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Bombastische Beats, durchzogene Raps

Joel Gernet am Freitag den 23. September 2011

Nach dem Release-Reigen im Februar geht es in den letzten Wochen wieder richtig rund im Basler Rap: Fünf viel versprechende Veröffentlichungen von jungen, aufstrebenden Künstlern. Genauer: von Beat-Produzentin PearlBeatz, dem Rapkollektiv K.W.A.T. sowie von den Solo-Künstlern Rudee und Dirty D. Dieser Beitrag befasst sich allerdings ausschliesslich mit dem Debut von Pearl, welche mit «The Album» doch tatsächlich das erste (!) Schweizer Beat-Produzentinnen-Album vorlegt (meines Wissens). Die nicht minder erwähnenswerten Veröffentlichungen des Herrenclubs werden zu einem späteren Zeitpunkt an dieser Stelle besprochen.

Nun also zu PearlBeatz, die heute Abend zusammen mit Rudee im Sommercasino ihre Platte tauft. Wer wegen des süssen Namens der 25-Jährigen und ihrem optisch vorteilhaft in Szene gesetzten Äusseren ein Kuschelrap-Album erwartet, hat sich mächtig geschnitten. Zum Glück. Die Beats von Pearl sind nämlich vorwiegend knallharte Bretter mit epischer Grundstimmung, dominiert von Samples und Klassischen Instrumenten. Kein Wunder: Zu ihren Vorbildern zählt die Produzentin u.a. Hardcore-Rapper wie Vinnie Paz aus Philadelphia oder den New Yorker Psycho-Rapper R.A. The Rugged Man.

Auf Gastrapper aus den USA hat PearlBeatz auf ihrem ersten Album allerdings vorerst verzichtet (zu Vinnie ist der Kontakt aber hergestellt, eine Zusammenarbeit in greifbarer Nähe). Stattdessen hat die Beatbastlerin Rapper und Musiker aus ihrem persönlichen Umfeld auf «The Album» versammelt. Allen voran ihr Vorbild, Mentor und Partner Tron. Der Rapper und Beatproduzent aus den Reihen der legendären Basler Crew P-27 («Murder by Dialect») ist für Pearl Fluch und Segen gleichermassen.

Die Sample-Skills und die unermessliche Erfahrung von Beatmacher Tron haben einerseits bestimmt dazu beigetragen, dass Pearl heute so tighte Beats macht; andererseits sind sein Rap- und Gesangseinlagen  – sagen wir mal – gewöhnungsbedürftig. Meinen Geschmack treffen sie jedenfalls überhaupt nicht, was es nicht unbedingt erleichtert, das Album durchzuhören – Tron hat auf fast jedem Song seine tiefe Stimme im Spiel.

Zu den Höhepunkten des Albums gehört der Song «Respect» mit Rappartment-Ausnahmespitter Pyro – smarte Texte und ein Flow, bei dem sich andere die Zunge brechen würden. Nice. Ebenfalls bemerkenswert ist «Neutrale Schweiz» mit der in butterweichem Hochdeutsch rappenden Quenn. Frauenpower! Auch inhaltlich: Die Baslerin thematisiert die späte Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz. Der stimmungsvolle Beat mit Pianos und Streichern verdeutlicht hier besonders gut Pearls Vorliebe für klassische Musik.

Negativ aufgefallen ist mir der Track «Monster’s Ball», der beweist, dass zu viele Köche den Brei verderben. Der Allstar-Track, auf dem sich nicht weniger als neun Gastrapper austoben, offenbart ein Grundproblem des Albums: Keiner der Rapper ist wirklich schlecht, aber irgendwie wirkt das Ganze konzeptlos und die Silbenmassaker lassen mich kalt. Klar, solche Battle-Tracks darf – ja muss es sogar – geben. Aber dann bitte entweder mit Gästen, die überzeugen. Nicht nur technisch, sondern auch textlich. Beatmässig gehört das Monster nämlich zu den Höhepunkten des Albums.

Eindeutige Highlights auf dem Album-Erstling von Pearl  sind die Songs «Fuel and Fire» und «Rise of the Robots Pt. 1» mit Kaotic Concrete. Der auf Englisch rappende Basler mit Wurzeln in Boston passt perfekt zu Pearls roughen Beats. Logisch irgendwie, schliesslich bewegt sich Kaotic stilistisch in ähnlichem Fahrwasser wie Pearls-Vorbilder Vinnie Paz et al. Von mir aus hätte die gebürtige Rumänin das ganze Album mit Kaotic-Raps bestücken und die restlichen Rapper links liegen lassen können. PearlBeatz ist ein Versprechen für die Basler – nein, für die Schweizer – Rapszene. Und wenn die Dame künftig bei der Auswahl ihrer Gäste etwas selektiver ist und vielleicht sogar den ein oder anderen Coup aus dem (oder im) Ausland landet, kommts gut mit der Karriere der Basler Beatmacherin, die eines Tages von der Musik leben können will.

PearlBeatz – The Album (VÖ: 26.08.11), erhältlich bei Rappartment.ch.
Plattentaufe: PearlBeatz & Rudee inkl. Showset von Shape (Dynamic Duo) und div. Gästen; hosted von Black Tiger. Sommercasino, Münchensteionerstrasse 1, Basel. Doors: 21h. Abendkasse: 18 CHF; Vorverkauf 10 CHF.


Weitere aktuelle Releases aus der Region (werden hier später besprochen)
K.W.A.T. – Dopamin
(VÖ: 26.08.11), MTZ Records, erhältlich u.a. im 4Elements-Store Basel, via Rappartment.ch.
Dirty D – Idiopathy (VÖ: 03.09.2011) e
rhältlich als Free-Download; Musik/Hass EP (13.08.11) hier zu kaufen.
Rudee – Entwickligsphase (VÖ: 26.07.2011)
hier erhältlich.

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2 Kommentare zu “Bombastische Beats, durchzogene Raps”

  1. Morten Lupers sagt:

    Nach der Kritik ist aber fertig mit Extrawurst an den Parties…

    An der Sommercasino-Kasse:
    “Hallo, ich bins. Kann ich rein?”
    – “Ja, macht 18 Stutz.”
    “Äh, aber ich bins, der Joel von der Baz, der Fe…”
    – “Jaja, schon klar. Macht 18 Franken.”
    “Aber ich bin auf der Liste!…”
    😉

  2. gott sagt:

    du bringst es voll auf den punkt. habe das album gekauft und bin mir nie schlüssig geworden ob ichs gut oder schlecht finden soll. auf einer seite stehen diese 1A Beats auf der anderen raps der unteren mittelklasse. schade.