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BScene '12: Alles B-Reit?

Luca Bruno am Donnerstag den 22. März 2012

Unser liebstes Basler Clubfestival, die BScene, wird 16. Gratulation!

Doch genauso, wie man am Tag seines 16. Geburtstag voller Vorfreude seine erste Dose Tell-Bier im Coop kaufte, nur um kurz darauf realisieren zu dürfen, dass Bier eigentlich doch nicht so gut schmeckt (Keine Angst, das kommt dann mit fortschreitendem Alter noch), so muss man auch konsterniert feststellen, dass die sechzehnte Edition der BScene irgendwie magerer besetzt ist, als manch vergangene Ausgabe. Nichtsdestotrotz freuen sich aber selbstverständlich auch wir auf das kommende Wochenende und nach dem Sprung sezieren wir das diesjährige Programm.

Schöftland

Schöftland, nicht aus Schöftland

Zuerst müssen wir allerdings vielleicht noch erklären, was wir mit «magerer besetzt» meinen. Nun, Statistiken liegen gerade keine vor, aber es ist dennoch nicht zu übersehen, dass dieses Jahr auffällig viele ausserregionale Acts eingeladen worden sind. Den einen oder anderen internationalen Act gab es ja schon immer, jedoch waren wohl noch nie zuvor so viele Bands aus der Restschweiz ebenfalls Teil der BScene: Aus Baden sind Christopher Christopher zu Gast, Bern schickt uns Schöftland und die Kummerbuben, Carrousel sind im Jura beheimatet und im Volkshaus werden am Freitagabend Elijah und De Luca für den Völkeraustausch zwischen Zürich und Basel sorgen. Blieben dieses Jahr die Anmeldungen der Basler Bands aus, mangelt es gar an einer nächsten Generation, oder ist es viel mehr die BScene, welche ihre Fühler ausstreckt und mehr und mehr zur CH-Scene wird? Wir behalten diese Entwicklung auf jeden Fall im Auge.

So neu diese heterogene Zusammenstellung der Bands ist, stilmässig ist die BScene wie eh und je auch dieses Jahr wieder sehr breit ausgesteckt. Reggae im Volkshaus, Hip-Hop in der Kaserne, im Goldenen Fass und im Parterre gibt’s an beiden Tagen gewohnt ruhige Töne, im bird’s eye ist wie immer Jazz angesagt und in der Jägerhalle liegt es an Bands wie The Triad (apropos neue Generation!), die Nackenmuskeln der Zuseher auf die Probe zu stellen*. Und wer’s gerne eng mag, begibt sich am besten in die Reithalle. Dort werden am Freitag We Invented Paris, die Senkrechtstarter aus dem letzten Jahr, garantiert den Laden füllen und 24 Stunden später darf man dann das Gleiche von Brandhärd erwarten.

(*) = So schnell kann’s gehen: Die Jägerhalle wurde geschlossen, die dortigen BScene-Konzerte abgesagt. Schade.

Umittelbar vor Brandhärd sollten dann noch Lee Fields & The Expressions aus den USA mit Leichtigkeit beweisen, warum sie die Besten der dieses Jahr eingeladenen internationalen Gäste sind…

…wobei ihre Konkurrenz auch nicht all zu gross ist. Ob man dem Basler Publikum mit dem Booking der Berliner Band I Heart Sharks wirklich einen Gefallen gemacht hat, darf stark angezweifelt werden. Viel eher hätte das BScene-Bookingteam der Band mitteilen sollen, schleunigst damit aufzuhören, dem Nachbarn alte NME-Ausgaben aus dem Altpapierstapel zu klauen…

The Hoanhiêu

The Hoanhiêu

Unser Geheimtipp: Samstagabend gibt’s Bleeps und (B)loops im Unionsaal des Volkshauses. Zuerst The Hoanhiêu (21:30), welche noch vor kurzem an einem Konzertabend im 1. Stock als Supportband den Hauptact locker in seine Schranken verwiesen hat, und um Mitternacht dürfen dann laFayette zeigen, ob ihre Liveshow mittlerweile mit den Songs ihrer sehr guten «Sputnik EP»  mithalten kann.

Shilf dürfen am Freitag in der Kuppel (21:30) dem heimischem Publikum ein weiteres Mal vorzeigen, wieso ihre im letzten Herbst veröffentlichte Platte «Walter» eine der besseren Basler CDs der letzten 10 Jahre war, und im Übrigen darf man gespannt sein, ob es Nadia Leonti rechtzeitig von der Kuppel ins Parterre (24:00) schaffen wird. Neu im Programm ausserdem: Die symphatische 8-Bar in der Rheingasse.

Und dann wären da natürlich noch We Loyal, welche in der Nacht von Samstag auf Sonntag Punkt Mitternacht die Bühne des SUD betreten werden. In letzter Zeit war das Trio eher selten auf Basler Bühnen anzutreffen – was auch seinen bestimmten Grund hat: Nachdem uns die Band letztes Jahr von ihrem New York-Trip erzählt hat, haben We Loyal ihre Zelte Ende 2011 in Basel abgebrochen und in Berlin aufgebaut. Seither tingelte man unter anderem mit Active Child durch Clubs in Ganz Deutschland und veröffentlichte vor kurzem eine sehr gelungene Doppelsingle in Stofftaschenform (Ja, wirklich!). Auf «Arch of Glass» und «Reprise (Hymns & Rituals)» entfernt sich das Trio von den Wave-Einflüssen ihrer Debüt-EP «Obstacles» und hat sich stattdessen irgendwo zwischen Twin Shadow, dem Debütalbum von Neon Indian (übrigens – Vorankündigung – Ende Mai live im Hinterhof) und Bear In Heaven (übrigens – Vorankündigung – Anfangs Juni live in der Kaserne) angesiedelt. So klingt die Band noch immer angenehm kühl, scheint aber auch ihre verführerische und – ja – sexy Seite entdeckt zu haben. Man darf gespannt sein, wie sich die Bühnenerfahrung der letzten Monate auf ihre Liveshow auswirken wird.

BScene ’12: Freitag, 23. März und Samstag, 24. März 2012. Doors jeweils 20:30, Konzerte ab 21:30, 22:45 und 24:00. Vollständiges Programm auf der Webseite.

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