler zu sehen, deren Werke vielleicht morgen – oder übermorgen – an der Art Basel für teures Geld den Besitzer wechseln. Diesen Beitrag weiterlesen »

Wer hat Platz für dieses Nashorn?

Joel Gernet am Donnerstag den 10. Mai 2012

«Zeug, das keiner will, ist eigentlich Abfall – wir machen daraus Kunstwerke», sagt Nashorn-Vater Joël Lobsiger. Das kunstvoll verschweisste rostige Rhinozeros muss seinen Platz Ende Mai räumen.

Imposant sieht es aus, das Nashorn am Rand des nt-Areals. Zusammengeschweisst aus zweieinhalb Tonnen Altmetall thront es in zweieinhalb Metern Höhe zwischen der versprayten Skateboard-Bowl und dem «Funambolo». Die kunterbunte Bar ist eine der letzten Ausgeh-Bastionen auf dem verglühenden Party-Mekka Erlenmatt. Ende Mai muss auch das «Funamolo» verschwinden – und mit ihm das rostige Rhinozeros, welches wie ein Wahrzeichen auf dem Dach des Nachtlokals steht.

«Jetzt suchen wir für das Nashorn ein neues Zuhause – und zwar äusserst dringend», sagt Joël Lobsiger, der das wuchtige Tier im Sommer 2010 erschaffen hat. Vier Wochen Altmetall zusammenpuzzeln und verschweissen, gemeinsam mit dem Künstlerkollegen Pascal Martinoli. Mit Filip Wolfensberger und Manager Manou Clément bilden die beiden das Basler Künstlerkollektiv Cicolupo, welches sich nun zum dritten Mal auf dem nt-Areal austobt: Vergangenen Sommer schweisste das Quartett bei der damals frisch eröffneten Zwischennutzungs-Freiluftbar Sommerresidenz einen imposanten Eisen-Basilisk zusammen.

Seit zwei Monaten bereiteten sich die Cicolupo-Jungs für ihre erste grosse gemeinsame Ausstellung in Basel vor, an welcher bei der Sommerresidenz von Freitag bis Sonntag Bilder, Skulpturen sowie ein Puppentheater gezeigt werden – man ist vielseitig. Diesen Beitrag weiterlesen »

Eine Kunstinsel mitten im Konsumtempel

Joel Gernet am Donnerstag den 29. März 2012


Eigentlich macht mich die am Wochenende frisch eröffnete Markthalle ja wütend. Darüber, dass die so geschichtsträchtige wie geniale Kuppelhalle zu so etwas «originellem» wie einem Einkaufzentrum transformiert wurde. Schon wieder. Bravo! Seit ich aber weiss, dass im neuen Konsumtempel zwischen Bahnhof und Innenstadt vorerst auch Zwischennutzungen ihren Platz finden, ist der Zorn immerhin ein bisschen verflogen. «High Voltage – the lab» heisst das Projekt, welches unter der 27 Meter hohen Kuppel sein temporäres Domizil hat. Hier zeigen sieben Künstlerinnen und Künstler aus Basel, Zürich und Helsinki ihre Werke – und sie arbeiten daran. Das Kunstlabor ist eine Mischung aus Ausstellungsraum und Atelier, untergebracht in einer noch nicht vermieteten Ladenfläche am hinteren Ende der Markthalle. Direkt neben einem Schuhgeschäft und der Credit-Suisse-Filiale, welche vorerst nur von Handwerkern betreten wird. Die Bankfiliale befindet sich noch im Bau, wie so Einiges in diesem neuen Konsumtempel zwischen Bahnhof und Heuwaaage.

Insofern passt das «High Voltage»-Labor hierher. Auf dieser 227 Quadratmeter grossen Kunst-Baustelle gehört der Entstehungsprozess zum Konzept. Das mussten die beiden Initianten am Eröffnungswochenende so manchem der rund 1500 Labor-Besucher erklären. «Viele fragten uns, ob wir zur Vernissage nicht fertig geworden sind mit den Werken», sagt Tarek Abu Hageb. Der Basler Künstler ist verantwortlich für die Projektleitung, zusammen mit Nora Donner. «Wir hätten gar nicht fertig sein dürfen – die Eröffnung war auch unser Start», schildert die Grafikerin. Für sie ist die kulturelle Zwischennutzung in der Markthalle ein Segen: «Wir sind wie eine Insel – so etwas erwartet man nicht hier.»

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Vernissage Ausstellung Humanoid Mechanik by bluminatrice

chris faber am Freitag den 2. März 2012

Eine neue Künstlerin zeigt ab Morgen Abend den ganzen März Ihre ersten Werke in der Carambolage Bar. Humanoid Mechanik beschreibt Ihr Thema, die Verbindung von Puppenteilen, mechanischen und losen Teilen.

Zuerst werden Dinge von Ihr mit der Präzision einer Chirurgin zersetzt, um sie danach wie eine Züchtung wieder neu zusammenzusetzen. Augen spielen eine grosse Rolle, sie blicken uns an, werden zum Spiegel. Jedes Kunstwerk wird zum kleinen Rummelplatz, wo alles neu entdeckt werden kann und Stofftiere vom Ruhm träumen.

Mehr Infos: Carambolage, Erlenstr. 34, 4058 Basel. Vernissage Samstag, 03.03.2012 Ab: 20.03 h