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Cold War Kids (of Leon)

Luca Bruno am Dienstag den 12. Juli 2011

Cold War Kids im Sommercasino, 11. Juli 2011 (Bild: Luca Bruno)

Im Frühjahr 2006 veröffentlichten die Cold War Kids, vier Schulfreunde aus Long Beach in Kalifornien, eine sechs Songs umfassende EP namens «Up In Rags». Songs wie «Hang Me Up To Dry» und «We Used To Vacation» zogen in den Wochen darauf durch sämtliche Musikblogs und schnell konnte ein lukrativer Plattenvertrag an Land gezogen werden. Mit ihrer gelungenen EP hatte sich die Band also eine optimale Ausgangslage für ein erfolgreiches Debütalbum geschaffen. Anstatt in Ruhe auf die ersten Erfolge aufzubauen, entschied ihr neues Label aber, dass alle sechs Songs dieser EP zusammen mit Tracks von älteren Veröffentlichungen der Band hastig zu einem Album zusammengeschustert würden, welches schliesslich nur sechs Monate nach der Veröffentlichung von «Up In Rags» seinen Weg in die Läden fand. Mit «Robbers & Cowards», wie ihr Debütalbum schlussendlich getauft wurde, verfügten die Cold War Kids somit über ein ordentliches, aber nicht grossartiges Album. Aufgrund der Hits ihrer erfolgreichen EP konnten die Cold War Kids von nun an jedoch so ziemlich jeden Club füllen, womit sich das schnelle Handeln des Labels am Ende bezahlt gemacht hatte.

Ob es nun das Label war oder vielleicht sogar die Band selbst, die es für eine gute Idee hielt, nach dem kommerziell enttäuschenden Zweitling «Loyalty to Loyalty» (2008) für ihr nächstes Album den Produzenten der in den letzten fünf Jahren ziemlich erfolgreichen Kings of Leon ins Boot zu holen und sich während den Aufnahmen zu ebendiesem Album als Stadionrockband neu zu erfinden, spielt im Endeffekt keine Rolle: Das Endprodukt, das diesen Januar erschienene dritte Album «Mine Is Yours», spricht für sich und beweist wieder einmal eindrücklich, dass abrupte Neuausrichtungen so gut wie nie funktionieren. «Robbers & Cowards» war zwar keineswegs perfekt, aber immer noch besser, als ein müder Abklatsch eines ohnehin schon sehr durchschnittlichen Vorbildes zu sein.

Doch wie präsentieren sich die vier Kalifornier mittlerweile auf der Bühne? Mussten im Vorfeld zusätzliche Rauchmaschinen installiert werden? Davon (und mehr) konnte man sich diesen Montag (11. Juli 2011) im sehr angenehm gefüllten Sommercasino überzeugen.

Obwohl die beiden letzten Alben der Cold War Kids also unter ihren Erwartungen geblieben sind, so beweist Sänger Nathan Willett im Verlaufe des Abends, dass seine Stimme auch weiterhin über jeden Zweifel erhaben ist. Doch genauso wie man einen Zirkustiger nicht für eine ganze Vorstellung lang in Ketten hält, so sollte man auch seinen eigentlich sehr charismatischen Frontmann nicht für geschätzte fünfundsiebzig Prozent seines Konzertes hinter einer Gitarre zurückbinden. Die Stadionrock-Eskapaden ihres neusten Albums verlangen MEHR GITARRE, womit Willett sein Instrument immer nur dann ablegen darf, wenn ältere Songs zum Zug kommen. So ernten beispielsweise die ersten beiden Songs des Konzertes nur mässigen Applaus, sobald Willett aber seine Gitarre abstellt, sich den Mikrofonständer greift und die ersten Töne von «Mexican Dogs» anstimmt, taut er und mit ihm seine Bandmitglieder und das ganze Publikum im Sommercasino innert Sekundenbruchteilen auf.

Die folgenden 70 Minuten gestalten sich somit als ein ständiges Auf und Ab. Die Band hinterlässt einen durchwegs soliden Eindruck, doch auch die mittlerweile mehrjährige Bühnenerfahrung kann schlechte Songs nicht auf magische Weise besser machen. Erst im letzten Drittel des Konzerts, als der Band ihr neues Songmaterial langsam auszugehen scheint, schaffen es die vier Kalifornier das Konzert zu retten. «Hang Me Up to Dry» und «We Used to Vacation» werden unmittelbar nacheinander gespielt, womit die Stimmung im Publikum nun so gut ist, dass ihnen sogar eine – wer hätte es gedacht – überflüssige Ballade, die gleich im Anschluss folgt, verziehen wird. «Hospital Beds» und «Saint John», zwei weitere Songs der anfänglich gepriesenen «Up In Rags» EP, sorgen für einen sehr versöhnlichen Abschluss und lassen einen Grossteil der Konzertbesucher wohl zufrieden nach Hause gehen.

Und dass es durchaus möglich ist, mehrere Jahre – wenn nicht sogar Dekaden – nur von einer gelungenen Erstveröffentlichung zu leben, haben schon genug andere Bands bewiesen. Solange die Cold War Kids also nicht vergessen, wie man die vier Hits ihres ersten «Albums» spielt, befinden sie sich auch weiterhin in sicheren Gewässern.

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