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Die Hunger Games werden erwachsen

Fabian Kern am Mittwoch den 20. November 2013

«Hunger Games: Cathing Fire» läuft ab 21. November im Küchlin und im Rex.

«Hunger Games: Catching Fire» läuft ab 21. November im Capitol, im Küchlin und im Rex.

Sie hat schon was, diese Jennifer Lawrence. Nebst gutem Aussehen eine unglaubliche Präsenz auf der Leinwand. Doch die Oscar-Gewinnerin dieses Jahres – für «Silver Linings Playbook» – ist nicht der einzige Grund dafür, sich den zweiten Teil der «Hunger Games»-Trilogie im Kino zu Gemüte zu führen. «Die Tribute von Panem – Catching Fire» ist im Gegensatz zum ersten Teil rasantes Spannungskino, das in allen Belangen überzeugt. Nicht nur für Halbwüchsige, sondern auch für die Grossen.

Eine Buchverfilmung zu rezensieren, ohne den Roman gelesen zu haben, kann eine heikle Angelegenheit sein. Sie kann das Ganze aber auch vereinfachen, weil man nur das Produkt Film beurteilt. Suzanne Collins’ düsteres Zukunftsszenario um den Überwachungsstaat Panem vermochte bei seinem erste Kinoauftritt nicht bedingungslos zu überzeugen. Das Tempo war gemächlich, da sehr viel Rahmeninformation vermittelt werden musste. Insofern hatte es Regisseur Francis Lawrence für den zweiten Teil einfacher als sein Vorgänger Gary Ross. Dennoch ist bemerkenswert, wie er den den Zuschauer von der ersten Minute an packt und ihn derart rasant durch die Handlung führt, dass man nach den knapp zweieinhalb Stunden enttäuscht auf die Uhr schaut, weil man es nicht glauben kann, dass der Film schon vorbei ist. Die Handlung ist es nämlich noch lange nicht.

Katniss und Peeta auf dem Weg zur Rekrutierung.

Katniss und Peeta auf dem Weg zur Rekrutierung. (Bilder: Impuls)

«Letztes Jahr war ein Kinderspiel», kündigt Woody Harrelson in der Person von Haymitch Abernathy an. Und er sollte Recht behalten. Bekamen es Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und Peeta Mellark (Josh Hutcherson) im ersten Teil noch mit Teenagern und Kindern zu tun, so müssen sie sich in der 75. Ausgabe der Hunger Games mit lauter Siegern aus den anderen Distrikten herumschlagen – ausgewachsene Männer und Frauen, ausgebildet zu Killern. Dabei verfolgt das dekadente Capitol um Präsident Snow (Donald Sutherland) einen perfiden Plan: Katniss, die als Volksheldin verehrt wird, soll moralisch demontiert werden, damit sie nicht zur Gallionsfigur einer sich anbahnenden Revolution wird. Doch auch innerhalb der modernen Gladiatoren bestehen Allianzen, sich gegen das Regime aufzulehnen.

Neue Gesichter: Plutarch Heavensbee...

Neue Gesichter: Plutarch Heavensbee (links)…

... und Finnick Odair (rechts).

… und Finnick Odair (rechts).

In der schnörkellosen Inszenierung tummelt sich ein hochkarätiger Cast, der seinesgleichen sucht. Neben den bereits bekannten Figuren werden neue, spannende Charaktere eingeführt. So darf etwa Philip Seymour Hoffman als Plutarch Heavensbee – die Namen sind einfach köstlich – die Jubiläumsausgabe der Hungerspiele orchestrieren. Unter den Tributen glänzen Jeffrey Wright als Beetee, Sam Claflin als Finnick Odair und Jena Malone als Johanna Mason – allesamt Verbündete von Katniss und Peeta, denen man aber nicht recht über den Weg traut.

Und auch die alten Bekannten zeigen ungewohnte Seiten. So zeigt die überkandidelte Effie Trinket (Elizabeth Banks) ehrliche Gefühle, während Cinna (Lenny Kravitz) sich als einer der loyalsten Begleiter von Katniss herausstellt. Zudem bietet auch die Scheinbeziehung zwischen Katniss und Peeta, die sie im grellen Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit krampfhaft aufrecht erhalten müssen, ungeahnte Perspektiven: Verliebt sich die tapfere Amazone tatsächlich noch in den pazifistischen Bäckersjungen?

Sieht so ein Traumpaar aus? Katniss und Peeta.

Sieht so ein Traumpaar aus? Katniss und Peeta.

Das Kinderspiel ist tatsächlich vorbei. Wer von den Hunger Games im Herbst 2012 enttäuscht war, der wird nun mit einem richtig guten Thriller belohnt. Der Wettkampf – in einer tropischen Umgebung angelegt, die an den Planeten in «Predators» erinnert – ist schwer vorhersehbar und an Spannung kaum zu überbieten. Nicht nur die Gegner sind durchtrieben und böse. Nein, diesmal bietet auch die «Arena» im Dschungel spektakuläre, tödliche Fallen. Ein einziges Manko hat der Film: Dass man ein Jahr auf die Fortsetzung warten muss. Wer sich die Vorfreude nicht verderben will, verzichtet auf den Blick ins Buch. Von Buchverfilmungen ist man ohnehin meistens enttäuscht. Und Jennifer Lawrence trifft man zwischen den Seiten auch nicht an.

«Hunger Games – Catching Fire» läuft ab 21. November 2013 in den Basler Kinos Capitol, Pathé Küchlin und Rex.

Weitere Filmstarts in Basel am 21. November: Blue Jasmine, Recycling Lily, The Family, Water and Fire – Su ve Ates.

MacGyver auf Anabolika

Fabian Kern am Mittwoch den 13. November 2013

«Escape Plan» läuft ab 14.11. in den Kinos Pathé Küchlin (Basel) und Oris (Liestal).

«Escape Plan» läuft ab 14.11. in den Kinos Pathé Küchlin (Basel) und Oris (Liestal).

Die lieben Erwartungen. Da sieht man zwei gealterte Actionstars auf dem Plakat eines Ausbruchsthrillers und denkt sich: Das wird sicher lustig – wenn auch vor allem unfreiwillig. Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger schossen und prügelten sich letztes Jahr in «Expendables 2» erstmals Seite an Seite durch die Kinosäle. Der frühere Gouverneur von Kalifornien doppelte im zweiten Frühling seiner Schauspielkarriere mit der altmodischen, aber amüsanten Actionkiste «The Last Stand» gleich nach. Also weiter in diesem Stil? Nein! Mikael Hafströms «Escape Plan» bietet keine Haudrauf-Action, sondern vielmehr solide Spannung, die über die gesamte Filmdauer anhält.

In der Falle: Ray Breslin. (Bilder: Ascot Elite)

In der Falle: Ray Breslin. (Bilder: Ascot Elite)

Ray Breslin (Stallone) ist der Spezialist schlechthin, wenn es um die Sicherheit von Gefängnissen geht. Die Haftanstalt, aus welcher der frühere Staatsanwalt (!) nicht ausbrechen kann, muss erst noch gebaut werden. Oder wurde sie das schon? Die CIA beauftragt den Experten, ein neuartiges Hochsicherheitsgefängnis für die Bösesten der Bösen auf ihre Schwächen zu testen. Weil das Honorar exorbitant hoch ist, zögert Breslins Geschäftspartner Lester Clark (Vincent D’Onofrio) keine Sekunde, seinen besten Mann ins Ungewisse zu schicken. Denn der Haken an der Geschichte: Keiner aus dem Team darf wissen, wo der Knast liegt. Eine klare Verletzung von Breslins Regeln, was ihn aber nicht daran hindert, das Risiko einzugehen.

Skrupellos: Direktor Hobbes.

Skrupellos: Direktor Hobbes.

Dabei weiss man doch, dass die Verletzung von Regeln in Filmen immer zu Problemen führt! Das merkt auch Breslin in seinem neuen ungemütlichen Zuhause. Das Hightech-Verlies ist anders als alles, was er bisher gesehen hat. Kein Wunder, hat es Direktor Hobbes (Jim Caviezel) doch aufgrund Breslins Buch über Sicherheit bauen lassen. Und nun will er ihn mithilfe seiner Wärtertruppe um den Sadisten Drake (Vinnie Jones) schmoren lassen. Aber warum? Und wo ist dieses Gefängnis überhaupt? Fragen, die Breslin nur mit Unterstützung beantworten kann: Vorhang auf für Emil Rottmayer (Schwarzenegger). Der im Knast höchst respektierte Häftling macht mit Breslin gemeinsame Sache – unter der Bedingung, dass er ihn mit auf die Flucht nimmt. Doch Hobbes bekämpft alle verdächtigen Aktivitäten mit brutalen Massnahmen.

Knastbrüder: Emil und Ray.

Knastbrüder: Emil und Ray.

Natürlich, gewisse Szenen sind etwas übertrieben. Stallone als MacGyver auf Anabolika weiss aus jeglichen Materialien irgendetwas Nützliches anzufangen und übertreibt es bisweilen mit seinen Fertigkeiten. Zudem geniesst er trotz aller Repressionen erstaunliche Freiheiten in einem Knast, wo jeder Winkel dauerüberwacht ist. Seis drum, die Mischung zwischen Spannung und Humor, zwischen Action und Dialogen stimmt. Auch deshalb, weil man das Alter von Stallone (67) und Schwarzenegger (66) berücksichtigt, und die beiden Actionikonen nicht mit übertriebener Kraftmeierei der Lächerlichkeit preisgibt. Allerdings muss man sagen, dass Schwarzeneggers Deutsch, das er im Film ziemlich lange präsentiert, fast noch schlimmer ist als sein Englisch. Dennoch ist «Escape Plan» ein guter Actionthriller. Wem das zu wenig Muskeln, Maschinen und Kanonen sind, der kann sich auf «Expendables 3» freuen, mit dem uns Stallone 2014 beglücken wird.

Die lieben Erwartungen. Manchmal ist es auch schön, wenn sie nicht erfüllt werden.

«Escape Plan» läuft ab 14. November 2013 in den Kinos Pathé Küchlin (Basel) und Oris (Liestal).

Weitere Filmstarts in Basel am 14. November: Captain Phillips, Last Vegas, Eltern, Io e te, Venus im Pelz, The Lunchbox, Watermarks – Three Letters from China.

Ein turbulentes Basler DJ-Wochenende in Toronto

Joel Gernet am Dienstag den 12. November 2013

Breits zum zweiten Mal konnte der Basler DJ Bazooka die Schweiz an den «Red Bull Thre3Style World Finals» in Kanada vertreten. Für den 28-Jährigen wurde das vergangene Wochenende zu einer Achterbahnfahrt der Gefühle.

Als Roman Blum alias DJ Bazooka im Dezember 2011 zum Weltfinal des DJ-Wettkampfes «Red Bull Thre3Style» nach Vancouver reiste, war er krasser Aussenseiter – und landete prompt auf dem sensationellen zweiten Platz (wir berichteten). Am vergangene Wochenende flog der 28-jährige Basler erneut zu den Final-Ausscheidungen nach Kanada. Diesmal nach Toronto – und von vielen seiner 15 Konkurrenten als Mitfavorit gehandelt.

Mit einer fünfzehnminütigen DJ-Show, in der mindestens drei Musikgenres zu hören sein müssen, startete Bazooka am Freitag in das Final-Wochenende. Doch der Auftakt vor 1‘500 Zuschauern in der Danforth Music Hall verlief nicht wie geplant: Das Set des Baslers wurde überschattet von technischen Problemen. «Die Vibrationen der Subwoofer-Box haben sich wohl auf den Plattenspieler ausgewirkt», vermutet Bazooka.

Bildschirmfoto 2013-11-12 um 14.07.15Der Basler musste an jenem Abend als erster auf den bockigen Turntables auflegen. Danach wurden die Probleme umgehend behoben. «Da hatte ich wirklich Pech», erklärt Bazooka ohne verbittert zu klingen, «aber die Leistung der anderen DJs waren an diesem Abend auch krass». Das Final-Ticket löste an diesem Abend der brasilianische DJ Marquinhos Espinosa während die Bazooka-Show in Toronto bereits nach dem Halbfinal zu Ende war.

Das meinte der Basler zumindest. Nach einer langen Partynacht erlebte Bazooka ein böses Erwachen mit guten Neuigkeiten: Die Jury hatte entschieden, dass man für den Final ausnahmsweise zwei anstelle einer Wildcard vergibt – und Bazooka ebenfalls berücksichtigt wird. «Das hatte ich nicht erwartet», sagt Roman Blum zu seinem Finaleinzug in letzter Sekunde.

Seine zweite DJ-Show für den Final hat er also nicht vergeblich einstudiert. Allerdings hatte der 28-Jährige nach seiner Partynacht einen Probe-Rückstand. Es folgte die nächste Überraschung: Der Basler durfte in der Hotel-Suite des legendären DJs Jazzy Jeff – Jurymitglied, Grammygewinner und Sidekick von Will Smith in dessen jungen Jahren als Rapper – trainieren. An den Plattenspielern des Grossmeisters!

Im Final reichte es Bazooka diesmal vor 3000 Zuschauern – trotz Wildcard und Favoritenrolle – nicht mehr unter die ersten Drei. «Trotz einiger Flüchtigkeitsfehler bin ich sehr zufrieden – die anderen DJs haben verdient gewonnen», sagt DJ Bazooka am Montag kurz nach seiner Rückkehr nach Basel. «Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle.» Weltmeister wurde der Japaner DJ Shintaro vor DJ Byte (CHI) und Eskei83 (GER).

Don Juan auf Porno

Fabian Kern am Mittwoch den 6. November 2013

«Don Jon» läuft ab 7.11. im Küchlin.

«Don Jon» läuft ab 7.11. im Kino Pathé Küchlin.

Joseph Gordon-Levitt in einem Liebesfilm? Warum nicht, kann man sich vorstellen. Durch «Inception», «Looper» und «The Dark Knight Rises» ist das frühere Babyface in der Liga der Grossen angekommen. Aber Gordon-Levitt als pornosüchtiger Vorstadt-Macho in einem Liebesfilm, bei dem er auch gleich als Autor und Regisseur geamtet hat? Das klingt schon etwas überambitioniert für den 32-Jährigen Kalifornier, der sich für die Titelrolle 12 Kilo Muskeln antrainierte. Zumal es sich bei «Don Jon» um einen Liebesfilm der anderen Art handelt: aus ganz und gar männlicher Perspektive, komödiantisch bis zur Parodie, gleichzeitig aber mit Tiefgang und Sozialkritik. Doch das gewagte Experiment gelingt.

Macho, Macho: Don Jon in seinem Jagdrevier.

Macho, Macho: Don Jon in seinem Jagdrevier.

Jon Martello (Gordon-Levitt) wird von seinen Kumpels nur Don Jon genannt. Denn der mit guten Genen gesegnete Macho hat seinen Körper zur Verführungsmaschine von New Jersey getrimmt und bekommt im Ausgang jeweils die besten Frauen ab. Jons Werte sind überschaubar: Sein Körper, seine Wohnung, sein Auto, seine Familie, seine Kirche, seine Kumpels, seine Frauen – und sein Porno. Ende der Woche werden die Sünden des Alltags im Beichtstuhl flugs in überschaubare 10 Ave-Maria und 10 Vaterunser umgewandelt, die während des nächsten Workouts bereits wieder abgeleistet werden. Und weiter geht die Reise durch das einfache Leben des wenig ambitionierten Barkeepers.

Eine glatte Zehn auf Jons Skala: Barbara.

Eine glatte Zehn auf Jons Skala: Barbara.

Keine Zehn, aber dafür erfrischend anders: Esther.

Keine Zehn, dafür erfrischend anders: Esther.

Doch da tritt unverhofft Barbara (Scarlett Johansson) auf den Plan – eine glatte 10 auf Jons strenger Bewertungsskala. Um sie flach zu legen, lässt er sich sogar dazu überreden, in einem Abendkurs seinen Schulabschluss nachzuholen. Und dem Porno abzuschwören. Während ihm Ersteres ganz gut gelingt, scheitert er bei Zweiterem kläglich. Denn die Traumfrau schafft es genauso wenig wie ihre Dutzenden Vorgängerinnen, den Don Juan für Arme im Bett richtig zu befriedigen. Richtig gehen lassen kann er sich nach wie vor nur vor seinem Notebook, mit einem richtig guten Porno vor Augen. Denn Porno ist einfach das Grösste. Aber süchtig ist er nicht, nein. Er könnte natürlich jederzeit aufhören, redet er sich auch noch ein, als ihm Barbara längst den Laufpass gegeben hat. Erst die etwas reifere Esther (Julianne Moore), die er im Abendstudium kennenlernt, kennt die Antworten zu jenen  Lebensfragen, die Jon mehr beschäftigen, als er sich selbst eingestehen will.

Eine schrecklich klischierte Familie: die Martellos.

Eine schrecklich klischierte Familie: die Martellos.

Gordon-Levitts Erstling ist ein faszinierendes Werk. Einerseits lebt es von der Redundanz, aber just dann, wenn die ständige Wiederholung in Langeweile überzuschlagen droht, erfolgt eine Wendung. Den besten Part des handgewählten Casts hat der Jung-Regisseur für sich selbst reserviert. Dem chauvinistischen Don Jon in der ersten Hälfte verpasst er eine derart übertriebene Mimik, dass man ihn schon gar nicht mehr so unsympathisch findet. Zu sehen, wie er die Fassade mit der Entwicklung der Figur langsam bröckeln lässt, ist ein Vergnügen. Ebenso doppelbödig ist die Thematik: Mit der Parodie nicht nur von Jon, sondern auch dessen klischeehafter Vorstadtfamilie – mit einem herrlichen Comeback von «Wer ist hier der Boss?»-Star Tony Danza – übt er gleichermassen Kritik an der Oberflächlichkeit und der Scheinheiligkeit der amerikanischen Arbeiterschicht. Eine Independent-Perle, die den Start einer grossen Regie-Karriere verspricht.

«Don Jon» läuft ab 7. November 2013 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 7. November: Fack Ju Göhte, Exit Marrakech, Der Teufelsgeiger, Mary Queen of Scots.

Welten-Hopping mit Chris Hemsworth

Fabian Kern am Mittwoch den 30. Oktober 2013

«Thor – The Dark Kingdom» läuft ab 31. Oktober 2013 im Pathé Küchlin.

«Thor – The Dark Kingdom» läuft ab 31.10. im Küchlin und im Rex.

Schneller, weiter, höher – Fortsetzungen müssen sich gegenüber ihrem Vorgänger steigern. Erst recht im Action- und Fantasy-Genre. Daran halten sich auch die Macher von «Thor», dem Erfolgsprodukt aus dem Hause Marvel. Dass die Geschichte um den Hammermann mit dem leuchtend roten Umhand aus dem Weltall eine Fortsetzung finden würde, war klar. Zu beeindruckend verkörpert Chris Hemsworth den unzimperlichen nordischen Gott, zu stark sind aber auch die Figuren Odin (Anthony Hopkins), Loki (Tom Hiddleston) und Jane Foster (Natalie Portman). Nur sollte man nicht zu viel in das Sequel packen: Ein bisschen Lord of The Rings, eine Prise Star Wars, vermischt mit etwas Stargate – «Thor – The Dark Kingdom» erfindet das Genre Crossover.

Zeigt, wo der Hammer hängt: Thor. (Bilder: Marvel)

Zeigt, wo der Hammer hängt: Donnergott Thor. (Bilder: Marvel)

Doch nicht nur die Kombination verschiedener Stile fordert den Kinobesucher, auch die Story ist zu Beginn etwas unübersichtlich. Dafür muss man etwas weiter ausholen. Die nordische Mythologie besagt, dass das Universum aus neun Reichen besteht, die vom Schicksalsbaum «Yggdrasil» getragen werden. Ähnlich wie unser Sonnensystem also. Ganz oben, in Asgard, sitzen die kriegerischen Götter um König Odin und beschützen Yggdrasil. Die Erde, Midgard, ist in der Mitte angesiedelt. Jedes Reich wird von einer anderen Rasse bevölkert, von Elfen, Zwergen und Riesen. In «Thor 2» probt eines dieser Völkchen, die schwarzen Elfen aus Schwarzalbenheim, den Aufstand. Unter der Führung des bösen Malekith (Christopher Eccleston) soll das Universum wieder in Dunkelheit gestürzt werden. Schlüssel zum erfolgreichen Umsturz soll die mysteriöse und mächtige Waffe «Äther» sein, die für immer gebannt geglaubt wurde – Herr der Ringe lässt grüssen.

Sinnt auf Rache: Loki.

Sinnt auf Rache: Thors verbitterter Bruder Loki.

Traumpaar zwischen den Welten: Jane und Thor.

Traumpaar zwischen den Welten: Jane und Thor.

Eine ganz besondere Sternenkonstellation begünstig die dunklen Pläne von Malekith und bringen Asgard in Aufruhr. Odin und sein Sohn Thor, der designierte Thronfolger, sind gefordert. So sehr, dass Thor über seinen Schatten springt und seinen hinterlistigen Adoptivbruder Loki aus seinem Verlies befreien und mit ihm gemeinsame Sache machen muss. An diesem Punkt hat «Thor 2» seine stärksten Momente. Die Frage, ob Thor seinem maliziösen Gegenspieler wirklich trauen kann, trägt die überfrachtete Story bis zum Schluss. Genau so wie der hervorragende Cast und derselbe trockene Humor, der schon «Thor» und «The Avengers» auszeichnete. Thors Welten-Hopping allerdings ist etwas nervig. Ständig beamt sich der Held zwischen seiner Heimat Asgard, seiner geliebten Jane Foster auf der Erde hin und her und muss nebenbei auch noch die anderen Welten beschützen – ein anstrengender Job, der sogar den Donnergott mit dem mächtigen Hammer bisweilen an den Anschlag bringt. Man würde ihm und nicht auch zuletzt sich selbst etwas mehr Beständigkeit und weniger Reizüberflutung wünschen.

Der Thronfolger und sein König: Thor und Odin.

Der Thronfolger und sein König: Thor und Odin.

Der Showdown aber hat es in sich und entschädigt etwas für den leicht übertriebenen Ehrgeiz der Crew. Aber eben: Schneller, weiter, höher ist nicht immer automatisch besser. Die Chance sich wieder zu steigern, wird sich wohl schon bald ergeben. Thors Zerrissenheit zwischen Kopf und Herz, zwischen Familienloyalität und Liebe, zwischen Asgard und Midgard, die einen richtigen Superhelden ausmacht, gibt noch viel Stoff her. Zudem hat man noch selten eine bessere Besetzung für eine Comicfigur gesehen. Chris Hemsworth IST Thor.

P.S. Für alle, die sich bei den Avenger-Filmen noch nicht so auskennen: UNBEDINGT BIS NACH DEM ABSPANN SITZENBLEIBEN!

«Thor – The Dark Kingdom» läuft ab 31. Oktober 2013 in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.

Weitere Filmstarts in Basel am 31. Oktober: The Fifth Estate, Les Grandes Ondes, La religieuse, Die Reise zum sichersten Ort der Welt.

Romantischer Roadtrip

Fabian Kern am Donnerstag den 17. Oktober 2013

«Frau Ella» läuft ab 17.10. im Küchlin.

«Frau Ella» läuft ab 17. Oktober im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Auch wenn sich Matthias Schweighöfer vor Lachen gar nicht mehr einkriegt, als er am 14. Oktober in der TV-Sendung «Circus Halligalli» auf Pro7 über seinen neuen Film sprechen soll – ein Schenkelklopfer ist «Frau Ella» nicht. Nach Komödien wie «Keinohrhasen», «Rubbeldiekatz» oder «Schlussmacher» ist Schweighöfer seinem bevorzugten Genre zwar nicht abtrünnig geworden, «Frau Ella» schlägt aber deutlich leisere Töne an. Es geht um Identität, Toleranz, Ehrlichkeit zu sich selbst und natürlich um die grosse Liebe. Die wichtigen Dinge im Leben eben.

Davon hat Sascha (Schweighöfer) zunächst keine Ahnung. Der gescheiterte Medizinstudent schlägt sich als Taxifahrer durchs Leben und hält von Verantwortung wenig bis nichts. Als ihm seine Freundin Lina (Anna Bederke) eröffnet, dass sie schwanger ist, brennen ihm die Sicherungen durch, und er setzt sein Taxi in ein stehendes Auto. Im Spital rührt seine Zimmergenossin sein Herz. Weil die 87-jährige Ella gegen ihren Willen bei einem Routineeingriff eine für sie lebensgefärliche Vollnarkose erhalten soll, entführt Sascha die betagte Dame kurzerhand aus dem Krankenhaus.

Trio infernale: Sascha, Frau Ella und Klaus. (Bilder: Warner Bros.)

Trio infernale: Sascha, Frau Ella und Klaus. (Bilder: Warner Bros.)

Die schwangere Freundin weg, von der Polizei gesucht, eine Seniorin in der heruntergekommenen WG mit dem notorischen Single Klaus (August Diehl), der mit wachsender Verzweiflung die Frau fürs Leben sucht – Sascha ist am Tiefpunkt. Doch dann – nicht ganz unvorhersehbar – beschliesst «Frau Ella», der jungen Generation mal den Kopf zurecht zu rücken und zu zeigen, wo die Prioritäten im Leben liegen. Sie hat ihre grosse Liebe während des Zweiten Weltkriegs kennengelernt, dann aber aus politischen Gründen aus den Augen verloren. Sascha googelt den Amerikaner und macht ihn in Paris ausfindig. Kurzentschlossen macht sich das ungleiche Trio mit Klaus’ altem Cabriolet auf die Suche nach Frau Ellas verschollenem Geliebten.

Ein bisschen Spass muss sein: Sascha und Frau Ella.

Spass muss sein: Sascha und Frau Ella.

Vorhersehbarkeit ist in Liebeskomödien kein Killerkriterium, deshalb sei für «Frau Ella» eine Empfehlung ausgesprochen. Die liebenswerten Figuren tragen die erwärmende Geschichte durch wunderschöne französische Landstriche. Die Rollen sind dabei genau richtig besetzt. Über Schweighöfer, Deutschlands Lieblingsschwiegersohn, brauchen wir nicht zu diskutieren. Ebenso wenig über August Diehl («Inglorious Basterds»). Eher überraschend ist Ruth Maria Kubitschek, die Grande Dame des deutschen Fernsehens, die Frau Ella zwar etwas klischeehaft als lebenslustige alte Dame darstellt, aber auf authentische Weise. Markus Gollers romantischer Roadtrip ist kein Kino-Meilenstein, aber allemal gut für einen Kuschelabend in trauter Zweisamkeit.

Und zu Schweighöfers lustigem Auftritt im «Circus Halligalli» muss man wissen, dass dem Schauspieler, der keinen geraden Satz mehr zu «Frau Ella» herausbringt, von den Moderatoren zuvor eine grössere Menge Alkohol eingeflösst wurde. Sympathien hat er damit keine eingebüsst. Im Gegenteil.

«Frau Ella» läuft ab 17. Oktober 2013 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 17. Oktober: Runner, Runner, Filth, About Time, L’Expérience Blocher, The Butler.

Erfolgskrimi aus dem Baselbiet

Fabian Kern am Dienstag den 15. Oktober 2013

BuchcoverAngehende Schriftsteller werden sich schon mit Fragen wie diesen auseinandergesetzt haben: Was für ein Buch möchte ich schreiben? Wo siedle ich die Handlung an? Wie sollen meine Figuren sein? Rolf von Siebenthal hat sich entsprechend seiner persönlichen Stärken und Vorlieben entschieden. Als passionierter Krimileser mit Vergangenheit im Bundesamt für Verkehr und im Tagesjournalismus ist sein Erstling «Schachzug» schon fast logisch erklärbar: Ein Journalist ermittelt in einem Mordfall in und um Liestal, der mit dubiosen Machenschaften im Eisenbahn-Geschäft zusammenhängt. «Ich lese gern Krimis. Dieses Genre habe ich mir am ehesten zugetraut», erklärt der Autor, der sich als Journalist und Texter selbstständig gemacht hat.

Von Siebenthal ist kein Freund von langatmigen Einstiegen: «Als Krimileser mag ich es nicht, wenn die Handlung zu langsam vorwärts geht.» Sein bevorzugter Autor ist Michael Connelly. Deshalb lässt von Siebenthal den Leser gleich zu Beginn an der Perspektive des Mörders teilhaben, der auf dem Seltisberg einem Manager aus 600 Metern Entfernung eine Kugel in den Kopf jagt. Das Opfer ist der Schwager von Max Bollag, einem Journalist der Liestaler Zeitung «Tagblatt», der sich sowohl beruflich als auch privat in der Krise befindet. Somit ist der Protagonist schnell eingeführt. Sind da etwa autobiografische Züge auszumachen? «Nein, ich glaube nicht. Die Figuren sind allesamt frei erfunden», erklärt Ex-Printjournalist von Siebenthal nach kurzem Überlegen.

Rolf von Siebenthal, Jahrgang, 1961, wohnt im Oberbaselbiet.

Rolf von Siebenthal (Jahrgang 1961) wohnt im Oberbaselbiet.

Bollag ist denn auch nicht die einzige Hauptfigur. Auch Heinz Neuenschwander ist zentral in «Schachzug». Der «beste Bulle des Baselbiets» ist ein Polizist zum Gernhaben: brummig, manchmal etwas schroff, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Von Siebenthal springt zwischen den Perspektiven von Bollag, Neuenschwander und Doris Lüthi hin und her. Letztere ist als Angestellte einer Firma, die Zugwaggons produziert, einem unlauteren Seilziehen um einen millionenschweren Bundesauftrag auf der Spur. Lange ermitteln die drei unabhängig, bis sich ihre Wege kreuzen, weil die Fälle zusammenhängen – und ab diesem Zeitpunkt kommt der Krimi einem Thriller nahe. Die Handlung nimmt Fahrt auf und steuert einem actiongeladenen Showdown im beschaulichen Sissach entgegen.

Der Wechsel zwischen den erzählenden Figuren ist heikel. Es besteht die Gefahr, den Faden zu verlieren und die Geschichte ausfransen zu lassen. Von Siebenthal passiert das nicht. Die Story bleibt kompakt und verliert überhaupt nicht an Spannung. Im Gegenteil, jedes Kapitel endet in einem kleinen Cliffhanger, der es einem schwer macht, das Buch beiseite zu legen. Wenn von Siebenthal deshalb sagt, dieser Perspektivenwechsel komme in seinem Umfeld mal sehr gut, mal überhaupt nicht an, dann darf man das getrost den individuellen Vorlieben zuschreiben. Formal ist sicherlich nichts auszusetzen. Ebenso wenig am Handlungsort. «Ich habe mir lange überlegt, ob es eine gute Idee ist, Liestal als Schauplatz zu wählen», erklärt der Autor. Da es schon genug Krimis gibt, die in Basel spielen, hat sich der 52-Jährige aber für das «Stedtli» entschieden. Nun ist er froh darüber: «Ich betrachte den ganzen Kanton Baselland als meinen Spielplatz. Das eröffnet mir viel mehr Möglichkeiten und Handlungsorte als die Stadt.»

Mit dem Schreiben von Krimis reich zu werden, erwartet von Siebenthal nicht: «Diese Illusion mache ich mir nicht.» Vier Jahre hat er für seinen Erstling von den ersten Skizzen bis zum fertigen Roman gebraucht. So viel Zeit darf er sich für das nächste Buch nicht lassen, denn die Verkaufszahlen von «Schachzug», seit Juli im Verkauf, sind so gut, dass davon bereits die zweite Auflage gedruckt wird und ihn der Verlag gedrängt hat, den nächsten Liestaler Krimi bereits im nächsten Jahr fertig zu stellen. «Die Handlung wird etwa ein Jahr nach dem ersten Fall spielen, und Bollag und Neuenschwander werden natürlich wieder mit von der Partie sein», verrät von Siebenthal, der etwas überrumpelt wurde, weil er die Fortsetzung eigentlich erst für 2015 geplant hat. Nun dürfen sich die Leser schon auf den kommenden Juli freuen, während der Autor einen arbeitsreichen Winter vor sich hat. Das nennt man ein Luxusproblem.

Rolf von Siebenthal: Schachzug. Kriminalroman. Gmeiner-Verlag. Messkirch, 2013. 344 Seiten, Fr. 17.90.

Wenn sich Film und Fernsehen näher kommen: Top of the Lake

Luca Bruno am Donnerstag den 10. Oktober 2013
Tui Mitcham (Jacqueline Joe)

Tui Mitcham (Jacqueline Joe)

Mit dem Bild der 12-jährigen Tui Mitcham, die bis zum Bauch im eiskalten Wasser des Bergsees von «Laketop», Neuseeland steht, beginnt die Miniserie «Top of the Lake». Wie sie in diese missliche Lage geraten ist und ob sie sich im See etwa umbringen wollte, verschweigt sie. Als jedoch bei der nachfolgenden Untersuchung von Ärzten festgestellt wird, dass das junge Mädchen schwanger ist, schaltet sich die Polizei, allen voran Kommissarin Robin Griffin, ein, um herauszufinden, was dem Mädchen wirklich zugestossen ist. Denn auf die Frage, wer der Vater ihres ungeborenen Kindes sei, antwortet Tui lediglich «No one». Keine zehn Minuten vergehen und man ist als Zuschauer bereits mittendrin in der hochspannenden Ermittlung rund um den Fall der Tui Mitcham.

Hinter «Top of the Lake» steht die neuseeländische Regisseurin Jane Campion (u.a. «The Piano»), welche bei der Miniserie, eine englisch-neuseeländisch-amerikanische Koproduktion, nicht nur Regie geführt hat, sondern sich auch für das Drehbuch verantwortlich zeigen darf. Nach einer umjubelten Urauführung am «Sundance»-Festival und Ausstrahlungen sowohl im amerikanischen, als auch im britischen Fernsehen im März respektive Juni dieses Jahres wird «Top of the Lake» nun auch zum allerersten Mal einem Schweizer Publikum zugänglich gemacht. Diesen Samstag, dem 12. Oktober 2013 zeigt das Bildrausch Filmfest Basel die rund sechsstündige Miniserie ab 15:00 im Stadtkino Basel – und zwar in voller Länge. Diesen Beitrag weiterlesen »

Lost in Space

Fabian Kern am Donnerstag den 3. Oktober 2013

«Gravity» läuft ab 3. Oktober 2013 in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.

«Gravity» läuft ab 3.10. im Pathé Küchlin und im Rex.

Murphy’s Law ist eigentlich ein irdisches Phänomen: Was schiefgehen kann, geht auch schief. Anscheinend besitzt diese Gesetzmässigkeit aber ebenfalls ausserhalb unserer Atmosphäre ihre Gültigkeit – zumindest in Alfonso Cuaróns atemberaubendem Film «Gravity». Wie Sandra Bullock und George Clooney vor der grossartigen Kulisse der Erde Trümmerteile um die Ohren fliegen, und das ohne Geräusche zu produzieren, solche spektakulären Bilder hat man im Kino noch nie gesehen.

Selten hat sich der Protagonist eines Films so lange Zeit gelassen, um vorzukommen. Erst in der letzten Szene hat die titelgebende Schwerkraft ihren ersten Auftritt. Davor ist ihre Absenz das bestimmende Thema. Unter der Schwerelosigkeit im Weltall leidet insbesondere Dr. Ryan Stone (stark: Sandra Bullock). Die Medizintechnikerin befindet sich auf ihrer ersten Mission im Orbit, als sie und ihr Team bei Arbeiten am Weltraumteleskop Hubble in eine zerstörerische Trümmerwolke geraten. Stones Sicherheitsleine reisst und somit auch jegliche Verbindung zu ihrem Team. Panisch driftet sie in den unendlichen Raum ab. Als sie schon nicht mehr an eine Rettung glaubt, wird sie vom souveränen Astronauten und Missionschef Matt Kowalsky (George Clooney) eingesammelt.

Da ist noch alles in Ordnung: Dr. Ryan Stone und Matt Kowalsky. (Bilder: Warner Bros.)

Da ist noch alles in Ordnung: Dr. Ryan Stone und Matt Kowalsky. (Bilder: Warner Bros.)

Leider verbessert das Stones Situation nur unwesentlich, denn das Shuttle ist zerstört und die Besatzung tot. Die beiden Weltraumwanderer müssen deshalb die internationale Raumstation ISS erreichen, um eine Chance auf Rückkehr zur Erde zu haben. Doch die Zeit drängt: Einerseits geht Stone langsam aber sicher die Luft aus, andererseits kehrt die Trümmerwolke, Ergebnis der Sprengung eines russischen Nachtrichtensatelliten, auf der Umlaufbahn mörderisch pünktlich alle 90 Minuten zurück. Ein Wettlauf gegen die Zeit und die Unerbittlichkeit des Alls beginnt.

Da ist nichts mehr in Ordnung: Dr. Stone kämpft ums Überleben.

Da ist nichts mehr in Ordnung: Dr. Stone kämpft im Weltall ums Überleben.

Regie-Shootingstar: Alfonso Cuarón.

Shootingstar: Alfonso Cuarón.

Wer schon immer davon träumte, Astronaut zu werden, überdenkt dies vielleicht nach «Gravity» noch einmal. Die Bilder des mexikanischen Regisseurs Cuarón («Children of Men») sind beklemmend. Klaustrophobie wechselt mit Agoraphobie ab. Ob aus der Totalen, welche die gewaltigen räumlichen Dimensionen ausserhalb unserer Atmosphäre hervorhebt, im Innern einer Raumstation, die Feuer fängt, oder aus der Perspektive von Stone in ihrem Anzug – die Spannung lässt einen nicht los. Das ist ein Kammerspiel mit nur zwei – aber dafür hervorragenden – Darstellern in der grössten Kammer, die existiert. Man ist fast froh, geht dieser eindrückliche Film nicht länger als 91 Minuten. Wenn es ein Plädoyer für die grosse Leinwand und 3D-Technik gibt, dann heisst es «Gravity».

«Gravity» läuft ab 3. Oktober 2013 in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.

Weitere Filmstarts in Basel am 3. Oktober: Prisoners, Turbo, Metallica Through the Never, Von heute auf morgen.

Wenn es plötzlich spukt mitten am Tag

Joel Gernet am Freitag den 27. September 2013

Otfried Preusslers Kinderbuch-Klassiker «Das kleine Gespenst» wurde mit Starbesetzung im Mundart-Film «s’Chline Gspängst» umgesetzt. Auch hier lautet die alles entscheidende Frage: Wer hat an der Uhr gedreht? Und vor allem: wo?

Trailer: Neben dem Kauderwelsch von Uwe Ochsenknecht gibt es einige bekannte Stimmen zu hören – so unter anderem von Nadeschkin, Emil Steinberger und «The Voice» Christoph Schwegler.

 
Hat die Geisterstunde schon begonnen? Im Saal des Basler Kinos Küchlin ist es stockdunkel, keine Menschenseele weit und breit. Bin ich im falschen Film? Angesagt ist die Pressevorführung der Kinderbuchverfilmung «S’Chline Gspängst» – in Begleitung der Kleinen. Diese werden bei ihrem allerersten Kinobesuch beinahe von der Dunkelheit verschluckt. Verloren gehen die Plappermäuler allerdings nicht: «Wird’s nachher hell?», will das Töchterlein (3) wissen. «Kann ich die Schuhe ausziehen?», ertönt es von ihrem sechsjährigen Bruder.

«S’Chline Gspängst» läuft ab 26. Septemer in den Basler Kinos Pathé Küchlin (Hochdeutsch) und Rex (Dialekt).

«S’Chline Gspängst» läuft ab 26. September in den Basler Kinos Pathé Küchlin (Hochdeutsch) und Rex (Dialekt).

Dann beginnt die 95-minütige Geisterstunde, und das kleine Gespenst verlässt seine Rappelkiste, um im Schloss Eulenstein herumzuflitzen und Smalltalk zu betreiben – mit den ebenfalls zum Leben erwachten Rittern und Burgfräulein auf den Ölbildern. So, wie während den vergangenen über 300 Jahre. Kein Wunder, wird es dem kleinen weissen Knäuel langsam langweilig. Zu gerne würde das Gespenst einmal die Welt bei Tageslicht erforschen! Doch sein Schicksal hängt von einer Uhr ab, deren Zeit den Schlaf-Rhythmus der Schlossgeistes bestimmt.

Natürlich hat das kleine Gespenst keine Ahnung, mit welcher Uhr es synchronisiert ist. Und so beginnt ein Abenteuer, dass nicht nur das Uhrenmuseum auf Schloss Eulenstein, sondern ein ganzes Dorf in Aufruhr versetzt. «Papa, warum weisst du alles?», will das Töchterlein wissen, als ich ihr erkläre, warum das kleine Gespenst die Zeiger der Schlossuhren wie wild rotieren lässt.

Und siehe da: Eines Tages erwacht das Geistlein plötzlich bei Sonnenlicht! Endlich kann es sein Heim einmal in goldenem Schein erkunden – und das Dorf obendrauf. Lustige Spuk-Szenen mit Polizisten und Passanten sind da vorprogrammiert. Was für das Kleine als Riesenspass beginnt, entpuppt sich nach einigen Tagen als grosser Albtraum: Die Sonnenstrahlen haben das Gespenst schwarz und schwach werden lassen. Und ein ganzes Dorf sucht hysterisch nach dem «schwarzen Unbekannten», der die Vorbereitungen zur grossen 375-Jahr-Feier ganz gehörig durcheinanderwirbelt. Nach dem anfänglichen Übermut sehnt sich das kleine Gespenst nun wieder die Nacht zurück – dummerweise hat es keine Ahnung, nach welcher der vielen manipulierten Uhren es tickt.

Marie, Karl und Hannes helfen dem kleinen Gespenst.

Marie, Karl und Hannes helfen dem kleinen Gespenst.

Nur einer weiss, was es mit dem Spuk bei hellichtem Tag auf sich hat: Schulbub Karl. Noch vor dessen Metamorphose zum «schwarzen Unbekannten» beobachtete er das mitternächtliche Treiben auf Schloss Eulenstein von seinem Kinderzimmer aus mit dem Fernrohr. Später begegnete er dem kleinen Gespenst ein erstes Mal bei einem Schulausflug in die historischen Gemäuer über dem Städchen. Doch niemand glaubt dem Schüler, dass er ein Gespenst gesichtet hat. Als aus dem Schloss eine wertvolle Uhr verschwindet, fällt der Verdacht auf Karl, dessen Lage sich zuspitzt, bis er vom grossen Jubiläums-Umzug ausgeschlossen wird.

Karl ist am Boden zerstört, das kleine Gespenst verzweifelt allmählich und im Städtchen herrscht noch immer helle Aufregung – die perfekte Ausgangslage für den Showdown, zu dem sich das Volk zum grossen Jubiläumsumzug versammelt. «Ist das an der Fasnacht?», will das Töchterlein wissen, als sie die Umzugsteilnehmer in historischen Gewändern sieht.

Showdown: Karl an der Rathausuhr.

Showdown: Karl an der Rathausuhr.

Während sich das marschierende Volk voll der Feier hingibt, macht sich Karl mit den Klassenkameraden Marie und Hannes und dem kleinen Gespenst auf die Suche nach der alles bestimmenden Uhr – inzwischen haben die drei Schüler nämlich Freundschaft geschlossen mit dem weissen Wesen aus dem Schloss.

Klar, dass sich die Situation an der finalen Feier mitten im Städtchen weiter zuspitzt und die Schweizer Filmmacher mit der grossen Kelle zum Schlussbouquet anrichten. Es wird ziemlich viel Action geboten.

Trotz Hochspannung, dem Töchterlein wirds langsam langweilig: «Wann wird es wieder hell? Ich will nicht so lang in einem dunklen Zimmer sein.» Nachdem der Streifen ein gutes Ende genommen hat, gibt sich aber auch die Kleine hochzufrieden. Vor dem Kino lässt sie mit strahlendem Gesicht den ganzen Film Revue passieren. Und der grosse Bruder, der während den vergangenen eineinhalb Stunden vor allem geguckt, gestaunt und geschwiegen hat, erwacht wieder zum Leben – er möchte sofort die DVD zu Film. Ein gutes Zeichen. Und ein gelungener erster Kinobesuch mit den Kindern.

«S’Chline Gspängst» (keine Altersbeschränkung) läuft ab 26. September in den Basler Kinos Pathé Küchlin (Hochdeutsch) und Rex (Dialekt).

Weiter Filmstarts in Basel am 26. September: 2 Guns, The Internship, Der Geschmack von Apfelkernen, Keinohrhase und Zweiohrküken, V8 – Du willst der Beste sein, Vaters Garten – Die Liebe meiner Eltern.