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«Der Slam ist die Tombola der Jugend von heute»

karen gerig am Sonntag den 4. September 2011

Gestern Samstagabend hat Gabriel Vetter, in Schaffhausen geboren und in Basel wohnhaft, in St. Gallen die Schweizer Slam-Poetry-Meisterschaften gewonnen – gegen den Basler Laurin Buser und die Thurgauerin Lara Stoll. Wir nehmen diesen Titel zum Anlass für einen kurzen (oder nicht ganz so kurzen) Facebook-Chat mit dem frisch gebackenen Meister.

Haben Sie Ihren Titel auch ausgelassen gefeiert, Herr Vetter?
Gabriel Vetter: Aber latürnich!

Der wievielte ist es eigentlich?
Ja, der erste! Nun, der erste Schweizermeister-Titel. Aber es waren ja auch erst die zweiten CH-Meisterschaften überhaupt.

Stimmt natürlich… Aber es war nicht Deine erste Auszeichnung, oder? Ich erinner mich noch an den Salzburger Stier…
Ach ja, dieses alte Gerümpel. Das ist doch eine Ewigkeit her jetzt. Die internationalen deutschsprachigen Meisterschaften hab ich zwei Mal gewonnen, einmal im Team, einmal im Einzel. Und an der Tombola beim Dorffest Schlattingen/TG hab ich mal eine Salatschüssel gewonnen. Das war schön.

Eine Salatschüssel, ein praktischer Preis. Was gibts sonst? Trophäen? Oder ein Zertifikat?
Wie jetzt, beim Slam oder an der Tombola? Bei der Tombola gibt’s allerlei! Speckschwarten, Waschmittel, Coiffeur-Gutscheine…

Socken-Abos…

Beim Slam, meinte ich.
Fruchtkörbe…

Aha, beim Slam! Eigentlich nur eine Flasche Whiskey.
Wobei, gestern hab’s ein Pokälchen. Und ein Bilderbuch mit Fotos von Bodybuilderinnen. Die sehen aus wie ein Sonntagszopf. Womit wir wieder bei der Tombola wären.

Weniger praktisch vielleicht, dafür ziemlich originell. Gings denn in Deinem Sieger-Slam um Bodybuilding?
Nee. Wobei, ha, doch, tatsächlich!

Der Text hiess «Nguete!» Und handelt eigentlich davon, dass alles, was am Ende von den Leuten bleibt, sind Pfunde.

Jawohl.

Ah, DIESE Art von Bodybuilding…
Dann mach ich mal weiter mit Tombola: Sackmesser.

Stop! Was geschieht denn nun mit Pokälchen und Buch? Kommen sie aufs Regal in der Toilette?
….Tretti-Traktoren…

Der Pokal ist gleichzeitig ein Kerzenhalter. Man sieht also: Literatur kann durchaus praktisch sein.

Durchaus.
Was hat denn, Deiner Meinung nach, zu Deinem Sieg geführt?Waren die GegnerInnen zu schwach?
Iwo! Im Stechen des Finals waren der grossartige, grossartige Laurin Buser, und die letztjährige Meisterin Lara Stoll. Da dacht ich mir: Jetzt ist eh Wurscht, wer gewinnt. Da war ich relativ relaxed. Und ich hab natürlich meine Slam-Greisen-Karte ausgespielt. Die erfolgreichen Slampoeten von heute könnten ja alle meine Enkel sein, gopferteckel.

Fühlst Du Dich langsam zu alt?
Zu alt, nein nein. Alter, Jugend, Wurscht, Brot, das sind doch bürgerliche Kategorien!

Kennt Slam-Poetry denn überhaupt eine Altersgrenze?
Ja, ab 35 wird man erschossen.

Da bleibt Dir noch wieviel Zeit?
6 Jahre! Im Ernst, das Durchschnittsalter liegt bei etwa 23 Jahren.

7 Jahre, sorry.

Fuck, wie alt bin ich?

Moment, ich muss schnell googeln.

28.

Also 7 Jahre… Als Greis könntest Du vielleicht öfters an Tombolas gehen…
Greis! Gutes Stichwort. Den hab ich gestern per Zufall auch noch getroffen in SG. Feierei!

Aber ohne Tombola…?
Sagen wir es so: Der Slam ist die Tombola der Jugend von heute.
Ein guter Satz! Ich schlage vor, das wird der Titel.

Ein schönes Schlusswort…

Ausser, Du möchtest mir noch mitteilen, was denn Dein absoluter Lieblingspreis an einer Tombola wäre…

…oder an einem Slam, alternativ.
Ein Islandross.

So eines wie auf Deinem fb-Bildli?
Oder auch ein Vierkantschlüssel. Beides ist recht praktisch.

Genau so eins. Die sind saustabil, viel stabiler noch als zum Beispiel ein Samsonite-Rollkoffer.

Aber schwieriger, was reinzupacken…

…oder wieder rauszukriegen…

Ja, aber Islandrössli sind glaub fast Cabin-Size. Als Handgepäck ganz wunderbar.

Ich sehs ein.

Wo geht das Inti jetzt hin?
Islandross, Tombola! Super.

Ich wollt auch grad ein Ende vorschlagen…
Das wichtigste haben wir ja jetzt besprochen, denke ich.

Gopf, dieses Inti ist wie ne Wagner-Oper. Es stirbt über zehn Minuten lang, und wenn man denkt, jetzt ists vorbei, dann geht’s weiter.

Ist das denn ok, wenn ich dieses informative Gespräch im O-Ton auf unseren Blog stelle? Oder ist Dir was peinlich?

Niemals! Peinlichkeit ist mein Benzin. Das Internet der Katalysator.

Danke fürs Gespräch!

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