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Wer hat Platz für dieses Nashorn?

Joel Gernet am Donnerstag den 10. Mai 2012

«Zeug, das keiner will, ist eigentlich Abfall – wir machen daraus Kunstwerke», sagt Nashorn-Vater Joël Lobsiger. Das kunstvoll verschweisste rostige Rhinozeros muss seinen Platz Ende Mai räumen.

Imposant sieht es aus, das Nashorn am Rand des nt-Areals. Zusammengeschweisst aus zweieinhalb Tonnen Altmetall thront es in zweieinhalb Metern Höhe zwischen der versprayten Skateboard-Bowl und dem «Funambolo». Die kunterbunte Bar ist eine der letzten Ausgeh-Bastionen auf dem verglühenden Party-Mekka Erlenmatt. Ende Mai muss auch das «Funamolo» verschwinden – und mit ihm das rostige Rhinozeros, welches wie ein Wahrzeichen auf dem Dach des Nachtlokals steht.

«Jetzt suchen wir für das Nashorn ein neues Zuhause – und zwar äusserst dringend», sagt Joël Lobsiger, der das wuchtige Tier im Sommer 2010 erschaffen hat. Vier Wochen Altmetall zusammenpuzzeln und verschweissen, gemeinsam mit dem Künstlerkollegen Pascal Martinoli. Mit Filip Wolfensberger und Manager Manou Clément bilden die beiden das Basler Künstlerkollektiv Cicolupo, welches sich nun zum dritten Mal auf dem nt-Areal austobt: Vergangenen Sommer schweisste das Quartett bei der damals frisch eröffneten Zwischennutzungs-Freiluftbar Sommerresidenz einen imposanten Eisen-Basilisk zusammen.

Seit zwei Monaten bereiteten sich die Cicolupo-Jungs für ihre erste grosse gemeinsame Ausstellung in Basel vor, an welcher bei der Sommerresidenz von Freitag bis Sonntag Bilder, Skulpturen sowie ein Puppentheater gezeigt werden – man ist vielseitig. «Das ist der Startschuss für unsere Company», sagt Nashorn-Vater Lobsiger. Es war im Sommer 2010, als das Cicolupo-Kollektiv mit dem Funambolo-Rhino auf dem nt-Areal eine erste, nicht zu übersehende Duftmarke setzte. Damals beschlossen die Künstler, dass man im Frühling 2012 gemeinsam in Basel durchstartet – zuvor verunmöglichten diverse Auslandaufenthalte ein solches Vorhaben. So gesehen ist die Ausstellung auch eine Art Comeback für Cicolupo.

Das Cicolupo-Team: Pascal Martinoli, Joël Lobsiger, Manou Clément, Filip Wolfensberger (v.l.).

Dass das Quartett seinen Künstler-Kickoff auf dem nt-Areal bei der Sommerresidenz der Carambolage-Bar zelebriert, liegt in Anbetracht der Vorgeschichte auf der Hand. «Ausserdem stehen ja unsere beiden Viecher hier», sagt Lobsiger lachend. Da stehen sie nun, das rostige Rhinozeros und der tonnenschwere Basilisk. Für beide wird ein neues Plätzchen gesucht. Während der – bei Bedarf Feuer speiende – Basilisk noch bis mindestens Ende Sommer auf bei der Sommerresidenz bleiben kann, muss das Nashorn seine Aussichtsplattform beim Funambolo räumen. Und zwar noch diesen Monat. «Wir haben nie an die grosse Glocke gehängt, dass dieses Rhinozeros von uns ist», sagt Lobsiger, «aber jetzt steht uns das Wasser bis zum Hals».

Nicht nur Verschweisstes: Auch Bilder gibts an der Cicolupo-Ausstellung zu sehen.

Deshalb steht das Nashorn nun frei zum Verkauf. Notfalls kann es auch als Leihgabe seine Reise antreten – jedoch könnte das rostige Rhinozeros so seinen bedrohten Artgenossen nicht helfen. Ein Viertel des Verkaufserlöses soll nämlich an die Organisation «Save The Rhino International» gespendet werden. Auch der Basilisk und alle andren am Wochendde gezeigten Bilder und Skulpturen können gekauft werden.

Schliesslich leben ja auch die vier Cicolupo-Künstler nicht von Luft und Liebe. Zumindest nicht nur. «Schlussendlich sind wir vier Kollegen, die den Berufsalltag mit Leuten verbringen wollen, die wir gern haben, und etwas erschaffen, das für uns Sinn macht», erklärt Lobsiger, «da arbeiten wir auch gerne ein bisschen mehr dafür». Bis jetzt laufe es jedenfalls sehr gut. «Aber unsere Erfolgsrechnung stimmt noch nicht ganz», ergänzt Manager Clément mit einem Schmunzeln auf den Lippen.

Zurück zur Arbeit also. Lobsiger streift sich Arbeitshandschuhe und Schweisshelm über und bearbeitet einen Eisenvogel mit dem Schweissbrenner. Wie bei so vielen Ausstellungen wird auch bei Cicolupo bis zur letzten Minute gerackert. Die Hammerschläge, die sich zum zischen und knattern des Schweissbrenners gesellen, kommen allerdings von der Sommerresidenz – auch dort wird unter Hochdruck die Eröffnung dieses Wochenende vorbereitet. Damit es ab Freitag am nördlichen Zipfel des nt-Areals zur Kunst auch Drinks genossen werden können.

Eröffnung am Wochenende: Vom der Sommerresidenz sieht man auf das neu entstehende Wohnquartier.

Cicolupo: Fr. 11. Mai ab 19 Uhr (Puppentheater um 21h), Sa. 12. Mai ab 19h, So. 13. Mai 11h–18h.

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3 Kommentare zu “Wer hat Platz für dieses Nashorn?”

  1. PYRO sagt:

    Das ist meiner Meinung nach eine der schönsten und beiindruckensten Formen von Kunst, keine selbstverliebten Künstler die WischiWaschi Kunst in den Medien anpreisen sondern Menschen die mit Ihren Händen Kunst erschaffen und diese dem Volk überlassen. Joel ist ein begnadeter Zeichner, Schmied und Künstler so wie auch Trainer in Kampfsport;-) Danke!!

  2. lobsi sagt:

    ue pyro, messi. dasch denn lieb 🙂

  3. Ich melde hier schon mal Interesse an. Ich würde diese Gegenstände gern ausstellen. Adresse: Gesundheits und Pflegezentrum Dahme, 15936 Dahme/Mark, Am Schloss 3, 035451 893 0…………………