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Pingpong im Hinterhof, Drinks auf dem Dach

Joel Gernet am Freitag den 4. Mai 2012

Bar mit Aussicht: Die «Hinterhof»-Dachterrasse kurz vor der Eröffnung.

Am Horizont geht die Sonne unter. Gleich hinter der Abrissruine auf dem SBB-Rangiergelände. Daneben prägen der Lonza-Turm und das Coop-Hochhaus die Silhouette. Bagger, Bauschutt und Bahngeleise dominieren im Vordergrund. Ja, auf dem umfunktionierten Dach der Hinterhof-Bar auf dem Dreispitz kommen urbane Stadtromantiker auf ihre Kosten. Ebenso Freunde gepflegter Drinks und argentinischer Rindssteaks. Wer den Blick ins Grüne der Betonmelancholie vorzieht, lässt seinen Blick in die entgegengesetzt in Richtung Wolfgottesacker schweifen.

Die neue DJ-Kanzel.

Heute öffnet dieses aus Holz erschaffene Mini-Paradies, diese Perle unter den Basler Freiluftbars, ihre Pforten. Und natürlich wurden zur zweiten Ausgabe der Hinterhof-Dachterrasse einige Sachen verändert und verbessert. Für die DJs wurde gleich neben der überdachten, kleinen Bühne eine eigene Kanzel gezimmert – leider dürfen sie die Terrasse auch diesen Sommer nur in gefühlter Zimmerlautstärke beschallen. Derzeit bemüht sich das Hinterhof-Team allerdings um Ausnahmebewilligungen, damit dreimal etwas mehr Dampf durch die Boxen gepfeffert werden kann. Ebenfalls neu ist der Essbereich neben dem argentinischen Grillstand – hier wurde vergangenen Sommer noch Minigolf auf kunstvoll gestalteten Courts gespielt.

Kunst und Politik: Einer der Pingpong-Tische.

Dieses Jahr gibts Pingpong statt Minigolf, dies allerdings wegen dem Wind ausschliesslich im Indoor-Bereich im Hinterhof-Offspace. Dafür werden die traditionell unkonventionellen Sportunterlagen auch heuer von verschiedenen Künstlern gestaltet. So besteht der «Tisch» von Johannes Willi, quasi das Eigengewächs aus dem Hinterhof-Team, aus einem monolithischen Gipsblock. Auf einem anderen kann eine Art Nahostkonflikt zwischen Benjamin Netanjahu und Mahmoud Ahmadinejad ausgetragen werden (siehe Bild).

Weitere Pingpong-Unterlagen gibt es von Kueng/Caputo, Farré/Cerkasova, Juliana Irène Smith, Awst/Walther und Hanspeter Hofmann, der zu den bekanntesten Basler Künstern zählt und dessen Werke regelmässig an der Art Basel gezeigt werden. «Es ist super, dass wir jemanden wie ihn gewinnen konnten», sagt Thomas Keller vom Hinterhof-Team, «daneben haben wir viele jüngere und experimentellere Künstler».

Jetzt aber zurück auf die luftige Dachterrasse, wo die weggefallenen Minigolfbahnen nicht nur Platz für Esstische, sondern auch für einen weiteren Louge-Bereich ermöglichen. «Wir nennen diesen Teil Ticino», erklärt Keller und zeigt auf die Holzliegen, zwischen denen Steinplatten durch ein Kiesfeld führen. Im Sommer soll hier zur Abkühlung eine Dusche stehen. «Dieses Jahr ist alles definierter, die einzelnen Bereiche sind klarer voneinander abgegrenzt», sagt Kellers Hinterhof-Kumpel Lukas Riesen. Auf der einen Seite die Bar, welche ebenfalls aufgestockt wurde – vor allem auch in Sachen Drinkkarte. Gegenüber die Bühne mit den Djs. Dazwischen wird relaxt während das Hinterhof-Team schuftet. Es steht nämlich einiges auf dem Programm diesen Sommer: Unplugged-Konzerte, Poetry-Slams und DJ-Sets auf der Dachterrasse; Fussball-EM auf Grossleinwand in der Bar im Erdgeschoss und eine weitere Etage darunter soll – zum ersten Mal – mit «I Never Read» eine Art-Book-Buchmesse statt finden. «Während der Art wird hier also ziemlich viel laufen», sagt Keller und lacht.

Auch Riesen sieht man die Vorfreude so kurz vor der Eröffnung an. «Das schönste wäre jetzt natürlich noch, wenn dieses Haus bald weiter abgerissen wird», sagt er mit Blick auf das von Baggern angefressene Nachbarhaus. Dahinter gehe nämlich die Sonne unter. «Es wäre spektakulär, wenn das Abendlich dann von hinten durch diese Ruine scheint.» Allerdings kann sich die Aussicht von der Dachterrasse auch so gut sehen lassen – dessen können sich die Besucher ab heute Abend vergewissern.

Panoramablick von «Hinterhof»-Dachterrasse aus.

Öffnungszeiten im Mai: Dienstag bis Samstag ab 17.00 Uhr.

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