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Erfolgskrimi aus dem Baselbiet

Fabian Kern am Dienstag den 15. Oktober 2013

BuchcoverAngehende Schriftsteller werden sich schon mit Fragen wie diesen auseinandergesetzt haben: Was für ein Buch möchte ich schreiben? Wo siedle ich die Handlung an? Wie sollen meine Figuren sein? Rolf von Siebenthal hat sich entsprechend seiner persönlichen Stärken und Vorlieben entschieden. Als passionierter Krimileser mit Vergangenheit im Bundesamt für Verkehr und im Tagesjournalismus ist sein Erstling «Schachzug» schon fast logisch erklärbar: Ein Journalist ermittelt in einem Mordfall in und um Liestal, der mit dubiosen Machenschaften im Eisenbahn-Geschäft zusammenhängt. «Ich lese gern Krimis. Dieses Genre habe ich mir am ehesten zugetraut», erklärt der Autor, der sich als Journalist und Texter selbstständig gemacht hat.

Von Siebenthal ist kein Freund von langatmigen Einstiegen: «Als Krimileser mag ich es nicht, wenn die Handlung zu langsam vorwärts geht.» Sein bevorzugter Autor ist Michael Connelly. Deshalb lässt von Siebenthal den Leser gleich zu Beginn an der Perspektive des Mörders teilhaben, der auf dem Seltisberg einem Manager aus 600 Metern Entfernung eine Kugel in den Kopf jagt. Das Opfer ist der Schwager von Max Bollag, einem Journalist der Liestaler Zeitung «Tagblatt», der sich sowohl beruflich als auch privat in der Krise befindet. Somit ist der Protagonist schnell eingeführt. Sind da etwa autobiografische Züge auszumachen? «Nein, ich glaube nicht. Die Figuren sind allesamt frei erfunden», erklärt Ex-Printjournalist von Siebenthal nach kurzem Überlegen.

Rolf von Siebenthal, Jahrgang, 1961, wohnt im Oberbaselbiet.

Rolf von Siebenthal (Jahrgang 1961) wohnt im Oberbaselbiet.

Bollag ist denn auch nicht die einzige Hauptfigur. Auch Heinz Neuenschwander ist zentral in «Schachzug». Der «beste Bulle des Baselbiets» ist ein Polizist zum Gernhaben: brummig, manchmal etwas schroff, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Von Siebenthal springt zwischen den Perspektiven von Bollag, Neuenschwander und Doris Lüthi hin und her. Letztere ist als Angestellte einer Firma, die Zugwaggons produziert, einem unlauteren Seilziehen um einen millionenschweren Bundesauftrag auf der Spur. Lange ermitteln die drei unabhängig, bis sich ihre Wege kreuzen, weil die Fälle zusammenhängen – und ab diesem Zeitpunkt kommt der Krimi einem Thriller nahe. Die Handlung nimmt Fahrt auf und steuert einem actiongeladenen Showdown im beschaulichen Sissach entgegen.

Der Wechsel zwischen den erzählenden Figuren ist heikel. Es besteht die Gefahr, den Faden zu verlieren und die Geschichte ausfransen zu lassen. Von Siebenthal passiert das nicht. Die Story bleibt kompakt und verliert überhaupt nicht an Spannung. Im Gegenteil, jedes Kapitel endet in einem kleinen Cliffhanger, der es einem schwer macht, das Buch beiseite zu legen. Wenn von Siebenthal deshalb sagt, dieser Perspektivenwechsel komme in seinem Umfeld mal sehr gut, mal überhaupt nicht an, dann darf man das getrost den individuellen Vorlieben zuschreiben. Formal ist sicherlich nichts auszusetzen. Ebenso wenig am Handlungsort. «Ich habe mir lange überlegt, ob es eine gute Idee ist, Liestal als Schauplatz zu wählen», erklärt der Autor. Da es schon genug Krimis gibt, die in Basel spielen, hat sich der 52-Jährige aber für das «Stedtli» entschieden. Nun ist er froh darüber: «Ich betrachte den ganzen Kanton Baselland als meinen Spielplatz. Das eröffnet mir viel mehr Möglichkeiten und Handlungsorte als die Stadt.»

Mit dem Schreiben von Krimis reich zu werden, erwartet von Siebenthal nicht: «Diese Illusion mache ich mir nicht.» Vier Jahre hat er für seinen Erstling von den ersten Skizzen bis zum fertigen Roman gebraucht. So viel Zeit darf er sich für das nächste Buch nicht lassen, denn die Verkaufszahlen von «Schachzug», seit Juli im Verkauf, sind so gut, dass davon bereits die zweite Auflage gedruckt wird und ihn der Verlag gedrängt hat, den nächsten Liestaler Krimi bereits im nächsten Jahr fertig zu stellen. «Die Handlung wird etwa ein Jahr nach dem ersten Fall spielen, und Bollag und Neuenschwander werden natürlich wieder mit von der Partie sein», verrät von Siebenthal, der etwas überrumpelt wurde, weil er die Fortsetzung eigentlich erst für 2015 geplant hat. Nun dürfen sich die Leser schon auf den kommenden Juli freuen, während der Autor einen arbeitsreichen Winter vor sich hat. Das nennt man ein Luxusproblem.

Rolf von Siebenthal: Schachzug. Kriminalroman. Gmeiner-Verlag. Messkirch, 2013. 344 Seiten, Fr. 17.90.

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