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Der Anti-Actionheld

Fabian Kern am Mittwoch den 12. März 2014

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«Non-stop« läuft ab 13.3. im Capitol, Rex und Küchlin.

«Non-stop« läuft ab 13.3. im Capitol, Rex und Küchlin.

Als Liam Neeson als Oskar Schindler in Steven Spielbergs Nazi-Drama «Schindlers Liste» (1993) auf einen Schlag weltberühmt wurde, hätte in ihm wohl niemand einen Actionhelden erwartet. Der Nordire schien auf Charakterrollen abonniert. Entsprechende Auftritte in «Nell», «Michael Collins» und «Les Misérables» schienen das zu bestätigen. Doch bereits mit dem Part als «Rob Roy» und natürlich als Qui-Gon Jinn in «Star Wars – Episode I» deutete der gross gewachsene Schauspieler mit der markanten Nase sein Potenzial als vielschichtiger Actionstar an. In den letzten Jahren schliesslich schoss sich der heute 61-Jährige wortwörtlich und endgültig auf das lauteste aller Film-Genres ein.

Wo sitzt der Bösewicht? Bill Marks unter Strom. (Bilder: Impuls)

Bill Marks sucht den Bösewicht. (Bilder: Impuls)

In seinem neusten Auftritt in «Non-Stop» schliesst Neeson nahtlos an «Taken» 1 und 2 sowie an «Unknown Identity» an. Wenig überraschend, führte doch wie bei letzterem Jaume Collet-Serra Regie. Wieder spielt Neeson den gescheiterten Vater und abgehalfterte Agent, der wider Willen zum Retter mutieren muss. Als Bill Marks, der seinen Job als Federal Air Marshal – quasi ein Bodyguard für Flugzeuge – leid ist, sieht er sich auf einem Atlantikflug plötzlich mit einem Erpresser konfrontiert. Via SMS wird er angewiesen, 150 Millionen Dollar überweisen zu lassen. Bei Nichterfüllung würde alle 20 Minuten ein Mensch an Bord sterben. Der Alkoholiker muss alle seine grauen Zellen und Nerven zusammen nehmen, um den Bösewicht unter den Passagieren zu entlarven. Denn die Zeit tickt unerbittlich gegen ihn.

Jen Summers steht Marks bei.

Jen Summers (Julianne Moore) steht Marks bei.

«Non-Stop» hat einige Überraschungen auf Lager. Der Erpresser ist Marks immer einen Schritt voraus und scheint den alternden Agenten nach Belieben zu benutzen. So steht der herunter gekommene, aber rechtschaffene Air Marshal bald selbst im Verdacht, das Flugzeug zu entführen. Zudem ist es lange schwierig abzuschätzen, wer denn ein falsches Spiel spielt, denn verschiedene Passagiere benehmen sich höchst verdächtig. In der Anlage und von der Machart erinnert der Film an einen anderen Flugzeug-Thriller: «Flightplan». Im Gegensatz zum perfiden Streifen mit Jodie Foster aus dem Jahr 2005 kann «Non-Stop» die Spannung aber nicht ganz bis zum Schluss halten. Dennoch bietet er solide Spannungskost mit einem starken Cast, denn auch Julianne Moore ist mit von der Partie in luftiger Höhe. Einzig das mit dem Schiessen im Flugzeug hinterlässt beim Aviatik-Laien immer ein zweifelhaftes Gefühl. Aber man muss ja nicht alles wissenschaftlich hinterfragen.

Liam Neeson arbeitet derweil unverdrossen an seinem Ruf des Anti-Actionhelden. Er hat schon wieder drei Actionfilme in der Pipeline, darunter «Taken 3» und ein weiteres Werk von Jaume Collet-Serra. Der Mann dreht «Non-Stop».

«Non-Stop» läuft ab 13. März 2014 in den Basler Kinos Capitol, Pathé Küchlin und Rex.

Weitere Filmstarts in Basel am 13. März: The Book Thief, Vampire Academy, Pettersson und Findus, Tableau Noir, August: Osage County.

Blutbad in der Ägäis

Fabian Kern am Mittwoch den 5. März 2014

«300 – Rise of an Empire» läuft ab 6. März im Rex und im Küchlin.

«300 – Rise of an Empire» läuft ab 6. März im Rex und im Küchlin.

Stahlblauer, wolkenloser Himmel und romantische Inseln in glattem, türkisem Wasser – so kennt und schätzt der durchschnittliche Mitteleuropäer die Ägäis. Von einer ganz anderen Seite lernt man das griechische Meer nun im Kinosaal kennen: Eine aufgewühlte schwarze See unter einer düsteren bleischweren Wolkendecke, die nur durch die stetigen Blitze aufgerissen wird. Für die einzigen Farbtupfer ist das spritzende Blut der fallenden Griechen und Perser besorgt. Das dafür in rauen Mengen. Was das für ein Streifen ist? Richtig geraten, wir befinden uns in «300 – Rise of an Empire», der von den Hardcore-Fans sehnlichst erwarteten Fortsetzung von Zack Snyders Kult-Splatterfilm aus dem Jahr 2006. Ja, so schnell vergeht die Zeit.

Der Pfeil der Provokation: Themistokles tötet Darius. (Bilder: Warner)

Der Pfeil der Provokation: Themistokles tötet Darius. (Bilder: Warner)

In den letzten sieben Jahren wurde oft diskutiert, wie man denn das Heldenepos um den spartanischen König Leonidas (Gerard Butler) und seine märtyrerische Mini-Armee weiterführen könnte. Comicautor Frank Miller hat die Antwort in seiner neusten Gothic Novel «Xerxes» gegeben, die dem neusten Film als Vorlage dient. Das Clevere am Plot: Die Handlung findet nicht, wie einer der Trailer suggeriert, als Anschluss an «300» statt, sondern überschneidet sich zeitlich. Held der Geschichte ist diesmal kein Spartaner, sondern ein Athener General. Themistokles (Sullivan Stapleton) sorgt mit der Tötung des persischen Königs Darius für die grösste Provokation der eroberungswütigen Asiaten. Der königliche Sprössling Xerxes (Rodrigo Santoro) sinnt auf Rache und schwingt sich, angestachelt von Darius’ rechter Hand Artemisia (Eva Green) zum gefürchteten «Götterkönig» auf. Die Griechen sollen nicht nur besiegt, sondern auch gedemütigt und ausradiert werden. Dem stellt sich Themistokles entgegen, der fest an die Vereinigung der griechischen Stadtstaaten zu einer starken Einheit glaubt.

Grausam und sexy: Die persische Befehlshaberin Artemisia.

Grausam und sexy: Die persische Befehlshaberin Artemisia.

Der Star des neusten Gemetzels ist wie schon im Vorgänger weder der Hauptdarsteller noch die Story, sondern die Optik. Den Wechsel auf dem Regie-Stuhl von Snyder zu Noam Murro («Smart People) merkt der Zuschauer nicht, die Schlachten kommen genau so gewaltig daher, nun sogar in beeindruckender 3D-Optik. Da möchte man sich nach jedem Schwerthieb das Blut vom Gesicht wischen, und angesichts des neuen Schlachtfelds, der hohen See, kommt vielleicht der eine oder andere empfindliche Magen in Aufruhr. Themistokles bietet mit seinen mickrigen 50 Schiffchen Artemisias 1000 Galeeren-starken Flotte die Stirn und kämpft zeitgleich wie Leonidas mit seinen tapferen Mannen. Während die zusätzliche Dimension des Meeres dem Werk einen frischen Anstrich verleiht, wird die Figur der weiblichen Befehlshaberin den ohnehin schon übermächtigen Anteil von männlichen Kinogängern noch weiter in die Höhe treiben. Eva Green verleiht der eiskalten Rächerin einen unglaublichen Sex-Appeal, dem auch der griechische Held nicht widerstehen kann. Ein Highlight ist der Geschlechtsakt zwischen den Widersachern: Man weiss gar nicht, ob man ihn als Sex- oder Gewaltszene einordnen soll.

Zerstrittene Stadtstaaten: Spartas Königin Gorgo und Athens General Themistokles.

Zerstrittene Stadtstaaten: Spartas Königin Gorgo und Athens General Themistokles.

«300 – Rise of an Empire» ist Testosteron-Kino in Reinkultur. Da stören nicht einmal die flammenden Reden von Themistokles, die immer wieder an Loyalität bis zur Selbstaufgabe appellieren. Schliesslich geht es um Ruhm und Ehre – und nicht zuletzt um die Freiheit, das höchste Gut eines Mannes. Wahre Hingabe und Leidenschaft besiegen die zahlenmässige, aber seelenlose Übermacht, Demokratie schlägt Tyrannei. Für solche Werte lohnt es sich schon mal, die Ägäis mit Blut und Leichen zu überfluten.

«300 – Rise of an Empire» läuft ab 6. März 2014 in den Basler Kinos Rex und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 6. März: Saving Mr. Banks, The Grand Budapest Hotel, Tokyo Family, Bibi & Tina – der Film.

Die BScene 2014 aus den Augen der Künstler, Teil 2: The Waves

Luca Bruno am Dienstag den 4. März 2014

BSceneLogoBezüglich unserer alljährlichen Berichterstattung zur BScene haben in der Vergangenheit vor allem wir selbst oder die Organisatoren das Zepter übernommen. Für die diesjährige Ausgabe überlassen wir nun den auftretenden Künstlern selbst das Wort. Während der achtzehnten Edition der BScene haben wir mit einigen ausgewählten Künstlern Kurzinterviews geführt, die wir euch hiermit präsentieren. Heute an der Reihe: The Waves. Eine noch ziemlich junge Basler Band, die sich unüberhörbar der R.O.C.K.-musik verschrieben hat.

The Waves: Yannick Frich, Ruben Bachmann, Silas Gusset und Micha Setlik (v.l.n.r.)

The Waves: Yannick Frich, Ruben Bachmann, Silas Gusset und Micha Setlik (v.l.n.r.). Kopf hoch! Sollte es mit der Musikkarriere nicht klappen, gibt es noch immer die Option «Haarmodelle».

Betrachtet man die musikalischen Trends, die in dieser Stadt derzeit Vorrang haben, stellt sich folgende Frage: Steht man als Gitarrenband in Basel auf verlorenem Posten?
Micha Setlik, Vocals/Gitarre: Naja, zumindest The Waves gibt es ja noch! Und uns wird es auch noch lange geben!
Ruben Bachmann, Gitarre: Und dann gibt es ja auch noch haufenweise andere Gitarrenbands in Basel… Ich arbeite in einem Musikladen und kann dort jeden Tag wieder aufs Neue feststellen, dass es in Basel noch immer sehr viele Musiker gibt, die sich der Rockmusik widmen.

Stört es euch, als Vertreter der Rockmusik, dass die BScene dieses Jahr auch vermehrt elektronische Acts ins Programm aufgenommen hat?
Setlik: Nun ja, unser Drummer Yannick hat am späteren Abend auch noch einen Auftritt als DJ und bekommt da viel mehr Gage als wir jetzt. Das geht natürlich überhaupt nicht (lacht). Aber im Ernst: Das stört mich überhaupt nicht. Das ist halt einfach eine musikalische Tendenz, die momentan ziemlich fest spürbar ist. Übrigens auch bei ganz vielen Rockbands: Da gibt es ja derzeit einige, die sich neuerdings am Synthpop versuchen…

Heisst das also, dass bei euch Keyboards weder in den Proberaum noch auf die Bühne kommen?
Bachmann: Keyboards waren bei uns definitiv auch schon ein Thema. Das Schöne am Keyboard ist halt, dass du damit ganz andere Klangfarben in deine Musik reinbringen kannst. Das kannst du mit der Gitarre natürlich auch – aber nur bis zu einem gewissen Grad. Eine derart breite Soundpalette wie diejenige eines Keyboards kannst du mit einer Gitarre einfach nicht abdecken.

Das Herz von «The Waves» schlägt unverkennbar für den Gitarrenrock. Jedoch haben die einzelnen Mitglieder ziemlich unterschiedliche Musikbiographien. Was sind die Einzelteile, aus denen sich die Musik von «The Waves» zusammensetzt?
Setlik: Auf mich hatten sicherlich Oasis, Richard Ashcroft und die ganze übrige «Britpop»-Szene den grössten musikalischen Einfluss. Aber das ist natürlich noch längst nicht alles – was sich ja auch in unserer Musik zeigt. So sagen wir intern zum Beispiel immer, dass sich unser jüngster Song ziemlich fest nach B.R.M.C. anhört. Und die ruhige, amerikanische Art à la Ryan Adams schwebt bei uns natürlich auch immer mit.
Bachmann: Ich hingegen war lange Zeit ein riesiger U2-Fan, habe aber ebenfalls immer viel Oasis und Britpop gehört. Und Kings of Leon. Und Bon Iver. Und Coldplay…
Setlik: Unser Drummer Yannick hingegen kommt – wie schon erwähnt – aus der elektronischen Ecke. Und unser Bassist Silas, der früher Teil von The Triad war, hat bislang mit Leib und Seele den Stoner Rock ausgelebt. So macht es rückblickend betrachtet also schon Sinn, dass wir uns ausgerechnet im Gitarrenrock zusammengefunden haben – aber es war definitiv keine Entscheidung, die wir im vornherein bewusst getroffen haben.
Wichtig ist ja eigentlich sowieso nur, dass es für uns momentan funktioniert und es uns dabei auch Spass macht. Aber ich schätze, dass unsere Musik in zehn Jahren ganz anders klingen wird als jetzt.

Was machen «The Waves» in zehn Jahren also?
Setlik: Immer noch montags und mittwochs fleissig proben. Und natürlich ab und zu an der BScene spielen.

Dann wieder im Sommercasino, so wie heute?
Setlik: Ich war überrascht, dass das Sommercasino dieses Jahr überhaupt dabei war. Die Location ist ja eigentlich ziemlich weit weg von allen anderen Orten, die ich sonst normalerweise an einer BScene besuche. Gleichzeitig habe ich aber auch sofort gewusst, dass die Soundverhältnisse im Sommercasino meistens sehr gut sind und es dementsprechend immer «geil» tönt, wenn man hier spielt. Ich habe mich also durchaus gefreut, hier spielen zu dürfen.

Aber wenn ihr jetzt für euren Auftritt an der BScene 2015 einen Ort frei nach Wahl aussuchen dürftet, dann wäre es wahrscheinlich nicht das Sommercasino, oder?
Setlik: Am coolsten wäre es natürlich in der Reithalle in der Kaserne zu spielen. Aber ehrlich gesagt würde ich nächstes Jahr dort noch nicht auftreten wollen. Wir sind schliesslich noch immer mitten in einem musikalischen Findungsprozess und haben unsere Bandidentität noch nicht zu 100 Prozent gefunden.
Bachmann: Ja, angesprochener Selbstfindungsakt ist immer noch in vollem Gange. Darum sind wir beispielsweise momentan auch noch nicht dazu bereit, ein Album oder ähnliches aufzunehmen.
Setlik: Bezüglich Studioaufnahmen mache ich der Band noch einen weiteren Stich durch die Rechnung: Ich gehe im August nämlich für fünf Monate in die Ferien. Die Welt muss also noch ein wenig warten, bis sie von uns erobert werden kann.

Und welche Tipps gebt ihr einer aufstrebenden Basler Band, die nächstes Jahr an der BScene spielen möchte, mit auf den Weg?
Setlik: Üben, üben, üben.
Bachmann: Und – das darf durchaus auch einmal gesagt werden – es gibt ein paar Schlüsselpersonen in Basel, bei denen es nur von Vorteil sein kann, wenn man sie kennt.

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Die BScene 2014 aus den Augen der Künstler, Teil 1: Two and Yuna

Luca Bruno am Samstag den 1. März 2014

BSceneLogoBezüglich unserer alljährlichen Berichterstattung zur BScene haben in der Vergangenheit vor allem wir selbst oder die Organisatoren das Zepter übernommen. Für die diesjährige Ausgabe überlassen wir nun den auftretenden Künstlern selbst das Wort. Während der achtzehnten Edition der BScene haben wir mit einigen ausgewählten Künstlern Kurzinterviews geführt, die wir euch nun präsentieren. Den Anfang macht das Duo Two and Yuna, welches am Freitagabend die BScene im Parterre eröffnen durfte und dabei gleichzeitig auch zum ersten Mal überhaupt an der BScene auftrat.

Two and Yuna. Luzian Graber (l.) & Chantal Krebs (r.)

Two and Yuna. Luzian Graber (l.) & Chantal Krebs (r.)

Vor wenigen Minuten habt ihr euren allerersten BScene-Auftritt absolviert. Seid ihr zufrieden damit?
Chantal Krebs, Piano/Vocals:
Ja, sehr sogar! Wir haben letzten Donnerstag ein Konzert in Winterthur gespielt und dort war ich überhaupt nicht zufrieden. Zwar sind wir in Winterthur nicht irgendwie schlechter angekommen als jetzt gerade vorher, aber ich hatte nach jenem Konzert trotzdem ein viel schlechteres Gefühl als heute.
Luzian Graber, Drums: Die Voraussetzungen dort waren im Gegensatz zu heute allerdings auch ziemlich anders…
Krebs: Das Publikum heute hat auf alle Fälle sehr gut zugehört. Das hat mich sehr erstaunt. Es ist so angenehm zu wissen, dass dir die Leute auch wirklich zuhören, wenn du spielst.

Two and Yuna Ihr steht mit eurer Band «Two and Yuna» noch ziemlich am Anfang eurer Karriere. Inwiefern könnt ihr von einem Auftritt an der BScene profitieren?
Graber: Zuerst einmal ist die öffentliche Wahrnehmung eines Auftritts an der BScene im Vergleich zu den anderen Veranstaltungen, an denen wir bis jetzt gespielt haben, natürlich grösser. Nicht nur, weil es ein Festival ist, welches von sehr vielen Leuten besucht wird – also auch solchen, die uns noch nicht kennen – sondern auch, weil du generell mehr Aufmerksamkeit erhältst: So wurden wir im Rahmen des Festivals beispielsweise auch von Radio X interviewt und konnten unsere Musik dort ebenfalls vorstellen.
Krebs: Und dazu kommt: Das BScene-Publikum ist äusserst musikinteressiert! Es besucht das Festival, weil es Musik hören will.

Dass ihr für euren ersten Auftritt ins Parterre, eine der kleinsten BScene-Bühnen, gebucht wurdet und ihr bereits freitags um halb Zehn spielen musstet, stört euch dabei also nicht?
Krebs: Nein. Wir sind schon total glücklich darüber, dass wir heute überhaupt auftreten durften.

Wie sieht es mit euren Studioaufnahmen aus?
Krebs: Nächste Woche nehmen wir eine EP auf, die wir im Herbst veröffentlichen wollen. Und selbstverständlich stehen auch noch ein paar weitere Konzerte an. Wir wollen zum Beispiel auf der Summerstage spielen! (lacht) [Anm.: Die BScene schickt dieses Jahr eine von fünf im Vorfeld ausgewählten Bands mittels SMS-Voting auf die Summerstage. Two and Yuna sind eine der fünf Bands, die im Rennen um diesen Slot sind.]
Graber: Unser primäres Ziel für die nächste Zeit ist eindeutig, diese EP fertig zu bekommen. Wobei wir einen Teil davon eigentlich schon haben.
Krebs: Genau. Der Song «Lost», gleichzeitig auch der erste Song, den wir je aufgenommen haben, wird Teil dieser EP sein.

Eure in erster Linie nur von Piano und Drums getragene Musik erinnert durch ihre Reduziertheit an Regina Spektor oder Fiona Apple. Wo liegen also eure Inspirationsquellen?
Krebs:
 Fiona Apple habe ich tatsächlich früher sehr gerne und oft gehört und sie hat mich musikalisch definitiv inspiriert. Und sonst: Patrick Watson, oder ganz allgemein andere Singer/Songwriter beziehungsweise Menschen am Klavier. Aber die Samples, die wir via Laptop einspielen sind mir natürlich auch sehr wichtig. Denn wenn wir nur Klavier und Schlagzeug hätten, dann würde mir definitiv etwas fehlen.
Grabner: Bei mir sind es eher weniger konkrete Einflüsse – ich kann jetzt also keine Bandnamen nennen – sondern ganz generell einfach Musik, die sich mit Sound auseinandersetzt. Darum funktioniert übrigens auch unsere Zusammenarbeit so gut: Chantal kümmert sich um das Songwriting und zusammen schauen wir dann, wie das ganze möglichst gut tönen könnte.

Ständiger Begleiter der Band: Yuna.

Ständiger Begleiter der Band: Yuna.

Euer Bandname lässt darauf schliessen, dass ihr eigentlich gar kein Duo, sondern in Wirklichkeit ein Trio seid. Bei euren Konzerten begleitet euch ein Porträt von Yuna, welches ihr heute am vorderen Bühnenrand platziert habt. Wer ist diese Yuna?
Krebs: Nach einem Konzert von uns hat ein Künstler – inspiriert durch unsere Musik – Yuna gemalt und sie mir anschliessend präsentiert. Zwar betonte er, dass dieses Bild nur eine Skizze sei und er sie noch viel besser malen könnte, aber ich habe sofort gewusst, dass das Mädchen auf diesem Bild unsere Yuna ist. Seither ist sie überall und immer dabei und besonders bei unseren Konzerten ein ständiger Begleiter. Unser Bandname existiert zwar schon länger als das Bild, durch dieses Portrait fühlt es sich allerdings noch viel realer an.

Und ist Yuna ebenfalls zufrieden mit dem heutigen Auftritt?
Krebs: Das kann ich nicht beantworten. Sie ist immer äusserst kritisch.

Open Air Basel wirft erste Köder aus

Gawin Steiner am Dienstag den 25. Februar 2014

Es ist sicherlich ein Highlight am Basler-Sommer-Event-Himmel: Das Open Air Basel, welches 2014 erst zum zweiten Mal unter diesem Namen stattfindet. Im August soll bei der Kaserne wieder getanzt, gesungen und getrunken werden. Getanzt zu Musik, bei der wahrscheinlich nicht jeder sofort den Rhythmus findet. Und die breite Masse den Songtext wohl nicht aus dem Stehgreif hervorholen kann. Mit «Fink» am Freitag und «Mount Kimbie» am Samstag, wurden pünktlich zum Vorverkaufsstart die ersten beiden Acts bekannt.

2013 konnten «Crystal Fighters» das Publikum auf dem Kasernenareal begeistern.

2013 vermochten «Crystal Fighters» das Publikum auf dem Kasernenareal zu begeistern. (Bild: Lucian Hunziker)

Doch das sind erst die ersten beiden ‹Tropfen› des Line Ups. Die weiteren Acts werden dann Ende März und Anfang April bekannt gegeben. Dann soll auch der eigentliche Headliner genannt werden.

Einen kleinen Vorgeschmack auf die bereits bekannten Acts wollen wir unseren Lesern aber trotzdem nicht vorenthalten:
Fink, zu bürgerlichem Namen Finian Paul Greenall, ist ein englischer Singer/Songwriter aus Brighton. Der 32-Jährige schlägt zusammen mit seinem Bassisten und seinem Drummer sanfte Töne an. Mit seiner beruhigend wirkenden Stimme baut er immer wieder Spannung auf, die kurz vor dem Höhepunkt aber wieder zur Ruhe selbst wird.


Musik für Geniesser: «Fink» in Studioqualität (l.) und live (r.).

Ruppiger geht es bei Mount Kimbie zu: Die Londoner Band um Dominic Maker und Kai Campos lässt Minimal aus den Lautsprechern ertönen mit einer ordentlichen Portion Bass. Mit jeder Menge eingebauter orientalischen Klängen differenzieren sie sich aber stark vom typischen Minimal in den Basler Clubs. Definitiv tanzbar.


Tanzbar: Elektronische Klänge von Mount Kimbie in Studioqualität (l.) und live (r.).

Openair Basel, 15./16. August 2014, Kasernenareal Basel
www.openairbs.ch
www.facebook.com/OpenAirBasel
Tickets gibts auf www.starticket.ch

Neustart nach dem Crystal-Hype

Luca Bruno am Donnerstag den 20. Februar 2014

«Crystal Antlers» und «Crystal Stilts» heissen zwei Bands, die bald in der Kaserne Basel zu Gast sind. Die Bands gleichen sich nicht nur vom Namen her, sie haben auch einen ziemlich ähnlichen Karriereverlauf vorzuweisen.

Da geht's lang: Crystal Antlers (r.) & Crystal Stilts (l.)

Zur Kaserne bitte rechts abbiegen: Crystal Antlers (l.) & Crystal Stilts (r.)

In jungen Jahren schlagartig ins Rampenlicht befördert, nur um kurze Zeit später bereits wieder vergessen zu werden? Nein! Die Rede ist nicht von den durchschnittlichen Karriereaussichten unserer kickenden U17-Welt- und Europameister, sondern von jenen Bands, die uns Blogosphäre und einflussreiche Musikmagazine seit etwa 2005 im Zweiwochentakt als «Next Big Thing» auftischen – nur um sie im nächsten Atemzug bereits wieder als «Schnee von Gestern» bezeichnen zu können.

Dabei schreibt jedes einzelne Jahr seine Geschichten und Hypes aufs Neue. Und so hatte auch das Musikjahr 2008 seine unverkennbaren Trends: Wer damals beispielsweise die Worte «Crystal», «Wolf», «Black» oder «Girls» im Bandnamen hatte, auf Lo-Fi Produktion setzte und zugleich entweder an der Küste Kaliforniens oder im New Yorker Stadtteil Brooklyn angesiedelt war, hatte gute Karten für massive Magazin- und Blogpräsenz. Kein grosser Zufall also, dass ausgerechnet die beiden Bands Crystal Antlers und Crystal Stilts mit ihren jeweiligen Debüt-EPs voll ins Schwarze der damaligen Meinungsmacher getroffen haben.

Jetzt, rund sechs Jahre später, statten beide Bands der Kaserne Basel einen Besuch ab. Während das Konzert der Crystal Antlers bereits diesen Samstagabend, am 22. Februar 2014 stattfindet, müssen wir auf den Besuch der anderen «Crystal»-Band noch ein wenig länger warten: Die Crystal Stilts haben ihren ersten Basler Auftritt am Mittwoch, den 5. März. Diesen Beitrag weiterlesen »

Fremdschämen für Fortgeschrittene

Fabian Kern am Mittwoch den 19. Februar 2014

«Stromberg – der Film» läuft ab 20.2. im Capitol und im Küchlin.

«Stromberg – der Film» läuft ab 20.2. im Capitol und im Pathé Küchlin.

Der Humor von Stromberg ist nicht jedermanns Sache. Der Mann tritt gegen unten und schleimt gegen oben und sorgt mit seinen diskriminierenden Witzen immer wieder für hochnotpeinliche Pausen. Und auch wer das lustig findet – in höheren Dosen scheint der Humor nicht mehr allzu bekömmlich zu sein. Deshalb die bange Frage vor dem Gang in die Vorstellung der Kinoversion «Stromberg – der Film»: Ist Christoph Maria Herbst in seiner Paraderolle als arschkriechender Opportunist über 100 Minuten zu ertragen oder entwickelt man bei dieser epischen Länge des Fremdschämens eine bleibende Abneigung gegen Bürojobs jeglicher Art? Ich setzte meine berufliche Zukunft aufs Spiel und wagte den Selbstversuch.

Sorgenfalten bei Stromberg. (Bilder: Praesens)

Wie gehts weiter? Sorgenfalten bei Stromberg. (Bilder: Praesens)

Eingefleischten Stromberg-Fans wird angesichts der Ereignisse der Atem stocken, denn nach dem Film wird nichts mehr so sein, wie es in der Serie gewesen ist. Das ist letztlich das Geniale an «Stromberg – der Film»: Er ist inhaltlich an die TV-Serie gekoppelt, führt sie sogar fort, funktioniert aber auch als eigenständiger Film. Aber wir wollen nicht vorgreifen. Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) sitzt als Leiter der Schadensregulierung der Capitol Versicherung bombemfest im Sattel. Zumindest nach Eigenansicht des selbstgefälligen Bürolisten. Doch dann erfährt er – ausgerechnet über den Hausmeister –, dass seine Filiale dicht gemacht werden soll. Sein Kommentar dazu: «Eine Firma ist wie die Ehefrau: Die fickt dich, wenn du nicht damit rechnest.»

Wo gehts zur Firmenfeier? Stromberg und «Ernie».

Wo gehts zur Feier? Stromberg und «Ernie».

Deshalb hilft Stromberg nur die Flucht nach vorn. Er beschliesst, mit der gesamten Abteilung an der 50-Jahr-Feier der Capitol in der Provinz teilzunehmen – obwohl er genau das noch tags zuvor seinen motivierten Mitarbeitern verboten hatte. Aber so ist halt Stromberg: Er versucht, alles zu seinem Vorteil auszunutzen. Dass er dabei in seiner Arroganz allerdings sehr kurzsichtig agiert, ignoriert er komplett, muss er aber an der Firmenfeier am eigenen Leib erfahren. Denn eigentlich will er sich mit einer Schleimattacke für einen Wechsel in die Firmenzentrale seine berufliche Zukunft in der Capitol sichern, begegnet dabei aber lauter früheren Kollegen, welche er früher lächerlich gemacht hat. Ausgerechnet Berthold «Ernie» Heisterkamp (Bjarne I. Mädel) hingegen, Strombergs Mobbing-Opfer Nummer eins, kommt beim Capitol-Boss richtig gut an. Stromberg muss sich zur Abwechslung richtig ins Zeug legen, um nicht zwischen Stuhl und Bank zu fallen. Bloss – wie macht man das?

Wie behalte ich den Job? Stromberg zieht alle Register.

Wer mag mich? Stromberg zieht alle Register.

Triste Grundstimmung, haarsträubender Kleidergeschmack und minutenlanges Fremdschämen – Stromberg bleibt sich auch auf der Leinwand treu. Die Story ist gut und vermag über die volle Spielfilmlänge zu unterhalten. Nicht zuletzt durch den Ausbruch aus dem Grossraumbüro und die Wandlung zum Roadmovie. Trotzdem wurde der dokumentarische Stil beibehalten. Die Kommentare der Angestellten direkt in die Kamera sorgen für die besten Lacher und sind die Essenz von Stromberg. Deshalb kann der Selbstversuch als Erfolg verbucht werden, und ich muss mein berufliches Dasein künftig nicht völlig desillusioniert in meinem Grossraumbüro fristen. Oder mit den Worten von Stromberg: «Lass das mal den Papa machen… Papa macht das gut.»

«Stromberg – der Film» läuft ab 20. Februar 2014 in den Kinos Capitol und Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 20. Februar: Monuments Men, Dallas Buyers Club, Tarzan 3D, Traumland, Alphabet, Viva la libertà.

«Krieger» – eine geballte Portion Emotionen

Gawin Steiner am Montag den 17. Februar 2014

Es ist keine Premiere, eher eine Dernière und ein vermeintliches Ende eines erfolgreichen Kursierens eines Kurzfilms. Am 22. Februar flimmert «Krieger» im Neuen Kino Basel am Kurzfilmfestival «Kurz&Knapp» noch einmal über die Leinwand. Protagonist und «Krieger» im Film ist der 24-jährige Mickey, ein Freund des Regisseurs aus der Region. «Ich kenne Mickey seit vier, fünf Jahren und ich wusste, ich will einen Film mit ihm machen», sagt Regisseur Patrick Meury.

Die Erzählung von Mickey lebt von Gestik und Emotionen.

Die Erzählung von Mickey lebt von Gestik und Emotionen.

Es habe aber lange gedauert, bis er realisiert habe, dass er dafür gar kein Drehbuch braucht, sondern Mickey nur seine Geschichte erzählen lassen muss: Dem Heroin verfallen, reiste Mickey nämlich nach Peru um seiner Sucht zu entkommen. Mit traditioneller schamanistischer Methoden, wo eines der stärksten bekannten Halluzinogene, Ayahuasca, eingesetzt wird. Es ist ein Kampf, von dem Mickey auf einem Stuhl sitzend erzählt, surreal, in einer eigenen Welt. Zwölf Minuten geballte Emotionen in einem dunklen Raum.

Patrick Meury, Regisseur von «Krieger»

Patrick Meury, Regisseur von «Krieger».

Dass es eben nicht nur ein «Erzählen» ist, davon lebt die Geschichte: Schreie und Emotionen, mit total authentischer Wirkung. Es ist genau das, was die Geschichte ausmacht, kein Drehbuch, es ist bloss ein Zusammenschnitt eines zweistündigen Interviews, welches nicht gespielt, sondern gelebt wird.

Dafür wurde Regisseur Patrick Meury Anfang 2013 an den Schweizer Jugendfilmtagen in Zürich mit dem 2. Rang ausgezeichnet: «Durch die formale Einfachheit der intensiven und kraftvollen Erzählung, erhält der Zuschauer Einblick in eine ganz besondere Reise», begründet die Jury die Platzierung. «Krieger» war die Abschlussarbeit von Patrick Meury an der Filmhochschule Luzern, die ihn aufnahm, bloss anhand seiner bereits produzierten Filme. Gezeigt wurde der Film unter anderem auch an den Solothurner- und Winterthurer Filmtagen sowie am «Zoom – Basler Filme im Fokus». Das Highlight erlebte der 29-jährige Röschenzer Filmemacher aber erst im vergangenen November in München, wo sein Film für das 33. Internationale Festival der Filmhochschulen ausgewählt wurde. Reise und Unterkunft bezahlt. So nahm sich der freischaffende Schreiner eine Woche frei und reiste ohne jegliche Vorstellungen nach München.


So professionell kommt das Internationale Festival der Filmhochschulen in München daher.

Einen Preis gewann er nicht, so viel vorweg. Doch dies war auch nicht nötig: Eine riesige Eröffnungsfeier mit Prominenz wie dem Münchner Bürgermeister, ein vollgepacktes Programm mit vielen Interviews und stets vollbesetzten Kinovorführungen. «Ein perfekt organisiertes Festival», schwärmt Meury. Vor allem aber auch eine ideale Plattform für den Austausch mit anderen 48 jungen Filmemachern aus aller Welt. «Es war einfach grossartig, an so einem grossen Festival dabei zu sein». Nun ist aber Kurz&Knapp das letzte Filmfestival, das den im Sommer 2012 erschienenen Film im Programm hat. Doch: «Bei Kurzfilmen erhält man immer wieder Anfragen für ein Festival, wenn man schon gar nicht mehr damit rechnet», sagt Meury. Und so schnell wird Meury auch nicht einen neuen Film aus dem Boden stampfen, Qualität und Lust haben Vorrang gegenüber der Quantität.

Der Protagonist von Krieger ist bis heute clean.

www.patrickmeury.ch
«Krieger», Samstag, 22.02.2014 ab 21.00 Uhr, Neues Kino Basel

Schweighöfer mit Biss

Fabian Kern am Donnerstag den 6. Februar 2014

«Vaterfreuden» läuft ab 6.2. im Capitol und im Küchlin.

«Vaterfreuden» läuft ab 6.2. im Capitol und im Küchlin.

Eines steht fest: Matthias Schweighöfer hat die deutsche Liebeskomödie nicht neu erfunden. Aber der Blondschopf ist mit Abstand deren produktivster Vertreter. Kaum hat sich der 32-Jährige mit «Schlussmacher» und «Frau Ella» aus den Kinos verabschiedet, bevölkert er sie schon wieder. «Vaterfreuden» heisst sein neuster Wurf, und er bietet nicht mehr, aber auch nicht weniger, als man von einem Schweighöfer erwarten kann. Denn im Gegensatz zu seinem Kumpel Til Schweiger, der vor ihm prägend für die deutsche Schnulze war, hat Schweighöfer keine qualitativen Ausrutscher. Kein Wunder, denn schauspielerisch agiert Schweighöfer ein bis zwei Etagen höher als Schweiger. Die Steigerung von Schweiger ist Schweighöfer.

Keine Freunde: Carsten und Felix. (Bilder: Warner)

Bissige Beziehung: Carsten und Felix. (Bilder: Warner)

Für einige Anleihen bei «Keinohrhasen» und «Kokowääh» ist sich der 32-Jährige dennoch nicht zu schade. Denn wie gesagt: Er hat die deutsche Liebeskomödie nicht neu erfunden – und will es auch gar nicht. Angesichts einer für den Plot nicht ganz unwichtigen tierischen Nebenfigur hat Schweighöfer wohl auch über den grossen Teich gelinst. Das Frettchen in «Vaterfreuden» erinnert doch stark an jenes aus «Along Came Polly». Während besagter Nager von Jennifer Aniston aber ziemlich harmlos ist, muss man bei Carsten schon mal sein bestes Stück einziehen – zumindest, wenn es gerade mit Honig beträufelt wurde. Denn das ist Carstens Leibspeise. Leider passiert Felix (Schweighöfer) aber genau das, und das erst noch mit Handschellen ans Bett gefesselt. Der notorische Frauenheld wird lebenslang für diesen Fauxpas büssen müssen, denn Carstens Zähne haben ihn seine Zeugungsfähigkeit gekostet.

Fruchtbare Geschichte: Felix und Henne beim Arzt.

Fruchtbare Sache: Felix und Henne beim Arzt.

Was grundsätzlich kein Problem wäre, da Felix ein überzeugter Single ist. Aber mit dem Abschied der Kronjuwelen kommt im Gegenzug der Kinderwunsch. Gut, hat sich Felix kurz vor dem Unfall von seinem  ebenso nervigen wie unerwünschten Bruder Henne (Friedrich Mücke) zur Samenspende hat überreden lassen. Und weil dieser ein schlechtes Gewissen hat, dass ausgerechnet sein Haustier den Bruderherz die Männlichkeit gekostet hat, lässt er sich auch nicht von der Anonymität der Fruchtbarkeitsklinik abschrecken und findet heraus, dass Felix’ Samen bereits den Weg in einen Uterus gefunden hat – jenen von Maren (Isabell Pollak), Münchens beliebtester Sportmoderatorin. Nur hat die Schöne nicht auf Felix gewartet, sondern plant ein dreisame Zukunft mit ihrem Verlobten, dem Yuppie Ralph (Tom Beck) und dem ungeborenen Kind. Aber der verhinderte Vater hat sich in den Kopf gesetzt, im Leben seines wohl einzigen Kindes eine Rolle zu spielen.

Paar-Potenzial: Maren und Felix.

Paar-Potenzial: Maren und Felix.

Natürlich, einen Filmpreis wird der Streifen nicht absahnen. Dafür ist er zu oberflächlich und gibt es zu viel derben Humor und zu viele vorhersehbare Slapstick-Einlagen. Natürlich, einiges kennt man aus anderen Filmen. Das ist in diesem Genre nicht ungewöhnlich. Natürlich, wenn man selbst Kinder hat, muss man einige üble Klischees aushalten. Alles in allem aber ergibt das einen gefälligen Mix mit einem authentischen Charme. Muss man denn überhaupt um jeden Preis bahnbrechend sein? Muss man die deutsche Liebeskomödie neu erfinden? Nein. Wer sie bisher nicht geschaut hat, wird sie auch jetzt nicht schauen – ausser Mann wird von der Partnerin dazu genötigt. Und das bisherige Stammpublikum wird am neusten Schweighöfer seine Freude haben.

«Vaterfreuden» läuft ab 6. Februar 2014 in den Basler Kinos Capitol und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 6. Februar: Der Goalie bin ig, RoboCop, Free Birds, Mandela: Long Walk to Freedom.

Nummer eins! Die Baselbieter Hitparaden-Königin

Joel Gernet am Dienstag den 4. Februar 2014

Sensation aus Sissach: Soul-Sängerin Ira May steigt mit ihrer allerersten Platte direkt auf Platz 1 der Hitparade ein. Im grossen Video-Interview redet die Baselbieterin über ihren überwältigenden Erfolg. Und sie erklärt, warum sie den Vergleich mit Amy Winehouse am liebsten aus der Welt schaffen würde.

Direkt an die Spitze der Album-Charts: Ira May redet im grossen Interview nicht nur über ihren Chart-Coup, sondern auch über die gemeinsame Schülerchor-Zeit mit Baschi und Sarah-Jane, das Heimspiel in Gelterkinden und die Schwierigkeit der Live-Umsetzung ihres Albums.

Ira May kann es kaum fassen: Ihr Debutalbum «The Spell» wird am kommenden Sonntag an der Spitze der Album-Charts stehen. «Das war ein ganz krasser Moment – ich war sprachlos und bin es jetzt noch», sagt die 26-Jährige über den Moment, in dem sie von ihrem Triumph erfahren hat. Ihr Management aus Deutschland hat via Videotelefon den Hitparaden-Coundown runtergezählt. Nach einem scherzhaften Stocker bei Nummer 4 – die Sissacherin freute sich schon – endete der Spass dann an der Spitze: Platz eins! Und das ohne grosses Label im Rücken und mit komplett selber geschriebenen Texten – was heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Gerade in den Top Ten.

Prost: Ira May feiert ihren Charteinstieg.

Prost: Ira May feiert ihren Chart-Einstieg.

«Wir hatten nie das Ziel, mit dem Album zu charten – das muss ich ganz ehrlich sagen», erklärt Iris Bösiger, wie Ira May mit bürgerlichem Namen heisst. «Es sollte eine Platte werden, die uns gefällt und hinter der man ohne Kompromisse stehen kann.» Dass ihr genau das nun gelungen ist, macht die Sissacher Soul-Sängerin umso glücklicher.

Zu behaupten, der hohe Chart-Einstieg sei eine völlige Überraschung wäre etwas gar kokett – schliesslich war der Medien-Hype um die Baselbieterin in den vergangenen Wochen beachtlich und gipfelte auf der Titelseite der Coop-Zeitung. Dass das Abenteuer aber gleich auf dem Hitparaden-Thron endet, damit hat Ira May wirklich nicht gerechnet. «Ich sehe nicht den Hype, sondern meinen Alltag», erklärt sie. «Wir hofften es zwar – aber Platz eins ist doch ziemlich heftig.»

Wenn Ira May «wir» sagt, meint sie damit auch Shuko, der für den kompletten Album-Sound verantwortlich ist. Der Mainzer Beat-Bastler gehört zu den bekanntesten Produzenten in Deutschland und arbeitete unter anderem für Rapper wie Lil Wayne, Tyga oder Talib Kweli aus Amerika; Soprano und Sexion d’Assault aus Frankreich oder die deutschen Rap-Grössen Cro, Casper oder Sido. In der Schweiz profitierten bis jetzt etwa Gimma, Bligg und Bandit von den Beats des Deutschen. Und nun also Ira May, die seinen Sound sogar auf Albumlänge auf den Leib geschneidert bekommen hat und die auf Shukos Indie-Label Peripherique Records unter Vertrag steht.

1014546_494886983965057_465518273_o«Das war eine sehr spezielle Geschichte», sagt Bösiger über ihr Zusammentreffen mit Shuko. Eine Geschichte, die auf die Zeit zurückgeht, in der sie Musik als Hobby neben ihrer Lehre als Verkäuferin betrachtete. Die Beats kamen damals noch vom Sissacher Produzenten Sandro Purple Green, der die Früchte der gemeinsamen Arbeit ins Netz stellte. So wurde Shuko auf die Soul-Stimme aus Sissach aufmerksam.

Nachdem Ira May Ende 2012 auf Black Tigers Monsterprojekt «1 City 1 Song» den 83-Minuten-Song nach über 140 Rappern mit ihrer Stimme beendete, entdeckte SRF3-Musikredaktor Sascha Rossier die Baselbieterin, die er umgehend als «Amy Winehouse aus Sissach» anpries – ein Etikett, das der Sängerin seither viel Aufmerksamkeit einbrachte. Sie selber ist mit dem Vergleich allerdings nicht so glücklich. «Über diesen krassen Vergleich habe ich mich nie wirklich gefreut», sagt Bösiger.

Ira May: The Spell (2014).

Ira May: The Spell (2014).

Sie könne verstehen, dass gewisse Leute sich pikiert fühlen, ihr selber würde es vermutlich nicht anders gehen. «Ich finde das ein ganz schwieriges Thema: Natürlich bin ich dankbar um einen solchen Vergleich – dennoch hoffe ich, dass sich dieses Thema jetzt so schnell wie möglich erledigt.» Die Chancen dafür stehen nicht schlecht: Denn spätestens ab jetzt ist Ira May nicht mehr nur die…ihr wisst schon wer…aus Sissach, sondern die Baselbieterin, deren rauchige Soulstimme es ganz ohne Major-Label oder TV-Casting bis an die Spitze der Schweizer Album-Charts geschafft hat. Und das ist erst der Anfang – die Tournee hat eben erst begonnen. Und auch in Deutschland gewinnt Ira Mays Album «The Spell» langsam an Fahrt.

Tourdaten: 08.02. Mühle Hunziken Rubigen / 21.02. Kulturkarussel Stäfa / 22.02. Kufa Lyss / 28.02. Kugl St. Gallen / 01.03. Bscene Basel / 21.03. La Spirale Fribourg / 22.03. Krempel Buchs / 29.03. M4Music Zürich.