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Der rücksichtslose Teenieschwarm

Fabian Kern am Mittwoch den 2. Mai 2012
Bel Ami

«Bel Ami» läuft ab 3. Mai im Pathé Eldorado in Basel.

Robert Pattinson ist wieder einmal schwer beschäftigt. Nachdem er sich in der Twilight-Serie mit Werwölfen und verräterischen Vampiren herumschlagen und dabei noch um das Herz seiner angebeteten Bella kämpfen musste, gibt der Teeniestar im späten 19. Jahrhundert vollen Körpereinsatz für seinen Aufstieg in der Pariser Gesellschaft. Fünf Jahre nach der Rückkehr aus dem Krieg in Algerien nagt der Bauernsohn Georges Duroy in der französischen Metropole im Jahr 1890 am Hungertuch und trifft durch Zufall auf seinen früheren Kriegskameraden Charles Forestier. Dieser führt ihn umgehend in die besten sozialen Kreise ein, was Duroy als die Chance seines Lebens erkennt.

Die drei Frauen in «Bel Ami»

Starker Frauencast (v.l.n.r.): Madame Rousset (Kristin Scott Thomas), Madeleine Forestier (Uma Thurmann) und Clotilde (Christina Ricci). (Bilder: Rialto Film AG)

Unter Anleitung von Forestiers cleverer Gattin Madeleine (Uma Thurman) bekommt Duroy einen Job als Journalist bei der Zeitung «La Vie Française» – obwohl er in sprachlicher Hinsicht limitiert ist. Die intelligente Blondine verrät ihm schliesslich den Schlüssel zum Erfolg in der französischen Hauptstadt: «Die wichtigsten Personen in Paris sind nicht die Männer, sondern ihre Frauen.» Das ist ein Steilpass für den Womanizer, den dieser zu nutzen weiss. Denn Duroys grösstes Talent liegt in der Kunst der Verführung, die der bald nur noch als «Bel Ami» bekannte Aufsteiger rücksichtslos für sein Ziel einsetzt: Reichtum, um jeden Preis. Da bleibt schon mal das eine oder andere gebrochene Herz als Kollateralschaden zurück.

Gerorges Duroy

Skrupellos: Robert Pattinson als Georges Duroy.

Die Titelrolle in der Neuverfilmung von Guy de Maupassants Klassiker «Bel Ami» wäre Pattinsons Chance gewesen, von seinem Image des feinfühligen Vampirs wegzukommen. Georges Duroy ist ein Unsympath, wie er im Buch steht: Ungebildet, arrogant, opportunistisch und ohne Manieren. Dennoch verpasst Pattinson diese Chance. Zu eindimensional ist seine Mimik, zu wenig bringt er die Zerrissenheit der Figur zum Ausdruck. Denn Duroy ist hin- und hergerissen zwischen dem Streben nach Reichtum und den echten Gefühlen gegenüber Clotilde de Marelle (Christina Ricci). Doch Pattinson übt sich nur im Präsentieren platter Grimassen.

Clotilde (Christina Ricci) und Georges Duroy (Robert Pattinson)

Echte Gefühle: Clotilde und Georges.

Was den Teenieschwarm rettet, sind seine Nebendarsteller. Zum einen der irische Routinier Colm Meaney, der als machtgieriger Zeitungsverleger überzeugt. Zum anderen aber sind es die Frauen, die «Bel Ami» sehenswert machen. Vor allem Uma Thurman und Kristin Scott Thomas spielen Pattinson an die Wand. Es kommt einem fast vor, als hätten die Regie-Debütanten Declan Donnellan und Nick Ormerod geahnt, dass der 25-jährige Brite mit der Rolle überfordert sein könnte, und ihm ein solides Cast als Fangnetz gestellt. Was für die Pariser Gesellschaft von 1890 gilt, gilt auch für «Bel Ami»: Die wichtigsten Personen sind die Frauen.

«Bel Ami» läuft ab 3. Mai im Pathé Eldorado in Basel.

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