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«The Sixth Sense» auf italienisch

Fabian Kern am Mittwoch den 17. Oktober 2012

Magnifica Presenza

«Magnifica Presenza» läuft ab 18. Oktober im Kult.kino Club.

«Ich sehe tote Menschen.» Dieser geflüsterte Satz aus dem Mund von Haley Joel Osment in der Rolle des jungen Cole ist bereits ein Klassiker der Filmgeschichte. Diese Worte könnte auch von Pietro (Elio Germano) in «Magnifica Presenza» ungelogen von sich geben. Der 28-Jährige hat seine Heimat Sizilien verlassen, um in Rom eine Schauspiel-Karriere zu starten. Um seiner Cousine Maria (Paola Minaccioni) nicht länger auf der Pelle zu sitzen, sucht er sich seine eigenen vier Wände und verliebt sich dabei in ein baufälliges Reihenhaus. Mit viel Hingabe renoviert der leider nur mässig begabte Mime sein Schmuckstück, bemerkt aber schon bald, dass er nicht allein in dem Altbau ist. Eine Gruppe von acht Menschen – vier Männer, drei Frauen und ein übergewichtiger Halbwüchsiger – erscheint ihm immer wieder. Die Tatsache, dass nur er die Geister sieht, macht die Geschichte auch nicht weniger unheimlich.

Das Schauspiel-Ensemble «Apollonio»

(Un-)heimliche Besucher in Pietros Wohnung: das Schauspiel-Ensemble «Apollonio». (Bilder: Pathé)

Pietro (Elio Germano)

Unglücklich verliebt: Pietro.

Immerhin scheinen Pietro die opulent gekleideten und geschminkten Geister nicht feindlich gesonnen. Im Gegenteil, der Homosexuelle mit unglücklichem Liebesleben wird von einem männlichen Untoten derart angemacht, dass ihm gleichzeitig heiss und kalt wird. Nur, was wollen die Erscheinungen? Die Gruppe stellt sich als das Schauspiel-Ensemble «Apollonio» heraus, das 1943 unter mysteriösen Umständen an ihrem Premieren-Abend in Mailand spurlos verschwand. Pietro soll nun herausfinden, was damals passiert ist. Im Gegenzug coachen ihn die Geister aus dem zweiten Weltkrieg bei seinen Castings. Aber Pietro hat auch noch eine andre Aufgabe: Er muss den Verstorbenen, die kein Zeitgefühl haben, schonend beibringen, dass sie bereits seit 69 Jahren nicht mehr unter den Lebenden weilen…

So sehr die Handlung von «Magnifica Presenza» jener von «The Sixth Sense» gleicht, so unterschiedlich ist aber der Rest. Das Werk von Ferzan Ozpetek ist als teilweise etwas eigenwillige Tragikomödie mit lauter skurrilen Figuren angelegt. Den Zugang dazu zu finden, ist nicht jedermanns Sache. Eines aber schafft der italienische Film ebenso stilsicher: Man will wissen, wie es ausgeht. Immerhin.

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