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Oops, Emmerich did it again!

Fabian Kern am Mittwoch den 4. September 2013

«White House Down» läuft ab dem 5.9. im Capitol, Eldorado und im Küchlin.

«White House Down» läuft ab dem 5.9. im Capitol, im Eldorado und im Küchlin.

Warum gehe ich ins Kino? Um mich zu unterhalten. Klar, Zerstreuung, schlechtes Wetter oder das Prickeln, wenn es dunkel wird im Saal können ebenfalls Motive sein. Aber der Antrieb ist es, gut unterhalten zu werden – und zwar nach meinen Erwartungen. Gehe ich in eine Komödie, will ich lachen können, in einem Drama soll es ernst sein und ein Actionfilm muss krachen. Am angenehmsten ist es, wenn man kritisch eingestellt ist und dann positiv überrascht wird. So geschehen bei «White House Down». Verantwortlich dafür ist in erster Linie Antoine Fuqua. Der Regisseur ist zwar an diesem Film komplett unbeteiligt, hat aber mit seinem enttäuschenden, weil grimmigen und vor Patriotismus triefenden «Olympus Has Fallen» vor knapp drei Monaten die Erwartungshaltung ziemlich gedrückt. Denn wer hätte schon erwartet, dass Roland Emmerich, Regisseur von «Independance Day», bei einem Actionfilm, in dem das Weisse Haus angegriffen wird, weniger pathetisch ist als der hoch gelobte Macher von «Training Day»?

Master of Disaster: Roland Emmerich. (Bild: Keystone)

Master of Disaster: Roland Emmerich. (Bild: Keystone)

Den Übernamen «Master of Disaster» hat sich Emmerich redlich verdient. Nach dem Blockbuster-Erfolg von «Independance Day» spezialisierte sich der Schwabe auf die schamlose Zerstörung amerikanischer Grossstädte, glitt aber mit «Godzilla», «The Day After Tomorrow» und zuletzt «2012» zunehmend ins Lächerliche ab. Vielleicht hat er sich deshalb dazu entschlossen, wieder einmal das US-Heiligtum schlechthin zu demolieren: das Weisse Haus. Und das tut keiner so lustvoll wie Emmerich. Explosive Action, ein starkes Helden-Duo, ein glaubwürdiger Bösewicht und gut getimte coole Sprüche – «White House Down» bietet alles, was Popcorn-Kino ausmacht. Doch nicht nur im Ergebnis unterscheidet sich der Deutsche vom auf den ersten Blick so ähnlichen «Olympus Has Fallen». Fuquas Präsident war weiss (Aaron Eckhart) Emmerichs ist – politisch korrekt – schwarz (Jamie Foxx), die jeweiligen Backups entsprechend umgekehrt. Und der Held ist – im Gegensatz zum Schotten Gerard Butler in «Olympus Has Fallen» – mit Channing Tatum ein Amerikaner. So viel Patriotismus muss es dann schon sein.

Präsident Sawyer und Cale

Starkes Duo: John Cale (rechts) und Präsident James Sawyer. (Bild: Sony Pictures)

Mit diesem Helden erweist Emmerich dem Kult-Streifen «Die Hard» seine Referenz. Der vom Secret Service abgelehnte John Cale (Tatum) ist wie Bruce Willis in seiner Kultrolle als John McClane ein einfacher Polizist und nachlässiger Vater, der durch Zufall in ein Terroristen-Szenario gerät. Eben noch auf einer Sightseeing-Tour im Weissen Haus findet sich Cale schon bald im weissen Unterhemd – dem McClane-Markenzeichen – an der Seite des Präsidenten und schiesst auf alles, was sich bewegt. Und das mit einer ziemlichen Wut im Bauch, denn seine elfjährige Tochter ist in der Gewalt der ruchlosen Verbrecher, die dem liberalen Staatsoberhaupt ans Leder und einmal mehr einen Atomkrieg auslösen wollen. Doch was der rechtsradikale Sturmtrupp, vom verbitterten Secret-Service-Chef (souverän: James Woods) angeheuert, eigentlich im Schilde führt, ist zweitrangig. Die Übeltäter sind böse, und die Bösen müssen weg. Der Reihe nach und auf möglichst spektakuläre Weise. Das weiss Emmerich und treibt die Handlung entsprechend befriedigend voran. Gespickt mit viel passendem Humor – der Präsident gewöhnt sich das Rauchen ab und trägt AirJordans – und Twists, die nicht unvorhersehbar sind, aber der Story zusätzlich Drive geben.

Das Weisse Haus versinkt einmal mehr im Schutt.

Das Weisse Haus versinkt einmal mehr im Schutt. (Bild: Sony Pictures)

In einer Zeit, in der Actionfilme immer auch intelligent und vielschichtig sein sollen, ist ein Streifen wie «White House Down» erfrischend unverkrampft und erinnert an die grossen Sommer-Blockbuster der Neunziger Jahre. Die Protagonisten nehmen sich nicht allzu ernst, dafür gegenseitig auf die Schippe. Das Duo Tatum/Foxx funktioniert wie ein altes Ehepaar und macht richtig Laune. Kurzum: Mehr erwarte ich nicht von einem Actionfilm. Aber wissen Sie was? Am besten, Sie vergessen das Gelesene gleich wieder. Es gibt schliesslich nichts Schöneres, als sich im Kino positiv überraschen zu lassen.

«White House Down» läuft ab 5. September 2013 in den Basler Kinos Capitol, Pathé Eldorado und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 5. September: Lovely Louise, Vijay and I, La cage dorée, An Episode in the Life of an Iron Picker.

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Ein Kommentar zu “Oops, Emmerich did it again!”

  1. karl sagt:

    ein film für die aktienbesitzer der filmfirma . man kann die zeit genussvoller verbringen als diese kindische ballerei .