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Sommerlich entspannt, dann hoch neurotisch

Joel Gernet am Mittwoch den 13. Juli 2011

«Ich liebe Basel während den Sommerferien», schwärmt Tino Krattiger, «alle haben Zeit». In dieser Phase ohne Hektik sei die Stadt mediterran und fast schon katholisch. Was der Kulturfloss-Vater weniger mag, ist die lähmende Sommerhitze. «Bei über 30 Grad hört bei mir der Spass auf», ächzt er. Das Thermometer zeigt an diesem Dienstag 33 Grad an. In rund zwei Wochen, am 26. Juli, startet auf seinem Kulturfloss bei der Mittleren Brücke der Konzertreigen mit der rumänische Roma-Blaskapelle Fanfare Ciocarlia (hier unser Artikel zum neuen Floss-Programm).

Im Gegensatz zu anderen Jahren kann Krattiger den Konzerten dieses Jahr entspannter entgegen blicken. Der Lärm-Streit mit dem Hotel Merian ist nicht nur beigelegt, nun wird sogar zusammen gespannt: «Nachdem man Geschirr zerschlägt, muss man auch miteinander reden», findet Krattiger. Das Gespräch mit Merian-Pächter Urs Füeg zeigte auf, wo das Lärm-Problem gelegen hat: «Er kriegt den dreifachen Streuschall ab, das heisst er bekommt schallmässig den ganzen Abfall und hat keinen eigenen Sound». Zur Einigung sei es dann relativ schnell gekommen – die Hotelterrasse wird nun separat mit der Floss-Musik beschallt. Neu wird zudem das Hotel in die Floss-Gastronomie mit einbezogen. Auch das bisweilen angespannte Verhältnis zu den Anwohnern sei momentan insgesamt gut. «Ich würde mich aber hüten zu behaupten, es kämen keine Beschwerden mehr.»

Seit einer Woche ist bekannt, welche Bands dieses Jahr aufs Floss dürfen. Für das Programm verantwortlich ist dieses Jahr erstmals der ehemalige Kaserne- und Volkshaus-Booker Heinz Darr, der dem Gratis-Festival auf dem Rhein ein internationales Lineup beschert. Ohne Big Names notabene, dafür voller Geheimtipps. «Internationale Formationen, die bereits Kultstatus haben, können wir uns nicht leisten», so Krattiger. Dennoch hat man das Floss-Budget verdoppelt. Wie hoch dieser Betrag ist, möchte Krattiger aber lieber für sich behalten: «Das Spezielle an der Verdoppelung ist, dass man nicht weiss, was das Doppelte ist vom letztjährigen Budget», erklärt er schmunzelnd. Gekommen seien die Gelder von Kanton, Sponsoren und durch Eigenleistung. Bei der Auswahl der Bands hat der Floss-Vater Booker Darr freie Hand gelassen: «Aber natürlich habe ich auch Wünsche angebracht». Element of Crime zum Beispiel, mit denen man (offenbar erfolglos) verhandelt hat.

Auch ohne die deutsche Rockband freut sich Krattiger dieses Jahr auf eine hochkarätig besetzte Konzertreihe, die für viele schon fest zum Basler Sommer gehört. Er sei kürzlich einem 26-Jährigen begegnet, der seit dem 14 Lebensjahr das Kulturfloss besucht. «Da wurde mir klar, das es bereits eine Generation gibt, die nichts anderes kennt als Basel mit einem Kulturfloss – und Basel deshalb eine unglaublich coole Stadt finden», sagt Krattiger nicht ohne Stolz. Musiziert wird auf dem Floss vom 26. Juli bis am 13. August, danach kehrt am Rhein wieder – ähem – Ruhe ein und die von Krattiger so geschätzte relaxte Basler Sommerstimmung ist zu Ende. «Ab dann sind wir wieder hoch neurotisch.»

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29 Kommentare zu “Sommerlich entspannt, dann hoch neurotisch”

  1. Fritz Hochhuth sagt:

    Erst will ich betonen, dass das Floss eine ganz, ganz wunderbare Idee ist. Vielen Dank für das grosse Engagement!
    Doch nun kommt das “Aber”… Wenn ich an ein Konzert gehe, dann will ich gern ganz nah am Bühnenrand stehen oder sitzen und das berühmte “Weisse in den Augen” der Musiker sehen, ihre Mimik beobachten und genau mitverfolgen können, wie sie untereinander kommunizieren und ihren Spass haben. Darum frage ich mich jedes Jahr stirnrunzelnd, warum das Floss so weit weg vom Ufer verankert ist. Das schafft aus meiner Sicht eine unnötig grosse Distanz, bei der die Musiker zu kleinen Klabautermännern zusammenschrumpfen und wo die Ablenkung durch das Publikum für meinen Geschmack zu gross wird. Man ist als Zuschauer natürlich mitten im Publikum, aber nie mitten im Konzertgeschehen, denn da ist immer dieser Bach dazwischen…
    Der zweite und letzte “Minuspunkt” an Ganzen ist, dass man kaum mehr einen Platz kriegt, wenn man nicht lang vor dem Gig vor Ort ist. Darum die Frage, ob man nicht einen grossen Ponton für mehr Publikum zwischen der Uferböschung und dem Bühnen-Floss verankern könnte?

    • lieber fritz – die distanz ist einfach zu erklären und hat mit der wassertiefe zu tun. das floss (das sich ja mittels senkrechter stelzen selber verankert) muss soviel wasser zwischen kiel und flussgrund haben, dass es, wenn die grossen schiffe talwärts fahren und zur präzisen positionierung auch mal schub geben müssen (um unter dem brückenjoch in richtigen winkel durch zu kommen) durch das plötzliche ansaugen des wassers, in diesem moment nicht auf grund läuft, also aufschlägt und bei der anschliessenden flutwelle kentert. das sind so sicherheitsvorschriften. könnte man nur ändern, wenn man den flus an dieser stelle ausbaggern würde – diese aktion ist praktisch unbezahlbar und hält auch nicht lange vor…

  2. Frank sagt:

    Hallo,

    wollte generell nur melden, dass sich der Schlaglicht-Blog von der Smartphone-Version der Baz-Website (Android, habe ein HTC) nie öffnen lässt. Lustigerweise geht er, wenn er über die Facebook-App verlinkt ist, nicht aber von bazonline.ch direkt.
    Ist ja nicht dramatisch, wäre aber trotzdem gut, wenn’s funktionierte.

  3. Ruedi vo Stette sagt:

    Na ja…irgendwann wird wie jedes Schiff auch das Kulturfloss irgendwann versinken…nämlich dann wenn es die Leute über haben…es kommt halt einfach immer auf den Bootsführer an…gell… Herr Krattiger !

    • Patrick Witzig sagt:

      Da spricht ja der pure Neid aus dieser Antwort. Ich bin vor vier Jahren aus Schaffhausen nach Basel gekommen und genau solche Dinge wie das Kulturfloss machen Basel für mich zu etwas besonderem und geben dieser Stadt ein zusätzliches Mass an Lebensqualität. In meiner Heimat hat man es noch nicht einmal geschafft, dass man von der Innenstadt einen direkten Fussgängerzugang zum Rhein hat. Dort führt noch immer die Hauptstrasse mit grossem Verkehrsaufkommen durch.
      Unser Land bräuchte mehr Menschen wie Tino Krattiger, welche ihre Träume verwirklichen und sich auch vom starken Wind auf rauer See nicht unterkriegen lassen. Freu mich jetzt schon auf die lauschigen Abende am Rhein mit guter Musik und toleranten Menschen!

      • Ruedi vo Stette sagt:

        @Patrick Witzig…wie bitte…ein Floss das fest auf dem Rhein verankert ist bedeutet für dich Lebensqualität???…moll…moll…wenn das für dich reicht dann empfange meine allerherzlichste Gratulation zu deiner sprichwörtlichen Bescheidenheit,
        Träume darf jeder haben sie jedoch mit eigenen Mitteln zu verwirklichen und entsprechend umzusetzen braucht sehr viel und hat man es mal geschafft, dann darf man auf sich selber stolz sein!
        Offenheit und Transparenz gegenüber dem Publikum müsste eigentlich völlig automatisch eben spätestens dann erfolgen
        wenn Steuergelder vom Kanton fliessen.
        Den Mut haben etwas auf die Beine zu stellen ist das eine, ehrlich darüber Auskunft zu geben, wenn man darauf angesprochen wird, wie sich z.B. das Projekt “Floss” finanziert, das Andere.
        Genau hier “krankt” Krattiger…

        • Patrick Witzig sagt:

          Ich habe “zusätzliches Mass an Lebensqualität” geschrieben. Zudem geht es ja nicht um das Floss an sich, sondern um die tollen Konzerte, die Begegnungen, die man an einem solchen Anlass macht und die gute, entspannte Stimmung die dort jedesmal herrscht. Ein bisschen mehr Bescheidenheit in dieser Welt wäre zudem sehr erfreulich.
          Zum Gejammer ums Geld: Wenn es sie interessiert, wieviel Stadt und Kanton an das Floss beisteuern, können sie doch sicher problemlos bei den zuständigen Stellen nachfragen. Irgendwie lässt mich aber das Gefühl nicht los, dass es ihnen gar nicht wirklich darum geht, sondern einfach nur Herrn Krattiger schlecht machen wollen. Aber egal, ich kenne weder sie, noch Herrn Krattiger persönlich, daher hüte ich mich, über sie zu urteilen.

          Wünsche ihnen einen schönen, ruhigen und erholsamen Sommer.

  4. ach lieber ruedi – wir hatten ja schon das zweifelhafte vergnügen. richtig, irgendwann sinkt das floss und der käptn geht heroisch mit der fahne unter. ist das nicht enorm entwürdigend, sich auf bloggs unter einem pseudonym zu tummeln und andere anzupöbeln? oder ist das eine charakterfrage?

  5. rene sagt:

    Mich würde gerne einmal eine SCHLUSSABRECHNUNG sehen. Wenn Geld vom Kanton fliesst, dann gehört das offen gelegt!!! Das ist eine Sauerei sondergleichen was sich Tino Krattiger hier erlaubt.

    • Ruedi vo Stette sagt:

      Bravo Rene…Du sagst es absolut richtig…wegen seiner dummen Geheimniskrämerei die Krattiger macht, manöveriert er sich völlig autonom in’s Abseits…dann noch mit dem Finger auf nicht analog wie er denkende Personen zu zeigen, das ist wieder a-typisch Ranger TINO

      • laura sagt:

        Diese ewige Antihaltung zu allem, was die Stadt lebendig macht, ist doch wirklich nicht notwendig. Wenn es Ihnen beiden nicht passt, dass die Stadt Geld für Kultur ausgibt, dann müssen Sie halt woanders hinziehen.

        • huber sagt:

          …und wer anderer Meinung ist wie Sie, ist ein Kulturbanause und muss aus der Stadt raus? Soviel zum Thema TOLERANZ, Laura

          • laura sagt:

            Naja, für mich gibt es einen kleinen Unterschied zwischen “anderer Meinung sein” und mit Kraftausdrücken um sich zu werfen. Ich bin übrigens ein sehr toleranter Mensch, aber ich habe ein Problem damit, dass, sobald es um kulturelle Initiativen geht, immer alles gleich (auf beleidigende Art und Weise) kritisiert werden muss.

          • huber sagt:

            Was ist KULTUR? Können Sie mir das beantworten? Was früher eine “Hundsverlochete” war, heisst heute Kultur. Jedes Fest, jede Musik….einfach alles ist Kultur und wer sich wehrt wird als Kulturbanause hingestellt. Beschreiben Sie mir doch bitte einmal, was das Floss mit Kultur zu tun hat. Mich würde das wirklich Wunder nehmen.

          • laura sagt:

            Kultur heisst für mich Begegnung. begegnung mit Musik, Kunst, anderen menschen. Wenn dieser kreative Austausch gefördert wird, sollte man nicht direkt auf die Barrikaden gehen.
            Eigentlich wollte ich jetzt hier keine Grundsatzdiskussion mit Ihnen anfangen, aber mich würde auch interessieren, was Sie unter Kultur verstehen. Was bitte ist denn so schlimm an Festen?
            Und schade, dass Sie das Floss eine “Hundsverlochete” nennen, anscheinend müssen Sie unglaublich schlechte Erfahrung mit dem Floss gemacht haben.

  6. rene sagt:

    wieso spricht man/frau hier von einer GRATIS Veranstaltung? Wenn ich über die Steuern diese Sache finanzieren muss, dann ist es eben NICHT GRATIS, oder?

  7. Marianne sagt:

    Was für eine Freude, dieses Floss! Lasst uns feiern!

  8. Benny sagt:

    Huch…Schreck…lass nach…die paar wenigen Kommentare, wenn ich da mit Freysinger von der SVP vergleiche…direkt Peanuts…

  9. Matros Nr. 1 sagt:

    Ach ihr Nörgeler da draussen… lasst es doch sein und kommt vorbei, geniesst die Abende bei guter Musik, lernt ein paar neue Leute kennen, schliesst Freundschaften und wenn ich dann mit meiner Crew vorbei kommt, dürft ihr mir anstatt soviel Steuern zu zahlen, gerne direkt ein paar hundert Franken in mein Netz tun. So wisst ihr danach wennscho direkt wo es hingeht, nämlich nicht Bachab, dafür ist es zu sicher in meinem kleinen “grossen” Netz! 🙂 Abgemacht Herr Ruedi!? Kannst mir DU sagen, bin noch angehöriger einer jungen Generation! 😉

    Halte nun schon seit 6 Jahren meinem Kapitän die Treue und wenn ich ansonston sonst wo bin auf der Welt, mich durch die Südsee manövrier, eins ist Gewiss ende Juli sitzt die Mütze auf dem Kopf, das Netz in der Hand und die Sprüche locker auf der Zunge! Und sollte das Floss je unter gehn, TINO dann hol ich dich mit dem Weidling raus!!! Natürlich gibt’s zuerst noch ein Foto mit dir und der Fahne! 😉

    Im übrigen zahlen sie Steuern das die Stadt Kulturelle Anlässe ja auch unterstützen kann aber ich hab noch nie gehört was denn so die anderen Anlässe kosten, sie etwa!? 🙂 Auf dem Land hat es sonst noch freie Wohnungen sollt es ihr Herz wirklich so zum rasen bringen! 😉

    In diesem Sinne, bis bald am Rheinufer, wir freuen uns auf euch! 🙂

    PS: Ich schreibe das hier alles aus freien Stücken und voller überzeugung mit all meinen Erinnerungen und Freundschaften die mir das Floss seit Jahren bescherrt hat! Nicht umsont hät ich mich damals ja schon fast aufgezwungen um nun ein Tel davon zu sein!

    So habe fertig! 🙂

    Beste Grüsse
    ML

  10. Benny sagt:

    …und wo bleiben die Kommentare vom immer stet’s enthusiastischen Tino ?…wie üblich erst viel herumventilieren und wenn’s dann ernst gilt sich möglichst verdrücken…gäll Tino es isch so !!!

  11. laura sagt:

    …vielleicht hat er auch einfach besseres zu tun als hier herum zu diskutieren…

  12. Benny sagt:

    @laura…sehr geistreicher Kommentar…moll…moll…

  13. tino sagt:

    liebe benny’s, huber’s, paul’s, rene’s und von stetten’s

    ihr fordert, ihr verlangt, ihr sagt’s mal ganz offen und geradeaus – ihr wisst «was sache ist».
    gut so.
    ihr wisst, dass krumme dinge laufen – aha! ihr wisst das steuergelder fliessen – ihr wisst enorm viel!
    ich mache es kurz und knapp (und danke 1er offizier für deine treue!)

    das floss wird aus dem lotteriefonds unterstützt. die gelder des lotteriefonds sind KEINE steuergelder sondern lotteriegelder, wie der begriff ja schon sagt. dann war allenthalben in allen medien zu lesen (und auf der webseite http://www.imfluss detailliert nach zu lesen) wie sich das floss finanziert und was «was» kostet – das können auch matrose, benny, rene, huber und von stetten.

    das floss kostet heute pro jahr um die 420’000 franken. der lotteriefonds basel-stadt steuert dabei 120’000 franken bei – das steht jedes jahr in der zeitung (baz) und wird seit etwa 8 jahren offengelegt – übrigens alle lotteriefondsvergabungen. der rest ist sponsoring. aber ich sehe schon ihr wittert wiederum den grossen skandal ihr heimlichtuer und pseudonymakrobaten.

    weiter: das floss hatte 2011 um die 42’000 zuschauer in 17 tagen (trotz fehlendem sommer). nun rechnet was kostet ein einzelner zuschauer? richtig 10 franken. damit machen wir das, was huber nicht «kultur» nennen will. und überdies ist jedes konzert umsonst für jeden zuschauer – und genau das erscheint euch doch so verdächtig! ich weiss einfach nicht was daran verdächtig ist, ausser, dass ich und die besten meiner truppe dafür sorgen, dass das festival jedes jahr finanziert ist. vielleicht ist wirklich verdächtig, dass das floss es seit jahren schafft kultur zu vermitteln, die bezogen auf einen kopf pro zuschuer gerade mal 10 franken kosten und die gesamtkosten für einen event der zwischen 40 und 50 tausend zuschauer pro jahr hat – unter einer halben million franken? das ist eigentlich zu schön um wahr zu sein. letztlich aber der grund, warum es das floss immer noch gibt…

    also paul, du bezahlst das floss NICHT mit deinen steuren. die finazierung liegt auf unserer webseite offen. dann gibt es jedes jahr eine detaillierte abrechnung an den lotteriefonds basel-stadt und basel-land – will sagen zu handen der regierung – und zwar auf den franken genau.

    was war noch? ah ja – ist eine «hundsverlochete» und alles keine kultur und sowieso! wenn ihr meint…

    ich danke auf jeden fall menschen wie laura, nicole, marianne und patrck witzig – für sie und ein paar tausend andere machen wir das alles und sind euch dankbar, dass ihr euch zu wort gemledet habt!

  14. rene sagt:

    Ich habe heute mit DIR”geredet”. Es gibt seit einem Monat keinen Eintrag und es ist so wie ich Dir heute gesagt habe: “Du betrügst die Stadt Basel und mich als Steuerzahler, ich glaube, es ist Zeit Farbe zu bekennen; dieses Spiel ist nicht meines und ich werde nicht dafür bezahlen. Unblaublich wie Du alle betrügst!